Bombenstimmung


Es ist schon seltsam, wie die eigene Reaktion auf bestimmte Ereignisse sich verändert. Anschläge wie die gestrigen in London sind um nichts weniger schrecklich, um nichts weniger tragisch als sie es vor ein paar Jahren gewesen wären – aber was wegfällt, ist der Überraschungseffekt. Anstatt großäugig auf den Bildschirm zu starren und das Ganze nicht fassen zu können, bildet sich im Inneren eher etwas wie ein halbresigniertes “Nicht schon wieder”. Der schnelle Check, ob Bekannte & Freunde (online & offline) in Sicherheit sind: schon fast Routine. Zum Glück, sie sind. Die Experten labern im Fernsehen, noch bevor man irgendwelche Fakten kennt. Die Londoner sind irgendwie anders. Auf dem Schirm ein Mann, der mit völlig ruhiger Stimme die Ereignisse in der U-Bahn schildert, als wäre es nur ein kleines Ärgernis, dass ihm dabei das Blut übers Gesicht läuft. London Spirit. Fast hysterisch dagegen die Nachrichtensprecher in den deutschen Studios. Jemand drückt einen falschen Knopf, und mitten in die blutigen Bilder tönt eine herzhafte deutsche Studiostimme “…soll ein paar Brötchen mitbringen!” – Die Moderatorin scheint fast erleichtert, als endlich die ersten zwei Toten bestätigt werden. Medienlogik. Die kleine zynische Stimme im Inneren wird lauter. Ob der alte George seinen Kumpel Tony angerufen hat, um ihn zu fragen, aus welchem Land sie die Terroristen jetzt ausräuchern sollen? Es gäbe ja noch ein paar, die… nein? Dann alles Gute…

Tatsache ist aber: Menschen sind gestorben, Menschen wurden verletzt. Jedesmal, wenn die Studios dann nach einer Weile “an die Börse” schalten, wo gelackte Jünglinge hysterisch die Kurse in Bezug zu den Ereignissen setzen, als wäre das das einzig Wichtige, jedesmal dann tut es mir ein bisschen leid, dass ich selbst nicht das Zeug zum Terroristen habe.


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