Kategorie2004 Berlin

Also dann

Montagmorgen in Berlin, auch kein großer Unterschied, jedenfalls draußen in Schmöckwitz nicht; Herr P. fährt mich zur S-Bahn und wir plaudern noch, nett wie die ganzen Tage, überhaupt bin ich erstaunt, wie leicht mir das von der Hand geht hier, oder sollte ich sagen von der Zunge, meinen Ruf als große Schweigerin würde ich hier in Berlin nicht lange behalten, denke ich, freundlich gewunken, auf Wiedersehen, da kommt sie schon, die Bahn.

PICT0001Noch geholfen, zwei armen Touristen, die keine der versammelten verständlichen Sprachen sprechen, zu erklären, wo sie sind auf dem Plan und wie sie ins Center kommen; weitere Nachfragen bringen nichts, also beschließen wir ohne Diskussion, dass für die beiden erstmal der Alexanderplatz das Zentrum ist, was solls, sie lächeln freundlich und steigen ein, und was sie untereinander sprechen, kann ich nicht nur nicht verstehen sondern nicht einmal einordnen.

Ich dann zum Bahnhof Zoo und das Ticket gekauft, ICE, muss man ja auch mal gefahren sein; muss man natürlich nicht, im Gegenteil, ich glaube ich bin die einzige der so etwas auffällt, zum ersten Mal ICE, wen interessiert das schon.

Ich könnte auch gleich einsteigen, sollte ich auch, werde ja erwartet, will ich aber nicht: diese gar nicht mehr so fremde (wenn auch bei weitem nicht vertraute) Stadt verlassen, in der ich mich, da bin ich ungewöhnlich sicher, wohlfühlen könnte, eine Seltenheit, bei der Sache mit mir und den Städten, naja, Wien ist ja ganz OK, aber man ist doch jedesmal froh, wenn man rauskommt; hier aber, hier müsste man gar nicht raus, weil schon alles drin ist, so fühlt sich das an.

PICT0008Aus Mangel an sonstigen in dieser kurzen Zeit umsetzbaren Ideen zu Fuss nochmals zum Potsdamer Platz marschiert; von der anderen Seite diesmal, am Tiergarten vorbei, Botschaften, noch mehr Grün als von der anderen Seite, Wasser auch, dazu Mannschaftswagen voller Polizei (Was denn nun schon wieder???) aber freundlich und, besonders in einem Fall, mehr am Rumalbern miteinander als mit der potentiell feindlichen Umgebung beschäftigt; dann, nach einer Weile (knapp 45 Minuten) schimmert Glas durch die Baumkronen, und jetzt kann es nicht mehr weit sein, und da ist er ja.

Den Platz umrundet, kein zweites Mal nach oben gefahren, obwohl ich eigentlich genau das wollte, aber man soll sich ja immer etwas aufheben fürs nächste Mal, worauf man sich richtig freut, so sagt man; Was auch irgendwie Unsinn ist, wer sagt denn, dass es ein nächstes Mal gibt? – Stattdessen am sprechenden Mistkübel vorbei (“Danke Kumpel, dat find ick echt dufte von dir!”) hinein und nochmal unter dem Zeltdach gesessen, ein Süppchen und ein Nachmittagsbier, ist ja auch nicht meine Art aber heute schon egal; dann noch ein paar Jellybeans als Reiseproviant aus dem Automaten geholt und zurück gehts, nicht mehr zu Fuss.

Der ICE kommt dann auch, auf die Minute pünktlich, Horden stürmen den Zug, auf den nicht reservierten Sitzplätzen steht nicht etwa nichts, sondern “ggf. freigeben”, das findet der Typ wohl auch seltsam, den ich frage, ob hier denn noch frei sei, “gegebenenfalls” sagt er und wir lachen beide, und er schläft schon bevor der Zug fährt und ich lese endlich den “Herr Lehmann”, und der Zug fährt gar nicht wirklich schnell, aber er bleibt nur einmal in Wolfsburg stehen und dann schon in Hannover, und ich komme an.

Hier ist kühler, außen wie innen, und obwohl ich Berlin nicht als “schnell” im eigentlichen Sinne empfunden habe, muss ich einen Gang zurückschalten, um nicht laut oder speedig zu wirken; schwer fällt mir auch das nicht, aber ich habe im Moment eigentlich keine Lust drauf; die kühle Sonnenscheibe, die endlosen Vorstadthäuschen an denen wir vorbeifahren, ein bisschen unangenehm wie eine unerwartete kalte Dusche; aber die Menschen, die zu treffen ich hier bin, die sind noch immer in Ordnung. Immerhin.

Hotel Einförmigkeit

Berlin, die letzte

Sonntags alleine, der Sufi ist schon auf dem Heimweg, nochmals in die Stadt, der Potsdamer Platz ist angesagt oder zuerst Mal verirren, falsche U-Bahn, falsche Station, lande in einem Gebiet voller Plattenbauten, seltsame Blicke, macht nichts, da vorne wieder eine U-Bahn, nein, S-Bahn, nur noch einmal umsteigen…
PICT0022Moment, da unten, gleich ums Eck von der Friedrichsstraße, ein Flohmarkt, das schau ich mir an.  Schaulust, kaum Kauflust, schließlich am anderen Ende einer mit kleinen Blechbooten, unten kommt Wasser hinein, oben eine Kerze, dann fahren sie im Kreis in den Salatschüsseln, nett, ein paar Kinder stehen davor, Erwachsene auch. Er hat einen Hut wie Udo Lindenberg, sieht aber gesünder aus, ist eigenlich Naturheilkundler aus Niedersachsen, erzählt er, ein paar alte Kino- und Kunstplakate hat er auch am Tisch, weiter drüben steht einer und spielt auf dem Akkordeon, ich lehne mich ans Brückengeländer und rauche eine Zigarette, ruhig, endlich, schaue ins bunte Treiben, froh.

Mit neugewonnener Ruhe beschlossen, das Ziel zu Fuss anzusteuern, gute Entscheidung, rein optisch gesehen, die Friedrichsstraße runter und da ruft der Sufi an, in Dresden spielt man Dixie, erzählt er, und die Thüringer Rostbratwurst sei auch sehr gut gewesen; ich biege rechts ab und wundere mich über den vielen freien Raum hier, nicht die neuen und alten Prachtbauten sind es, die beeindrucken, die haben wir in Wien auch, oder in Rom, oder in so vielen anderen Städten, es ist der viele freie Raum dazwischen, der hier alles so herrschaftlich wirken läßt; die Straßen breiter, Verkehrsinseln stadtparkgroß, erst durch die Weite wächst auch die scheinbare Bedeutung der Architektur zu etwas, das den Besucher sich ungewohnt klein fühlen läßt.

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Ein bunter Kunstklotz vor viel Glas und Beton; aus dem Untergeschoss des Finanzministeriums Elefantengeschrei, Vogelgezwitscher und Hyänengelächter, unerwartete Klanginstallation, und dann sehe ich auch schon das erwartete, Glas und Metall, davor noch eine große Brachfläche, G’stättn, wie der Wiener sagt, eine Annäherung von der Rückseite, quasi, eine paar Schritte noch und eine Straße überquert und ich schaue nach oben, fenstergespiegelte Wolken entlang, ein unmerkliches Anders, auch der Atem verändert sich, “New York”, denke ich, und das liegt vor allem an der Shilhouette des Daimler-Chrysler-Gebäudes, dessen Namen ich in dem Moment noch nicht kenne; dort drüben, vertrauter, wieder der Sat1-werbende Ballon von unseren Freunden, dann hinein in das von außen nomadenzeltartige Sonycenter, von innen nur noch Licht und Wasser und unendlich gespiegeltes Spiegelbild seiner eigenen glanzvollen Identität, erfüllt von Menschen und Raumklang und, ja was eigentlich, ich runde in diese und die andere Richtung, muss dann, unbedingt, irgendwo hinauf, das von oben sehen; nein, sagt der freundliche Herr am Lift, leider, 52 Aufzüge habe das Gebäude (oder waren es 54?), aber keiner davon für die Öffentlichkeit, naja, aber drüben im Daimler-Chrysler-Gebäude, dort hinten, der schnellste Lift Europas…

PICT0050Nichts wie hin, 3,50 wollen sie dafür, beinahe wäre mir das zuviel gewesen, so grundsätzlich, aber ich steige doch ein und fühle mich irgendwie zusammengequetscht von der Aufwärtsbewegung, und leicht flau im Magen, aber es dauert ja nur 6,8 Sekunden bis nach ganz oben, und dann die schwere Türe und der Schritt nach draußen in den gut eingegitterten Freiluftrundgang, und das ist fast so schön wie fliegen, einmal rundherum und Nahes und Weites von oben, dort drüben fliegt die DC3, und noch einen Stock höher geht es und von dort sieht man noch mehr und noch weiter (hier wären noch ein paar Bilder besser als Worte, aber dazu reicht im Moment mein Akku nicht mehr).

PICT0042Leicht bewölkt ist es und der Wind surrt am hohen Geländer, von Süden her kommt nochmal die DO übergeflogen und dreht eine Runde, und ich drehe noch eine Runde und noch eine und kann mich gar nicht sattsehen an dieser Stadt, bis es zu kühl wird, und dann noch ein Abendessen im Justys, wo angeblich schon ich-habe-vergessen-wer gegessen hat, und dann müde und mit einem irgendwie ganz breiten Glücksgefühl mit S- und U- und Straßenbahn ins heimelige Schmöckwitz zurückgeschippert, wo sich gerade ein unglaubliches Abendrot über den letzten Seglern ausbreitet und das Grün in diesem Licht zum ersten Mal richtig sattgrün wirkt, hören Sie, das ist eine Nachtigall, sagt Frau P.,  und eigentlich würde ich lieber hier bleiben, aber morgen muss ich fort.

 


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Berlin also, immer noch

Gestern endlich richtig Zeit für diese große Stadt. Wir beginnen unseren Rundgang am Alexanderplatz, sehr touristisch aber durchaus nett, lassen uns von den wie immer ausnehmend freundlichen Einheimischen en Weg zum Brandenburger Tor erklären, die Karl-Liebknecht-Straße entlang, ein Prachtpalast neben dem anderen, zuviel zu sehen um auch noch viel zu fotografieren, zu wenig Zeit, um sich mit Bedeutung und Zusammenhängen zu beschäftigen, wie wir es sonst getan hätten.

Am anderen Ende das Brandenburger Tor – zum Entsetzen des Sufi mit Baustelle davor und in Abbau befindlicher Bühne dahinter. Das eine oder andere Foto gelingt doch. Dann rechts abgebogen zum Reichstag, vier Fahnen, gegenüber auch alles neu Glas und Beton, dazwischen Wasser. Überhaupt alles voll Wasser hier, die Spree, Kanäle, kleine Seen, überall Ausflugsboote mit Kaffee und Sekt trinkenden, na, Touristen wahrscheinlich. Dann im ARD-Cafe einen Kaffee (ohne Kaffee gehe ich keinen Schritt weiter, habe ich gesagt, und der Sufi hat sich zähneknirschend gefügt) und dann noch zentral einkaufen, geht ja auch samstags bis 8 hier wie gesagt.

Schließlich hinein in das von außen nomadenzeltartige Sonycenter, von innen nur noch Licht und Wasser und unendlich gespiegeltes Spiegelbild seiner eigenen glanzvollen Identität. Nochmal in dieses Cafe gesetzt und dem Treiben zugesehen, und dann ist es Zeit.

Zeit nämlich für ein Treffen mit Jörg, Gabi und dem siegreichen Hund. Es fand – wie könnte es anders sein – im in Bloggerkreisen bereits legendären Sandmann statt und war ganz ausgesprochen nett. (Die ansehnlichen Beweisfotos sind allerdings mit dem Sufi und seiner Kamera nach Wien gefahren und werden daher nachgeliefert).

Oben am Daimler-Chrysler-Center fliegt noch einmal die DO vorbei

DB, sonntags

Wolken-Kratzer

Bunter Klotz

Diese halbe Stunde

dreideckerAbends, endlich alle Messe-Geschichten erledigt, endlich auch ein bisschen Sonne und nicht mehr ganz so eiskalt, mit dem Sufi auf der Pressetribüne, ein köstliches Köstritzer in der Hand, vorne fliegen ganz neue und ganz alte Flugzeuge ihre Paraden, ringsum klicken die Fotoapparate der Kollegen mit den riesigen 500er-Tüten vornedran, selbst kaum mehr Bedarf an Film und Foto, weil alles schon in den Tagen davor gesehen, nur in die Sonne blinzeln, in Halbsätzen Sound und Aussehen der Flieger kommentieren, dann wieder ein Stück Brezel und ein Schluck Bier;

diese halbe Stunde gestern, die war sehr schön.

Tummelisa


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Grund zum Leben

Alt und Neu

Nachdem unser gestriger Rundflug mit der knallroten Kufen-Cessna wetterbedingt abgesagt wurde, sind wir heute einfach in den restaurierten Rosinenbomber eingestiegen und einmal um Siegessäule und um den Fernsehturm gekreist. Das Ding ist Baujahr 44 und original für die Versorgungsflüge eingesetzt worden. Der Sufi begeisterte sich vor allem am Sound, aber der Ausblick war trotz widrigem Wetter durchaus genießenswert. Bilder folgen.

Der Eurofighter, gegen dessen Ankauf man ohnehin jede Menge Argumente vorbringen kann, ist übrigens auch mit Abstand der lauteste Jet auf der Messe. Und hier fliegen sie alle.

Rundflug Berlin

Mit dem legendären Piloten Heinz-Dieter Kalbach in der DC3 einmal rund um den Berliner Fernsehturm (lt. unserem Pensionswirt wegen des kreuzförmigen Schattenwurfs auch “Ulbricht-Kathedrale” genannt)

Rosinenbomber

Anastasia

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