KategorieChronik

Fast Sommer

Sonntag, und wie bestellt strahlt die Sonne ins Fenster, und solange das Fenster zu bleibt und die Heizung ihren Dienst tut, könnte man glatt meinen, es wäre Sommer. Ganz anders als letzte Nacht… Ein Open Air im Jänner ist ziemlich mutig, und es war voll, und die Musik war ganz nett, und irgendwann war es dann drinnen zu voll & draussen zu kalt, und ich bin mit einem Freund geflüchtet in ein Lokal, das sich seit 10 Jahren nicht verändert hat, zum Glück, und zum Glück steht auch der Flipper noch dort, wo er immer gestanden ist, und beim Flippern ist mir wieder warm geworden.

Und in meinem zu diesem Zeitpunkt zugegebenermassen nicht mehr ganz nüchternen Kopf habe ich mir gedacht, dass bei aller Faszination der virtuellen 3-D Welten ein realer Ball, der über reale Rampen rast und zwischen realen Bumpern hin und her zuckt, so dass man es ganz ohne elektronisches Interface in den Fingern spürt, mehr Spass macht als alles, was sich auf einem Bildschirm abspielt. Manchmal.

Anstrengendes Wochenende

Samstags Einkaufsterror vom Schlimmsten. 4 Stunden durch die labyrinthartigen Hallen der SCS. Nichts von dem gefunden, was ich kaufen wollte. Unglaublich viel Geld ausgegeben, für Dinge, die ich überhaupt nicht brauche. So geht es mir immer in Einkaufszentren. Die schlechte Luft, das seltsame Licht. Massen von Menschen, plärrende Kleinkinder, Rudeln von hormonell gestörten Jugendlichen. Ich gehe in 4 oder 5 Geschäfte, in denen ich glaube, das finden zu können, was ich suche. Finde nichts. Sollte einE VerkäuferIn auffindbar sein, zeigt erSie entweder undeutlich in eine Richtung, wo ich erst recht nichts finde, oder schüttelt den Kopf, mit einem Gesichtsausdruck als hätte man in einer moslemischen Fleischhauerei ein Schweinsfilet verlangt. Irgendetwas scheine ich falsch zu machen.

Nachher, um dem Rückfahrtsstau zu entgehen, ins Kino. “Komm süßer Tod”. Hat das Zeug zu einem Kultfilm. Obwohl das Buch irgendwie… schwärzer war.

Heute, um der Woche vor dem Computerbildschirm etwas entgegenzusetzen, ab ins Kurbad Oberlaa. Auf der Fahrt dorthin begegnen uns 8-10 Mannschaftswägen voller Polizisten. Auf einem Parkplatz 15 oder mehr Ambulanzen (und das nach dem Film gestern… ähem).  Ist der Notstand ausgerufen? Bürgerkrieg? Aufstand? Nichts von alledem, nur eine FPÖ-Veranstaltung in der Veranstaltungshalle. (Kein Link, bäh!)

Trotzdem haben wir uns gemütlich im Warmwasser geaalt, anstatt nach einer Demo zu suchen. Ich glaube, ich werde alt.

Katzenliebe

Eigentlich wollte ich ja heute hier meine Gedanken über das Einkaufen im allgemeinen schreiben und über den Zwang, sich in samtagsgefüllte Einkaufscenter zu begeben und dort mit den Massen in Warenbergen zu wühlen, eine Notwendigkeit, die nur deshalb besteht, weil uns Webdesignern noch keine Technik eingefallen ist, die es erlauben würde, Kleider gemütlich vor dem Bildschirm anprobieren…. aber das mache ich jetzt nicht.

Der Schockwellenreiter fragt nämlich, ob es ein gutes Zeichen ist, wenn das elektrisierendste Erlebnis eines Donnerstags das Fell einer schwarzen Katze ist. Die Antwort lautet: Unbedingt!

Zumindest wenn es sich um eine wunderschöne, anschmiegsame, freundliche und sozial höchst verträgliche Katze wie meine handelt. Die grosse Katzenliebe meines Lebens ist zwar mit meiner Zustimmung aufs Land gezogen, wo sie mit einer anderen Katze zusammen nach einer Kindheit und Jugend in der Großstadt das Mausen und das Streunen gelernt hat, und sie fühlt sich sichtlich wohl dabei.

Aber immer noch denke ich gerne an die Nächte zurück, wenn ein schnurrender Druck auf meinem Bauch mich zuverlässiger aufgeweckt hat als der schlimmste Alptraum. An die morgendlichen Schocks, wenn der zu recht Entrüsteten meinen Schlaf zu lang dauerte, weil der Futternapf leer war, und sie ihre kalte nasse Nase in mein Gesicht gedrückt hat. An die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich im Bett zwischen mich und meinen Freund gezwängt hat. Schliesslich war sie zuerst da!

Und wenn ich einen Besuch auf dem Lande mache, und das jetzt dort heimische Untier meine Stimme hört, ist es für sie vollkommen klar, dass sie für den Rest des Tages einen Schossplatz bei mir hat – ganz egal, ob sie gerade im strömenden Regen aus dem Wald kommt oder vom frisch gedüngten Acker nebenan.

Das ist eben die wahre Liebe. Da geht nichts drüber. (Und manchmal, wenn ich sehr sehr müde bin, sehe ich sie immer noch aus den Augenwinkeln durch die Wohnung huschen, in der sie seit 3 Jahren nicht mehr war).

Strg-Z

Warum hat das Leben eigentlich keinen “Undo” Button? So wie beim Webseiten-Basteln: Ja, so schaut es eigentlich ganz gut aus. das wird gespeichert, und dann probier ich noch das und das aus – und wenns nichts war, kann ich ja immer noch auf die gespeicherte Version zurückgehen… Spielts aber nicht. Schade, irgendwie.

Vollmondfieber

Das war ein schlimmer Anfall von Vollmondfieber gestern Nacht, und ich fürchte, es ist noch nicht vorbei. Natürlich bin ich nur die die ich immer bin, aber meine Ohren hören ein bisschen mehr, meine Augen sehen ein bisschen mehr, und meine dicke Haut ist ein kleines bisschen empfindlicher. Da reicht dann ein harmloser Satz…

…ein harmloser Satz, wie “es sind nur noch 3 Wochen bis zum Urlaub”, und ganze Kamelherden donnern durch die endlose Sandwüste meines Gehirns und verschwinden in einem blutroten Sonnenuntergang.

Als wäre diese Cinemascopevision noch nicht Alltagsablenkung genug, sitzt ein kleines Teufelchen ganz oben auf der höchsten Düne und sagt: “jaja, nur noch 3 Wochen bis zum Urlaub, und noch drei Wochen später bist du wieder hier im kalten grauen Wien. Sag Mal, wolltest du nicht einmal die Welt entdecken? Mit einem Jeep die Seidenstrasse entlang fahren? Auf der Harley von Alaska hinunter bis nach Feuerland? Zu Fuß einmal rundherum ums Mittelmeer?”

Dann sagt es nichts mehr, das Teufelchen, legt nur den Kopf schief auf unverschämt junge Art und Weise und grinst überlegen, so, dass ich mir uralt vorkomme, so als wäre für mich das alles schon vorbei.

… oder…

Ich treffe einen alten Freund in einem einstigen Stammlokal. Natürlich kommt er etwas später, denn ich bin notorisch pünktlich, und das lässt den Gedanken Zeit, sich durch längst glattgestrichene Gehirnfurchen zu graben, mit welchen Menschen ich denn dort schon gesessen bin, welche Ideen und Träume an diesen Wänden hängen und unter diesen Tischen begraben liegen…

Ich zünde mir eine Zigarette an der Kerze an und der Geist einer längst verlorenen Freundin schreit auf: “Nicht! Jedesmal wenn du das tust, stirbt ein Seemann!” – und trotz meiner Aberglaubenlosigkeit läuft mir ein Schauder über den Rücken, und in einem anderen Winkel meines Chronistinnengehirns klopft Tante G. (der Nichtvorhandene habe sie selig!) 3x auf Holz und sagt: “Ich glaub zwar nicht an sowas, aber man kann ja nie wissen…” – “Das muss ja eine tolle Kerzenlichtparty gewesen sein, die die Mannschaft dieses russischen U-Boots auf dem Gewissen hat!” ruft das Teufelchen von der Sanddüne.

Da kommt aber dann endlich der alte Freund, und mitten in der größtenteils geschäftlichen Besprechung fällt ein ganz harmloser Satz…

… ein ganz harmloser Satz wie, “weisst du eigentlich, dass es bald 10 Jahre her ist, seit wir das erste Mal hier gesessen sind?” und die 10 Jahre erstrecken sich ins Endlose, wie das gespannte Gummiband einer Steinschleuder, kurz bevor man sie losläßt, und dann lasse ich los und die ganzen 10 Jahre ballen sich zu einer Kugel, alle Einsamkeiten, alle Zweisamkeiten, alle Worte und jedes einzelne Schweigen, jedes Gesicht, das ich geliebt, gehasst, verachtet oder verehrt habe, alle Träume, alle Erfolge und alle Enttäuschungen…

… treffen mich in konzentrierter Form mitten auf die Schläfe, und das versetzt mich unversehens zurück zu jenem Kindheitsnachmittag, an dem vom Jahr zweitausend die Rede war, ich weiss nicht mehr warum…

… und jemand fragt mich: “Was wirst du wohl sein im Jahr 2000?” – Und weil ich gerade rechnen gelernt habe, rechne ich schnell und sage: “Im Jahr zweitausend bin ich 34 Jahre alt” – und die Erwachsenen nicken wohlwollend, weil ich richtig gerechnet habe, und jemand sagt: “Dann bist du wohl erwachsen.” – Und ich sage: “Ich glaube, wenn man sich erinnern kann, was vor 10 Jahren war, ist man erwachsen.” Und jemand fragt: “Und was ist, wenn man sich 20 Jahre zurückerinnern kann?” – Und ich sage: “Dann ist man schon alt”, und ringsum herrscht betretenes Schweigen, nur Tante G. lacht herzlich und sagt etwas wie: “Wie sich die lieben Kleinen das so schön vorstellen!”…

[now playing: Ripoff Raskolnikov – Live im Cafe Saitensprung]

Und es ist gut, so wie es ist, und ich fühle mich wohl, so wie ich bin … aber … wollte ich denn jemals dahin wo ich jetzt bin? … und aber und … hätte es denn besser sein können, dort, wo ich hin wollte? oder auch nur genauso gut? das einzige, was mich stört, was in mir kocht, ist, dass ich das nie wissen werde… dass man nur einen einzigen Weg gehen kann von den vielen, die man sieht, und nie wissen wird, durch welche Landschaften die anderen geführt hätten…

… und damit, liebe Leser (falls es euch gibt), verabschiede ich mich für heute, denn ich habe etwas Schlaf nachzuholen… in meinem Alter braucht man schon etwas mehr davon…

Channelhoppen

Heimgekommen um halb 9, der Briefkasten voller Rechnungen, der Kühlschrank leer. Über den Haufen Schmutzwäsche vor der Waschmaschine gestolpert. Das letzte Stück Kuchen, auf das ich mich gefreut hatte, steinhart (selber schuld, nicht eingewickelt). Die halbe Flasche Wein, die ich zu Recht noch im Kasten vermutete, ungeniessbar weil sauer geworden (zu lange herumgestanden). Eine neue aufzumachen lohnt sich nicht, die würde nur das selbe Schicksal erleiden (ausserdem ist glaube ich ohnehin keine mehr da). Zum Weggehen zu misanthropisch drauf. Im Fernsehen nur Schrott (wozu zahle ich eigentlich Kabelgebühr?). Eigentlich wollte ich heute noch eine Bildergalerie fertigmachen… Energisches Kopfschütteln: Überhaupt keine Lust mehr. Da hilft nur sofafläzendes Channelhoppen. Kann ich mich wenigstens über die Dummheit der Menschheit echauffieren….

Neujahr

2001fuesseIst also wieder einmal ein neues Jahr angebrochen. Und schreit nach Veränderung. Bloss: welcher?

Lebe meine Tage meist zwischen Kaffee (morgens) & Bier (abends), auch wenn ab und zu eins davon ausfällt (das Bier häufiger als der Kaffee) – Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, diese Reihenfolge zeitlich umzudrehen? Zweifellos wäre dann alles anders.

Weekend

I had a really good weekend (after working all day on Saturday). Started out with Carlos Sauras “Tango” in Vienna’s biggest outdoor-cinema. A beautiful film with poetic pictures & music, and to see it under the stars with an occasional plane passing over the screen, towards the end even some fireworks in the distance…

It was still colder than it should be in July. But OK.

On Sunday, my friend & I decided to go to river kamp valley. this is a beautiful place in the middle of nowhere (lower austria). The weather was undefined (some sun, some rain, everything inbetween). After a successless start (the wine farmer we wanted to buy wine from was on vacation, the lake we wanted to swim in has been drained for renovation) we had a nice afternoon looking over the valley from the Zoebinger Heiligenstein. After trying some wines & eating regional dishes we decided to have a swim in the kamp. Cold but refreshing.

And a long way home through the night.

 

The dreams that keep us alive

Had one of these dreams last night, something very strange about an expedition through a desert. A film star known from the Western Genre (I know the face but not the name) was making lots of fuss about him being the leader of the expedition. He kept saying that none of us has any chance of survival unless we follow his advice. I kept thinking that it wouldn’t be a problem with my 6-wheel-drive car.

Well, anyway, it was the last night before the big expedition, and I was lying in bed in a big tent, listening to the still talking filmstar out there at the campfire, and what do I feel if not the arm of *someone* around my waist…

And there I was with the boy I sometimes meet but hardly ever touch suddenly by my side, and in my dream, it was completely natural.

So much for dreaming.

Rainy Sunday

It’s another rainy sunday here, and while part of me is longing for the sun and the heat, for sunbathing and swimming out there, another part of me is glad for the excuse to stay home, sit on the couch and just read on, slowly, looking out of the window inbetween just to see more water coming down from the skies.

Wunderbar, die alten Recken. Leider etwas weit weg gesessen.

Jimmy Page & Robert Plant – Setlist

 

Mythos?

amantes_teruel
Die Liebenden von Teruel: 2 Marmorfiguren auf Särgen. Auf ewig Hand in Hand.

D: Ich musste mich endlich von diesem Mythos befreien.

Mythos:

Nicht das Gefühl ist der Mythos, sondern der Wunsch, es behalten zu wollen. Ist fast wie der Wunsch nach einem Dasein ohne Zeit und Raum. (Mutterleibssehnsucht?) – Aber: Nur, weil etwas nicht ewig dauert, muss ich es mir doch nicht verwehren?

Wäre die richtige Antwort gewesen, ist mir aber natürlich erst viel später eingefallen, nach dem Gespräch.

Coupland schreibt: Bei einigen von uns ist die Verbindung zwischen Liebe und Sex vor Jahren zerbrochen. Und wenn sie einmal zerbrochen ist, kann sie nie mehr wiederhergestellt werden.

 

glasklar

Die Welt ist glasklar & scharf & ich will dass das so bleibt. Daher nicht auf ein Bier mit M., nicht zu C. – Lieber allein zu Haus. In meinem Kopf. So viel zu tun und zu wollen: Lesen, schreiben, Musik hören, Musik machen, computern, Filme machen. Am besten alles sofort und gleichzeitig. Muss mich organisieren. Dabei das ausgesprochen dumme Gefühl, dass es so kurz vor Jahreswechsel ohnehin sinnlos wäre. Als wäre “Neujahr” eine reale Zäsur.

Der Ablauf eines geselligen Abends

  1. Widerwillen, das Gefühl, nicht dazugehören zu wollen aber zu müssen
  2. Sich in Diskussionen verlieren, die schon hundert Mal da waren. Unnötig.
  3. Mit Musik und Bier in der Gesellschaft aufgehen, kollektiver Schwapp (kurz, bestenfalls 1 Stunde)
  4. Rausfallen aus 3.),  die “Was mach ich noch hier?”-Phase
  5. Der unvermeidliche besoffene Philosoph erscheint & labert mich voll. Fluchtinstinkt.
  6. Aufbruch gegen Widerstand der zurückbleibenden. Klare Nachtluft. Große Erleichterung.

[geschrieben im Kuhstall, Gossensaß]

 

Queen Smokie (Datum ungefähr)

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