Bachmannpreis 2009 Livegebloggt Teil 5


Gregor Sander, Winterfisch. Schöner Titel. Im Text ist aber erst einmal Sommer. Ein Fischer und ein Boot, nur der väterliche Freund des beziehungs-leidenden Protagonisten kommt nicht. Viel Erinnerung. Könnte öd sein, ist aber eine angenehm bunte Gutenmorgengeschichte.

Twitter-Fangemeinde schläft hauptsächlich noch.

Jury: Sulzer erzählt erst einmal den Inhalt nach. Das greift um sich. Feßmann hat ein Problem und findet den Text handwerklich schlecht erzählt. Fleischanderl widerspricht, findet aber die handwerkliche Perfektion problematisch, wie kleine Backförmchen. Mangold denkt zuerst über die Stoffseite nach. Findet die Motive gut, findet aber, es müsste mehr Bedrohung davon ausgehen. Keller (hat eingeladen) hebt an, als würde sie auch vorlesen. Sie sieht eine Freundschaft der Dinge, die der Text atmet. Spinnen stottert ein bisschen und redet von 20 Jahren deutscher Geschichte und von einer “merkwürdigen Ruhe gegenüber den Weltläuften”.

Andrea Winkler. Der Text beginnt mit einer “ausgesprochen wirklichen Hand” und ist so überbetont vorgelesen, dass ich nicht zuhören mag. Der Text gewinnt deutlich, wenn man den Ton abdreht und stattdessen selbst liest, aber um ihn zu beurteilen, bräuchte ich mehr Zeit, als der Vormittag dauert. Ich weiß weder, ob ich den Text mag, noch ob er wirklich gut ist, habe aber trotzdem das starke Bedürfnis, ihn gegen jede despektierliche Bemerkung zu verteidigen.

Jury: Mangold hat gehofft, als letzter dranzukommen, damit ihm seine Kollegen den Text erklären. Außerdem fallen noch Schlagwörter wie “narzisstische Allmachtsphilosophie”, und Fleischanderl und Spinnen sind einig über die Musikalität des Textes. Jandl (hat eingeladen) liest eine Erfindung der Wirklichkeit. Ich brauch mehr Kaffee. Spinnen bringt dann noch ein Plädoyer (“für die, die mitschreiben”), ein selten werdendes Genre nicht mit einem einzelnen Text zu verwechseln.

Katharina Born, der Text hat zu viele Menschen, zu viele selbstverständliche Adjektive, zu viele Romanheftl-Momente. Wir sind wohl irgendwie in den 60ern? 70ern? Es geht um Leute, die man kennen müsste (?). Künstler, Nazis, . Und zum Schluss eine Schwangerschaft. Gähn.

Jury: Sulzer findet den realistischen Anspruch nicht erfüllt; Feßmann versteht Sulzers Problem mit den Hunden nicht, findet den Text unheimlich beweglich un einen erotischen Unterton (ich nicht. Jandl auch nicht). Keller überinterpretiert den Titel. Spinnen holt weit aus und kommt dann doch auf keinen Punkt, aber das tut er immerhin sehr amüsant. Mangold hat eingeladen und redet sich für mich endgültig ins Abseits. Viel Unsinn. Spinnen “Dezent ist etwas für Inneneinrichtungen”. Das passt.

Bei Caterina Satanik fängt die Geschichte mit einem Hund an. Der ist dann weg, der Mann auch. Rückblick Hund, Mann, Strand, gedachte Zärtlichkeiten, Numerologie und Lebensbaum. Beziehungskiste mit Hund. Hm.

Jury: Feßmann vermeint eine Nähe zu Lasker-Schüler zu bermerken. Mangold sieht den Text wegen seiner Leichtigkeit auf den vorderen Plätzen. Jandl findet die Aussage, dass Heimwerkerei nichts anderes ist, als fehlgeleitete Zärtlichkeit. Sulzer meint, dem Mann aus dem Text gestern begegnet zu sein. Es war der Taxifahrer. Keller findet den Text liebenswert und die Austriazismen putzig. Spinnen glaubt Fleischanderl nicht, dass es eine normale österreichische Umgangssprache ist.

Das war’s.  Ich schwanke zwischen Erleichterung, dass es vorbei ist, und einem ungläubigen “war das alles?”.

Abstimmen für den Publikumspreis (15-20 Uhr)
Die anderen Teile meiner “Live-Bloggerei”
Linksammlung Bachmannpreis 2009


Schreibe ein Kommentar.