KategorieChronik

Nirgends

Denn ganzen Tag nirgends hingegangen und nirgends hergekommen, einfach nur da gewesen, sieht man ab von den paar Schritten in die Küche oder zum Klo. Ein bisschen rumgekramt, nichts ernstes, ein paar Sachen geordnet, nichts Wichtiges. Schon lange nicht mehr gemacht: Das Haus absichtlich nicht zu verlassen – das letzte Mal so richtig und bewußt wohl damals, als die letzte lange gute Geschichte fertig geworden ist, und das inspiriert mich gleiche und ich webe an dem schillernden Faden der neuen Geschichte, die vielleicht auch einmal lang und gut wird, vielleicht aber auch versandet wie so viele vor ihr, aber im Moment des Schreibens ist das egal.

Dann erstaunt festgestellt, dass übers Internet bestellte Pizza tatsächlich ankommt.

Und jetzt, gerade noch rechtzeitig, als ich schon bereit war, eine gelangweilte Runde durch die grellbunten Satellitensender zu unternehmen, schalte ich das Radio ein und versinke jetzt langsam und bewegungslos, ihr werdet mir verzeihen, im Sumpf der Faulheit. Oh, und wenn jemand sich erbarmt und die erstklassige Playlist online stellt, dann werde ich den Link entsprechend anpassen. Wenn ich nicht zu faul bin.

Seltsame Platte

Ja, ich weiß, es ist ein bißchen spät, aber ich höre gerade “13” von Blur zum ersten Mal. Bewußtseinserweiternd, irgendwie.

Kopfgeld auf Drogendealer ausgesetzt

Nein, nicht in Kolumbien. Bei uns.

Was kommt als nächstes? Falschparker? Hunde-ohne-Leine-Ausführer?

Noch kranker als die Idee ist nur, dass sie auch angenommen wird.

Zinfandel

Da fällt mir ein, dass ich am Donnerstag zum ersten Mal Gelegenheit hatte, den oft besungenen Zinfandel zu kosten, Geschmackseröffnung der beglückenden Art, ist das denn überhaupt Wein? Oder die wahre irdische Umsetzung des Götterbesungenen Nektars? Dank an Trurl für diese und andere Erfahrungen!

U2

Eigentlich hätte ich mir das U2-Konzert ja gerne gegeben. Aber nach Sätzen wie “13.000 völlig enthemmte Fans signalisieren die bedingungslose Bereitschaft für eine Megaparty” danke ich dem Schicksal, dass ich zu Hause geblieben bin.

Enten, die Zeitung lesen

Seltsame Träume, seltsamer Kopf. Das Licht da draußen könnte auch aus dem November sein. Nach all diesen Träumen frage ich mich, ob ich wirklich wach bin oder ob das nur ein weiterer Traum ist. Autos auf Luftkissen kamen da vor. Und Fallschirme, an denen man hängt wie an einem Trapez. Und Enten, die kopfschüttelnd Zeitung lesen. Nja. Ab unter die Dusche.

Bushaltestelle

Tauben laufen zwischen den Füßen der Wartenden herum, unbeeindruckt von den großen Gestalten ringsum. Kranke Tauben. Eine hinkt, eine hat räudige Federn, eine hat eine eklige Geschwulst am Hals. Nehmen keine Notiz voneinander. Flüchten kaum, auch wenn man direkt auf sie zugeht. Eine Szene wie aus einem schlechten Horrorfilm. Zwei Leute unterhalten sich über die Vorfälle in Genua. Sie kommen zu dem Schluss, dass beide unrecht hatten: Demonstrant und Polizei. Nur dass der eine nie mehr eine Chance hat, das einzusehen, denke ich. Aus einem Haustor kommt eine blecherne Stimme, die fragt, wer da ist. Niemand in der Nähe der Tür. Der Bus kommt. Wenig Leute. Auf einer Bank sitzt eine Frau, sicher vierzig, spielt mit einem Gameboy, kichert unaufhörlich dabei. Die Leute starren sie an. Ich habe nichts zu lesen dabei. Mein Kopf ist seltsam leer und leicht. Irgendetwas stimmt nicht. Irgendetwas stimmt ganz und gar nicht.

Regen

Regen Regen Regen und ein Buch und Regen und nicht aufräumen und Regen und Farbe kaufen und Essen kaufen und Regen und Sofaplanet und Regen und noch immer kein Reisebericht und Erdbeeren mit Sauermilch und Regen und Kaffee und Regen Regen Regen.

Konjunktiv & Imperativ

Da träumt man harmlos-samtflüchtige Finger-Wangen-Streichler, und anderswo wird hemmungslos imperativisch geküsst.

Mir persönlich ist übrigens, wenn die handelnden Personen stimmen, ein weder durch einen Konjuntiv noch durch einen Imperativ eingeleiteter, also ein völlig nichtangekündigter Kuss der liebste. Vielleicht ein Blick, aber auch der darf nicht zu lange sein. Keineswegs so lange, dass man Zeit hätte, einen Gesichtsausdruck hinzubekommen, über den man dann erst wieder grübeln müßte.

So.

Schreck

Erdbeben in Südtirol. Schreck zur frühen Morgenstunde. Ein sehr guter Freund macht gerade Urlaub in Vipiteno. Ohne Telefon.

[UPDATE] Nix passiert, zum Glück. Obststandlbetreibender dort ansäßiger Freund im Originalton: “Ich habe kurz befürchtet, dass mir die aufgestapelten Tomaten vom Standl fallen, aber sie haben nur gewackelt”.

Traumschreck

Im Traum läutet das Telefon mitten in der Nacht. Als ich abhebe und die Stimme höre, weiss ich, dass es nur einen Grund gibt, warum diese Stimme um diese Uhrzeit anruft. Ich kann das nicht ertragen, was ich gleich hören werde, daher wache ich auf. In der Halbwelt zwischen Traum und Wachen erreicht der Schreck meinen Körper, und ich liege mit klopfendem Herzen und muss zum Fenster gehen und es aufmachen und stehe lange, schaue in die beginnende Dämmerung hinaus und frage mich, ob man an einem Traumschreck sterben kann, auch wenn man schon wach ist.

Nass

Draußen fällt Regen, und vor ein paar Viertelstunden noch bin ich durch die Tropfen gelaufen und habe mir gedacht, dass es früher einmal Spass gemacht hat, durch den warmen Regen zu laufen, nämlich damals, als man noch keine Angst haben mußte um all die Elektronik, die man in den Taschen mit sich herumträgt.

Und dann habe ich mich geärgert, nämlich darüber, dass ich mich von dem dummen Graffl um mein Vergnügen bringen lasse.

Und jetzt sitze ich also in der Wohnung, Fenster offen, feuchte Luft vertreibt die Tagesschwüle, die sich in meiner Dachkammer gut hält, weil ich tagsüber die Fenster nicht offenlassen kann, da die nämlich beim geringsten Windstoß zerfallen würden, und ich höre Musik, ja, immer noch die gleiche CD trotz der 3 neuen, ungehörten, die auf ihre Chance warten, es hat eben alles seine Zeit.

Und heute haben wir den Auftrag gegeben zur Vervielfältigung unserer eigenen CDs. Die Arbeit ist zur Zeit auch spannend. Und ich habe beschlossen, mir einen neuen Fallschirm (nicht einen gebrauchten) zuzulegen, und einen Termin ausgemacht, um denselbigen anzupassen.

Und dann sieht es ganz so aus, als ob ich es schaffen würde, im August 5 (in Worten: fünf!) Tage in Klatovy zu verbringen, also richtig Urlaub eigentlich.

Also alles bestens, eigentlich, und wenn ich trotz allem nicht so richtig, so ganz zufrieden und glücklich bin, dann kann es wohl nur daran liegen, dass ich irgendwie zuviel will und zuviel erwarte und wenn das so ist…

… dann ist es eben so.

Damit muss ich wohl leben.

keine Nachtruhe

Die Nacht ist voller Flugzeuge, die ohne mich fliegen, die Dunkelheit voller Windstöße, die die Bäume vor dem Fenster aufgeregt flüstern lassen, und der Morgen bringt das Geschepper von der Müllabfuhr, und kaum ist das verklungen, bringt der Sattelschlepper neue Autos für das Autohaus nebenan, und dann ist der Schlaf endgültig verätzt und ich lese ein paar Zeilen und drehe eine Runde im Netz, und der Duschabfluß ist verstopft und der Müll, den ich am Freitag nicht mehr entsorgt habe, stinkt, und ich

wünschte ich wäre am Campingplatz.

Der Zeh

Zeh gebrochen. Richtig auftreten auf dem Fuß geht nicht. Hmmm… wollte doch Fallschirmspringen gehen das Wochenende. Naja, mal sehen. Vielleicht eher am Hintern landen? mal sehen.

Krankenhaus, Wiener AKH, riesiges Ding, ziemlich unübersichtlich. Ich humple hinein und frage, wohin ich mich wenden soll. Die Dame betrachtet mich über ihre Brillengläser hinweg und fragt: “Sind sie ein Unfall oder sind sie ein Notfall?” Hmmm? Wie zum Teufel soll ich das wissen? Außerdem wäre ich lieber überhaupt kein Fall, und wenn, dann ein Sonderfall.

Steht leider nicht zur Verfügung. Schließlich entscheidet sie: “Ich glaube, sie sind ein Unfall.”

Wenn sie wüßte, wie recht sie hat.

[Der Zeh ging übrigens bei einer heftigen Begegnung mit der gemauerten Duschtasse kaputt. Falls es jemanden interessiert.]

in Ordnung

Und nach dieser schlaflosen Geschichtennacht bin ich schon vom ersten Bier beschwipst. Und im späten Abendsonnenlicht ist das eigentlich ganz in Ordnung. Und was ich geschrieben habe, steht nur in meinem Kopf. Und das ist mehr als in Ordnung.

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