Augustlust

Es ist etwas Trotziges daran, wie etwas in mir darauf besteht, ans Wasser zu fahren, solange es noch geht. Während die Stadt heiß ist wie eh und je, merkt man unten am Fluss, dass der Sommer nachlässt. Schwimmen und Schritte, das ist alles, was an diesen Halburlaubsnachmittagen zählt,  dazu ein bisschen lesen und kommunizieren. Man muss auch mal Routinen ändern, deshalb schwimme ich heute in die andere Richtung. Dort sitzen drei Enten auf drei Ufersteinen, als würden sie eine Sportveranstaltung verfolgen. Das Wasser kühl, die Bewegung leicht und frei. Es wird kühler ab halb sieben, um halb acht zieht man sich gerne wieder an.

Heute am Mosquito vorbeigegangen und viele Schritte und einen fast schon gewohnt schönen Sonnenuntergang später an der U-Bahn-Station auch.

Ein Abendbier am Vienna City Beach, dann noch bis zur Reichsbrücke zu Fuß. Es ist schon dunkel, und die Kids kudern in vielen Sprachen, während die Fischer still ihre LED-Angeln im Auge behalten. In der U-Bahn ist es viel zu hell nach der Ufer-Dunkelheit. 

Abendstimmung

Spät an den Stammbaum gekommen, doch zwei Mal schwimmen ist noch drin. Wäre gerne länger geschwommen, aber das Wasser ist richtig kühl – als wäre es eine Woche kalt gewesen, nicht zwei Tage. Erstaunlicherweise immer noch kaum Algen, keine Gelsen, nur die eine oder andere verirrte Wespe. Auch wenige Besucher, nur die Stammgäste, die Enten und ein Schwan.

Dass das Übergangshandy so schwache Fotos macht, ärgert mich. Mit langsam kann ich leben, mit wenig Platz kann ich leben. Soll ich derweil jetzt tatsächlich wieder mit Kamera herumlaufen?

Wobei, bei Tageslicht sind sie ganz OK. Ein gruseliges Arrangement aus der Linzer Straße zum Vergleich.

Der heißeste Tag

Nach dem Ventilator-Unglück vou gestern musste natürlich ein neuer her. Es wunderte mich nicht, dass in allen umliegenden Baumärkten und Elektrogeschäften nur bedauerndes Schulterzucken vorrätig war. Fast schon hätte ich mich damit abgefunden.in den restlichen Tropennächten des Jahres keinen Schlaf mehr zu finden, da lachte mich am Eck eine ganze Reihe von Ventilatoren an. Es war die Straßen-Auslage eines Allround-Grafflgeschäfts, das verzweifelte Stadtbewohner wie mich mit heroischen Importen aus der Türkei vor stickiger stehender Luft bewahrte. „Heute reingekommen“ sagte der Geschäftsmann und freute sich über meine erleichterte Begeisterung.

Ich zahlte 29,90, 2 Jahre Garantie, und schleppte das relativ schwere Packl heim. Auf den vielleicht 300 Metern redeten mich tatsächlich 4 Leute mit begehrlichen Blicken darauf an, wo man denn jetzt noch so ein möglicherweise lebensrettendes Gerät kaufen könnte. Ich wies allen den Weg.

Ich stellte das Ding in der Wohnung ab, nahm noch eine dringend benötigte kalte Dusche und fuhr… ausgerechnet am angeblich heißesten Tag des Jahres nicht zu meinem verlässlich kühlschattigen Stammbaum, sondern zu meinem Lieblingskünstler, um Ideen für den Herbst zu wälzen. Das Pläuschchen auf der Terrasse, das üblicherweise der Studioarbeit vorangeht, fiel heute kurz aus: Selbst unter dem Sonnenschirm drückte die Hitze wie eine physische Masse auf Körper und Gemüt.

Ich war ausnahmsweise ganz dankbar für klimatisierte Züge, auch wenn die Temperatur abends auf gemütliche 30 Grad abkühlte.

Die Wohnung hatte allerdings 33 Grad. Wieder war eine kalte Dusche fällig, ohne die ich der intellektuellen Herausforderung des Ventilator-Zusammenbaus nicht gewachsen gewesen wäre. Das Dinge hatte mehr Schrauben als eine durchschnittliche IKEA-Küche, und die notdürftig übersetzte Gebrauchsanweisung war wenig hilfreich.

Schließlich stand aber da, in voller Pracht, und ein Druck auf die Stufe eins brachte nicht nur schlagartig angenehme Luftbewegung, sondern auch die Erkenntnis, dass er ein viel angenehmeres Geräusch macht als mein bisheriger Luftquirl. Stufe zwei hob das Tischtuch am zwei Meter entfernt stehenden Tisch bedenklich an. An Stufe drei traute ich mich vorerst nicht heran, zum Schluss hebt das Ding noch samt meiner Wohnung ab.

„Die Erde hat Fieber!“

„Die Erde hat Fieber!“ rief heute ein Kind am Flussufer, nachdem es mit nackten Füßen in den heißen Sand getappt war. Ein durchaus gelungenes Bild für die Hitzewelle und vielleicht, wenn man es weiter denkt, auch für die gesellschaftlichen und politischen Vorgänge, die sich sogar im sogenannten Sommerloch immer mehr aufheizen. Ich meine – Sturmgewehre für die Polizei? 150 Euro als „Challenge“ anstatt als unpackbare Zumutung? Wenn man ernsthaft über all das nachdenkt, müsste man den ganzen Tag schreien. 

Für diesen August stecke ich meinen Kopf in den Sand. Nicht in den heißen, sondern in den sprichwörtlichen. Das hab ich mir vorgenommen, das muss drinnen sein. Ein Monat normales Sommerglück bitte, gerne mit Eierlikör und Schlagobers. (Sprichwörtlich! Buchstäblich mag ich weder noch.)

Mir geht es gut. In diesem Jahr habe ich länger gebraucht, bevor ich im Sommerwetter angekommen bin, aber jetzt geht es mir richtig gut. Die 31 Grad im Dachgeschoss sind ein zu Hause, die Vormittage arbeite ich gern und gut, die Nachmittage am Wasser sind Urlaub, wie er besser nicht sein könnte.

Sage ich mir. Natürlich wäre so ein Meer auch mal wieder nicht schlecht, aber dennoch gelingt mir eine Leichtigkeit des Seins, die hier eben mal quasi im Vorbeigehen ein neues Layout online schaltet, ohne große Tests, einfach weil mir danach zumute ist.

Es funktioniert also, das schamlos geklaute Sommermonat, es schenkt mir eine Leichtigkeit des Seins, zumindest oberflächlich. Und doch lauert da eine Hoffnungslosigkeit, ich ahne ihre Gegenwart, ohne sie zu spüren. Dass das alles nicht mehr abwendbar ist mit der Klimaveränderung. Dass es politisch eher noch schlimmer werden wird. Dass ich, ganz persönlich, ein Wunder brauche, um auf einen finanziell grünen Zweig zu kommen. 

Ich schlafe wenig, aber gut. Man braucht auch nicht viel zu schlafen, wenn man nachmittags eh hauptsächlich herumliegt. Stattdessen schlage ich mir die Nächte mit Büchern um die Ohren. Mit Netflix. Und mit Steam. Ich bestehe darauf, dass Schweres leicht bleibt, auch auf persönlicher Ebene. Hasch mich, ich bin die Realitätsflucht. Und für diesen August ist das gut. 

Augustsonntag

Nach bravem Arbeitssonntag trotz Nachmittagsregens doch wieder am Wasser. Wäre zu schade um den August. Wunderbarer Sonnenuntergang, Langwanderung bis zur Reichsbrücke, ein Gläschen Retsina. Zu Fuß noch bis zum Praterstern, und ja: Es gibt noch S-Bahnen, bei denen die Fenster aufgehen!

 

Lebenszeichen

Dass der Sommer alle guten Vorsätze zunichte macht, habe ich ja schon erwähnt. Aber ganz möchte ich die Gewohnheit des Tagebloggings dann doch nicht einschlafen lassen. Oder nein, das war gelegen. Traditionen und Gewohnheiten sind mir ziemlich egal im Moment, Aber Anfang der Woche bin ich über ein Tablet gestolpert, ein Note 10.1 der allerersten Generation, stinklangsam, es brauchte auch deutlich etwas technische Zuwendung, bevor alles wieder halbwegs so lief, wie es sollte. Aber jetzt, was soll ich sagen? Beste Mini-Investition des Sommers. Ehrlich, mit dem Stylus könnte ich auch stundenlang von nix erzählen ohne dass mir fad wird. Und falls nur doch einmal fad wird, mach ich einfach bei den Fotos weiter.