Saubere Texte, gewagt wurde wenig, inhaltlich wie sprachlich. Schade. Dazu ist Klagenfurt doch da (und nicht etwa als Bestseller-Zulieferebetrieb). Die Jury blieb bis auf wenige lichte Momente ebenso farblos. Sie sind sich viel zu einig für interessante Diskussionen. Heiz erwies sich am Ende der 3 Tage doch als kauzig-sympathische Bereicherung, Mangold eher nicht (wär aber nicht der erste, der sich in der ersten Saison noch zurückhält). Spinnen fehlt.

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Wer für den Publikumspreis abstimmen will, ohne alles selber zu lesen – hier ein paar Tipps:
Hat der Vorjahres-Siegertext gefallen, mag man existenzphilosophischen Ironie, locker flockigen Tonfall und die Aussicht in den dunklen Weltraum, dann wählt man am besten Jochen Schmidt. Immerhin hat er auch ein Blog (gehabt). Sehr trendy.
Ebenso trendy, aber mehr aus der Pop-Ecke, Peter Licht. Ein heißer Tipp für alle FM4-Hörer. Für Freunde des Absurden wird es allerdings nicht ganz einfach sein, sich zwischen ihm, Zwicky (dusterer und altsprachverliebter) und Becker (lautlustiger) zu entscheiden.
Wer samstags immer noch auf Techno-Parties geht und als Broterwerb programmiert oder “etwas mit Medien macht”, kann allerdings nur für Jörg Albrecht stimmen.
Wem hohe Literatur düster sein muss, wer den Geruch von Staub und Verfall darin erwartet und gewollt gewichtige Sätze, der entscheidet sich (vermutlich mit der Jury, sage ich vage voraus) für Thomas Stangl.
Freunden von leisen Geschichten empfehle ich einen Blick auf Böttcher, vor allem, wenn sie gerne durch die Nacht fahren.
Und wer von Klagenfurt auch ein bisschen was Experimentelles erwartet, der ist mit Kern oder Stavaric gut bedient.

Und ich? Ehrlich, ich denk noch nach. Zeit ist bis 20 Uhr.

Hier nochmal die gesammelten Rezipienten-Links.