…den Kopf in den Wolken…

Zwei Tage in Zell am See, am Flugplatz natürlich, denn die Pink war ja auch dort. Meine Kleinigkeit ist dort nur ein einziges Mal gesprungen, zuerst zu lange gezögert und dann waren die Wolken zu dicht für Neulinge, aber es war ein Sprung, und es der schönste und beste und wichtigste bisher (warum das so ist… das wissen die, die’s wissen…).

Also da rauf im geheizten Flieger und endlich der Exit… Der geplante Salto klappt nicht so recht, stattdessen liege ich in der Luft auf dem Rücken und schaue der entschwindenden Pink nach, will warten bis die nächste aus dem Flugzeugbauch kommt, aber das dauert zu lang… also umgedreht, und zum ersten Mal nicht über der Wüste, und plötzlich soviel Gegend zu betrachten… und der glücklichste Mensch auf der Welt sein, für die paar Sekunden…

Sonntag kein Wetterglück mehr, also die langen Stunden über die Autobahn wieder nach Hause, gute Nachricht: Das Notebook lebt wieder, nur die Tastatur klebt noch…

Im sonntagstristen Bus der Wiener Verkehrsbetriebe plötzlich das Bedürfnis, ein Auto zu besitzen, um dieser Tristesse zu entkommen. Wie in dem alten Witz, wo der Mann zu seiner Frau sagt: “Ich kann nicht mehr sehen, wie du dich abrackerst – mach bitte die Küchentür zu!” – und dann hohnlacht ganz kurz ein blauer Himmel da oben, aber in Wirklichkeit kann mir all das nichts anhaben…

Wachtraum

Jemand sagt zu mir: Bitte geh aus meinem Kopf! und irgendwo im Haus hat jemand Sex, sehr heftig und sehr ausdauernd. Durch die Lider scheint ein Licht, ein helles und orangerotes. Geh doch du aus meinem Kopf, antworte ich halblaut in den zerflatternden Traum hinein, und als ich wacher werde, weiss ich nicht mehr, wem das im Traum vertraute Gesicht gehört. Sonne vor dem Fenster, und kalt ist es auch nicht im Moment, vielleicht bin ich gar nicht da sondern ganz woanders?

Fast Sommer

Sonntag, und wie bestellt strahlt die Sonne ins Fenster, und solange das Fenster zu bleibt und die Heizung ihren Dienst tut, könnte man glatt meinen, es wäre Sommer. Ganz anders als letzte Nacht… Ein Open Air im Jänner ist ziemlich mutig, und es war voll, und die Musik war ganz nett, und irgendwann war es dann drinnen zu voll & draussen zu kalt, und ich bin mit einem Freund geflüchtet in ein Lokal, das sich seit 10 Jahren nicht verändert hat, zum Glück, und zum Glück steht auch der Flipper noch dort, wo er immer gestanden ist, und beim Flippern ist mir wieder warm geworden.

Und in meinem zu diesem Zeitpunkt zugegebenermassen nicht mehr ganz nüchternen Kopf habe ich mir gedacht, dass bei aller Faszination der virtuellen 3-D Welten ein realer Ball, der über reale Rampen rast und zwischen realen Bumpern hin und her zuckt, so dass man es ganz ohne elektronisches Interface in den Fingern spürt, mehr Spass macht als alles, was sich auf einem Bildschirm abspielt. Manchmal.

Es ist soweit

Die Frau, die keinen Laptop wollte, hat einen. Und er ist (fast) voll eingerichtet, funktionstüchtig und ready to go. Theoretisch könnte ich damit meine Geschäfte aus der Hängematte unter Palmen erproben. Der große Praxistest folgt im Februar in Tunesien.

Ein bisschen wehmütig wird mir da schon zumute. Wenn ich an meine mehrmonatigen Absenzen denke, auf denen mich keiner stören konnte, weil es noch keine Handys gab… und ein Telefonkontakt zurück ins heimische beinahe unerschwinglich war, falls man überhaupt ein Postamt oder funktionierende Telefonleitungen finden konnte… Und die Reisende völlig losgelöst von allem einfach dahindriftete…

Mit einem Handy in der Tasche, das man nur aufdrehen braucht, um sofort wieder mitten in der Welt zu sein, wird das Reisen nie wieder dasselbe sein… auch wenn es natürlich seine Vorteile hat.

Malta

Jemand zeigt auf eine Landkarte von Malta. Da sollen wir hin. Eine alte Küche, die endlich wieder so aussieht, wie sie soll. Aus dem Fenster sieht man auf das Meer, obwohl dort gar keines ist. Dunkelblau, Türkis und glasklar. Trotzdem mystisch undurchdringlich. Es ist schon halb zwölf, um 10 hätten wir fliegen sollen. Das Flugzeug ist ohnehin noch nicht bereit. Jemand kneift nicht, ich bin überrascht. Ich zeige auf eine Landkarte von Malta. Da sollen wir hin. In der weissgekachelten Küche riecht es nach Kaffee und frischem Brot. In der Morgenkühle gehe ich am vulkandunklen Strand entlang spazieren. Das wird ein warmer Tag, obwohl es Winter ist. Alle stehen um die Landkarte von Malta. Das Flugzeug kreist und landet nicht.Jemand springt aus dem Flugzeug. Ich springe aus dem Flugzeug. Ich schaue mir von unten zu. Von oben sehe ich die Landkarte von Malta. Jemand kneift noch immer nicht. Ich frage mich, wie lange es noch dauert. Der Wecker läutet.

Anstrengendes Wochenende

Samstags Einkaufsterror vom Schlimmsten. 4 Stunden durch die labyrinthartigen Hallen der SCS. Nichts von dem gefunden, was ich kaufen wollte. Unglaublich viel Geld ausgegeben, für Dinge, die ich überhaupt nicht brauche. So geht es mir immer in Einkaufszentren. Die schlechte Luft, das seltsame Licht. Massen von Menschen, plärrende Kleinkinder, Rudeln von hormonell gestörten Jugendlichen. Ich gehe in 4 oder 5 Geschäfte, in denen ich glaube, das finden zu können, was ich suche. Finde nichts. Sollte einE VerkäuferIn auffindbar sein, zeigt erSie entweder undeutlich in eine Richtung, wo ich erst recht nichts finde, oder schüttelt den Kopf, mit einem Gesichtsausdruck als hätte man in einer moslemischen Fleischhauerei ein Schweinsfilet verlangt. Irgendetwas scheine ich falsch zu machen.

Nachher, um dem Rückfahrtsstau zu entgehen, ins Kino. “Komm süßer Tod”. Hat das Zeug zu einem Kultfilm. Obwohl das Buch irgendwie… schwärzer war.

Heute, um der Woche vor dem Computerbildschirm etwas entgegenzusetzen, ab ins Kurbad Oberlaa. Auf der Fahrt dorthin begegnen uns 8-10 Mannschaftswägen voller Polizisten. Auf einem Parkplatz 15 oder mehr Ambulanzen (und das nach dem Film gestern… ähem).  Ist der Notstand ausgerufen? Bürgerkrieg? Aufstand? Nichts von alledem, nur eine FPÖ-Veranstaltung in der Veranstaltungshalle. (Kein Link, bäh!)

Trotzdem haben wir uns gemütlich im Warmwasser geaalt, anstatt nach einer Demo zu suchen. Ich glaube, ich werde alt.

Katzenliebe

Eigentlich wollte ich ja heute hier meine Gedanken über das Einkaufen im allgemeinen schreiben und über den Zwang, sich in samtagsgefüllte Einkaufscenter zu begeben und dort mit den Massen in Warenbergen zu wühlen, eine Notwendigkeit, die nur deshalb besteht, weil uns Webdesignern noch keine Technik eingefallen ist, die es erlauben würde, Kleider gemütlich vor dem Bildschirm anprobieren…. aber das mache ich jetzt nicht.

Der Schockwellenreiter fragt nämlich, ob es ein gutes Zeichen ist, wenn das elektrisierendste Erlebnis eines Donnerstags das Fell einer schwarzen Katze ist. Die Antwort lautet: Unbedingt!

Zumindest wenn es sich um eine wunderschöne, anschmiegsame, freundliche und sozial höchst verträgliche Katze wie meine handelt. Die grosse Katzenliebe meines Lebens ist zwar mit meiner Zustimmung aufs Land gezogen, wo sie mit einer anderen Katze zusammen nach einer Kindheit und Jugend in der Großstadt das Mausen und das Streunen gelernt hat, und sie fühlt sich sichtlich wohl dabei.

Aber immer noch denke ich gerne an die Nächte zurück, wenn ein schnurrender Druck auf meinem Bauch mich zuverlässiger aufgeweckt hat als der schlimmste Alptraum. An die morgendlichen Schocks, wenn der zu recht Entrüsteten meinen Schlaf zu lang dauerte, weil der Futternapf leer war, und sie ihre kalte nasse Nase in mein Gesicht gedrückt hat. An die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich im Bett zwischen mich und meinen Freund gezwängt hat. Schliesslich war sie zuerst da!

Und wenn ich einen Besuch auf dem Lande mache, und das jetzt dort heimische Untier meine Stimme hört, ist es für sie vollkommen klar, dass sie für den Rest des Tages einen Schossplatz bei mir hat – ganz egal, ob sie gerade im strömenden Regen aus dem Wald kommt oder vom frisch gedüngten Acker nebenan.

Das ist eben die wahre Liebe. Da geht nichts drüber. (Und manchmal, wenn ich sehr sehr müde bin, sehe ich sie immer noch aus den Augenwinkeln durch die Wohnung huschen, in der sie seit 3 Jahren nicht mehr war).

Strg-Z

Warum hat das Leben eigentlich keinen “Undo” Button? So wie beim Webseiten-Basteln: Ja, so schaut es eigentlich ganz gut aus. das wird gespeichert, und dann probier ich noch das und das aus – und wenns nichts war, kann ich ja immer noch auf die gespeicherte Version zurückgehen… Spielts aber nicht. Schade, irgendwie.

Diesig blau

Da liegt ein diesigblauer Himmel so leicht und zufällig über den Dächern der Stadt, dass man glauben könnte, am Horizont beginnt das Meer. Da fliegen Möwen malerisch weiß gegen den esoterisch-blauen Dunst, und ich frage mich, wo denn die einstmals winters allgegenwärtigen Krähen geblieben sind. Da tönt Musik, wo sonst nur konzentrierte Stille herrscht, und mir wird ganz leicht. Für den Moment.

Bonnie & Clyde

Hinter Ws Haus geht ein Weg, nach rechts, in einen Wald. Im Wald ist ein See, an dem die Leute nackt baden. Ein zweiter Weg geht nach links, der ist noch nicht fertig, dort wird gerade ein Tunnel gebaut.

D ist irgendetwas passiert, und er ist auf der Suche nach einem Ort, wo er “in Ruhe nachdenken” kann. Ich zeige ihm den See im Wald, und er bleibt dort im Campingbus. Später treffe ich ihn zufällig in der Nähe von Ws Haus & er ist sehr zornig: Die Bauarbeiter, die den Weg bauen, machen viel zu viel Lärm.

Er ist mit einem Freak unterwegs, den ich früher schon mal gesehen habe. Der Freak tragt ein riesiges Paket voll mit Gras. Ich bitte ihn, das nicht ganz so offen zu tun. Er lacht mich aus, und beginnt, seine Ware marktschreierisch anzupreisen. D und ich flüchten zum See, wo ich bade, während er seine Sachen packt.

Dann wollen wir noch einmal ins Dorf, ich möchte ihm einen Pullover mitgeben, denn er fährt nach Norden. Unterwegs treffen wir eine Bande Jugendlicher, die mit Eisenstangen und Knüppeln auf Autos einschlagen. D zieht eine Pistole aus der Tasche und erschießt einen nach dem anderen. Ich würde gerne selber schießen, denke aber, dass es besser ist, wenn ich einen klaren Kopf behalte. Auf jeden Fall ist es gut, dass sie tot sind.

Wir steigen ins Auto und fahren auf die Autobahn, besprechen die Flucht. Später bin ich allein auf einem Parkpplatz, in einem anderen Wagen, und warte auf ihn. Ich habe Angst, aber gleichzeitig ist es “gut und richtig”, was geschieht.

Er kommt und wir fahren weiter; runter von der Autobahn und durch kleine, fremde Dörfer. Ich lege ihm die Hand aufs Knie und er schaut mich von der Seite an. Ob wir ein Hotel nehmen sollen für ein paar Stunden & unseren Spass haben, fragt er. Ich bin sicher, dass uns die Verfolger dann einholen würden – aber eigentlich ist mir das ganz egal. Bevor ich antworten kann, wache ich auf.

Busfahren

Ich möchte einen Film sehen, aber jemand nimmt mir immer wieder die Fernbedienung weg und switcht durch die Kanäle, nur um mich zu ärgern. Dann fahren wir alle mit dem 13a (Ein Bus der Wiener Stadtwerke) zum Schifahren. Keiner sagt mir, dass meine Schi nicht mit dabei sind. Meiner Zweitpersönlichkeit in dem Traum, einem kleinen Buben, ist das nur recht, weil er/ich dringend noch ein Buch für eine Prüfung lesen muss. Ein grauer Nebenstrang des Traumes zeigt, dass das Buch natürlich nicht gelesen wird & die Katastrophe der Prüfung, was aber kein Problem ist, weil wir in der Zeit zurückreisen und wieder im 13a sitzen. Ich steige aus und gehe zurück in mein Haus, das eigentlich in der Steiermark liegt und leer ist, im Traum aber eingerichtet, und von den Fenstern und Türen wehen lange weisse Gardinen im Frühlingswind.

Mein Garten ist ein Campingplatz, dort wird gegrillt, und als es zu regnen beginnt, kommen alle Camper ins Haus, das im Traum gross genug dafür ist. Die Schifahrer kommen zurück und beschimpfen mich, weil ich nichts zu essen gekocht habe. ich flüchte in den Kopf des kleinen Buben, der lieber Katze und Hund füttert und mit ihnen spielt, als endlich sein Buch zu lesen.

Na dann

sIn Temelin hats gebrannt, und keinen interessierts. Während vielerorts noch die Weihnachtsdekoration herumhängt, sieht man auch schon die ersten Faschingsdekorationen in den Schaufenstern. (Oder heisst das jetzt hierzulande auch schon Karneval?). Die einen diskutieren über den Niedergang des Fernsehens, während die anderen lieber einer gähnenden Partygesellschaft die “Sehr-gut”-gekrönten Deutschaufsätze ihrer Tochter vorlesen. Das Private ist längst öffentlich (oder was schreibe ich hier?), das öffentliche ganz privat (wer hört schon noch einem Politiker beim Reden zu?) Was ist noch wichtig? Nur das, was wir wichtig nehmen. Das haben wir nun von den alten 68ern. Ich würde das ja noch gerne weiter ausführen, aber leider… ich muss zurück zur Party.

Vollmondfieber

Das war ein schlimmer Anfall von Vollmondfieber gestern Nacht, und ich fürchte, es ist noch nicht vorbei. Natürlich bin ich nur die die ich immer bin, aber meine Ohren hören ein bisschen mehr, meine Augen sehen ein bisschen mehr, und meine dicke Haut ist ein kleines bisschen empfindlicher. Da reicht dann ein harmloser Satz…

…ein harmloser Satz, wie “es sind nur noch 3 Wochen bis zum Urlaub”, und ganze Kamelherden donnern durch die endlose Sandwüste meines Gehirns und verschwinden in einem blutroten Sonnenuntergang.

Als wäre diese Cinemascopevision noch nicht Alltagsablenkung genug, sitzt ein kleines Teufelchen ganz oben auf der höchsten Düne und sagt: “jaja, nur noch 3 Wochen bis zum Urlaub, und noch drei Wochen später bist du wieder hier im kalten grauen Wien. Sag Mal, wolltest du nicht einmal die Welt entdecken? Mit einem Jeep die Seidenstrasse entlang fahren? Auf der Harley von Alaska hinunter bis nach Feuerland? Zu Fuß einmal rundherum ums Mittelmeer?”

Dann sagt es nichts mehr, das Teufelchen, legt nur den Kopf schief auf unverschämt junge Art und Weise und grinst überlegen, so, dass ich mir uralt vorkomme, so als wäre für mich das alles schon vorbei.

… oder…

Ich treffe einen alten Freund in einem einstigen Stammlokal. Natürlich kommt er etwas später, denn ich bin notorisch pünktlich, und das lässt den Gedanken Zeit, sich durch längst glattgestrichene Gehirnfurchen zu graben, mit welchen Menschen ich denn dort schon gesessen bin, welche Ideen und Träume an diesen Wänden hängen und unter diesen Tischen begraben liegen…

Ich zünde mir eine Zigarette an der Kerze an und der Geist einer längst verlorenen Freundin schreit auf: “Nicht! Jedesmal wenn du das tust, stirbt ein Seemann!” – und trotz meiner Aberglaubenlosigkeit läuft mir ein Schauder über den Rücken, und in einem anderen Winkel meines Chronistinnengehirns klopft Tante G. (der Nichtvorhandene habe sie selig!) 3x auf Holz und sagt: “Ich glaub zwar nicht an sowas, aber man kann ja nie wissen…” – “Das muss ja eine tolle Kerzenlichtparty gewesen sein, die die Mannschaft dieses russischen U-Boots auf dem Gewissen hat!” ruft das Teufelchen von der Sanddüne.

Da kommt aber dann endlich der alte Freund, und mitten in der größtenteils geschäftlichen Besprechung fällt ein ganz harmloser Satz…

… ein ganz harmloser Satz wie, “weisst du eigentlich, dass es bald 10 Jahre her ist, seit wir das erste Mal hier gesessen sind?” und die 10 Jahre erstrecken sich ins Endlose, wie das gespannte Gummiband einer Steinschleuder, kurz bevor man sie losläßt, und dann lasse ich los und die ganzen 10 Jahre ballen sich zu einer Kugel, alle Einsamkeiten, alle Zweisamkeiten, alle Worte und jedes einzelne Schweigen, jedes Gesicht, das ich geliebt, gehasst, verachtet oder verehrt habe, alle Träume, alle Erfolge und alle Enttäuschungen…

… treffen mich in konzentrierter Form mitten auf die Schläfe, und das versetzt mich unversehens zurück zu jenem Kindheitsnachmittag, an dem vom Jahr zweitausend die Rede war, ich weiss nicht mehr warum…

… und jemand fragt mich: “Was wirst du wohl sein im Jahr 2000?” – Und weil ich gerade rechnen gelernt habe, rechne ich schnell und sage: “Im Jahr zweitausend bin ich 34 Jahre alt” – und die Erwachsenen nicken wohlwollend, weil ich richtig gerechnet habe, und jemand sagt: “Dann bist du wohl erwachsen.” – Und ich sage: “Ich glaube, wenn man sich erinnern kann, was vor 10 Jahren war, ist man erwachsen.” Und jemand fragt: “Und was ist, wenn man sich 20 Jahre zurückerinnern kann?” – Und ich sage: “Dann ist man schon alt”, und ringsum herrscht betretenes Schweigen, nur Tante G. lacht herzlich und sagt etwas wie: “Wie sich die lieben Kleinen das so schön vorstellen!”…

[now playing: Ripoff Raskolnikov – Live im Cafe Saitensprung]

Und es ist gut, so wie es ist, und ich fühle mich wohl, so wie ich bin … aber … wollte ich denn jemals dahin wo ich jetzt bin? … und aber und … hätte es denn besser sein können, dort, wo ich hin wollte? oder auch nur genauso gut? das einzige, was mich stört, was in mir kocht, ist, dass ich das nie wissen werde… dass man nur einen einzigen Weg gehen kann von den vielen, die man sieht, und nie wissen wird, durch welche Landschaften die anderen geführt hätten…

… und damit, liebe Leser (falls es euch gibt), verabschiede ich mich für heute, denn ich habe etwas Schlaf nachzuholen… in meinem Alter braucht man schon etwas mehr davon…

Voller Mond im Erdschatten

Eine Mondfinsternis ist, wenn der Schatten der Erde auf den Mond fällt. Und nicht, wie der junge Mann im Bus seiner Freundin zu erklären versuchte: “Bei einer Mondfinsternis schiebt sich die Sonne zwischen Erde und Mond!” – Wenn dem so wäre, hätten wir alle ein ernsthaftes Problem. Besser gesagt: hätten wir alle mittlerweile überhaupt keine Probleme mehr.

Trotz all der schönen Links zur Mondfinsternis (zB Der Schockwellenreiter) hätte ich sie glatt vergessen, wenn ich sie nicht auf dem Weg aus dem Büro nach Hause gesehen hätte. Eine Mondsichel, die kopfüber hängt, kam mir doch etwas seltsam vor, und so habe ich genauer hingeschaut. Und mich dann erinnert.

Zwei Sonnenfinsternisse habe ich schon gesehen, eine partielle und eine totale. Eine Sonnenfinsternis ist etwas Beunruhigendes. Die Vögel hören auf zu singen, das Licht ähnelt dem kurz vor einem Hagelgewitter, nur ist es schlimmer. Trotz aller meiner Auf- (und Ab-)geklärtheit: eine innere Unruhe.

Eine Mondfinsternis ist das gerade Gegenteil davon. Die Tatsache, dass die Erde, also eigentlich wir alle, einen Schatten auf einen Himmelskörper werfen, beweist (intuitiv, nicht intellektuell) dass wir existieren. Und das ist beruhigend. (Und sage mir keiner, intuitive Beweise gäbe es nicht!)

Und wem Sonnen- und Mondfinsternisse noch nicht reichen, für den gibt es auch noch die Total Eclipse of the Heart.

Bonnie Tyler – Total Eclipse of the Heart (Video)

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Der Mond. Der volle Mond.

Der volle Mond über Poulithra, nur 10 Zentimeter rechts vom aufrecht stehenden Felsen. Die Luft schien etwas kühl nach dem Ende der Hitzeperiode. Das Meeresrauschen übertönt von dieser seltsamen elektronischen Musik aus dem Ghettoblaster, was das war, habe ich nie erfahren. Erfüllt von einem süßen Liebeskummer, ja, damals war Liebeskummer noch süß und hat nach Erfahrung geschmeckt, nach Leben…  H. redete davon, dass das Wetter nach dem Septembermond oft umschlägt. Und wirklich begann in den Tagen danach ein Wind zu blasen, der einen trotz der warmen Sonne spüren liess, dass der Sommer dabei war, sich zu verabschieden…

Der volle Mond über Utö, noch früher. Auf den unvergleichlichen runden Schärensteinen über das Meer hinausschauend, Seite an Seite S. und ich, aneinandergekuschelt wegen der kühlen Nacht. Und die Zigaretten haben damals noch ein bisschen nach Heimlichkeit geschmeckt, und der Walkman hatte noch zwei Kopfhörerausgänge… war es Leonard Cohen oder war es Kris Kristofferson, ich weiss nicht mehr… und als es Zeit war heimzufahren, hat sie genauso geweint wie ich, weil das Abenteuer Welt wieder dem Alltag weichen musste…

[Now playing: Bob Dylan – Blood on the Tracks]

Der volle Mond über Wien, der, der mein Leben verändert hat, obwohl ich gar nichts von ihm wusste… nichts von ihm wusste, obwohl der Himmel klar und ich draussen war… aber ich hatte nur Augen für eine andere verlorene Seele, durch deren Augen ich mich plötzlich sehen konnte, wie ich zu sein glaubte… was habe ich daraus gelernt? Verwechsle nicht dein Spiegelbild mit der grossen Liebe…

Der volle Mond über Elba, jemand spielt Gitarre, die Wellen klatschen den Rhythmus dazu. Vielleicht habe ich in dieser Nacht zum ersten Mal gemerkt, dass meine Überzeugung, etwas ganz Besonderes zu sein, nicht unbedingt vom Rest der Welt geteilt werden muss… später hat es zu regnen begonnen, und unter der Markise des Campingplatzes haben wir Sambucca getrunken und mit einem evangelischen Pastor und seiner Freundin MauMau gespielt… nie wieder war das Leben so einfach kompliziert wie damals…

Und noch ein voller Mond über Wien. Jemand geht alleine durch den frischen Schnee auf der Donauinsel, hinterlässt erste Fussspuren in dieser seidendünnen weissen Schicht. Und die Welt ist so still, dass sie das Gefühl bekommt, ganz alleine auf der Erde zu sein, während der Rest der Stadt um zahlreiche Christbäume herum gruppiert “Stille Nacht” singt. Vielleicht der einzige Weihnachtsfriede, den es je gegeben hat.

[… if you see her, say hello… she might be in Tangier…]

Der volle Mond über Vikbolandet, der sich nicht filmen lassen will. Die Videoaufnahmen zeigen ein zweigeteiltes Etwas, das mehr einer fliegenden Untertasse gleicht als einem Trabanten. Immer wieder regnet es leicht, und die schwedischen Gelsen haben eine Vorliebe für österreichisch-deutsche TouristInnen. Später in dieser Nacht gehe ich noch spazieren in der menschenleeren Weite und erstarre zu Eis, als ich von gar nicht allzu ferne etwas heulen höre in der Stille der Nacht… ein tollwütiger Hund? Ein heiserer Wolf? Erst viel später erfahre ich, dass liebestolle Elche genau diese Laute von sich geben.

Ich könnte noch eine Weile so weiterträumen… naja, vielleicht beim nächsten Vollmond… und wer lieber Rätsel löst, als sentimentale Geschichten zu lesen, der kann ja versuchen, die folgenden Jahreszahlen den obigen Geschichten zuzuordnen: [1985 1987 1993 1995 1996 1996]

[Now playing: Golden Earring “Live” 1/2]