KategorieFotospaziergang

Kalter Fuss

Heute wollte ich wieder einmal in Sachen Restemuseum auf den Naschmarkt schauen. Ich dachte an eine kleine Food-Runde (Falafel ftw), dann an einen Kaffee in Sichtweite des Flohmarkts, um die richtige Zeit des allgemeinen Aufbruchs der Standler zu erspähen, und dann eben an die übliche ausgedehnte Reste-Foto-Runde.

Bereits auf dem Hinweg begann allerdings mein rechter Fuss trotz warmer Socke und Winterschuhen zu frieren. Ich dachte mir nichts dabei und ging etwas schneller, um die Zirkulation in Gang zu bringen. Der Naschmarkt war kalt und nass, und ich verlor ein bisschen die Lust – wenn man sich feuchtigkeitsbedingt nicht hinknien kann, um den besten Winkel zu erwischen, macht das Reste-Fotografieren auch nicht so viel Spass. Ein Cappuccino würde mich aufmuntern, dachte ich mir, aber die Lokale waren entweder überfüllt, punschduftverseucht, oder sie hatten keinen Cappuccino.

Trotz grauen Tags waren die Obst- und Gemüsestände gut ausgeleuchtet. Mit warmgelbem Licht, das selbst unter jännergrauem Himmel ein sanftes Sonnengefühl verbreitete. Ob das nun Absicht ist oder Zufall, verkaufsfördernd dürfte es allemal wirken.

Mein rechter Fuss, und nur der, fror unterdessen immer mehr. Ich begann mir Sorgen zu machen, Hypochonder kann ich mittlerweile ziemlich gut. Unkonzentriert fing ich ein paar Reste fürs Museum fotografisch ein (demnächst dort drüben) und beschloss dann den geordneten Rückzug. Da kam mir noch dieser Anblick unter, der irgendwie, so schien mir zumindest, das ganze Wesen des Naschmarkts in ein einziges simples Bild bringt.

Zu Hause dann die Erkenntnis: Wenn nur ein Fuss friert, such nach dem Loch! Was immer ich mir da eingetreten habe – es lässt Nässe und Kälte herein, und auch wenn ich ein bisschen dankbar bin, dass der Störenfried es nicht bis in meine Fusssohle geschafft hat, hätte ich meine einzigen warmen Winterschuhe doch lieber lochfrei behalten.

Die jährliche Fotosession

Wie viele von euch wissen, mache ich ja seit vielen Jahren die individuelle Grafik für die Neujahrsaussendung vom Herrn Flying Sufi. (Hier in seinem Blog sind einige davon zu sehen). Letzte Woche war es wieder einmal Zeit, sich auf Fotojagd zu begeben. Wie die Karte diesmal aussehen wird, darf ich noch nicht verraten; aber da die Session ergiebig war, möchte ich euch zeigen, was es heuer nicht in die Endrunde geschafft hat.

Da war erst einmal derAugenblick des Treffens. „Ich brauche noch einen Moment,“ tönte der zu Fotografierende, suchte sich ein ruhiges Plätzchen und packte ein Riesentrumm Fleisch von einem Spanferkelchen aus. Ein winziges halbes Semmerl war auch dabei. Bevor ich mich dem unerwarteten Genuss widmete, drückte ich ab, und schlug vor, einzupacken. Eine typischere Handbewegung gibt’s beim Herrn Sufi nicht, und das Glücksschwein war auch gleich dabei, wenn auch… ein wenig lädiert. Leider stieß meine Idee auf wenig Gegenliebe.

Das hier hat ja ebenfalls ein wenig mit Essen zu tun. Leider ist der Blick des freundlichen Herren neben dem Hauptdarsteller wenig weihnachtlich, wenn auch sehr wienerisch. Wir flanierten weiter.

Flugzeuge sind immer gut, doch dieses hier war etwas seeehr klein geraten. Zudem lädt der grüne Hintergrund nicht gerade zu weiteren optischen Abenteuern ein.

Schließlich trafen wir noch diesen kaltblütigen Zeitgenossen, der als Metapher für den steigenden Druck im Leben bei gleichzeitig sinkenden Zukunftsaussichten durchaus passend schiene. Etwas festlicher, meinte der Herr Doktor, dürfe es dann aber doch sein.

Keine Sorge: Es wird. :)

Frühlingsspaziergang im November

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Hochsommer-Nachtrag

Der Wetterbericht wackelt. Am Samstag soll der Umschwung kommen, nein am Sonntag. Doch am Samstag. Nein, erst am Montag. Den Updates zuzusehen, ist wie ein Fussballspiel zu verfolgen. Ein Fussballspiel, das an der Kippe steht, und bei dem man beide Mannschaften irgendwie mag. Auf der einen Seite der Sommer. Der heiße, brütende, trockene Sommer, von dem die nackten Menschen in der Lobau sagen: Ich komme seit 30 Jahren hierher und hab das Gras im August noch nie so braun gesehen. Von Tag zu Tag wird mir die Hitze angenehmer, fast so wie in Griechenland in den 80ern, als ich bei 40 Grad (im Schatten) auf die Akropolis gewandert bin (in der Sonne). Fast so als hätte sich nichts verändert seither. Fast so als wäre ich noch… was? Jung? War ich jemals jung?

My Back Pages (Bob Dylan, Roger McGuinn, Tom Petty, Neil Young, Eric Clapton & George Harrison)

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Auf der anderen Seite die Aussicht auf Regen, auf sanftes Sommerfrösteln, auf neugeboren grünes Gras. Ach, was wär das für ein Stress, wenn man sichs aussuchen müsste. Ein Glück, dass man das nicht kann.

Wie sehr ich diese Pause brauche, merk ich daran, wie zielsicher ich Tag für Tag meinen Stammbaum ansteuere. Dabei gäb’s doch so viel zu entdecken. Die Seestadt zum Beispiel, wo ich noch nie war. Feste, Open Airs, Fotowandern auf der Donauinsel. Doch nein, jeden Morgen, wenn ich meine Nase aus dem Fenster halte und mich frage, was ich machen möchte, gibt es nur eine Atwort: Baumschatten, Donauwasser, Buch. Das mir, die nie so richtig Strandurlauberin war. Aber – man muss das Leben genießen, so wie es sich gerade anfühlt. Vor allem im Urlaub.

Die Bücher

2015-08-08 10.42.47-1Suite française von Irène Némirovsky habe ich in Innsbruck gekauft, vielleicht mehr, weil mir die wertige Ausgabe gefiel und die Buchhandlung sympathisch war, als wegen echten Interesses. Es liest sich leicht und sommerlich, trotz schweren Inhalts. Richtig schmerzhaft wird die Sache, wenn man begreift, warum all diese Lebensgeschichten so unvermittelt im Nichts enden.

Nach so viel Krieg wollte ich eigentlich etwas  Leichtes lesen, aber dass mir die Zufallsfunktion meines Musikplayers meinen Lieblings-Theodorakis servierte, zehn Minuten bevor mir die Theodorakis-Autobiographie der frühen Jahre vom Stapel der ungelesenen Bücher buchstäblich in den Schoß fiel, konnte kein Zufall sein. Immens intensive Bilder. Dass Der Krieg in Griechenland noch ein bissl komplizierter war, als wir es kennen, weiß ich schon aus einer Seminararbeit, die ich geschrieben habe, als ich noch meinte, Geschichtsprofessorin werden zu wollen. Aber die alltägliche Realität der ständig wechselnden Fronten, die Grausamkeiten von allen Seiten, wiedergegeben in einer, wiesollmansagen, keineswegs kalten, aber sehr lapidaren Art, eingebunden in die ständige Suche nach dem künstlerischen Ausdruck. Das Eis unterm Stammbaum schmeckte mir trotzdem, vielleicht sogar besser, vor lauter Dankbarkeit, nicht in so eine Zeit geworfen worden zu sein. Und dafür, nach manchen Stellen das Buch einfach zuklappen zu können und eine halbe Stunde Licht und Strandleben zu atmen, jetzt und hier. Nach  Stellen wie diesen:

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Danach wirklich Leichtes. 2 alte schwedische Krimis, einer als Hörbuch im Ohr, einer als Papierausgabe. Angenehm fiktiv und weitgehend happy-ended, außer für die storygebenden Leichen natürlich.

Die Livemusik

Zu einem richtigen Urlaub gehört natürlich richtige Livemusik, da bot sich das Alberner Hafenfestival an. Freier Eintritt, wenig wirkliche Highlights, also zumindest als nicht-unbedingt Austropop-Fan. Am ersten Tagwollte ich eigentlich Hary Wetterstein sehen, konnte mich aber nicht überwinden, nachmittags bei 36 Grad anderswohin als zum Wasser zu pilgern. Auf meinem Handtuch unterm Baum wuchs aber die Neugierde, ob man nicht aus der Lobau irgendwie über die Donau zu Fuss hinüberwandern könnte. So gegen sieben war ich bereit, es zu probieren.

Sechs Kilometer, meinte Mr. Google, und als es sieben Uhr wurde und die Hitze etwas nachließ, machte ich mich auf den Weg. Über den Waluliso-Steg und quer über die Donauinsel, die dort am unteren Ende etwas breiter ist, als ich sie kenne, und sogar ein Flüsschen mit Brücke darüber zu bieten hat. Erstaunlich! Dann am Kraftwerk Lobau vorbei, in eine Industriegegend mit Grünanklängen, die mir bislang völlig unbekannt war. Die letzten 2 Kilometer waren dann weniger lustig, die Straße ohne Gehsteig, Lastwägen zischten vorbei, aber auch das ging vorbei.

Schließlich den Alberner Hafen erreicht, der neben Schiffen, Hallen und in dem Fall Musik auch einen richtigen Leuchtturm zu bieten hat.  Die Veranstaltung selbst ist ursympathisch, nicht zu groß, viel Kulinarik, Securitys vom Motorradclub. Ich kam gerade recht zu Ulli Bäer, gönnte mir nach der langen Wanderung ein Bierchen, traf erstaunlich viele Bekannte und flüchtete dann gleich wieder, weil Stefanie Werger wollte ich mir doch nicht antun.

Am nächsten Tag spielte Erwin Bros, den wollt ich mir ansehen. Er ließ sich Zeit, was mir zu einer Ofenkartoffel und einem ausführlichen Rundgang reichte. Entspanntes Rumhängen prägte die Szene, ganz wie in alten Zeiten.

Der alte Rocker geigte erst gewöhnungsbedürftig, nach drei Songs aber in alter Frische, und ich freute mich.

Eigentlich wollte ich an dem Tag etwas länger bleiben, aber die Mainstreamklänge von Lichtwärts vertrieben mich dann auch gleich wieder.

 

 

Wandertag

Es mag meinem Interviewpartner ein bisschen seltsam vorgekommen sein, dass ich am Ende unseres Termins nach einem Wanderweg ins Tal fragte, aber in meinem Alter darf man schon einmal seltsam sein. Besonders an Tagen, wo alle Züge Verspätung haben (ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann das das letzte Mal passiert ist), der Taxifahrer sich auch noch kräftig verfährt, der Termin durch den Zeitverlust halbiert wird und wegen anderer Schwierigkeiten ohne eigene Fotos zu Ende geht, während mein zweiter Termin für den Tag per SMS absagt, ja solche Tage gibts halt auch, aber… hoppala, das wollte ich eigentlich gar nicht so genau erzählen.

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2015-07-14 16.22.04Erzählen wollte ich vielmehr, wie ich dann im Semibusiness-Gewand mit Technik-Rucksack durch den Wald stapfte, die Trekking-Sandalen immerhin waren im Rucksack. Die Sonne hatte ihre gute Laune wieder gefunden und schubste die Wolken beiseite, der Wald roch nach Wald (und nur einmal kurz nach dem Benzin vorbeibretternder Nachwuchsmopeds, die auf dem Weg definitv nicht erlaubt waren, aber… jo mei.) 50 Minuten versprach das Schild bis nach Kufstein, ich hielt mich nicht zurück und machte es mit Abstecher zum Waldsee in 40. Erstaunlich eigentlich, erfahrungsgemäß sind die Zeitangaben der Wanderwege in Tirol on Point, ganz anders als die uroma-mit-krückstock-kompatiblen Schätzungen in Salzburg, die man ungschauter jedes Mal halbieren kann.

Wäre der Waldsee verlassen gelegen, hätte es natürlich länger gedauert, aber zwei sehr angezogene Schwimmer und die Tatasache, dass sich mein Badeanzug leider noch nicht in den Default-Tagesrucksack verirrt hat, verhinderten ein schnelles Badevergnügen zwischendurch. Ich musste mich damit begnügen, meine Hose aufzukrempeln und ein bisschen durch den Uferbereich zu waten. Abkühlung immerhin. Kleine Fische umschwammen mich vorsichtig, Gelsen fanden mich erstaunlicherweise keine. Dann ein Stück weit barfuss durch den Wald, aber das braucht eine andere Aufmerksamkeit, als ich sie übrig hatte, also die Schuhe wieder angezogen.

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Als Wanderer am Berg, so kenne ich das, grüßt man freundlich, wenn jemand entgegen kommt. Viel war nicht los, aber die wenigen Begegnungen funktionierten wie gewohnt. Bis auf eine. Ein Pärchen im fortgeschrittenen Alter zuckte erschrocken zusammen, als ich ein ortsübliches „Grüß Gott“ offerierte. Wortlos gingen sie weiter, bis die Dame vermeintlich außer Hörweite, fragte: „Ludwig, warum grüßen denn die Leute hier alle? Was Wollen die von uns?“

Ich kicherte innerlich und dachte mir ein herzhaftes „Piefke!“

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Ohne weitere Zwischenfälle erreichte ich das Städtchen, wo ich mich nach mehreren seltsamen Blicken in Riochtung meiner Beine daran erinnerte, die Hose wieder hinunterzukrempeln. Kufstein selber ist voller Kontraste, irgendwie sympathisch, nicht zu schön, nicht zu schäbig, Historie, Neuzeit und ein Hauch von Siebziger-Industrie-Grandezza, irgendwie voll OK. Der Inn gibt ein bisschen Weite trotz der Berge.

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IMG_7477Ich spazierte noch ein bisschen durch die Altstadt, hier könnte man gut bleiben, wenn man nichts müsste. Vielleicht nicht für immer, aber für ein paar Tage durchaus.

Leider muss ich aber einiges die nächsten Tage, also setzte ich mich am sonnigen Bahnhof auf den Boden (was ich immer so mache, seit sämtliche Bänke kilometerweit von der Raucherzone entfernt stehen) (und genieße an Tagen wie heute die entsetzten Blicke der Youngsters, die wohl noch nie jemand über 30 auf dem Boden sitzen gesehen haben) und wartete auf den nächsten Railjet, der hier irgendwann sicher zufällig vorbeikommen würde. So fühlte sich das zumindest an, obwohl der Railjet schließlich – natürlich nicht zufällig irgendwann, sondern vorbildlich fahrplangemäß einfuhr.

 

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Innsbruck, überraschend

Nach einem längeren Termin in Imst brachte mich ein guter Geist nach Innsbruck, wo ich noch einmal übernachten wollte, um am nächsten Tag noch zwei Stories mit nach Hause zu nehmen. So oft kommt man ja als Wiener auch nicht in den wilden Westen, das muss man nutzen, wenn man schon da ist. Der gute Geist bestand höflichst darauf, mich mit dem Auto bis zum Hotel zu bringen, obwohl ich mehrfach betonte, dass der nächstgelegene Bahnhof durchaus genügen würde. Ich war zweierlei: ein bisschen froh, nicht durch den Regen laufen zu müssen, und das noch dazu bergauf; ein bisschen traurig, mir nicht die Kopfhörer ins Ohr pflopfen und endlich wieder zur einsamen Wölfin mutieren zu dürfen. Der gute Geist war, allen Anzeichen nach, ähnlich gespalten, zwischen dem Bedürfnis, selbst endlich heimzukommen, und der Gelegenheit, noch ein bisschen „off the record“ zu plaudern.

Innsbruck hat, wenn man von Westen her hineinfährt, einen ziemlich großen Flughafen, der international genug ist, um auch nachts beleuchtet zu sein. Innsbruck hat den Inn, der sommerabendlich trotz des Mistwetters fröhlich vor sich hin rauscht. Innsbruck hat historische Häuserzeilen, es hat auch Baustellen und Umleitungen, aber schließlich fand sich die Abzweigung, hinter der mein Hotel in einem stillen Sackgässchen geduldig auf meine Ankunft wartete.

Das Hotel, dieser kleine Exkurs muss erlaubt sein, hatte ich ganz gegen meine Gewohnheit nach einem einzigen Blick auf ein Foto gebucht. Normalerweise klicke ich mich bei Buchungen ein gutes halbes Stündchen lang von Möglichkeit zu Möglichkeit, vergleiche Ausstattung, Lage und Preis und entscheide mich schließlich für den besten Kompromiss aus diesen drei Eckdaten. Nicht so in diesem Fall. Ein Foto, und ich wusste: Da will ich wohnen. Der Preis war (sehr) leistbar, die Lage war… OK, die Ausstattung entsprach ehrlichen drei Sternen. Ich war vielleicht ein Haucherl nervös, als ich durch den Eingang trat, nicht zuletzt dank des traumtischen Erlebnisses der vorhergehenden Hotelwahl, aber der Anblick von Rezeption und Rezeptionistin beruhigte mich sofort: Es war ganz klar ein Weltenbummlerort, an dem Heimatlose unmittelbar zu Hause sein dürfen. Ich trug mein Gepäck ohne zu murren selber in den liftlosen dritten Stock, wo mich ein riesiges 3-Bett-Zimmer mit wunderbarer Aussicht über die Innsbrucker Altstadt für für die kaum erwähnenswerte Mühe entschädigte.

Ich legte Koffer und Businessklamotten ab und anschließend mich auf das zentralste der drei Betten. Eigentlich hatte ich noch ein bisschen das Innsbrucker Nachtleben erkunden wollen, doch die Zufriedenheit war groß. Ein kleines Bier aus dem Kühlschrank neben der Rezeption, und, zurück am Zimmer, ein Auge auf die Nachrichten und das andere aus dem Fenster, weit über das nächtliche Innsbruck. Danach die Zähne putzen und feststellen, dass bei offener Badezimmertür auch vom Klo aus ein endloser Weitblick entzückt. Der nachts zwar besonders romantisch war, aber erst morgens fotografierbar.

Zimmer mit Aussicht

(Ganz so finster war das Wetter übrigens nicht, da ist der Instagram-Filter mit mir durchgegangen) Ich überlegte kurz, dort zu bleiben für alle Zeit, aber mir wollte partout kein Lebensrahmen einfallen, in den das passte. Ein bisschen traurig darüber trabte ich zum Frühstück. Dann nichts wie ab in die Stadt, ich hatte mir das so ausgerechnet, dass ich mit einem Gepäckfach-Abstecher zum Bahnhof meinen ersten Termin gemütlich zu Fuß erreichen konnte.

Jenseits des Inns glänzte quasi sofort das Goldene Dachl, in der morgendlich befahrbaren Fußgängerzone sympathisch normal trotz seines Kultstataus. Zwei Busladungen asiatischer Touristen änderten das allerdings schlagartig. Dennoch – der Weg zum und vom Termin und ein abschließender Spaziergang durch die Stadt vor einem Termin ganz anderer Art gaben mir das Gefühl, dass diese Stadt ziemlich OK ist.

 

Das Leben ist

 

 

Kurze Sonnenrunde

Nach Tagen mit Nebel, Schneeregen und Finsternis hat sich die Sonne ins neue Jahr gewagt. Zeit für einen Spaziergang!

Auch der Rabe (?) blinzelt ungläubig ins große Blau.

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Staubige Reste der Festlichkeiten spiegeln Gegend und mich.

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Exotisch anziehende Farbenpracht am Naschmarkt

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Gespiegelte Lichtspiele

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Unter dem Jännerhimmel wirkt die Stadt besonders groß – und leer.

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Himmel mit Borte!

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Die Farben am Kanal grenzen an unwirklich.

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Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben (und pinkeln)!

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Strahlende Trostlosigkeit in der nahegelegenen G’stättn.

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Licht und Schatten

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Guten Morgen!

Fotomarathon 2014

Diesmal habe ich am Wiener Foromarathon teilgenommen. Es war mein erster, und es war lustig, spannend und sehr lehrreich. Ich denke, es wird nicht mein letzter gewesen sein…

Der Fotomarathon verlangt von den Teilnehmern 24 Bilder zu 24 vorgegebenen Themen, die innerhalb von 12 Stunden in der vorgegebenen Reihenfolge abgeliefert werden müssen. Mein Entschluss zur Teilnahme war spontan, ohne viel Vor-Recherche, und so kam es, dass ich etwas naiv an die Sache heranging. Schon beim Abholen der Speicherkarte wurde mir klar, dass ich mit diesen Voraussetzungen wenig Chancen auf einen Platz in den vorderen Rängen haben würde. Andere Teilnehmer kamen mit Rollkoffern voller hilfreicher Utensilien (Props) oder in Gruppen mit coolen (und heißen) Models.

Aber, Dabeisein ist alles (dachte ich mir) und zog mit dem Themenzettel los. Dass die 24 Bilder in der vorgegebenen Zeit gar nicht so leicht umzusetzen waren, merkte ich bald, und am Ende begnügte ich mich mit dem Halbmarathon und 12 Bildern. Die zweite Hälfte der Themen wäre eigentlich die interessantere gewesen, aber es ging schon gegen Abend, und ich fühlte mich tatsächlich etwas erschöpft – körperlich, aber vor allem auch kreativ.

Bis dahin hatte ich die Stadt mehrfach in alle Richtungen durchquert, einen spanischen Busfahrer, der vor meinem erwünschten Motiv stand, mit seinem Bus einmal um den Block geschickt (und ihm dann den Platz natürlich freigehalten), ich hatte mit einer finnischen Touristenfamilie in beiderseits unsicherem Schwedisch kommuniziert (leider wollten sie im Endeffekt doch nicht auf das Foto), hatte Grasflecken auf meiner Lieblingsjean und ein paar blaue Flecken wegen der Jagd nach einem Eichhörnchen und einer Krähe, wäre beinahe in einem Polizeiauto mitgefahren (der Standort des angestrebten Klassik-Polizei-Golf war aber leider über Funk nicht eruierbar), hatte einen Bärenhunger, weil unterwegs essen einfach zu viel Zeit gekostet hätte, und stellte schließlich auf dem Weg in meinen Elfenbeinturm fest, dass mir doch auch irgendwie die Füße weh taten.

Mit anderen Worten – ich hatte den ganzen Tag einen Höllenspass.

Meine Themen-Fotos
Es war immens spannend für mich, nach vielen Jahren wieder einmal ohne das Netz der digitalen Nachbearbeitung zu fotografieren. Während ich auf Belichtung und Tiefenschärfe auch im Fotoalltag durchaus achte, ist beispielsweise der exakte Bildausschnitt etwas, das ich normalerweise erst im Lightroom finalisiere – ein wiederentdecktes Schau-Gefühl, das im Sucher zu tun. Und ein bisschen aufpolieren tut man ja doch immer… naja, außer beim Fotomarathon. Hier sind meine 12 Versuche:

1 – “Wien am Morgen” – Als Nicht-Frühaufsteherin fühlte ich mich beim allerersten Thema ein bisserl im Nachteil, aber inhaltlich finde ich die Lösung durchaus gelungen. Technisch hätte ich dem Motiv im Nachhinein betrachtet etwas mehr Raum gegönnt (aber beim Fotografieren hatte ich das entgegengesetzte Gefühl).

 

2. – “Nachdenklich” – Ein zufällig entdecktes Graffiti, das auf ein vergittertes Fenster schaut. Das hat sich beim Abdrücken besser angefühlt, als es rüberkommt. Auch die Entscheidung, die Belichtung um eine Stufe zurückzunehmen, erwies sich am großen Bildschirm als suboptimal. Naja; live and learn!


3 – “Am Spielplatz” – Da hatte ich ein Problem, denn wer lässt schon wildfremde FotografInnen seine Kinder am Spielplatz fotografieren? Mit den aufmerksamen Augen und dem schaukelnden Kind im Hinntergrund zielte ich in Richtung “Stranger Danger”, aber obwohl ich ausführlich darüber nachgedacht hatte, war die Blende doch etwas zu weit offen und man erkennt die Idee kaum.


4 – “Es wird gebaut” – Ich hatte da schon ein ziemlich starkes Bild von einem wehenden Bauvorhang gemacht, habe es aber zugunsten des Zugthemas Mahü verworfen. Wahrscheinlich ein Fehler…


5 – “Fotografie ist Abenteuer” – Ideeenmäßig sah ich mich hoch auf einem Baugerüst, mitten unter wilden Tieren (im Haus des Meeres) und auf der oberen Ebene eines offenen Touristenbusses, aber der zufällig entdeckte Abgang ins Foltermuseum schien meinem “dunklen” ich sehr plötzlich sehr geeignet, um die Ungewissheit des täglichen Schaffens auszudrücken. Hmh. Im Nachhinein nicht mehr so sehr.


6 – “Im Burggarten” – Im Burggarten (der einzigen benannten, vorgegebenen Location) wimmelte es vor Fotografen, sodass sogar die Touristen irritiert schienen. Ich hatte ein paar Ideen, aber in dem Moment nicht die Geduld – wenn man alle paar Schritte über ein “Setting” stolpert, dann geht der Spass verloren. Ich rettete mich in ein mittelmäßiges Postkartenmotiv. (Bissl Himmel reinkopieren & geht scho’)


7 – “Der Golf. Das Auto.” – Das Thema irritierte mich, ich hatte keine Lust, Werbung zu machen. Was als schneller Abstecher zum Autohändler in meiner Nachbarschaft geplant war, wurde zu einem der zeitfressenden Fotos des Tages – weil ich nicht loslassen wollte (konnte?) bevor ich die Idee des gezoomten bösen Golf-Auges wunschgemäß im Kasten hatte. (Am großen Bildschirm war schnell klar: Mehr Licht wäre der Schlüssel gewesen) …


7a… Nämlich so ungefähr. Hätte ich mir das eigentlich vorgestellt.


8 – “herbstliches Wien” – Naja, etwas unambitioniert vielleicht.

9 – “In der Mitte” – Ganz ehrlich, ein Bild aus Wien Mitte, wo mitten zwischen den Gleisen ein Steinschild steht, während drüben einer mitten im Wegfahren noch mitten in die Schnellbahn einsteigt – viel mehr Mitte geht nicht.

10 – Mehr Menschlichkeit für Tiere –  Zu meiner Interpretation (vermenschlichte Tiere statt des vermutlich beabsichtigten Tierschutzes) stehe ich zwar nach wie vor, aber ich war offenbar schon zu faul ermüdet, um das passende Objektiv draufzuschrauben und an den Weißabgleich zu denken…

…es hätt so schön sein können (Und ja, eine etwas kleinere Blendenöffnung, die den Lippizzaner zwar nicht scharf, aber besser erkenntlich gemacht hätte, wäre auch von Vorteil gewesen)

11 – zusammen/gemeinsam – Ich habe nicht wirklich eine Entschuldigung dafür. Weder technisch noch inhaltlich.


12 – ICH BIN das ultimative Selfie – ICH WAR, das muss man für dieses Foto verstehen, in diesem Moment vor allem sehr sehr müde. Dennoch finde ich das Bild gelungen. Es kommt selten vor, dass ich mich auf Fotos mag. Und das Bild wird mich auf ewig daran erinnern, wie verblüfft die slawischen Jungs und Mädels bei ihrem Picknick auf der Parkbank mir dabei zugesehen haben, wie hektisch ich dem allerletzten Sonnenstrahl des Tages nachgelaufen bin, um ein völlig entspanntes Foto zu schießen.

Am Ende reichte es für Platz 205 im Halbmarathon, nix zum Angeben, aber für’s erste Mal auch wieder nicht so schlecht. :)

Hallo Ziersdorf!

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Montagsspaziergang ohne Beute

Nachdem tagsüber wieder der Regen aus allen Wolken gefallen war, klarte es nachmittags sonnig auf. Ich hatte beruflich im 14. zu tun und beschloss danach, den Arbeitstag schon um halb fünf einen gewesenen sein zu lassen und zu Fuß nach Hause zu gehen. Man weiß ja nie, wie oft man die Sonne noch zu Gesicht bekommt vor diesem Winter, schon gar bei T-Shirt-Temperaturen. Wobei diese natürlich relativ sind; in der Stadt war heute von Spaghettiträger-Strandkleid bis hin zur Daunenjacke alles zu sehen.

Einen verlockenden Abstecher ins technische Museum versagte ich mir, ich wollte ja draußen sein und nicht drin.  Johnstraße und Linzer Straße glänzten mit gewohnt dichtem Verkehr, da half auch die lilaweiße Deko des Stadtgartenamts kaum.


Ein paar Schritte weiter riefen die Früchte ehemaliger Rosen ganz deutlich “Herbst!”.

Dann hatte ich die äußere Mariahilferstraße erreicht. Auf diesem Stückchen Straße trotz all seiner Beliebigkeit schon seit jeher das Gefühl, als müsste das Meer gleich um die Ecke liegen. Ich kann es beinah riechen! (Und dabei hat der Fischhändler schon vor Jahren zugesperrt!)

Es folgt eine stadtbildtechnisch leicht abgefuckte Atmosphäre, in der die Cafes gerne “Istanbul” heißen, obwohl die Sprachen ringsum eher slawisch klingen. Atmosphärisch recht entspannt, trotz der vorbeipreschenden Autos. Einige Ecken träumen nostalgisch von besseren Zeiten.


Richtung Westbahnhof zu wird es hektischer, lauter. 1-Euro-Shops und Friseurläden sieht man kaum mehr, hier herrschen Hostels und Internetcafes. Reisende mit Rollkoffern und Landkarten, ja, sogar noch ab und zu papierenen. Ich eile unter dem Bahnhof durch und erreiche die innere Mariahilferstraße, deren Fußgängerzone langsam Gestalt annimmt, wenn auch derweil noch baustellig. Und, ach: Dort wo einst mein Lieblingscappuccino in Bahnhofsnähe lockte, verhüllt sich heute eine Baustelle mit Riesenwerbung für schlechtes Bier.

An dieser Stelle einen großen Fehler begangen: Ich dachte, ich könnte ja den netten Frühabend in der Einkaufsstraße nützen, um nach dringend benötigten Herbst-Oberteilen zu stöbern. So lange nicht einkaufen gewesen, dass ich glatt vergessen hatte, wie ungern ich das mache. Aber die Unlust kam prompt zurück, je mehr Fetzen ich sehe, umso weniger will ich welche haben. Drei Kaufhausrunden später war ich mies gelaunt, hatte nichts entdeckt, was sich zu kaufen gelohnt hätte, und ging den Rest des Wegs nur mehr deshalb zu Fuß, weil ich es mir nun einmal vorgenommen hatte.

Ich will endlich meinen persönlichen Einkaufs-Assistenten im Internet, der mich automatisch mit passender Kleidung versorgt. Und fortan in Ruhe spazierengehen.

Sonntagsspaziergang mit Hindernissen

Eigentlich wollte ich ja nur zum Türken, um schnell ein Brot zu kaufen, weil sich gestern hinterhältigerweise keines von selber in meinen Einkaufskorb geworfen hatte. Aber draußen auf der Straße hatte es eben zu regnen aufgehört, und es war wärmer als erwartet, und irgendwo Richtung Nordwesten lugte ein kleines Stück blauer Himmel zwischen den Wolken hervor. Das Abenteuer lockte.

Man könnte ja, dachte ich, in Richtung Lobau fahren und von dort dann wieder zurück marschieren, an der Donau entlang, versteht sich. Vielleicht könnte man sogar noch einmal die Füße ins Wasser halten, vielleicht sogar noch den einen oder anderen zusätzlichen Körperteil, mal sehen, kalt war es ja wirklich nicht, und ein Tuch hatte ich immerhin um die Schultern geworfen, das könnte ja dann, je nachdem, als Sitz- oder Trockentuch dienen. Oder auch nicht. Egal. Ich sprang jedenfalls spontan und ohne über mein nicht-sonntägliches Outfit (Gymmnastikhose und wohnzimmergroßes Sweatshirt, mit taschenreicher Einkaufsweste drüber) nachzudenken, in die nächste Straßen- und dann in die U-Bahn, die mich nur wenig später in Kaisermühlen wieder ausspuckte.

Wo es natürlich längst wieder regnete. Oder vielleicht hatte es dort gar nie aufgehört, sondern war nur im 5. kurz trocken gewesen, was weiß man schon. An einen eventuellen Regenschutz hatte ich zwar gedacht, das neuerliche erklimmen des heimatlichen Elfenbeinturms vor der Expedition aber verworfen, weil das die ganz spontane Spontanität ja völlig ausgebremst hätte. Außerdem muss man optimistisch bleiben – hatte ich mir zumindest eingebildet.

So stand ich also völlig spontan und optimistisch im Kaisermühlener Regen und blinzelte in den graufeuchten Himmel, der nicht das geringste Fitzelchen blau zu bieten hatte. Stattdessen tropfte mir das Wasser ins Gesicht.

Ich schlich mich unters U-Bahn-Vordach und dachte nach. So leicht, dachte ich, so leicht lass ich mir die Spontanität nicht verderben. Kalt war es ja wahrlich immer noch nicht, und aus Zucker bin ich auch nicht. Warum also nicht einfach im Regen spazieren? Das einzige, was dagegen sprach, war die empfindliche Elektronik des Fons in meiner Tasche. Ein lösbares Problem. Ich schnorrte mir ein Plastiksackl vom Würstelstand, verstaute Fon und Kopfhörer in selbigem und das ganze in meiner Westentasche und war bereit für weitere Abenteuer.

Der Bus, zu dem ich wollte, war es nicht. Der sollte, so verriet die Tafel an der Haltestelle, erst um 14 Uhr wieder fahren. Wegen einer nicht näher bezeichneten Veranstaltung. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass ich über eine halbe Stunde warten müsste. Ich grummelte in mich hinein. Der Regen wurde stärker. Ich stieg, immer noch sehr spontan aber mittlerweile kaum mehr optimistisch, in einen anderen Bus, der zufällig gerade einfuhr. Von der am Display angezeigten Destination hatte ich noch nie auch nur gehört, aber immerhin war es drinnen trocken, und unbekannte Ecken der Stadt finde ich ja grundsätzlich verlockend.

Im Bus roch es nach nassem Hund und nach altem Bier. Der Ursprung des ersten Dufts blieb verborgen, der Grund für den zweiten schnarchte friedlich in einem Ecksitz. Ich widerstand der Versuchung, das Fon aus dem Plastik zu wickeln und Google Maps um Rat zu fragen, und beschloss, bei der ersten Haltestelle auszusteigen, deren Name interessant klang. So landete ich am Dampfschiffhaufen.

Ich fand dort weder Dampfschiffe (leider) noch Haufen (zum Glück), sondern eine verschrebergartelte Gegend rund um die alte Donau. Es regnete nur mehr leicht. Häuschen und Wege wirkten verlassen, bis auf einzelne HundespaziergängerInnen und die Fussballwiese des Polizeisportvereins, wo fröhliche PolizistInnen trainierten. Die SpaziergängerInnen warfen misstrauische Blicke auf mich, was ich ihnen angesichts meines mittlerweile wirklich nicht mehr ansehnlichen Äußeren nicht übelnahm. Viel mehr störte mich, dass es nirgends einen Zugang zur alten Donau selber gab. Alles umzäunt, versperrt, Privatgrund.

Die Hochhäuser in der Ferne verrieten mir, dass ich eigentlich wieder auf dem Rückweg zur U1 war. Auch recht. Endlich eine Fussgänger-Brücke mit Wasserblick, am anderen Ende ein dicht beblätterter Baum, der den Regen nicht durch ließ. Ich nützte die Gelegenheit für einen Blick auf die elektronische Landkarte. Immer geradeaus bis zur Donau. OK. Eine schnelle Zigarette im trockenen. Zwei sichtlich weit gereiste Radfahrer, ein Pärchen mit südwestdeutschem Akzent, nutzten denselben Baum für eine Grundstzdiskussion. (“Ich hab jetzt echt genug vom Regen!” – “Aber wir wollen heute bis nach Hainburg!” – “Immer musst DU bestimmen, ich will jetzt eine Badewanne!” – “Aber…” – “Sofort!”). Ich sah zu, dass ich weg kam.

Das Stückchen Stadt zwischen alter und neuer Donau auch regensonntagsverlassen, bis auf einen BMW-Fahrer, der meinte, mich am Zebrastreifen anhupen zu müssen. Nicht mal einen Mittelfinger wert. Ich kann sehr langsam gehen, wenn mir danach zumute ist. Egal wie sehr es regnet.

Der Donaustrand, präziser gesagt der Entlastungsgerinnestrand, noch leerer als ich es trotz Wetter vermutet hätte. Nur eine Mutter mit etwa dreijährigem Kind, das sich trotz aller mütterlicher Verzweiflung nicht davon abhalten ließ, von Pfütze zu Pfütze zu hüpfen. Bravo, Kind! So geht Septembersonntag.

Ich dagegen zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich gehmüde. Im Regenschutz der nächsten Brücke ein Zigarettchen geraucht und meine viel zu warmen Füße als Quell der Unlust entlarvt. Herbstsocken und -schuhe zwar wetter-, aber nicht temperaturangemessen. Ich steckte die Socken in die Tasche und trug die Schuhe fortan in der Hand. Barfuss, Baby! Die Gehlust kehrte umgehend zurück, und zu meiner Verblüffung verflüchtigte sich bald auch das vorher beginnende Kreuzweh. Vielleicht doch mal wieder über bessere Schuhe nachdenken? Oder einfach mehr barfuss gehen.

Ungeachtet der Blicke, denn jetzt,  Richtung Reichsbrücke, doch wieder ein paar mehr Spaziergänger. Alle mit Schirm oder Regenjacke, außer mir. Aber der Regen lässt nach und hört schließlich ganz auf. Unter der Reichsbrücke zwei eifrige Gruppen bei einer Art Tanzgymnastik, faszinierend. Eigentlich wollt’ ich ja von hier aus wieder Richtung Elfenbeinturm fahren, aber gerade jetzt? Wo der Regen aufhört? Wo Haare und Gewand langsam wieder trocknen? Nix!

Kaffee!!! seufzen meine Innereien hörbar, aber trotz der verlockenden Düfte aus den Lokalen der transdanubischen Copa Cagrana muss ich ihnen diesen Wunsch versagen. Zu grindig ist die Musikkulisse. Sich diesem Sound auszusetzen wäre emotionell fatal, Koffeinmangel hin oder her. Das beste darunter noch der alte Grönemeyer aus der “weltgrößten schwimmenden Trampolinanlage”, aber auch das schlimm genug.

Da hilft nur die Flucht über den halben Fluss. Drüben alles ruhig. Nur ein heimliches Schweindi hinter einem Blumentopf.

Noch kurz zögerlich, eigentlich sollt’ ich ja heut noch was arbeiten? Ach was, Sonntag. U1 gestrichen, next stop Floridsdorfer Brücke. Zwei radfahrende orientalische Jungs müssen stehenbleiben, so sehr kichern sie über meine nackten Füße (samt Zeigefinger-zeigen), und als ich mitgrinse, kichern sie erst recht. Weiß gar nicht, was die haben, es wird ja eh schon wieder trocken Stück für Stück?


Irgendwie kommt mir der Weg Richtung Norden kürzer vor als früher. Da ist ja schon die Autobahnbrücke und, oh, was ist das? Irgendein Fest mit Tieren, Kids mit Lamas an der Leine. Darunter ein unglaublich süßes mit Dalmatinerflecken, ich zücke die Kamera und werde prompt angepflaumt: “Sie können doch nicht DIE KINDER fotografieren!!!” – Nicht die Kinder, das Lama, korrigiere ich, aber “die Kinder sind ja dann MIT DRAUF AUF DEM FOTO!” sirent die Walküre. Angesichts von Kreissägestimme und Lautstärke verzichte ich darauf, zu erklären, dass ich das Lama auch ganz gut ohne begleitende Kinder fotografieren könnte. Wenn man mich ließe. Meh.

Aber hier ist Volksfest-Stimmung, und ich muss mich echt konzentrieren, mit meinen nackten Füßen nicht in die Pferdescheiße der Fuhrwerke zu steigen. Ganz zu schweigen davon, dass vermutlich auch dort, wo keine Pferdescheiße sichtbar ist, unsichtbare Pferdescheiße-Reste an mir kleben bleiben. Igitt! Ich wähle den Weg quer durchs nasse Gras an den Fluss und wasche meine Zehen nicht in Unschuld, sondern in Donauwasser. Immerhin besser als Pferdescheiße. *brrr*, ruhig Brauner!

Dennoch hat ein Zelt meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich stecke mein frisch gewaschenen Füße zurück in die Schuhe und gehe dem Schild “Katzen, Kaninchen und Kleintiere” nach. Finde dort allerdings weder Katzen noch Kaninchen noch andere Kleintiere, sondern nur Vereine, die Spenden für selbige sammeln. Nunja, angesichts der vielen brüllenden Kinder und kläffenden Köter wär das Zelt für anwesende Kuschelchen ohnehin nur Tierquälerei gewesen.

Ich flüchte schnellstmöglichst und nütze die Schuhe an den Füßen, um die halbüberschwemmte Festivalwiese zu überqueren. Nicht meine beste Idee, zwei Mal fast völlig versunken. Am anderen Ende des Schlamms die Schuhe wieder ausgezogen und mit leuchtenden Augen beglubscht worden.

 

Ein Blick aus der Zukunft, wie sich ein paar Schritte später herausstellt.

Jenseits der Floridsdorfer Brücke endlich den lang ersehnten Kaffee ergattert. Und während ich mich mit dem selbigen auf meine Lieblingsstiege auf der Donauseite zurückziehe (langsam und vorsichtig, auf dem Weg dahin ist reichlich Rollsplit gegen notorische Barfussgeher gestreut), kommt doch glatt die Sonne richtig raus. Ah!


Ein halbes Stündchen Sonne, Kaffee und faule Blicke auf Schlepper, Frachter und Glitzerwasser später hätt ich gern ein Patzerl Sonnencreme für mein Gesicht gehabt. Hatte ich aber nicht. Zudem war es Zeit, den Ausflug zu beenden. U-Bahn war nach so viel Licht und Luft keine anziehende Option, aber die Straßenbahn fährt ja auch.

Unterwegs über den Parkplatz noch eine denkwürdige Vater-Sohn-Szene. “Was machst du da, Bub, du stehst ja mitten auf der Straße!?” – “Du doch auch, Papa!” – “Ja, aber ich bin kein Kind!” – Neenee, so geht Erziehung nicht.

An der Straßenbahnhaltestelle seufzend wieder die Schuhe angezogen. Im 31er klassisches Vorstadtleben. Ein paar viel zu junge Grazien tauschen sich ungeniert über potentielle Zukünftige aus, ein mittelaltes Mädel, deren Arsch zwei Sitzplätze braucht, beschwert sich darüber, dass “die Chefität” ihr kürzlich an den selbigen gegriffen hat. Und zwei Omas, die sich eingehend über ihre Verdauung unterhalten. Da hilft nur mehr Kopfhörer. Eigentlich müsste die Brigittenau ja Partnerstadt von Delmenhorst sein. Eigentlich.


Am Schottenring keine Lust drauf, 12 Minuten auf den Einser zu warten, also noch ein Stückerl zu Fuss durch die Stadt. Die gefällt mir gar nicht, heute. Hat ein bissl was damit zu tun, dass ich innerhalb von 100 Metern der Limousinenatmosphäre des Kempinski zwei Mal angeschnorrt werde, Ernüchternde Kontraste. Zudem zu viele Mauern, zu wenig Wasser, und der Himmel weder blau noch schwarz, nur gräulich grau. Bei der Uni wieder in die Tram gestiegen.

Am letzten Wegstück dann wieder zwei alte Tanten, die sogar meinen Kopfhörer übertönen. “Schau mal wie viele Leute da sind!” wiederholt, eigentlich bei jeder Station. Ja verdammt, das sind viele Leute. Beim Zirkus Roncalli. Beim Streetlife-Festival. Und auch vor der Oper, ohne erkennbaren Grund. Aber müsst ihr deshalb so brüllen?

OK, mir egal, ich kann lauter. Bitte sehr.

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