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Mein Winterbalkon und andere Samstagsgedanken

Meine winzigkleine D-Wohnung hat ein Stück seltsames Mikroklima, das ich so von nirgends anders kenne. Es ist eigentlich nur ein Eck, in das Vormittags die Sonne scheint, nicht ganz zufällig steht dort die Couch, und das eigene daran ist, dass es warm ist, auch wenn es kalt ist. Da lässt sich wunderbar bei offenem Fenster in T-Shirt und kurzen Hosen frühstücken, so, dass es einem ganz verwunderlich vorkommt, wenn man einen Blick aus dem Fenster wirft und unten Menschen mit Lederjacken und Mänteln eingemummelt herumlaufen sieht. Das geht, immer vorausgesetzt, die Sonne scheint, bis weit in den November hinein, und wenn die Wolken sich rechtzeitig verziehen, dann geht es Anfang Februar schon wieder. Und außer dem gemütserhellenden Effekt, den Sonne und Wärme auf mich nunmal immer haben, spart es auch Heizkosten. Vorausgesetzt, man macht das Fenster rechtzeitig zu, wenn die Feuerbällin sich um die Hausecke verabschiedet. Was ich, zugegeben, manchmal vergesse (oder vielleicht hege ich auch insgeheim die Hoffnung, dass sie eines Tages einfach stehenbleibt). Und dann wird’s ziemlich schnell ziemlich kalt im Zimmer, so kalt wie’s draußen eben auch ist.

Aber noch ist Sonnenzeit, und Gedanken hängen frei herum, und anstatt zu faulenzen bauen sie sich ihre eigenen Luftschlösser. Ich leide ja seit jeher unter einer Inversions-Befindlichkeit, oder vielleicht genieße ich sie eher. Ist das Leben schön und leicht, verfalle ich quasi automatisch in depressive Stimmungslagen, ein Zustand, der von wenig wohlmeinenden Mitmenschen gern als “ewige Unzufriedenheit” bezeichnet wird, was den Kern aber weit verfehlt. Ist die objektive Lage hingegen ernst mit Tendenz hoffnungslos, dreht sich mein innerer Zustand in zufriedene Zuversicht, als hätte jemand einen Knopf gedrückt. Getanzt hätte ich auf der Titanic wohl nicht (ich kann nämlich gar nicht tanzen), aber ich hätt’ mir vergnügt aus Cocktailgläsern ein Floß gebaut (ja, ich weiß dass Cocktailgläser nicht schwimmen). Was soll ich sagen, zurzeit geht’s mir hervorragend.

Seltsam auch, wie bestimmend sich diese Nanowrimo-Sache in den Vordergrund drängt. War ja eher als “auch Mal versuchen” gemeint, macht sich aber von selbst immer breiter. Den geistigen Zutritt zur Geschichte selber habe ich mir mittlerweile verboten; wäre sie gedanklich ausgearbeiteter als sie es jetzt ist, gäbe es keine Notwendigkeit mehr, sie auch noch aufzuschreiben. man kann aber immer so kleine, objektive Details recherchieren, die für sich vielleicht nicht so wichtig sind, aber fürs Ganze dann doch irgendwie. Und dann die Namen, verdammt, die Namen! Nach stundenlangem wälzen von Namenslisten und Baby-Benennungs-Seiten im Netz noch immer kein grünes Zweigerl. Drei Haupteigenschaften des Characters in Google’s “I feel Lucky” getippt, und als Ergebnis die Synopsis eines Films bekommen, in dem Rod Steiger die Hauptrolle spielt. “Rod”? Das ist doch kein Name für einen Helden. Und außerdem hab ich den Typen nie sonderlich gemocht. Es ist zum Verzweifeln. Und das ist erst der erste. Name.

Oh, die Sonnenzeit ist um. Zeit, das Fenster zu schließen und sich um den Rest des Samstags zu kümmern. Hmhm. Vielleicht fällt mir ja morgen ein Trick ein, um die Sonne da oben festzubinden.

Deubeldeubel,

die dritte Season der Enterprise lässt sich an, als hätte der Regisseur way too much Doom gespielt. Und wenn man dann um ein Uhr früh wegen eines defekten Zigarettenautomatens gezwungen ist, den Nikotinnachschub aus der schummrigen Billardhalle einer nahegelegenen Ex-Fabrik zu holen, dann wirkt sich das auf die Phantasie nicht unbedingt de-eskalierend aus. Wobei die Gestalten, die dort an der Bar hingen, genau so gut aus einer fremden Galaxie stammen könnten. Und die Bedienung wie ein dunkelhaariger Zwilling von Rajiin aussah. Wer weiß schon, was diesen Zeitpiraten einfällt.

Eigentlich wär’s höchste Zeit, schlafen zu gehen, aber ich glaube, eine Episode geb ich mir noch… oder vielleicht zwei…

Unheimliche Begegnung

Schwiegersohn

Wolfsfrau

Grün leuchtende Ferkel

Münchner Forscher haben mit einer neuen Methode genveränderte Ferkel erzeugt, die im UV-Licht grün leuchten. Die Technik soll die einfache und kostengünstige Zucht von Gentech-Tieren ermöglichen. (mehr)

Kann ich jetzt bitte ganz schnell aufwachen?

 

Es ist frustrierend, wenn die Stimme nicht reicht, um den Mond anzuheulen

3 Tage Hustentee, das genügt. Ich schreibe mir ein neues Rezept, ein Gläschen Rotwein sollte nicht nur das Blut heilend anheizen, sondern auch die Symptome der beginnenden Vollmondpsychose dämpfen. Hoffe ich.

Der erste Wollknäuel ist verstrickt, das läßt sich so nett zugedeckt in halbliegender Position auf dem Sofa machen, während auf dem Bildschirm – kaum unterscheidbar – Reisedokus, Sitcoms und Talkshows flimmern. Mit den Stricknadeln in der Hand ist es übrigens ganz einfach, bronchienfreundlich nicht zu rauchen. Schwieriger ist es schon, mitten in der Maschenreihe den Fernseher umzuschalten, was solls, da sieht man auch mal Dinge, die man sonst nicht sieht.

Werbung zum Beispiel; dem Spot der neuen Telefonauskunft 11 88 99 (oder so ähnlich) kann ich gar nichts abgewinnen. Ich meine, da sitzt ein potentieller Triebverbrecher mit potentiellem Triebverbrechergrinsen und unterstreicht sein zwielichtiges Aussehen mit dem Spruch: “Ich will wissen wie sie heißt, und wo sie wohnt, bevor ich sie anrufe”. Wann ist denn das erlaubt worden, dass man die Adresse zu einer Nummer rausrückt? Das war doch verboten?

Dieses ganze Frühabendkonglomerat von Begierlichkeiten und Moralitäten passt übrigens sehr gut zu der Frage, die Goldchen heute gestellt hat.

 

[Altkommentare, rübergerettet]

moon struck

tante nachtstattkatze verordnet:

ruhe.regenbogenwolle, soweit okay.

dann aber: cetesept vit c 3×1 mindestens

zinkorotat anfangs 6 am tag, dann auf 2×1 senken, den ganzen winter über, zur vorbeugung und wenn das fieber zuschlagen will: bromelain pos. anfangs 6×1 dann 2 am tag.

ja. mit dem rotwein frag mal den arzt. ich nehm jetzt sekt. da schwitzt man schneller :-)

hat mich zwar 4 tage leben gekostet, abba nicht mehr. und nicht weniger.

machst du auch handschuhe aus der wolle? sie riecht bis hier nach einer wundervollen geschichte mit heissen kastanien und glücklichwein und regenbogenfäustlingen. die gegen die nebelwolken kämpfen :-)

dicken gruß

the cat

(noch 3 nächte. oh je …)

stattkatze, 18.10 20:40

3 Nachttage noch, mondverwirrt?

na, das werden wir aushalten. so oder so; wie immer. dank für die ratschläge, klingt hilfreich-vernünftig. nur was ist zinkorotat?

handschuhe gibt es nicht, nur den schal. aber den so breit und lang und warm, dass kopf hals arme alles sich darin verkriechen kann.

Der Arzt ist übrigens ein großer Fürsprecher des roten Weins. Das fällt für ihn unter Naturheilkunde. Wahrscheinlich hat er recht.

ein starkes mondherz wünsch ich noch. eisfrei, wenn geht.

Chronistin, 18.10. 22:42

zu spät

der heutemond hat das eis gebrochen und geschmolzen. die herzen treiben rettungslos umher. aber zumindest schlagen sie noch. statt zu schweigen.

stattkatze, 18.10. 23:33

 

Am Besten

Am besten sich zusammenfalten,

fein säuberlich & ganz hinten

im Kasten mit den Sommergewändern

verstauen.

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