AutorAndrea

Wochenend-Reste

Am Gang riecht es schon montags um 9 Uhr nach Schweinsbraten. Ein Rest vom Sonntag wahrscheinlich, so wie meine liegengebliebenen Zerstreuungen. „Nichts“ habe ich sehr überzeugt die Frage eines Freundes beantwortet, was ich denn am Wochenende machen würde. Und nichts habe ich gefühlt gemacht. Trotzdem ist die Wäsche erledigt, der Staub gesaugt, die Bücherstapel umsortiert. Nicht profitiert hat der Schreibtisch, der zeigt das gleiche Chaos wie noch am Freitag, aber es musste ja auch noch Zeit bleiben für ein bisschen lesen, stricken,  Musik hören und am Tablett Flipper spielen. Der Schrittzähler ist verzweifelt.

Ich dagegen bin bereit für eine neue Woche.

Europa, Dorf und weite Welt

Es ist leicht zu definieren, geographisch oder politisch, aber gleichzeitig schwer zu fassen, kulturell und historisch. Dieses Europa, in das ich hineingeboren bin, ohne es mir aussuchen zu können: Ich würde es mir jederzeit wieder aussuchen.

Das ist ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa,
eine Idee der Burg Posterstein
(Titelfoto: Calvin Hanson)

Vielleicht nimmt man aus dem kleinen Österreich das drumherum „Europa“ und „große weite Welt“ ein bisschen unmittelbarer wahr als BürgerInnen anderer, größerer Staaten. Aber wo fängt es eigentlich an, dieses Europa?

Die Frage nach der Geographie ist leicht beantwortet, die Geschichte ist dicht dokumentiert, die Kultur vielleicht nicht ganz so präzise zu definieren, aber über den Großteil herrscht dennoch Konsens. Deshalb wende ich mich ganz entspannt und ego- sowie eurozentristisch der Frage zu: Was bedeutet Europa für mich?

Natürlich sind wir hier „vor allem“ Österreicher, das war auch in meiner Kindheit Ende der 60er, Anfang der 70er in einem (damals) kleinen Dorf mitten in der weststeirischen Landschaft nicht zu übersehen. Von den Sportreportern bis zum Heimatkundeunterricht, in den damals konkurrenzlosen Medien Kleine Zeitung und Kronenzeitung, überall war man stolz auf dieses Österreich. Aber trotzdem schien alles halbwegs interessante von anderswo zu kommen.

Aus (dem damaligen) Jugoslawien kamen köstliche Fische, billige Zigaretten und sommers bunte Ansichtskarten. Außerdem kamen von dort auch Ärztinnen und Krankenschwestern für das Reha-Zentrum im Nachbarort, für die damalige Zeit erstaunlich starke und freie Frauen. Auch zwei unserer vier Fernsehprogramme kamen aus Jugoslawien, seit der Großvater eine zwölf Meter hohe Antenne aufgestellt hatte. Außer internationalem Fußball gab es dort Filme und Serien im englischen Original, am ORF damals völlig undenkbar.

Aus Italien kam der Wein, den die Erwachsenen abends gerne tranken, die Mode und die Schuhe, die vielen so wichtig war, dass sie zwei Mal im Jahr nach Udine oder Triest einkaufen fuhren. Auch die schönsten und schnellsten Autos kamen von dort. Aus der Schweiz kam die beste Schokolade und ein bisschen Weihnachts- und Geburtstagsgeld, weil mein Onkel dort wohnte.

Aus Deutschland kamen die Wunderwerke der Technik, die Waschmaschine, die Filmkamera meines Großvaters, und natürlich ebenfalls Autos, wobei der alte Mercedes, den mein Vater zwischendurch fuhr, mehr durch die ölhaltige Rauchwolke auffiel als durch moderne Technik. Als ihm der Bürgermeister nahelegte, den Ort doch bitte nicht so zu verstinken, stieg er gerne wieder auf einen Italiener um. (Den VW, den es vorher gab, habe ich eigentlich immer als ur-österreichisches Auto empfunden, fällt mir gerade auf. Vielleicht weil damals jeder einen hatte?)

Aus Tschechien kam der Schnaps, den einige geradezu als Währung verwendeten, auch wenn er für meine Großeltern Teufelszeug war. Schnapstechnisch konnte es Ungarn, den einschlägigen Onkels zufolge, durchaus mit Tschechien aufnehmen. Zudem brachte man von dort die schärfsten Paprika und liebevoll geflochtene Korbwaren mit. Der eiserne Vorhang, von dem damals ebenfalls überall die Rede war, war also gar nicht so dicht. Zumindest nicht für alle, andere fürchteten sich sehr davor, einen Fuß über diese Grenzen zu setzen, auch wenn das für Touristen gar nicht so schwer war.

Aus Frankreich kam der Wein, den man zu den „großen“ Gelegenheiten trank. Autos auch, aber die Besitzer französischer Wagen wurden eher bedauert und belächelt. Zudem kamen ab und zu Zeitschriften in unverständlicher Sprache (woher auch immer, international sortiert waren die Zeitschriftenläden damals nicht), mit Modestrecken, auf denen sich Models vor wunderschönen Küsten präsentierten. Immer am Meer.

Ach, das Meer. Seit ich mit meinen Eltern das erste Mal am Meer war, Koper, Jugoslawien, hätte ich auch gern eines vor der Tür gehabt. Als ich nach dieser Geschichte den Schulatlas meines Vaters behalten durfte, stellte ich beim Blättern bald fest, dass so ziemlich alle ein Meer hatten, nur wir nicht. Das fand ich ausgesprochen ungerecht. Umso lieber übernahm ich die Sehnsuchtsorte meiner Mutter, und die Wertung dazu.  Jugoslawien, nichts Besonderes, aber besser als kein Meer. Italien, großes Sehnsuchtsland, nach meinem ersten Mit-Urlaub dort in meinem Hirn als großer, bunter Sandspielplatz mit viel Spaghetti festgelegt. Frankreichs Mittelmeerküste, ach, dort wollten alle immer hin, aber irgendwie war das für die Reichen, die nicht wir waren. Spanien, so weit weg, dass es schon exotisch schien, in meiner Fern-Wahrnehmung trockener und ernster als Italien, obwohl sich die Ansichtskarten durchaus glichen. Griechenland, wo damals kaum jemand hinfuhr, vielleicht weil die griechischen Restaurantbesitzer alle (zwei, die ich erinnere) so traurig dreinsahen. (Eineinhalb Jahrzehnte später übrigens mein eigenes Sehnsuchtsland, aber das ist eine andere Geschichte.)

Die Ansichtskarten, die kamen natürlich auch von woanders aus der Welt, und seit ich den Atlas hatte, schlug ich alle Orte immer gleich nach. Doch keine Seite im Atlas war so bunt und vertraut wie die Übersicht Europa. Ob es an den Filmen lag, an den Ansichtskarten oder am Fernsehprogramm, weiß ich nicht, aber von Anfang an erschien mir Europa „wirklicher“ als der Rest der Welt, „wirklicher“ sogar als unser ganz eigenes kleines Österreich.

So groß in alle Richtungen

Die Welten jenseits der Nachbarländer erschlossen sich nach und nach. Der Norden, als mein Vater nach Schweden zog und ich ihn erstmals, mit meinen Großeltern im Zug, besuchen durfte. Zwei Tage und eine Nacht im Zug, endlos faszinierend die unterschiedlichen Landschaften, Menschen und Dialekte. So viele Unterschiede, alle verbunden durch das eiserne Band, auf dem unser Zug dahinglitt. Dazwischen Fähren auf einem ganz anderen Meer als ich es kannte. Später, als eine Geographielehrerin im Gymnasium Mitschülerinnen und deren Eltern verwirrt zurückließ, weil sie europäische Länder anhand der Bahnverbindungen und -knotenpunkte miteinander verband, brillierte ich, denn die hatte ich längst freiwillig auswendig gerlernt.

Der Westen: Als ich im romantischen Teenageralter zwischen französischen Filmen und Chansons einerseits und britischer Coolness und Britpop andererseits schwankte. Gibt es etwas Besseres für erste Liebe als Frankreich? Gibt es etwas Schwärzeres als frühen Britpunk für den Weltschmerz? Ich entschied mich nicht und lebte Beides.

Menschen und Sprachen

Meine allerersten Er-Fahr-ungen mit Europa durfte ich noch früher mit meinen Eltern machen. Mit dem Auto ging es nach Jugoslawien, nach Italien. Mein Platz war die Rückbank, ganz ohne Kindersitz, stattdessen mit Tuchent und Polster. Im eigenen Bett wurde ich durch die Welt gegondelt und genoss das von Anfang an sehr. Ein Heimwehkind war ich nicht, von Anfang an war es überall anders spannender als zu Hause. Ebenfalls von Anfang an faszinierten mich auch Sprachen. Schon in Koper freundete ich mich mit einem Mädchen in meinem Alter an, das mit mir ganz selbstverständlich akzentfreies Deutsch sprach, während sie ebenso selbstverständlich „auf jugoslawisch“ (vermutlich slowenisch) mit ihren Eltern plauderte. Die Dreisprachigkeit des jugoslawischen Fernsehens (englische Filme, die mir mein Großvater ins deutsche übersetzte, mit slowenischen und kroatischen Untertiteln) war ein Stück meiner Vorstellung über die große weite Welt. Später, als ich das Englisch alleine verstand, versuchte ich anhand der Untertitel, die slawischen Sprachen zu lernen (allerdings mit mäßigem Erfolg).

Ausländerfeindlichkeit war damals in meinem Umfeld kein Thema – zumindest inner-europäisch. „Tschuschen“ lernte ich erst über den Kottan kennen, die Jugoslawen in meinem Umfeld waren FreundInnen und wertvolle Bereicherung des Arbeitslebens. Mein Großvater nannte die Italiener manchmal „Katzlmacher“, aber das klang eher anerkennend und kam zum Einsatz, wenn etwas seinen Gefallen fand, ebenso wie Kreisky bei ihm „der alte Jud“ war. In beiden Fällen verstand ich erst viel später, dass dahinter eine Lawine an negativen Konnotationen steckt. (Offensichtlicher problematisch hingegen der Blick auf alles, was nicht „weiß“ war. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

Heute kann ich in fast allen europäischen Sprachen zumindest „Guten Tag“, „Bitte“, „Danke“ und „Prost“ sagen.  Alles andere ergibt sich bei gegenseitigem Wohlwollen und Herumfuchteln eh. (In allen europäischen Sprachen, wollte ich schreiben, doch es fehlen Baskisch, Katalonisch, Walisisch und Irisch. Eine gute Liste für die nächsten Urlaubsdestinationen!)

Der europäische Samstagabend

Lange bevor ich über Politik auch nur nachdachte, kamen – das habe ich oben vergessen – die großen Fernsehshows am Samstagabend ebenfalls aus Deutschland. Die Eurovisions-Hymne hatte immer etwas Erhebendes, auch wenn die folgende Sendung dann doch nur mittelmäßig war. Gar nicht mittelmäßig war allerdings Einer wird gewinnen, abgekürzt EWG, mit dem großen Hans Joachim Kulenkampff. Obwohl aber österreichische Kandidaten bei Kulenkampff durchaus brillieren oder scheitern durften, waren wir in der anderen EWG, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, nicht vertreten. Während meine Geschichtslehrerin also Österreich als das Herz Europas feierte, waren wir in einem wichtigen Teil des zeitgenössischen Europas nicht vertreten. Warum? Irgendwas mit Neutralität.

Ich hatte das österreichische Prinzip der Neutralität durchaus verinnerlicht (und verteidige es auch heute noch), warum sich das auf die Wirtschaft beziehen sollte, war mir dennoch nicht ganz klar. Aber auch nicht wichtig, im zarten Teenager-Alter. Das Fernsehen war präsenter, und Wirtschaft brachte man damals dort kaum. Und dass der österreichische Pass ein guter Pass war, wusste ich von weitgereisten Familienmitgliedern und -freunden.

Später, als mein politisches Bewusstsein erwachte, sah ich noch weniger Grund, zwischen den Staaten zu unterscheiden. Die Probleme sind doch überall die gleichen? Und mögliche Lösungen auch?

Von der Idee zur EU

Noch später, als die EWG zur EU mutierte, sollten wir dann doch dabei sein. Als überzeugte (links)grüne war ich, damals durchaus politisch engagiert, dagegen. Gegen ein vereintes Europa war ich natürlich nie, ich war gegen dieses vereinte Europa, das von den falschen Leuten (ÖVP) aus den falschen Gründen (Kapitalismus) zum falschen Zeitpunkt (der Fall des eisernen Vorhangs hätte ganz andere Möglichkeiten geboten) propagiert wurde. Vor der Volksabstimmung besuchte und organisierte ich Veranstaltungen dagegen, ich verteilte Folder und diskutierte mit möglichst vielen Menschen, um dieser EU nicht beitreten zu müssen.

Am Tag der Abstimmung stand ich in der Kabine, immer noch überzeugt, Anti-EU zu sein, hielt kurz inne, nahm dann den Stift und kreuzte beherzt das „Ja“ an. Es war eine absolute Momententscheidung, ich war vorher nicht einmal schwankend gewesen in meinem „Nein“. Ganz aus dem Bauch heraus beschloss ich, dass auch dieses Europa besser wäre als kein vereintes Europa. Von diesem plötzlichen Meinungsumschwung habe ich 20 Jahre lang niemandem erzählt. Ob er richtig war? Ich weiß es nicht.

Sehr gut dagegen weiß ich noch das Glücksgefühl, als ich das erste Mal über eine Grenze ohne Grenzkontrollen gefahren bin. Als es keinen Zoll mehr kostete, Sachen zwischen Freunden und Familie in anderen Ländern hin- und herzuschicken. Sehr gut dokumentiert ist die Entwicklung einzelner Regionen durch Eu-Subventionen, das Burgenland etwa.

Auf der anderen Seite steht das Verhalten der EU-Mitgliedsstaaten in Krisenzeiten. Sieht aus, als  wollten alle das beste für sich nehmen, ohne im Gegenzug das beste von sich zu geben. Vielleicht keine große Überraschung – warum sollten sich Staaten anders verhalten als Individuen? – und doch. Ich hätte mir ein bisschen mehr erwartet. Von unserer langen gemeinsamen Kulturgeschichte, von dem, was ich das „europäische Gefühl“ nenne.

Das „europäische Gefühl“

Und jetzt, ja, erst jetzt, komme ich zum Kern dieser Blogparade zurück. Was ist es, das „unser“ Europa von anderen Weltgegenden unterschiedet? Was ist es, das mich denken lässt „Gerne einmal woanders leben,solange es innerhalb von Europa ist“? Warum nicht gleich sich als Weltbürger/in deklarieren anstatt als überzeugte/r Europäer/in?

Meine persönliche Idee von Europa, muss ich wohl dazusagen, ist etwas größer als das geographische oder das politische Europa. Es schließt den ganzen Mittelmeerraum mit ein, und das ganze Russland irgendwie auch. Und dazu die eine oder andere europäisch geprägte Überseeregion, aber bei weitem nicht alle.

Mein persönliches Europa ist also etwas vage. Und ebenso vage ist mein persönliches Verständnis der europäischen Idee. Sie hat etwas mit dem Leben zu tun, oder vielmehr mit leben und leben lassen. Sie hat etwas mit Kultur zu tun, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit der Kontinuität zwischen Vergangenheit und Zukunft. Mit dem Einbeziehen der Geschichte in Utopien. Sie ist vielleicht ein bisschen melancholisch, meine ganz eigene europäische Idee, weil so Vieles, was erst einmal gut klingt, schon ausprobiert und aus überzeugenden Gründen wieder verworfen wurde. Und sie hat viel mit Menschen zu tun, nicht nur mit europäischen.

Mit meiner Liebe zu „Tschuschenmusik“ im weitesten Sinn.  Mit Begegnungen am Rande des Kontinents. Mit dem persischen Taxifahrer. Mit lederhosentragenden Türken. Und mit Wien, dieser wunderbaren Nicht-Welt-Stadt, in deren Herzen der Balkan beginnt.

Die beste rationale Annäherung, die ich finden kann, ist der humanistische Gedanke, doch der ist auch in weiten Teilen Europas längst out – und ist auch anderen Weltgegenden nicht fremd. Vielleicht also bin ich gar keine überzeugte Europäerin, sondern überzeugte Anhängerin historisch europäischer Ideen?

Unbekannte Nähen

Nach einer langen Arbeitswoche Freitag Nachmittag beschlossen, zu Fuss nach Hause zu gehen. Die üblichen Routen lockten nicht, denn im Wiental war die Auto-Hölle los, und von der Mariahilferstraße war ähnliches zu erwarten. Ich nahm also nach dem immer noch berauschend grünen Park ein Nebenstrasserl und kam so erstmals durch den Schwendermarkt, der von unten deutlich sympathischer wirkt als von der Mariahilferstraße aus betrachtet. Dann bog ich rechts ab und war schnell beglückt darüber, wieder einmal durch ein Grätzl zu mäandern, das ich bislang noch nicht betreten habe.

Die Gegend wirkt sympathisch, bewohnt und bunt gemischt. Kleine Geschäfte, die man gern einmal besuchen würde,  Schichten-Graffiti und … eher  zweifelhafte Einkaufstipps.

Bei letzterem befand ich mich dann in schon besuchten Gegenden, nämlich nahe dem wunderbar wienerischen Gasthaus Quell  und dem Bier-Paradies Hawidere. Es war aber nicht schwer, von dort aus wieder unbekanntere Wege zu finden.

In einem winzigen Park fand sich dann noch sehr Nachdenkliches. Vielleicht sollte man mehr Geschichte(n) an Wände schreiben.

Die Gstättn schwindet dahin.

Nick Cave & Marianne Faithful.

Marianne Faithfull – The Gypsy Faerie Queen feat. Nick Cave (Lyrics Video)

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Es ist ein Kreuz mit der Bloggerei

Eigentlich wollte ich ja für meinen gedeihenden Europa-Beitrag nur einen einzigen kleinen Link nachschlagen, der da als Randnotiz gut hineinpassen würde, aber der lässt sich nicht finden. Es ist eine alte und im Grunde gar nicht wichtige Geschichte, aber sie müsste da sein, und sie ist es nicht. Natürlich ist dieses Weblog nicht nur einmal zu viel umgezogen, natürlich habe ich auch zwischen den Umzügen immer wieder gestreamlined, natürlich könnte ich sie – aber ich glaube nicht – vielleicht auch in ein anderes Weblog hineingeschrieben haben. Es ist alles etwas unklar, klar ist nur, dass ich keine Ruhe haben werde, bevor ich diese Geschichte wiederfinde.

Sie war eine Reaktion auf ein neu gegründetes Blog, fällt mir ein, das hilft mir aber nicht, denn dieses damals neue Blog ist längst wieder spurenlos eingestellt. Sie ist natürlich auf jeden Fall in meinen Datenbank-Sicherungen, diese kleine, unwichtige, alte Geschichte, aber das hilft mir auch nicht wirklich weiter, denn die alten Datenbanksicherungen sind auf der externen Platte, deren Netzgerät kürzlich den Geist aufgegeben hat, und in den neuen Sicherungen seit dem letzten Umzug taucht die Geschichte nicht auf. Ich könnte sie in archive.org suchen, wenn ich auch nur die geringste Ahnung hätte, wann und auf welcher Domain ich sie veröffentlicht habe, aber diese Ahnung habe ich nicht. Ich könnte warten, bis ich die Zeit finde, die externe Platte aus dem Gehäuse herauszuschrauben und direkt anzuhängen, aber ich und Geduld, das ging noch nie zusammen. Aber könnte da nicht…? Irgendwo…?

In den Tiefen von D:\\Archiv finde ich schließlich das Verzeichnis, das aus meinem Hinterkopf heraufdämmert. Unter \please-sort-me\ lauern sieben Gigabyte unsortierten (hauptsächlich) Text-Zeux, das sich mit der Suche nach *.sql locker durchforsten lässt. A-Puh, da ist sie ja, die Geschichte. Jetzt auch wieder online.

Was mir da sonst noch alles begegnet, verschwendet deutlich mehr Zeit, als der Umbau der Backup-Platte gekostet hätte. Wertvolle Kommentar-Dialoge; Texte und Bilder, die mir später zu privat fürs Netz wurden; Links zu längst gelöschtem, das ich dunkel erinnere, und mir wird ganz netz-nostalgisch, während ich bald bis über die Schultern in Erinnerungen wate.

Und weil ich gerade dabei bin, kümmere ich mich auch noch um ein paar andere verlorene Text-Schäfchen, freue mich über mein damaliges So-Sein und So-Schreiben und stelle fest, dass eine neuerliche (in letzter Zeit angedachte) Reorganisation dieses meines Hauptblogs definitiv nicht in Frage kommt. Hier bin ich jetzt, hier bleibe ich. Bitte erinnert mich bei Bedarf daran.

(Dave Winer schreibt in letzter Zeit auch immer wieder über diese Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die in der Natur des Internets liegen, und über die Notwendigkeit eines umfassenden Archivs, ein Thema, das mich nach 20 Jahren Online-Publishing zunehmend beschäftigt.)

Und angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit muss Europa jetzt leider bis morgen warten.

Sonntagabend

Je mehr mich die Tagespolitik im täglichen Leben beschäftigt, umso weniger habe ich Lust, sie online auch noch zu kommentieren. Daher auf Twitter Positivtwittern ausgerufen und prompt den zündenden Hashtag vergessen. Jo mei.

Trotzdem damit eine ganz spannende Aktion kennen gelernt: Salon Europa, bei der der hoch geschätzte @mikelbower als einer der ersten dabei ist. Ich überlege mir auch etwas dazu!

Bald. Aber erst mal diesen Abend hüten, den ersten seit langem, der mir ganz alleine gehört. Das Fenster offen, von oben ziehen minütlich die Airliner herein, als wäre der angekündigte Sturm persönlich hinter ihnen her. Sehr kalt ist es noch nicht, aber einer Decke über den Füßen vertrage ich schon ganz gut. Das Strickprojekt gedeiht.

Dazu Miss Fisher auf Netflix. Die Realität holt mich eh Spätestens bei „Im Zentrum“ ein.

Sommer-Ende

(Keine Sorge, ich werde im Herbst auch spazieren gehen.)

Die letzten zwei wirklich warmen Tage des Sommers, wie der Wetterbericht nicht müde wurde zu betonen, verbrachte ich in fensterlosen Hörsälen. Was jetzt keine Beschwerde ist, im Gegenteil, es war sehr spannend. Der Schritt in Sonne und Wärme am Abend war dennoch ein sommersinnliches Vergnügen, das ich mit zwei langen Spaziergängen am Donaukanal entlang feierte. Da war ich bei weitem nicht die einzige: RadfahrerInnen, SpaziergängerInnen, JoggerInnen und Sonnenbadende in teils erstaunlich ausgezogenem Zustand genossen ebenso wie ich die letzten Sonnenstrahlen. Gleichzeitig unvorstellbar und bedrohlich, dass der Winter jetzt schon wieder tief Luft holt. Als wäre der Sommer nicht lange genug gewesen, aber war jemals schon ein Sommer lang genug? Auch wenn er von April bis Mitte September dauert: Genug ist nicht genug. (Und natürlich spreche ich dabei nur von mir, dass Land und Landschaft ganz andere Bedürfnisse haben, ist klar.)

Die Graffiti fotografierte ich nur vereinzelt, zu beschäftigt war ich mit in-die-sonne-blinzeln. Ein paar feine Fänge waren trotzdem dabei.

Hätte sich nicht ein Stein in meinen Schuh verirrt, hätte ich diese winzigkleine Perle,  ganz unten, vielleicht gar nicht entdeckt.

Gegenüber vom Schwedenplatz, in der Bildhauer-Ecke, beeindruckte mich besonders diese widersprüchliche Skulptur.

Und dann, zum Sommer-Abschied, noch ein gespiegelter Sonnenuntergang.

Ich hoff ja auf einen sonnigen, warmen Oktober. Gab’s auch schon mal. Und das drumherum war auch nicht so viel anders.

Mal was simples stricken

Ich bin ganz vernarrt in Garne mit Seiden-Anteilen, in diesem Fall Noro Mirai.

Als Faymann zurückgetreten ist, war ich auf einer Messe in Frankfurt. Als Kern zurückgetreten ist, war ich auf einer Messe in München. Vielleicht sollt‘ ich nicht mehr auf Messen fahren, solang wir Rendi-Wagner haben.

Last day of summer?

Das Kurier-Hochhaus schaut gar nicht gut aus.

Wieder einmal Uni-Atmosphäre schnuppern

Hmmm… 😱

Messe-Abend

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