KategorieChronik

Kurzes Sonnenbad am offenen Fenster

(Ich muss der Selfie-Cam echt mal das Faltenglätten abgewöhnen)

Herbst in der Stadt

Im Park läuft ein Eichhörnchen neben einem Jogger her, er auf dem Kiesweg, das Eichhörnchen im Gras. Als er stehenbleibt, um sein Telefon aus der tasche zu nehmen, bleibt auch das Eichhörnchen stehen, schaut kurz in alle Richtungen, und klettert dann, wie schulterzuckend, auf den nächsten Baum.

In der U-Bahn menschliche Halloween-Überreste, mit ganzem oder teilweise übriggebliebenem Schauder-Makeup. Ich hätte ja auch mal wieder Lust auf einen voll-verkleideten Halb-Exzess, aber dann irgendwie auch wieder nicht.

Zu Hause läuft die Arbeit schleppend. Zu angenehm der 3Sat-Globetrotter-Thementag, zu bestimmend das Gefühl, dass ich ja eigentlich viel lieber ganz andere Dinge tuen würde. Azulejos fotografieren in Portugal zum Beispiel. Oder mal wieder ein richtiges Nanowrimo mitmachen. Oder vielleicht auch einmal eine Woche lang gar nichts, jedenfalls nichts, auf das jemand wartet. Denn auch das Strickzeug liegt schon wieder viel zu lang unbeachtet herum, und der Bücherstapel neben dem Bett sowie am Kindle könnte mich auch tagelang unterhalten.

Dann immerhin dieser Sonnenuntergang. Wie der wohl von oben aussieht?

Herbst.

Am 31. Oktober bei offenem Fenster mit T-Shirt dasitzen und ein bissl grantig sein, weil man keine Zeit hat, „raus in die Sonne“ zu gehen.

Wie Männer sich das Frauenleben vorstellen (Mitternachts-Edition)

Ach, hätte ich doch rechtzeitig Tabak eingekauft, oder vielleicht gar zum Rauchen aufgehört, dann… ja dann müsste ich nicht noch um Mitternacht runter zur Cigarette Machine from Hell. Ich muss aber. Mit in langen Jahren erarbeiteter Geduld versuche ich die launische Maschine dazu zu überreden, mein Geld zu schlucken, da nähern sich zwei Paar Schritte in der ansonsten stillen Gasse.

Er (leichter slawischer Akzent): Ich weiß gar nicht, was du immer Probleme hast mit deinem Chef, musst du nur die Bluse zwei Knöpfe aufmachen.

Sie (sehr wienerisch): Geh, heast!

Er: Na echt, zeig ich dir!

Sie: (spitzer Quietscher): Finger weg!

(Ich dreh mich um, um zu schauen ob ein Eingreifen nötig ist)

Er (empört): Was, glaubst du ich will dich anfassen? Bin ich dein Bruder! Ich zeige dir was du machst mit dein Chef! Machst du so!

(Er macht sein eigenes Hemd weiter auf und wackelt wenig sexy mit Hüfte und Brustkorb. Ungefähr da sind sie an mir vorbei.)

Sie (resigniert): Geh bitte, heast.

Er (leicht beleidigt): Wenn du nicht leicht haben willst, musst du schwer haben.

Das Thermometer zeigt 15 Grad. In der Stadt laufen Menschen mit Daunenjacken herum.

Nachts um 4

Nachts um vier aufgewacht, mit dem Gefühl, dass jetzt gleich ein Erdbeben kommt. Erstaunlich wenig Angst dabei, mehr so das Bedürfnis, eine möglichst effektive Überlebensstrategie zu entwickeln.

Wieder eingeschlafen und im Traum Gespräche geführt, die meinen Gesprächspartnern sehr wichtig schienen, mich aber langweilten. Die Sprecher kamen mir auch immer viel zu nah, als müsse man mir ins Ohr flüstern, dass es morgen wohl endlich regnen wird, wie ein großes Geheimnis. Ich war ständig damit beschäftigt, einen Schritt zurückzutreten.

Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster das Aufstehen verworfen, umgedreht und fast bis Mittag weitergeschlafen. Beim Dann-Doch-Aufstehen geradezu beruhigt darüber, dass ich das noch kann, und dass mich die senile Bettflucht noch nicht gänzlich in den Klauen hat.

Gestern noch darüber schreiben wollen, wie entspannt es sich auch Mitte Oktober mit kurzen Ärmeln bei offenem Fenster sitzen lässt, heute ist es damit schon vorbei. Man darf sich eh nicht beschweren nach so einem Sommer, aber ein bisschen beschwere ich mich doch.

Erstmals heuer verlangen meine Füße zu Hause nach Socken.

(Wetter-Chronik ohne Botschaft)

Wochenend-Reste

Am Gang riecht es schon montags um 9 Uhr nach Schweinsbraten. Ein Rest vom Sonntag wahrscheinlich, so wie meine liegengebliebenen Zerstreuungen. „Nichts“ habe ich sehr überzeugt die Frage eines Freundes beantwortet, was ich denn am Wochenende machen würde. Und nichts habe ich gefühlt gemacht. Trotzdem ist die Wäsche erledigt, der Staub gesaugt, die Bücherstapel umsortiert. Nicht profitiert hat der Schreibtisch, der zeigt das gleiche Chaos wie noch am Freitag, aber es musste ja auch noch Zeit bleiben für ein bisschen lesen, stricken,  Musik hören und am Tablett Flipper spielen. Der Schrittzähler ist verzweifelt.

Ich dagegen bin bereit für eine neue Woche.

Die Gstättn schwindet dahin.

Es ist ein Kreuz mit der Bloggerei

Eigentlich wollte ich ja für meinen gedeihenden Europa-Beitrag nur einen einzigen kleinen Link nachschlagen, der da als Randnotiz gut hineinpassen würde, aber der lässt sich nicht finden. Es ist eine alte und im Grunde gar nicht wichtige Geschichte, aber sie müsste da sein, und sie ist es nicht. Natürlich ist dieses Weblog nicht nur einmal zu viel umgezogen, natürlich habe ich auch zwischen den Umzügen immer wieder gestreamlined, natürlich könnte ich sie – aber ich glaube nicht – vielleicht auch in ein anderes Weblog hineingeschrieben haben. Es ist alles etwas unklar, klar ist nur, dass ich keine Ruhe haben werde, bevor ich diese Geschichte wiederfinde.

Sie war eine Reaktion auf ein neu gegründetes Blog, fällt mir ein, das hilft mir aber nicht, denn dieses damals neue Blog ist längst wieder spurenlos eingestellt. Sie ist natürlich auf jeden Fall in meinen Datenbank-Sicherungen, diese kleine, unwichtige, alte Geschichte, aber das hilft mir auch nicht wirklich weiter, denn die alten Datenbanksicherungen sind auf der externen Platte, deren Netzgerät kürzlich den Geist aufgegeben hat, und in den neuen Sicherungen seit dem letzten Umzug taucht die Geschichte nicht auf. Ich könnte sie in archive.org suchen, wenn ich auch nur die geringste Ahnung hätte, wann und auf welcher Domain ich sie veröffentlicht habe, aber diese Ahnung habe ich nicht. Ich könnte warten, bis ich die Zeit finde, die externe Platte aus dem Gehäuse herauszuschrauben und direkt anzuhängen, aber ich und Geduld, das ging noch nie zusammen. Aber könnte da nicht…? Irgendwo…?

In den Tiefen von D:\\Archiv finde ich schließlich das Verzeichnis, das aus meinem Hinterkopf heraufdämmert. Unter \please-sort-me\ lauern sieben Gigabyte unsortierten (hauptsächlich) Text-Zeux, das sich mit der Suche nach *.sql locker durchforsten lässt. A-Puh, da ist sie ja, die Geschichte. Jetzt auch wieder online.

Was mir da sonst noch alles begegnet, verschwendet deutlich mehr Zeit, als der Umbau der Backup-Platte gekostet hätte. Wertvolle Kommentar-Dialoge; Texte und Bilder, die mir später zu privat fürs Netz wurden; Links zu längst gelöschtem, das ich dunkel erinnere, und mir wird ganz netz-nostalgisch, während ich bald bis über die Schultern in Erinnerungen wate.

Und weil ich gerade dabei bin, kümmere ich mich auch noch um ein paar andere verlorene Text-Schäfchen, freue mich über mein damaliges So-Sein und So-Schreiben und stelle fest, dass eine neuerliche (in letzter Zeit angedachte) Reorganisation dieses meines Hauptblogs definitiv nicht in Frage kommt. Hier bin ich jetzt, hier bleibe ich. Bitte erinnert mich bei Bedarf daran.

(Dave Winer schreibt in letzter Zeit auch immer wieder über diese Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die in der Natur des Internets liegen, und über die Notwendigkeit eines umfassenden Archivs, ein Thema, das mich nach 20 Jahren Online-Publishing zunehmend beschäftigt.)

Und angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit muss Europa jetzt leider bis morgen warten.

Sonntagabend

Je mehr mich die Tagespolitik im täglichen Leben beschäftigt, umso weniger habe ich Lust, sie online auch noch zu kommentieren. Daher auf Twitter Positivtwittern ausgerufen und prompt den zündenden Hashtag vergessen. Jo mei.

Trotzdem damit eine ganz spannende Aktion kennen gelernt: Salon Europa, bei der der hoch geschätzte @mikelbower als einer der ersten dabei ist. Ich überlege mir auch etwas dazu!

Bald. Aber erst mal diesen Abend hüten, den ersten seit langem, der mir ganz alleine gehört. Das Fenster offen, von oben ziehen minütlich die Airliner herein, als wäre der angekündigte Sturm persönlich hinter ihnen her. Sehr kalt ist es noch nicht, aber einer Decke über den Füßen vertrage ich schon ganz gut. Das Strickprojekt gedeiht.

Dazu Miss Fisher auf Netflix. Die Realität holt mich eh Spätestens bei „Im Zentrum“ ein.

Last day of summer?

Das Kurier-Hochhaus schaut gar nicht gut aus.

Wieder einmal Uni-Atmosphäre schnuppern

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