KategorieChronik

Wochenend-Reste

Am Gang riecht es schon montags um 9 Uhr nach Schweinsbraten. Ein Rest vom Sonntag wahrscheinlich, so wie meine liegengebliebenen Zerstreuungen. „Nichts“ habe ich sehr überzeugt die Frage eines Freundes beantwortet, was ich denn am Wochenende machen würde. Und nichts habe ich gefühlt gemacht. Trotzdem ist die Wäsche erledigt, der Staub gesaugt, die Bücherstapel umsortiert. Nicht profitiert hat der Schreibtisch, der zeigt das gleiche Chaos wie noch am Freitag, aber es musste ja auch noch Zeit bleiben für ein bisschen lesen, stricken,  Musik hören und am Tablett Flipper spielen. Der Schrittzähler ist verzweifelt.

Ich dagegen bin bereit für eine neue Woche.

Die Gstättn schwindet dahin.

Es ist ein Kreuz mit der Bloggerei

Eigentlich wollte ich ja für meinen gedeihenden Europa-Beitrag nur einen einzigen kleinen Link nachschlagen, der da als Randnotiz gut hineinpassen würde, aber der lässt sich nicht finden. Es ist eine alte und im Grunde gar nicht wichtige Geschichte, aber sie müsste da sein, und sie ist es nicht. Natürlich ist dieses Weblog nicht nur einmal zu viel umgezogen, natürlich habe ich auch zwischen den Umzügen immer wieder gestreamlined, natürlich könnte ich sie – aber ich glaube nicht – vielleicht auch in ein anderes Weblog hineingeschrieben haben. Es ist alles etwas unklar, klar ist nur, dass ich keine Ruhe haben werde, bevor ich diese Geschichte wiederfinde.

Sie war eine Reaktion auf ein neu gegründetes Blog, fällt mir ein, das hilft mir aber nicht, denn dieses damals neue Blog ist längst wieder spurenlos eingestellt. Sie ist natürlich auf jeden Fall in meinen Datenbank-Sicherungen, diese kleine, unwichtige, alte Geschichte, aber das hilft mir auch nicht wirklich weiter, denn die alten Datenbanksicherungen sind auf der externen Platte, deren Netzgerät kürzlich den Geist aufgegeben hat, und in den neuen Sicherungen seit dem letzten Umzug taucht die Geschichte nicht auf. Ich könnte sie in archive.org suchen, wenn ich auch nur die geringste Ahnung hätte, wann und auf welcher Domain ich sie veröffentlicht habe, aber diese Ahnung habe ich nicht. Ich könnte warten, bis ich die Zeit finde, die externe Platte aus dem Gehäuse herauszuschrauben und direkt anzuhängen, aber ich und Geduld, das ging noch nie zusammen. Aber könnte da nicht…? Irgendwo…?

In den Tiefen von D:\\Archiv finde ich schließlich das Verzeichnis, das aus meinem Hinterkopf heraufdämmert. Unter \please-sort-me\ lauern sieben Gigabyte unsortierten (hauptsächlich) Text-Zeux, das sich mit der Suche nach *.sql locker durchforsten lässt. A-Puh, da ist sie ja, die Geschichte. Jetzt auch wieder online.

Was mir da sonst noch alles begegnet, verschwendet deutlich mehr Zeit, als der Umbau der Backup-Platte gekostet hätte. Wertvolle Kommentar-Dialoge; Texte und Bilder, die mir später zu privat fürs Netz wurden; Links zu längst gelöschtem, das ich dunkel erinnere, und mir wird ganz netz-nostalgisch, während ich bald bis über die Schultern in Erinnerungen wate.

Und weil ich gerade dabei bin, kümmere ich mich auch noch um ein paar andere verlorene Text-Schäfchen, freue mich über mein damaliges So-Sein und So-Schreiben und stelle fest, dass eine neuerliche (in letzter Zeit angedachte) Reorganisation dieses meines Hauptblogs definitiv nicht in Frage kommt. Hier bin ich jetzt, hier bleibe ich. Bitte erinnert mich bei Bedarf daran.

(Dave Winer schreibt in letzter Zeit auch immer wieder über diese Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die in der Natur des Internets liegen, und über die Notwendigkeit eines umfassenden Archivs, ein Thema, das mich nach 20 Jahren Online-Publishing zunehmend beschäftigt.)

Und angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit muss Europa jetzt leider bis morgen warten.

Sonntagabend

Je mehr mich die Tagespolitik im täglichen Leben beschäftigt, umso weniger habe ich Lust, sie online auch noch zu kommentieren. Daher auf Twitter Positivtwittern ausgerufen und prompt den zündenden Hashtag vergessen. Jo mei.

Trotzdem damit eine ganz spannende Aktion kennen gelernt: Salon Europa, bei der der hoch geschätzte @mikelbower als einer der ersten dabei ist. Ich überlege mir auch etwas dazu!

Bald. Aber erst mal diesen Abend hüten, den ersten seit langem, der mir ganz alleine gehört. Das Fenster offen, von oben ziehen minütlich die Airliner herein, als wäre der angekündigte Sturm persönlich hinter ihnen her. Sehr kalt ist es noch nicht, aber einer Decke über den Füßen vertrage ich schon ganz gut. Das Strickprojekt gedeiht.

Dazu Miss Fisher auf Netflix. Die Realität holt mich eh Spätestens bei „Im Zentrum“ ein.

Last day of summer?

Das Kurier-Hochhaus schaut gar nicht gut aus.

Wieder einmal Uni-Atmosphäre schnuppern

Alltagsbloggen

Falls sich jemand über den Kuschelkurs hier wundert: nachdem man momentan fast überall und fast mit jedem über Politik diskutieren muss, habe ich beschlossen, hier im Blog derweil einen Gegenkurs zu fahren. Durchgeschaltene Twitter-Meldungen ausgenommen, gibt es hier derzeit nur alltägliche Geschichten aus dieser wunderbaren Stadt, die ich mir von den Blaumiesen ganz bestimmt nicht schlecht reden lassen werde.

Der frühe Vogel…

...wäre lieber im Bett geblieben.

Als ich aus der U-Bahn steige, ist es noch immer viel zu früh. Der Tunnelwurm erstaunlich bunt besetzt, nicht nur die üblich grauen Auf-Dem-Weg-Zur-Arbeit-Blicke und Mütter mit Kindern auf dem Weg zur Schule, sondern auch eine Gruppe Emo-Punks, die nicht einmal übernachtig wirken, ein glücklich lächelndes älteres Pärchen mit Strohhut und Strandsandalen, und drei Hundebesitzer mit einer wohlerzogenen, aufmerksamen Dogge, einem schlafenden Dackel und einem sehr neugierigen kniehohen Mischling.

Auf der Straße dann ein schmächiger Typ mit Nadelstreif, der, als er sich umdreht, ein rotes Anarchisten-A in Stencil-Optik auf dem Jackett-Rücken offenbart. Es hätte mich sehr interessiert, ob es das in den Fashion-Tempeln zu kaufen gibt, oder ob es sich um ein handgemachtes Statement handelt, aber es ist deutlich zu früh, den Mund aufzumachen.

Abseits der Hauptstraße scheint alles noch zu schlafen, dabei ist es doch jetzt schon halb acht. Nur beim Bäcker und beim Türken am Eck ist die Tür schon offen. Aus der Tür der Bäckerei kommt die Frau, die beim Türken meistens an der Kassa sitzt, mit zwei Bechern Kaffee. Belebender Cappuccino-Duft hätte mich beinah selbst einkehren lassen, aber woanders wartet ja schon Kaffee auf mich.

Um die Ecke dann ein Schreck: Auf der mittlerweile vertrauten Gstätten, womöglich der letzten solchen im 5. Bezirk, stehen Lastwägen und ein Bagger. Sie werden uns doch nicht die wunderbare Wildwiese zubauen?

Natürlich werden sie. So ein großes unbebautes Areal mitten in der Stadt, das ist zu wertvoll, um es brach liegen zu lassen, auch wenn die Wiese den ganzen Sommer lang wunderbar duftet und die Grillen nachts einen Hauch von Mittelmeer-Feeling verbreiten. Der Bagger hat sein Werk schon begonnen, die Wiese ist weg, es duftet nach aufgewühlter Erde und frisch gemähtem Gras.

Zu Hause dann überlegt, wie lange die Gstättn denn jetzt Gstättn war, aber wozu hat man ein Weblog: Es sind tatsächlich etwas über 11 Jahre.

Septemberhimmel

An diesem Sonntag noch einmal ans Wasser, und diese Entscheidung war gut. Noch einmal den Alltag abblättern lassen, noch einmal in der 21 Grad warmen neuen Donau schwimmen, noch einmal den Abend verklingen lassen in Strandstühlen mit Blick auf das pastellige Jetzt. Als die Menschenwelt mich einholt, reagiere ich ungehalten. Dafür ist unter der Woche schließlich Zeit genug. 

Nochmal ins Blau schauen

Dem gestern weniger gut gelungenen Batik-Stück mit etwas Blau auf die Sprünge geholfen.

Das Knie zickt…

... aber das Wochenende schaut trotzdem ganz gut aus.

Neue Brille!

Der September zeigt grad, wie finster der November sein kann.

Mach es zu deinem Projekt!

(Nein, ich war nicht beim Hornbach)

Es war, das gebe ich zu, eine Schnapsidee. Eine stocknüchterne Schnapsidee, aber doch eine Schnapsidee. Und die kam so:

Ich hatte meine zwei alten, abgesessenen Studentensofas durch ein neues gebrauchtes ersetzt, auf dem, so hoffe ich, es sich im kommenden Winter wieder gemütlicher stricken lassen wird. Das war eine Aktion im Affekt, mit der ich aber überaus zufrieden bin, nicht nur wegen des Sofas, sondern auch, weil die zwei bärenstarken Sofa-Lieferanten (nach einigen, durchaus angenehmen, orientalischen Verhandlungsplaudereien), im Gegenzug deutlich mehr mir nicht mehr nützlichen Zeugs mitnahmen, als im Vorfeld verhandelt. 

In dem so wieder angenehm geräumig wirkenden Zimmer schob ich ein paar Sachen herum, das neue Sofa zurecht, und stellte fest, dass der Tisch im Eck, der vor allem Träger der Lampe für die Sofa-Ecke war, da nun eindeutig nicht mehr hinpasst. 

Der bisherige Licht-Tisch war 50×50. Die neu freibleibende Fläche war 30×40. Ich spazierte also durch den Bezirk und besuchte alle einschlägig verdächtigen Geschäfte, doch unter 35 cm gab es nichts geeignetes. Etwas unzufrieden wieder zu Hause, fiel mein Blick auf das Altpapierkistl, einst Gemüsekiste für Avocados beim Hofer. Die müsste doch…? Bingo! 30×40.

Zwei Tage lang wälzte ich die Idee, bevor ich zur Tat schritt. Derweil stellte ich fest, dass es ein Billy von IKEA auch in 30 cm Tiefe gäbe, aber das hätte dann die Regalöffnungen in die falsche Richtung gehabt. Ich sammelte also bei mehreren Besuchen noch ein paar Avocadokisteln, bis ich die 6 hatte, um die gewünschte Höhe zu erreichen. Dann war ein Besuch im Baumarkt angesagt. 

Der furchtsame Blick an der Kassa ließ mich nicht an meinem Vorhaben zweifeln. 

Erst einmal galt es, ein paar Löcher zu bohren, durch die nachher das Sisalseil zum einfachen Hin- und Herstellen des Kastls laufen sollte. Dann ging es an die Farbe. 

Die extra gekaufte graue Sprühfarbe reichte allerdings nicht soweit wie gedacht, sodass ich in die Acryl-Lade griff. Wo schwarz unerwartet auch aus war. Ich ergab mich in mein Schicksal und mixte ein lindes Grün zurecht, das Resultat sollte ja ohnehin in die grüne Ecke. Dann ging ich daran, den Turm zusammenzusetzen und zu -kleben. Erstmal war Schönheit zweitrangig, ich wollte ja nachher ohnehin noch mal mit Farbe drüber.

Im Wiederstreichen erwies sich das „1x grau, 1x grün“ als unpraktisch. Stattdessen ging ich mit Grün über alles und setzte mit vorsichtigem Weiß noch ein paar Akzente in Richtung „verwittert“.

Blöd nur, dass ich mich bei den Löchern erst einmal verrechnet hatte. Aber hej, wozu ich vor langer Zeit die Goldfolie gekauft hatte, hatte ich mich schon seit Jahren gefragt. Passt! Jetzt nur noch das Seil durchziehen… 

… und schon kann ich wieder bei wunderbarem Licht stricken. 

Farbe, Seil und Tape eingerechnet, ist das Ding übrigens gerade mal 50 Cent billiger als das 30cm-Billy. Aber, es ist meins! Und hat die Öffnungen in die richtige Richtung. 

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