AutorAndrea

Landleben II

Heute ist Pfingstsamstag. Ein gefährlicher Tag für Jungfrauen, zumindest in der Weltgegend, in der ich mich zur Zeit bewege. Nach einem alten Brauch werden hier in der Nacht von Pfingsamstag auf Pfingstsonntag den Häusern, in denen Jungfrauen (lies: unverheiratete Frauen) leben, Streiche gespielt.

Wenn eine Familie, die eine unverheiratete Frau in ihrer Mitte hat, unvorsichtig genug ist, nicht alles mehr oder bewegliche Gut in Sicherheit zu bringen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die im Garten vergessenen Teile sich am nächsten Morgen auf Dächern, in Bäumen oder am Kirchenvorplatz wiederfinden.

Und hier ist nicht nur die Rede von Gartenmöbeln oder kleinen Blumentöpfen. Die ungläubige Morgensonne durfte schon ganze Traktorenanhänger festgezurrt an die Dachschräge eines Stallgebäudes bewundern, unbestätigten Gerüchten zufolge sogar mitsamt einer Ladung Mist.

In den letzten Jahren allerdings, so eine (unverheiratete, vermutlich sogar jungfräuliche) Dorfbewohnerin, hat diese Tradition stark nachgelassen. Die männliche Jugend, so die in der gemütlichen Abendgesellschaft vorherrschende Meinung, verbringt diesen Samstag wie jeden anderen Samstag lieber in den Diskotheken der Umgebung, als das alte Brauchtum hochzuhalten.

Unbeantwortet bleibt in der Geräuschkulisse der zirpenden Grillen und klingenden Weingläser die Frage, woher denn dieser Brauch stammen mag. Stattdessen werden die besten Ankedoten aus der Zeit erzählt, als es noch echte Burschen gab. Einer sitzt in der Mitte und schweigt beharrlich auf die Frage, ob er denn damals dabei war. Und grinst.

Landleben

Hier ist endlich der Rasen gemäht, sogar zu den erlaubten Zeiten. Leichte Erschöpfung und ein schlechtes Gewissen: Ich bin ein Killer. Während ich meine schnurgerade Schneise durch das Gras ziehe, sehe ich buntes Geflatter. Aber bis der Sehreiz den Arm erreicht, ist der Schmetterling schon zerschmettert und aufgesogen. ob ich mit dieser Schuld weiterleben kann?

Schön und sonnig hatten wir es hier. Trotz gegenteiligen Wetterberichts. Es ist allerdings, wie man in den Nachrichten sagen würde, “etwas zu kühl für die Jahreszeit”.

Blixa Bargeld ohne Hut

Nick Cave liebt Wien. Hat er einmal gesagt.

Und Wien liebt Nick Cave. Das konnte man beim Konzert in der Stadthalle ganz deutlich spüren.

Die Intimität kürzlich gehörter Kleinclub-Auftritte geht natürlich in diesem Rahmen verloren. Aber der Meister der dunklen Gruftgesänge hat eindrucksvoll bewiesen, dass er auch einen großen Raum mit seiner Austrahlung füllen kann.

Highlights des Konzerts:

“God is in the House”, brüchig-zart und mit schön gesetzter Ironie

“The Weeping Song”, im Duett mit Blixa Bargeld

“The Mercy Seat”, stark akzentuiert und mit noch mehr Energie als beim letzten Mal

und der Schlusssong, vermutlich neu, es wird ein Roadie auf die Bühne beordert, der den Text in Augenhöhe bereithält.

Der Sound war leider nicht ganz lupenrein, darunter hatte besonders die Geige zu leiden, aber auch die eine oder andere zarte Gitarre.

plötzlich sehnsucht | nach jenen Tagen:

sitcoms waren noch
ein fixpunkt des tages

und

SC2000 war das faszinierendste Spiel
aller zeiten
aber zu zweit
hat man lieber flipper gespielt

und

es war ein frühsommer,
genau wie jetzt

und

ich hatte grade meine ersten
rollerskates gekauft

und

nach der anstrengenden runde
am bach entlang
war es zeit für roseanne

und

das büro, in dem
ich damals gearbeitet habe
hatte keine klimaanlage
bis zu dem tag
an dem der server zu rauchen anfing

und

ich dachte
es würde ewig
so weitergehen

genau so

mit diesem riesigen
offenen fenster
und dem
entfernten strassengeräusch
an dem man so gut
die uhrzeit
hören konnte

und

der tisch war rot
und die katzen
waren zufrieden

und ich

auch

naja

vielleicht war ich
nicht ganz
so stark damals
und bei weitem
nicht so frei

aber

alles ringsum
schien so selbstverständlich
vor allem die dinge
um die ich heute kämpfen muss

und

vieles, was ich
geworden bin
ist gut
aber manches
hätte ich bleiben sollen

aber

man kann sich’s halt
nicht immer
aussuchen

und

vielleicht
ist das gut so

in dieser nacht

Tage in Klatovy

Die Stille am Morgen und das helle Sonnenlicht. Stark der Geruch nach feuchtgewordenem Heu.

Zum Frühstück wird wenig geredet, nur die Kinder sind schon quietschlebendig. Das bleiben sie den ganzen Tag.

Während meine Kaffeetasse noch halbvoll ist, startet die Pink zur ersten Load. Die Stille jäh durchbrochen, Abgase ziehen durch die Morgenluft. Alle Köpfe im Restaurantgarten drehen sich. Allgemein bewundert: Die, die jetzt schon einsteigen.

Der Himmel färbt sich zum ersten Mal bunt, und da hält es mich nicht mehr beim Frühstück. Richtung Manifest und die Karte durchgezogen, gemütlich die Sachen zusammensuchen, checken und fertigmachen.

Ich bin so still hier. Als hätte ich die Worte am Schranken abgegeben, schweigen sogar die Geschichten in meinem Kopf. Sie sind überflüssig. Keine Tagträume als Flucht aus dem Ewiggleichen. Kein Hirngespinste um den Tag zu würzen. Kein ständiges Feilen an Texten, die zu schreiben ich keine Zeit habe. Hier ist immer jetzt.

Der Aufruf: In 10 Minuten geht meine Load.

Spätestens dann, wenn ich die Beingurte festziehe und das Gewicht des Schirms auf dem Rücken spüre, ändert sich das Schauen. Die Welt wird klarer, schärfer. Das Licht irgendwie heller. In Gedanken nochmal alles durchgehen: Habe ich alles überprüft? Nichts übersehen? Gut: dann los.

Draußen versammeln mit den anderen. In kurzen Sätzen wird die Exitreihenfolge festgelegt. Da landet die Pink. Je nach Teilnehmern und Andrang im Laufschritt oder gemütlich wird die Blechkiste erobert. Dicht an dicht, oder in lückenhaften Reihen sitzen die Springer. Jeder sucht sich seinen Gurt für die ersten 300 Meter. Dann an den Start rollen. Das Motorengeräusch ändert sich. Die Ruckelei auf der Rasenpiste wird schneller, härter. Hört plötzlich auf. Unter den Fenstern in der Heckklappe seh ich den Boden vorbeiziehen. Hier herrscht meistens Stille, Bewegungslosigkeit.

Wenn der Höhenmesser 300 Meter zeigt, kommt Bewegung in die Masse. Gurte werden losgeschnallt, Helme abgenommen. Man spürt allgemeine Erleichterung.

Ein kurzer Rundblick enthüllt Eigenheiten. Die meisten sitzen still, konzentriert, nach innen gekehrt. Manche reissen Witze. Ab und zu ist eine wilde Truppe dabei: das gibt einen kurzen „Schlachtgesang“. Die großen Augen der Schüler. Einer putzt den ganzen Steigflug lang an seiner Brille herum. Eine versucht, eine Stellung zu finden, in der sie mit niemandem auf Tuchfühlung ist (ein hoffnungsloses Unterfangen in einer vollen Skyvan). Einer sitzt bequem zurückgelehnt, mit geschlossenen Augen, als würde er schlafen. Einer der allercoolsten hat heute ziemlich zittrige Finger. Kameraleute checken ihre Geräte noch ein letztes Mal durch. Einer hat sich vor dem Einsteigen noch schnell ein Eis geholt. Ganz hinten, wo die größten Gruppen sitzen, werden Formationen durchgesprochen. Vorne gehen AFF-Lehrer mit ihren Schülern noch einmal den Level durch. Durch das Motorengeräusch klingen die gerufenen Wortfetzen wie Funksprüche.

Ich wüßte nicht zu sagen, wie lange diese Himmelfahrt dauert. Es ist, als wäre die Zeit aufgehoben auf dem Weg zwischen 300 und 3500m. Manchmal ist der Aufstieg so selbstverständlich, so normal wie eine innerstädtische Busfahrt. Manchmal habe ich ein paar Schmetterlinge im Bauch. Meine Aufmerksamkeit verteilt sich auf zwei Gebiete: Einerseits versuche ich, zu verinnerlichen, was ich vorhabe in dieser kurzen Frei-Fall-Minute nach dem Exit. Andererseits darauf, alles mitzukriegen, was rundherum vorgeht.

Dann, irgendwann, stehen die ersten auf. Zuerst die Tandems: Die Passagiere werden gut festgeschnallt. Die anderen setzen Brillen und Helme auf, stehen auch nach und nach auf. Man sortiert sich nach der ausgemachten Exitreihenfolge oder nimmt letzte Änderungen daran vor.

Die Nadel des Höhenmessers überschreitet zögerlich die 4000 und beginnt wieder bei 0. Bei einem meiner ersten Aufstiege war das eine Schrecksekunde, ich dachte einen Moment lang, der Höhenmesser ist kaputt. Jetzt warte ich aufs rote Licht.

Da ist es schon. Die Tür geht auf. Ein Schwall kalter Luft, mehr Licht, und das Geräusch der Motoren wird lauter. Die erste Gruppe stellt sich in Position. Das Licht schaltet auf weiss. Und dann Grün. Lauthals wird eingezählt. Mit einem kräftigen Wippen des Fliegers verschwinden die ersten im Nichts. Die nächsten. Dann ist meistens schon genug Freiraum, um die Exits richtig zu sehen.

Jetzt ich. Manchmal ist genug Platz, um sich mit Anlauf in die Luft zu werfen. Manchmal rücken die Verbliebenen so dicht auf, dass nur ein Schritt bleibt. Und manchmal werd ich auch geschubst.

In dieser seltsamen Exit-Rolle unter dem Flugzeug, die ich nicht mehr los werde, auch wenn ich ganz anders aussteigen will, versuche ich, einen Blick auf die Nachkommenden zu erhaschen, und meistens gelingt mir das auch. Vielleicht noch schwerer zu fassen als das Springen selbst ist dieser Anblick: Wenn jemand in dieser Tür steht, grinsend oder konzentriert, und mir nachschaut und wartet, bis ich in sicherer Entfernung bin.

Und nun zu dem, was ich mir vorgenommen habe. Kontrollierte Bewegungen ausserhalb der Bauchlage sind gar nicht so einfach, andererseits machen die unkontrollierten manchmal unheimlich viel Spass. Manchmal lasse ich es auch bleiben und schaue nur. Oder geniesse die Geschwindigkeit. Anfangs, bei den ersten Sprüngen, hätte ich mir nie gedacht, dass man soviel sehen kann während des Fallens. Oder sich die Brille richten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Oder die Höhe abschätzen und beim Vergleich mit dem Höhenmesser festzustellen, dass die Schätzung richtig war.

Trotzdem bin ich konditioniert. Regelmäßig bei 1500m klingelt der Alarm im Hirn, der sagt, ich sei schon viel zu tief. Dann wird es manchmal richtig schwierig, die 500m noch abzuwarten.

Schirmöffnungshöhe: Das ist mit Handdeploy ganz etwas anderes als mit dem Ripcord. Irgendwie liegt in der Bewegung, mit der ich den Hilfsschirm in den Wind werfe, mehr Sinn. Mehr Logik. Irgendwie fasst dieser Moment noch einmal zusammen: Die ganze Freude, die ganze Lust: von 4000 auf 1000m – und das Glück, es immer wieder tun zu können.

Am Schirm erstmal umschauen: Wo bin ich? Wo sind die anderen? Und dann, je nachdem, gemütlich herumkurven oder recht gerade den Platz ansteuern. Ganz still ist es plötzlich, und auch das liebe ich. Für viele ist die Schirmfahrt nur ein notwendiges Übel auf dem Weg von oben nach unten. Ich will beides: Das intensive, rauschende Glück im Freifall und die ruhige Freude beim Dahinschweben.

Nur nicht zu lange drin verlieren und die Landestelle nicht mehr erreichen. Auch schon passiert.

Mit ständig wechselnden Schirmen ist es nicht ganz so einfach, abzuschätzen, wie schnell ich wo sein werde. Deshalb lande ich meistens in sicherer Entfernung von allem Trubel.

Den Schirm einsammeln und dann der Rückweg, warm ist es herunten und die Wiese riecht noch immer frisch gemäht. Drüben steigen die nächsten in die eben gelandete Pink, und ich kriege das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Andererseits: Warum sollte ich?

Hier und da, auf dem Weg zur Packhalle, fragt jemand wie’s denn war. So wie ich auch frage, wenn mir einer mit dem Schirm entgegenkommt. Kurzes Geplauder, „gelungen“ oder „nicht gelungen“ oder irgendwelche besonderen Vorkommnisse. Oder ganz einfach: „Schön!“

In der Packhalle läuft die ewiggleiche CD, angenehmer Rock, und ich habe noch immer nicht gefragt, was das ist. Dazu Formations- oder Freifallervideos, frisch vom letzten Sprung. Da ist entweder Platz, den Schirm zu packen, oder auch nicht. Wenn’s nicht gleich geht, ein bisschen rumstehen in der Sonne oder den Videos zuschauen. Gesprächsfetzen, Freifaller und RW-Gruppen besprechen ihren nächsten Sprung, Schüler hängen begeistert oder ängstlich oder erschöpft herum oder sie kriegen das Packen erklärt, und manchmal stehen Tandempassagiere großäugig mittendrin.

Packen: Immer noch ächzend den vielen Stoff in die kleine Tasche quetschen, sich dabei erinnern, dass diese Aufgabe vor gar nicht allzulanger Zeit unlösbar erschien. Verschwitzt und zufrieden das fertige Paket in Sicherheit bringen für den nächsten Sprung.

Und dann? Am besten gleich noch einmal. Danach vielleicht ein bisschen in der Sonne liegen, faul den Aufrufen für die nächsten Loads lauschen, Schirme schweben vom Himmel und voll ausgerüstetete Springer gehen zur Einstiegsstelle. Die Kinder spielen Springen, mit Spielzeugflugzeugen oder am richtigen Exit der alten Pink.

Sonne macht durstig, also vielleicht ein Cola aus dem Restaurant. Dann wieder ab nach oben.

Plötzlich ist Abend. Warum jetzt schon? Vor dem Manifest knallen die Sektkorken, die Pink geht schlafen und das Lagerfeuer vor dem Grillpavillon ist auch schon angeheizt. Die besten und die schlimmsten Erlebnisse werden so lange ausgetauscht, bis jeder alles weiss.

Zufrieden, müde. Ziemlich hungrig. Im Restaurant trifft man alle wieder. Kerngruppen und Tischwanderer, und alle Gespräche drehen sich nur um das eine (das Springen, natürlich). Dazu das eine oder andere Bier oder ein Glas Wein, je nach Geschmack und Tagesverfassung.

Dann ist es Zeit fürs Bett. Der Rückweg durch die taufeuchte Wiese, und Tag für Tag ein Sternenhimmel wie zum Angreifen. Vielleicht klingt aus einem Zelt noch Musik, vielleicht sitzen noch ein paar am Lagerfeuer. Wollte ich nicht noch? Diese Email schreiben? Das oder jenes im Weblog notieren? Ach was. Morgen ist auch noch ein Tag.

Der nächste Tag

Heimkehr

Sonnenverbrannt und mittlerweile ausgeschlafen trete ich wieder in die Fußstapfen des Alltags. Schöne Tage: Das waren wunderschöne Tage. Luft und Licht und nette Menschen. Schon lange nicht: Schon sehr, sehr lange ist es mir nicht so rundherum gut gegangen. Ohne Einschränkung.

Normalerweise gibt es ja dort ein 10MBit-Netzwerk, aber das wollte diesmal nicht so recht. Hat mich, ehrlich gesagt, auch nicht gestört. War gut so. Weit weg von allem, und die Videoscreen zeigte, wenn überhaupt, Bilder von Freifallern. Oder MTV. Keine Nachrichten, keine Welt ausserhalb des kleinen Flugplatzes. Sehr gut so.

Jetzt aber hätte ich viel zu erzählen, aber da ist ein Haufen Dinge, die zuerst erledigt werden wollen. Und vieles gäbe nachzulesen, aber auch dazu erstmal keine Zeit.

Sporadisches

Sonne. Grün. Geruch nach frischgemähtem Gras. Jede halbe Stunde Motorengeräusch.

Abends Sterne. Frösche. Kühl. Lagerfeuer. Musik.

Gut.

Lose

Geschichten, die Worte werden wollten, hängen in losen Fetzen zwischen den Anforderungen aller Tage. Gedankenbilder: Hier ein Stück blauer Himmel, dort ein paar Wellen. Zehen, die Muster in den heissen Sand schreiben. Möwen als Boten zwischen Himmel und Erde. Eine Hand vielleicht? Eine Hand. Was macht sie? Macht feine Dinge, die große Hand. Vielleicht spielt sie auf einer Gitarre. Vielleicht bessert sie ein Fischernetz aus. Vielleicht baut sie eine Sandburg mit den braungebrannten Strandkindern, ein ewiges Kunstwerk bis zur nächsten Flut.

Vielleicht schaut er auf, er, dem die Hand gehört. Vielleicht wirft er einen Blick in den Himmel.

Vielleicht bin ich da oben.

Vielleicht.

Fast ein Sommertag

Rasenmähend, stundenlang dieses ungeeignete Elektrogerät über die viel zu hohe Wiese spazierengeführt, bis er schliesslich, eigentlich knapp vor dem Ziel, erschöpft aufgab.

Nicht, dass ich nicht auch erschöpft gewesen wäre. Aber ich hätte dieses letzte Viertel vom Garten noch fertiggemacht. Ganz bestimmt. Wenn mir das Ding (der Rasenmäher) nicht unter den Händen zusammengebrochen wäre.

Passte aber grad ganz gut: Der Sufi war ohnehin schon ganz nervös, weil er ins Cafe Storch wollte, wo sie die riesige Videoleinwand haben und freundlich genug sind, den Sufi die ran-Bundesliga anschauen zu lassen.

Naja, 2 Biere später wissen wir’s: Schalke wäre beinahe Meister geworden. Beinah. Schade, irgendwie.

Danach im letzten golddurchwirkten Sonnentageslicht zu den Wundschuher Teichen, und dort ist Ruhe von den Menschen, und was für ein Konzert: Vögel, Frösche, Fische die springen und schmatzen, dazu der Teich, der langsam, ganz langsam zur Ruhe kommt und den Wald, den Tag spiegelt in seiner wellenbefreiten Oberfläche.

Klar muss man da noch ein Bier trinken, die Seekneipe ist eine GAK-Hochburg, wie’s scheint, aber was die GAK-Fans heute zu singen haben, ist mir entgangen. Stattdessen nehme ich mein Bierglas und gehe runter zur Bühne am See, dort ist es still, und ein kaltes, klares Licht liegt über dem Horizont. Dazu die Frösche, die Vögel, und ab und zu ein Fisch. Und so kann es bleiben.

… und dann wollte ich noch über diesen Himmel schreiben

Über diesen Himmel auf der Fahrt von Wien nach Graz. Es war ein rauschendes Fest der Wolken, und auch die Sonne war eingeladen, und ganz unerwartet kamen noch weitere Gäste wie dieser Regenbogen, der kein Bogen war, sondern ein tiefer Kelch von Farben, und die durchsichtigen Nebelwesen in den Tälern zwischen den Hügeln.

Aber die Wolken: Vor allem die Wolken. Nach Osten zu eine dichte Decke, in allen Schattierungen von hellgrau bis tiefdunkelblau, manchmal am Horizont eine Ahnung von Regen: Dieser Schleier, der aus dem Dunklen oben bis auf die Erde weht wie der winterkalte Atemzug eines unsichtbaren Riesen.

Dann aber wendet sich die Straße und mit ihr der Blick nach Süden. Ungebrochen herrscht auch hier die himmelverhüllende Dichtheit des Wasserdampfs, aber darunter, davor, tauchen kleine Wolkenschäfchen auf, die lichtschnell dahintreiben unter der unbewegten Regenschwere. Und diese kleinen, unsteten Wolkenkinder spielen dahin und kriegen manchmal eine Ahnung, einen kurzen Lichtstrahl ab, aus dem Westen, wo die Sonne versucht, sich zwischen den dorthin ausdünnenden Wolken bemerkbar zu machen.

Im Westen das Chaos. Hier hat die Party ihren Höhepunkt erreicht. Hier ist die schwere Wolkendecke müde geworden, sie legt sich wie eine schwere alte Daunenfedertuchent auf die Hügel, die wir jetzt erreichen, und die Sonne, die sich gerade verabschieden wollte, dreht noch einmal um, um uns zuzulächeln. Hier rotten sich auch die kleinen, schnellen Fratzen zusammen und laufen um die Wette, während etwas, das wohl ein Gewitter werden wollte, vergeblich versucht, sich gegen die Auflösung zu wehren.

Die Sonne macht einen Abgang, nicht ohne von Ferne der schweren Decke noch einen goldenen Kranz zu zaubern, und dann beginnt es zu regnen, die majestätisch schwere Regenwolke hat gewonnen.

Aber ein paar Kilometer weiter bekommt die himmlische Gesellschaft neuen Schwung. Die Party geht dem Ende zu, und zum Abschluss zeigt hier jeder noch einmal, was er kann. Die Sonne hat einen großen, roten Farbtopf zurückgelassen, und alle Beteiligten springen hinein. Von feuerrot bis lila spielt der feuchte Himmel alle Farben, und wie sie tanzen: jeder Blick ein neues Gemälde, schöner und stärker als das zuvor. Und da, schon wieder, ein, nein zwei Regenbögen, sie stehen da und sonnen sich in ihrer Schönheit.

Jetzt wird es langsam dunkler. Die Gäste müde, die Party ist vorbei. Nur ganz da drüben glimmt noch, wie die letzte Ahnung von Wärme im Kamin, ein rotes Licht, das langsam, ganz langsam, verblasst.

So etwas habe ich hier noch nie gesehen. Das war ein skandinavischer Himmel, von ganz da oben kenn ich das.

Zu spät

Nichts mehr, nur dies: Die Schatten der Bäume, angestrahlt vom vorbeidriftenden Scheinwerferlicht, sind eine Ahnung des grünen Überschwangs von ein paar Stunden zuvor. Darüber ein Dunkel, das gegen die Stadt zu ein ferner, dann ein deutlicher, dann ein heller Schein wird. Westeinfahrt, nachts. Schönheit der Stadt.

(Und doch, abends noch, in der anderen Richtung, sonnenbestrahlte Jungblätter auf dunklen Ästen, dieses überschwengliche Glücksgefühl, der Stadt entronnen zu sein.)

Just Scribblin’ away

It’s alright, Ma…

Wenn man nun, so ganz unerwartet, im Bus nach Hause eine alte Freundin trifft & beschliesst, auf ein Bier zu gehen,

und wenn man dann so im Lokal sitzt und sich blendend unterhält und nach einiger Zeit schon das eine oder andere Bier getrunken hat,

und wenn dann der ebenfalls nicht mehr ganz nüchterne Wirt eine ganz großartige Livekassette mit Farandouri und Theodorakis auflegt,

dann weiss man, dass es höchste Zeit ist, nach Hause zu gehen.

Und dann stellt man noch fest, dass der Flipper nicht in der üblichen Ecke steht. Ich mein’, was soll das? Der Flipper, an dem ich Stunden um Stunden verbracht habe. Der Flipper, dessetwegen ich auf die eine oder andere Schachtel Zigaretten verzichtet hab, Ja, damals war es noch so: Entweder Flipper oder Zigaretten. Der Flipper hat immer gewonnen. Ein Grund, in dieses Lokal zurückzukommen, lange nachdem es seinen Zenit überschritten hatte. Aber da stand immer noch dieser Flipper, und der war besser als die Computerspiele zu Hause, und überhaupt: Das war ein Stück Glück.

Aber nicht mehr. Da biegt man ganz unschuldig um diese Ecke, hinter der, verdammt noch einmal, dieser Flipper zu stehen hat, und eigentlich ist man auf dem Weg zum Klo, und hat nur ganz leise im Hinterkopf die Frage, welches Flippermodell denn heute dort stehen wird – und dann…

… steht da keiner mehr. Stattdessen ein Videospiel, eins der dümmsten: Movie Quest. Eine Schande, und ernüchtert und um Jahre gealtert schleppt man sich in den Raum zurück, in dem das Bier langsam warm wird, aber immerhin: Immerhin spielen sie Theodorakis und Farandouri, und das heisst nichts anderes, als dass es Zeit wird heimzugehen…

Und wenn man diese Warnung überhört, und sich weiter unterhält mit einem Ohr, während das andere dieser wunderbaren Musik nachhängt, dann aber, beim nächsten Bier oder beim übernächsten, bemerkt, dass man die Musik aus der Aufmerksamkeit verloren hat und dass jetzt plötzlich der Soundtrack von “Easy Rider” erklingt, dann kann man ganz sicher sein, dass man einen Punkt erreicht hat, an dem man schon längst im Bett liegen und schlafen sollte.

Was solls.

Mödling

Da war Sonne, da war es warm, und da war ein Flieger, und da war schnelle kalte Luft. Und da waren nette Menschen. Und später war da ein Teich, und der war gar nicht so kalt, und immer noch Sonne. Und noch später waren wir in einer kleinen Stadt, die mich immer ein bisschen traurig macht, weil sie so perfekt ist und so liebevoll erhalten und so voller Schmuckstücke: und weil ich mir denke, wenn ich nicht wissen würde, dass die Welt da draussen ganz anders ist, würde ich gerne hier leben; aber weil ich es weiss, würde ich es nicht aushalten. Und da war ein erstklassiges Abendessen und eineinhalb Bier, und angenehme Gespräche, und jetzt bin ich zu müde, um noch denken zu können. Geschweige denn schreiben. Daher lass ich das jetzt auch.

Zu schade

Douglas Adams hat diese Welt verlassen. Dabei hatte ich immer gehofft, die fünfteilige Trilogie würde noch ein paar Teile mehr bekommen. Oder “The deeper Meaning of Liff” würde vielleicht noch mehr Tiefsinn kriegen. Wirklich schade.

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