Es ist heiß auf der Dropzone, sehr heiß. Damit hat niemand gerechnet so spät im Jahr. Wir warten auf das Flugzeug, das längst hier sein sollte. Niemand außer mir will in dem riesigen Swimmingpool baden.

Immer, wenn hier jemand badet, taucht dieses keifende Weib auf, sagt C. Das hättet ihr mir früher sagen können, tatsächlich, da kommt sie schon angerannt und verlangt, dass ich zur Strafe alle ihre Schuhe putze. Ich hab ein winzigkleines Foto in der Tasche und heule über die 3 Frauen, die lachend in die Sonne blinzeln.

Dann sind endlich alle Schuhe geputzt, und das Flugzeug ist noch immer nicht gekommen. Dafür R., der mühsam seinen Schafwollpullover auszieht und meint: ‘Ja, Bassspieler kommen immer etwas später.’ Ich frage ihn, ob sie gestern aufgetreten sind, aber er ist schon in eine Diskussion mit Franz Vranitzky vertieft. ‘So kurz vor der Wahl werfen sie alles in die Schlacht’, meint C. grinsend.

Dann gibt sie mir einen Umschlag. Da drin sind Telefonnummern und Codeworter, damit kann man den Bürgermeister erreichen, wenn es nötig werden sollte. Die Sonne brennt, und ich helfe einem Mädchen, einen Tandemschirm zu packen. Dann wird es plötzlich laut, sehr laut: Unser Flugzeug, denken wir. Aber nein, es ist eine bullige blaugelbe Verkehrsmaschine, die drüben auf dem Abhang notlandet.

Sauber runtergebracht, meint unser Pilot anerkennend, während wir hinlaufen, um zu sehen, was los ist. Die Türen öffnen sich, und über die Notrutschen kommen Kommissar Wallander und sein Team. Der Kommissar will, dass ich mit ihnen ins vorweihnachtliche Einkaufszentrum gehe, um ihre Schuhe zu suchen. Das geht nicht, weil ich jetzt die einzige bin, die den Bürgermeister erreichen kann.

Wallander klopft mir auf die Schulter und drückt mir sein letztes Buch in die Hand. Ich kenne es nur auf schwedisch und muss entsetzt feststellen, dass es jemand ins Wienerische übertragen hat. Es liest sich jetzt wie ein Kottan. Ich werfe es wütend weg, heraus fällt eine Karte für Lesungen. Um Zeit zu sparen, kann man da ankreuzen, was man will, wenn man dem Autor gegenübersteht: Eine Unterschrift, einen Händedruck oder ein persönliches Gespräch (für 10 €).

Ich nehme das Foto mit den 3 Frauen aus der Tasche und heule. R. tätschelt mir die Schultern und bietet mir an, zum Trost mit mir ins Bett zu gehen. Das wäre nett, denke ich, aber es geht nicht, weil ich jetzt die einzige bin, die den Bürgermeister erreichen kann.