So ist das also: Alexa wohnt jetzt auch bei mir. Über ein günstiges Angebot für den Echo Show gestolpert, 1st Generation aber ich hatte ja keine großen Ideen dafür, primär ein zweiter Bildschirm, damit ich ein bissl Fernsehen kann, wenn ich gleichzeitig arbeite. Und außerdem wollt ich halt mal wissen, wie das so ist, mit Maschinen zu sprechen.

Jaja, ich weiß, Datenschutz, Abhörung, etc. und so fort. Ich gebe, zu, mir ist das einfach ziemlich wurscht. Ein Freund, der diese meine Einstellung kennt, war verblüfft, als ich letztens einen jungen Mann, kaum 20, in der Einstellung bestärkte, den Datenschutz ernst zu nehmen und sich weitmöglichst anonym zu halten. Dabei ist es ganz einfach: Was sich in meiner aktiven Zeit noch mit den Daten anstellen lässt, wird sich in (teils vielleicht lästigen, aber doch) Grenzen halten, und selbst wenn nicht, kann es mir beruflich wie gesellschaftlich wenig anhaben. Das kann für den jungen Mann in seiner Zukunft schon ganz anders sein. Context is king. (Und außerdem kann ich das Ding tatsächlich ausstecken, wenn es wirklich noch einmal konspirativ werden sollte in meinem für gewöhnlich einsamen Elfenbeintürmchen. Hihi.)

Anyway. Ich spreche jetzt also mit Alexa. im vorhinein dachte ich, es würde mich etwas Überwindung kosten und vielleicht anfangs innerlich peinlich sein, aber es ist eigentlich nur ein bisschen praktisch und ein bisschen lustig und manchmal auch ein bisschen mühsam. Praktisch, wenn ich mein Strickzeug in der Hand habe und draufkomme, dass ich gern ein bisschen Musik hören möchte. Oder wenn ich schon im Bett liege und feststelle, dass ich noch keinen Wecker gestellt habe. Lustig, wenn ich sie nach einem Handarbeitsgeschäft frage und stattdessen alle Tabaktrafiken im Umkreis gelistet bekomme. Und mühsam, wenn man irgendwelche Skills mit den ewiggleichen Phrasen programmieren muss. deshalb hat die Lieblingssenderliste derweil nur vier Einträge.

Aber im Grunde fühlt sich die „Kommunikation“ eigentlich ziemlich normal an. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich immer schon mit der Technik und anderen Dingen spreche – neu ist eigentlich nur, dass da jemand antwortet. Wenn mein PC langsam ist, frage ich ihn, ob er jetzt bitte endlich weitertun könnte, wenn das Fon zur Unzeit ein Update will, frage ich: Muss das unbedingt jetzt sein? – Und nicht nur das. Wenn der Nachrichtensprecher sagt: „Das waren die Meldungen. Wir wünschen noch einen Guten Abend.“, dann sage ich dann und wann: „Danke, ebenfalls!“. das hat schon einige Leute verwirrt. Der Einzug von Alexa war dann irgendwie ein Anlass, darüber nachzudenken, warum ich das eigentlich mache.

Ich erinnerte einige lustige Situationen. Der Freund, der sein ein Auto eine Scheißkraxn nannte und schwer damit umgehen konnte, dass ich das Auto am Armaturenbrett tätschelte und sagte: „Nimm ihn nicht ernst, du bist schon OK.“ Die psychologiestudierte Bekannte, die mich besorgt fragte, ob ich eh wüsste, dass der Nachrichtensprecher, dem ich eine Gute Nacht gewünscht hatte, mich nicht hören kann.

Und schließlich erinnerte ich auch den Ausgangspunkt. Er liegt irgendwo zwischen einer Mundl-Folge und einem Kottan.

Als nämlich die Familie Sackbauer in irgendeiner Folge ein Telefon bekam, und der Mundl dringend ausprobieren wollte, jemand anzurufen, aber niemanden wusste, der ein Telefon hat, riet man ihm, die Zeitansage anzurufen. Am anderen Ende tönte es: „Es wird mit dem Summerton 12:30 und 20 Sekunden. Biep.“ Und Mundl sagte: „Ja dankeschön Fräulein, vielen Dank!“ und legte auf.

Und ungefähr so zur gleichen Zeit gab im Kottan die Chris Lohner die Fernsehsprecherin, die den Zuschauer Kottan direkt anredete und auch antwortete, was damals schon sehr skurril surreal war. (Kentucky Fried Movie habe ich erst viel später gesehen.)

Irgendwo zwischen diesen zwei TV-Ereignissen entstand unter meinen Schulkolleginnen das, was man heute ein Meme nennen würde: Wir alle fanden es irre lustig, wenn man – betont naiv – mit dem Fernseher oder dem Radio oder anderen unbelebten Dingen sprach. Wir übertrumpften uns gegenseitig mit blöden Meldungen und konnten gar nicht so viel lachen, wie das jedes Mal wieder komisch war.

Irgendwann muss das von lustig zur Normalität übergangen sein. Ein Meme halt, das man so gut kennt, dass man nicht mehr lacht, sondern nur noch innerlich leicht mit den Mundwinkeln zuckt. Vielleicht.

Und jetzt ist da plötzlich ein Ding, das antwortet. Und es ist nicht einmal wundersam.

…und dann fährt vor dem Fenster ein Auto vorbei und ich höre einen Soundfetzen, „…just 2 lost souls swimming in a fishbowl…“, und ich denke, Woah, ewig nicht mehr gehört! Und sage: „Alexa, spiel Wish you were here von Pink Floyd“, und Alexa spielt Wish you were here, und im selben Augenblick, in dem die zweite Gitarre einsetzt, bricht draußen die Sonne durch die Wolken und schenkt dem Tag den einzigen optisch goldenen Augenblick. Und vielleicht ist es ja doch ein ganz kleines bisschen wundersam. Auch wenn die Sonne meinen Dank immer noch nicht hört.