KategorieAnderswelt

Zombie-Utopie

Heute eine Walking-Dead Fortsetzung geträumt, die irgendwie gar nicht düster war. Es war eine Kleinstadt, die Häuser natürlich heruntergekommen und viele unbewohnt, aber es machte einen sauberen und sicheren Eindruck. In einem alten Fabrikshof wurde Gemüse angebaut und in den Farbriksräumlichkeiten sauer eingelegt, eine Frau rief mich hinein: Die Ronen (rote Rüben, für Nichtsteirer) sind gerade fertig! und ich freute mich über den tiefroten Wohlgeschmack. Im nächsten Jahr, sagte die Frau, bauen wir wieder Kartoffeln an. Und die Bauern testen gerade, ob der Weizen aus dem Lagerhaus noch keimfähig ist. 

Jemand erzählte, dass es jetzt sogar wieder ein Fernsehprogramm gäbe, aber niemand schien so recht interessiert daran, in den Häusern nach Fernsehgeräten zu suchen. Ich ärgerte mich ein bisschen, dass ich nur in der kleinen Stadt war anstatt in der großen, wo sicher viel mehr aufgebaut wurde, aber ich sagte nichts. Ich ging zum Aussichtsturm, vorbei am Haus mit dem letzten Zombie der Stadt, er war so etwas wie ein Maskottchen, der gut eingesperrt in einem kleinen Häuschen mit löchrigem Gesicht gegen die Fenster knurrte. Ein paar Kids amüsierten sich, indem sie ihn von Fenster zu Fenster lockten. Solltet ihr nicht in der Schule sein?, fragte ich. „Heute nicht, heute kommen die Hubschrauber“. Ganz so weit sind wir dann doch noch nicht, dachte ich, aber ich sagte nichts.

Ein alter Freund hatte mich zum Aussichtsturm gerufen, und er lehnte sich oben gefährlich weit übers Geländer, als er mir vorphilosophierte, wie es jetzt weiterzugehen hatte. Mehr Fabriken bräuchte das Land, und Ingenieure, aber vor allem, er sah mich erwartungsvoll an, vor allem natürlich Kinder. Ob ich nicht mit ihm ein paar in die Welt setzen wollte? – Ich bin 50, sagte ich, und … Da gäbe es aber doch Mittel und Wege, sagte er …und ich hab mit Kindern noch nie etwas anfangen können, beendete ich meinen Satz. Er schien sehr enttäuscht. Malte in ein paar Halbsätzen noch die Zukunft einer Familiendynastie mit so gebildeten Eltern wie wir es wären. Nein, wiederholte ich und wunderte mich. Es gab genug Frauen, deren Männer den Zombiekrieg nicht überlebt hatten, und er war durchaus akzeptal attraktiv, also warum ausgerechnet ich? Aber ich fragte nicht nach, das hätte das Gespräch nur unnötig verlängert.

Wieder in der Stadt schaute ich nach meinen Sonnenblumen im Innenhof. Sie waren seltsam kurz geraten, aber voller Kerne. Von der Straße rief jemand: Die Hubschrauber! Und schon hörte man das Geräusch. Mit anderen lief ich durch die Straßen, drei Maschinen flogen auf den Hügel  vor der Stadt zu, aber nur einer landete, die anderen flogen weiter nach Süden. Der gelandete Hubschrauber verwandelte sich transformermäßig in eine Art Hotelbar. Auf den Tischen standen große Joghurtbecher, und es gab Kaffee. Rick war mit dem Hubschrauber angekommen und beschwerte sich, dass er nicht noch mehr Joghurt essen könnte, er habe in letzter Zeit viel zu viel Joghurt gegessen. Ich nahm seinen Becher und hätte lieber ein Naturjoghurt gehabt als das mit den Schokoladestückchen, aber immerhin war es Joghurt.

Jemand hielt eine Rede, und ich verstand, dass es bald Wahlen geben würde. Auch das noch, dachte ich, wir sind doch in unserer Stadt ohne Politiker ausgezeichnet zurechtgekommen. Dass wir als erstes das Bankensystem wieder aufbauen müssten, meinte er, und natürlich eine Polizei einrichten, damit auch alle sicher… Ich langweilte mich und ging wieder in Richtung Stadt, während er noch redete. Die meisten anderen Bewohner auch. Wir sollten herausfinden, wie man Joghurt produziert, sagte ich. Das können wir am Montag in der Fabrik besprechen, sagte die Frau neben mir.

Im Aufwachen gedacht, ist ja eigentlich viel logischer als die wirkliche Serie, nach sieben Jahren müssten ja auch die letzten Zombies längst zerfallen sein, und dass alle immer nur gegeneinander kämpfen, anstatt gemeinsam irgendetwas wieder aufzubauen, ist auch so ein Männerfilm-Mythos. Das Joghurt dagegen, naja, ob da tatsächlich unzombifizierte Kühe übrig geblieben wären irgendwo, das ist schon schwerer vorstellbar. Aber vielleicht war’s ja aus Pflanzenmilch. 

Bauchschmerzen (Journal #70)*

Letzte Nacht wieder einmal ausgesprochen bunt geträumt. Auf einem kleinen Flugplatz kam es aufgrund des unorthodoxen Anflugverfahrens zu einer Häufung von Unfällen, die aber allesamt glimpflich ausgingen und eher påtschert als gefährlich wirkten. Ich versuchte, den Herrn Sufi anzufunken, der in einer 1:3 Scale-Version der guten alten Catalina einfliegen wollte, hörte aber nur ausgelassenes Gelächter, vermutlich war der Sendeknopf stecken geblieben. Unerwartet warf der Sufi seine Fluggäste als Fallschirmspringer ab, bevor er auf der etwas holprigen Piste landete. Das Holpern tat der Catalina nicht gut, und Stück für Stück brachen Teile ab, bis der Herr Sufi mit einer Hand am Steuer, mit der anderen gerade noch den einen Flügel festhaltend an mir vorbeibretterte. „Bremsen kaputt“, rief er mir zu, es klang aber gar nicht beunruhigt, und die Catalina ließ sich wasserflugzeuggemäß durch den kleinen Teich am Ende der Piste bremsen. Die Fallschirmspringer landeten, warfen ihre Schirme ab und begannen, zu schlechter Musik genau so um das Flugzeug zu tanzen, wie die Songcontest-Beiwackler gestern auf der Bühne. Der Herr Sufi verschwand kopfschüttelnd in Richtung Bar. Ich begab mich auf die Suche nach einer Steckdose für mein Telefon, stolperte aber in einen Graben, von dem aus man in ein verzweigtes Höhlensystem kam, in dessen Räumen unterschiedliche Partys gefeiert wurden, vom Emo über Metal bis Schlager war alles vertreten. In der Synth-Pop-Höhle stand mein Lieblings-Chefredakteur und beschwerte sich darüber, dass die Flugzeuge sein Motorrad zugeparkt hätten. Ich versprach, mich darum zu kümmern, wollte aber in Wirklichkeit nur weg von der wummernden Musik. Auf dem Weg durch die neonbunt pulsierenden Höhlen traf ich einen alten Bekannten, der mir seine Liebe gestand. Als ich ihn nicht heiraten wollte, ersuchte er doch zumindest um eine Umarmung, die ich ihm innerlich wiederwillig auch zugestand. Über seine Schulter sah ich eine alte nicht-Freundin grinsen und wusste, dass demnächst alle etwas wissen würden, was gar nicht wahr war. Ich ging aus den Höhlen und fand mich in der Gemeindebautenwüste wieder, von Flugplatz war weit und breit keine Spur. Aus der Ferne aber lockte Meeresblau, und ich dachte: Wenigstens etwas und ging darauf zu. Die randalierenden Krähen im einzigen Baum weit und breit erwiesen sich als Gruß aus der Wirklichwelt.


* OK, nachdem ich den ganzen Traum erzählt habe, hab ich keine Lust mehr, über Bauchschmerzen zu reden. Wär eh fad.

100 x 100 (8)

E. muss dieses Kind kriegen, sagt P., und ich frage mich, wo er diese intensive Stimme hernimmt. Ich will aber nicht, sagt H. und hält sich an meiner Schulter fest. Nicht deine Entscheidung, sage ich, und weiß nicht, ob es tröstlich oder vernichtend ist. Wenn sie dieses Kind nicht kriegt, sagt P., dann ist die Welt verloren. Das bezweifle ich, aber ich sage es nicht. Wenn es nicht H’s Entscheidung ist, dann ist es meine schon gar nicht. Falscher Alarm, jubelt E fröhlich, als sie durch die Türe kommt. P. legt den Kopf in die Hände. H. seufzt. Ich schweige.

Künstlerin

Im Traum bin ich ein Teenager und habe die Schule hingeschmissen. Ich möchte einen Eissalon eröffnen, oder ein Musikcafe. Am besten zuerst den Eissalon und dann das Musikcafe.

Die Frau, bei der ich wohne, hat prinzipiell nichts gegen meine Pläne, finanziell ist es auch kein Problem. Sie will aber, dass ich irgendetwas für sie tue, bleibt vage in der Beschreibung, wird ungehalten, als ich nicht gleich verstehe, worum es geht. Das wird Konsequenzen haben, sagt sie und droht mit dem Zeigefinger. So geht das nicht, sage ich. Du musst erst das genaue Ziel nennen, dann die Deadline, und dann die Konsequenzen. OK, sagt sie, und geht.

Ich dusche in einem großen Wasch-Saal und gehe dann durch die weitläufige Dorf-Stadt, um zu sehen, wo so ein Eissalon hinpassen könnte. Die Atmosphäre ist warm, freundlich. Die Häuser und Gärten offen, es ist eine Gegend, in der man sich weder vor anderen Menschen noch vor der Kälte fürchtet.

In einem Innenhof warten Studenten auf eine Prüfung, die ich unabsichtlich durcheinander bringe, weil ich mir die Unterlagen anschauen will. Es geht um Medien, aber auch um Technik, und ein bisschen um Philosophie. Draußen im bunt begrünten Innenhof verteilt einer Zettel. Es ist alles sehr lebendig, ein bisschen 70er-Jahre, nur die raumschiff-moderne Kaffeemaschine passt nicht dazu. Die funktioniert eh nie, murrt ein bärtiger Student und holt eine Thermosflasche aus dem Rucksack. Ich nehme den angebotenen Kafee und denke mir, dass ich ja auch studieren könnte, die Matura nachzumachen ist ja kein Problem, mit all meinem Wissen. Dann werden die Pflanzen comicartig lebendig, und ich will den bärtigen fragen, was im Kaffee war, doch er ist schon weg. Es ist alles so wunderbar farbig und prall, das muss ich malen, denke ich.

Dann male ich, und das Bild lebt wie die Pflanzen. Das ist es, denke ich, ich werde Künstlerin! Und wache buntverwirrt auf.

Traumsplitter

Heute erstmals im Traum ein Foto mit dem Handy gemacht. Noch beim ersten Kaffee finde ich es schade, dass es kein wirkliches Foto ist. Ein junges Königspaar kommt mit dem Flugzeug, das sowohl normal als auch senkrecht starten kann. Der Prinz führt das vor, startet erst auf der Rollbahn, dann landet er wieder. Transformermäßig fahren Beine aus, das Ding stellt sich senkrecht, auch die Spitze verändert sich, bevor er mit viel glitzerndem Rauch (oder Dampf?) wieder abhebt. Danach kommen drei Fallschirmspringer irgendwie verheddert herein, alle Zuschauer sind besorgt, erst aus der Nähe sieht man, dass zwei davon in vorsichtigem Kappenrelativ den dritten halten, dessen Schirm völlig zerfleddert aussieht. Die schwierige Landung gelingt ohne Verletzte, die Menge applaudiert, nur die Kellnerin hört nicht auf zu weinen.

 

Davor, in einem anderen Traum, sagt A. zu mir: „Was immer du machst, mach es all the way, all the way!“ – Im Halbschlaf scheint mir der Satz unendlich bedeutsam, und ich stelle ihn mir als Tattoo vor, rund um den Unterschenkel vielleicht.

Heute, im Halbschlaf vor dem Aufwachen, unendlich traurig darüber, dass es keine Traumkamera gibt. Diese Nebelschwaden über dem See, blaugrau, davor eine Pflanzensilhouette. Zartfriedlich.

Du bist der erste unter den Vierfach-Klons, mit dem richtigen Herzschlag zum Einschlafen.

Mini-Rehe und apere Pisten

Das Reh hängt an einem Luftballon und fliegt vorbei. Ein Säckchen mit Zettel hängt auch daran, man möge doch ein Stück des Futters aus dem Sack nehmen, ein bisschen Wasser drauf, und das Reh füttern, bevor man es weiterfliegen lässt. Das Reh hat die Größe eines Zwergdackels, und ich folge den Anweisungen, doch während ich das Futter zubereite, befreit sich das Reh aus seinem Geschirr und verschwindet flink in einem Abflussrohr. Eh besser, denke ich, wozu sollen die armen Rehe da herumfliegen, das ist sicher wieder so einem dämlichen Tourismus-Manager eingefallen.

Ich will auf den Berg. Heute könnte man tatsächlich schifahren, da oben, hat es geheißen, doch ich sehe keinen Schnee. Die Lehmstraße ist gelblich und in ihrer Nässe blendend vom strahlenden Sonnenlicht. Während ich in der Gondel nach oben schaukle, ziehen dunkle Wolken auf, und es beginnt zu regnen. Die Berge ringsherum wirken dicht, die Nebelschwaden machen die Gegend auch nicht heller.

Oben an der Liftstation steige ich aus, auf braunen Hängen mit schmutzigen Schneeresten rutchen einge Schifahrer herum. Sie ziehen teils tiefe Schneisen in die aufgeweichte Erde, und es macht mich ärgerlich und ein bisschen fassungslos, dass es allen egal ist, wie furchtbar dieser Hang dadurch im Sommer aussehen wird.

Ich gehe zu Fuss Richtung Tal und bleibe lange an einer Bergkante stehen. Gegenüber ist eine Felswand, deren Struktur ein riesiges, nur halb abstraktes Kunstwerk bildet. Wieder fliegt ein Reh vorbei, kläglich nass, aber ich bin zu langsam, um es zu befreien. Als ich weitergehe, wundert mich, warum ich die nahen Berge mit den dunklen Wolken und den Nebelschwaden heute gar nicht als bedrückend empfinde.

Vollmondtraum, tierisch

Der älteste Panda der Welt ist jetzt Leberkäs. Dabei sollt er doch nur in die Wärmekammer, weil es draußen so kalt war, aber irgendwie ist dabei etwas schiefgegangen. Schöne Kruste, aber man darf ihn nicht anschneiden, sagen die Wissenschaftler, vielleicht kriegen sie ihn doch wieder hin.

Zu wahr, um schön zu sein

Du hattest ein Buch geschrieben. Es war dünn, und doch mit allem Denkbaren voll. Krimi, Drama und Liebesgeschichte, dazu ein bisschen Dr. House, ein bisschen Lost. Das Buch war nicht allein, es gehörte zu einem Film, zu einem Hörspiel. Wir waren Leser und kamen doch auch drin vor. Zuhörer, die mitspielten. Kunst aus dem Leben, leben in der Kunst. Aber dann, viel zu bald, die letzte Seite.

„Es kann doch jetzt nicht einfach aufhören!“ sagte ich.

„Der Wecker klingelt.“ sagtest du.

Ich glaube, es war das Telefon.

Sonnenfeuer

„Nicht die Feuerwehr rufen, die werden erst bezahlt, wenn das Haus auch brennt“ sagt J. zu mir angesichts eines brennenden Autos auf der Straße. K. nickt. „Genau so ist es! Auf keinen Fall die Feuerwehr rufen!“ – Ich bin fassungslos ob so viel Verschwörungstheorie. Der Rauch breitet sich aus und füllt die ganze Straße, auf der eine Art Flohmarkt stattfindet. „Hast du das gehört?“ frage ich L. Er nickt nur, als hätte er nichts anderes erwartet. Dei Straße ist breit und sonnig und leer, kaum Menschen außer den Standbetreibern, eine breite Marmorstiege führt in einen älteren Teil der Stadt. Hier unten sind alte Fabriksgebäude, Leute wie wir haben sich dort eingerichtet, in Hallen und Gängen. Es ist eine Art Kollektiv entstanden, man kennt sich, man hilft einander. Drinnen ist es kühl trotz der Sommerhitze. „Mein“ Plätzchen ist ein erhöhter Teil der Halle, hier muss früher eine Art Steueranlage gewesen sein und der Platz, wo man die ganze Anlage beobachten konnte.

Unten haben ein paar von uns eine Grube mit Wasser gefüllt, unser eigener Swimmingpool. Es ist schwer, die Wasserqualität zu halten, Chemikalien dürfen wir nicht kaufen. Ein paar stehen mit Wasserproben am Rand und diskutieren über Alternativen zur Wasserreinigung. Oben hänge ich die Wäsche auf, die mir E gewaschen hat, sie wohnt bei den alten riesigen Industriewaschanlagen. Sie bekommt dafür Gemüse von mir, das ich an einem alten Anstreichergerüst angepflanzt habe, das vor meinem Fenster hängt. Von der Straße kann man es nicht erreichen, das ist wichtig, weil unten nachts die „Anderen“ herumstreichen und klauen, was immer sie in die Finger kriegen.

Der Wind streicht durchs Fenster, das kein Glas mehr hat. Ich klettere hinaus, sitze zwischen meinen Pflanzen und schaue hinunter. Die Flohmarktbetreiber haben sich um einen schwarzen Fleck gruppiert, es ist nichts übriggeblieben von diesem Auto, nur dieser schwarze Fleck auf der Straße. Dann gehe ich schwimmen mit E, nackt, das Wasser ist kühl und klar. „Nicht hineinpinkeln“, mahnt jemand am Rand. Der Pool wird größer, je weiter man schwimmt, und reicht in die nächste Halle, in der sich die Affenkinder eingerichtet haben. Sie sind weder Affen noch Kinder, sondern nennen sich so, weil sie sich mit Seilen und Holz Gerüste und Plateaus in die Halle gebaut haben, wie ein überdimensionales Katzenbaumparadies sieht es hier aus. J. fragt, ob er ein paar Dschungelpflanzen von mir bekommen kann. „Ich hab nur Gemüsepflanzen“, sage ich. Er schaut mich traurig an.

Von der Straße her kommt Musik, wir gehen hinaus und folgen den Klängen. Auf einer Gstättn zwischen den Häusern ist Party, jemand hat ein riesiges Barbecue gebaut, auf dem viele kleine Fleischteile braten. „Ratten“ flüstert mir J ins Ohr. Ob das auch eine Verschwörungstheorie ist? Ich nehme stattdessen ein Stück Brot, das frisch aus dem Hochofen kommt. Oben am Himmel ziehen Kampfjets vorbei, ein paar Besucher flüchten erschrocken ins nächste Haus, aber ich bin sicher, wenn es gegen uns ginge, dann würden sie Hubschrauber schicken. Der Wind fährt ins Feuer und schickt Aschenflocken wie Schnee in die Luft.

„Es gibt keinen Winter mehr“, sagt L. traurig. Ich verstehe nicht, was daran traurig sein soll, ich genieße diese warme, unbeschwerte Existenz. In der alten Stadt beginnen die Kirchenglocken zu läuten, lauter und lauter. Die kommen aus der Wirklichgwelt und wecken mich schließlich auf.

Nachtkrimi

In letzter Zeit so triviales Zeug geträumt, dass ich letzte Nacht tatsächlich froh über ein alptraumartiges Gschichtl war, das beweist, dass mein Unterbewusstsein noch mehr zu bieten hat als Nudeln kochen und Hunde frisieren.

Das Setting in einem abgetakelten Hotel war malerisch finster, der pawlatschengesäumte Innenhof mit Gras und Stauden überwachsen. Aus der Decke des Speisesaals sickerte Blut, das allerdings zuerst kein richtiges Blut war, sondern Himbeersaft – es war eine Art Krimidiner, bei dem es darum ging, den „Mörder“ zu fassen. Dummerweise schien die Geschichte sich nur zu wiederholen. Nach dem Himbeersaft aus der Decke fiel die „Leiche“, eine lebensechte Gummipuppe, aus den zerberstenden Deckenbrettern, die Gruppe lief zusammen, doch bevor man sich auf eine Todesursache einigen konnte, tropfte neues Blut aus einer anderen Stelle der Decke, und mit demselben Krach wie vorher fiel eine weitere Puppe in den Raum. Verblüffung teilte die Detektive in zwei Gruppen, die einen meinten, da wäre wohl ein Fehler in der Computersteuerung, die anderen begannen schon den mutmaßlichen Serienmörder zu analysieren. Da tropfte es wieder rot aus der Decke, ein neuer Krach, und die dritte Leiche war echt, unser Gastgeber, der sich vor kurzer Zeit mit hintergründigem Lächeln verabschiedet hatte, lächelte nicht mehr, sondern hatte ein großes Einschussloch in der Stirn.

Plötzlich fehlten ein paar Leute aus der Gruppe, im Kerzenlicht war unklar wer und wie viele, einige mahnten zum Zusammenbleiben, andere wollten sich lieber so weit wie möglich von den Ereignissen entfernen. Ich zog mich ins Bad zurück und begann, aus welchen Traumgründen auch immer, Wasser in die Badewanne einzulassen, das allerdings auch blutrot und unappetitlich aus dem Hahn floss, begleitet von quietschenden, pfeifenden Rohrgeräuschen, die ebenso gut Schreie sein konnten. Draußen ein Knall, Schuss oder zufallende Türe, da war ich nicht sicher, dann ein bösartiges Hohngelächter ganz in meiner Nähe. Es war der Klingelton vom Mobiltelefon des Gastgebers, vorsichtig nahm ich den Anruf an, ohne etwas zu sagen. „Das hast du nun davon“, brüllte eine fernsehbekannte Stimme, dann wurde aufglegt. Ich suchte im Posteingang nach dem Drehbuch, fand aber stattdessen eine Mail, die dem Gastgeber empfahl, doch lieber keine echten Mörder für seinen Event zu buchen, Schauspieler wären gut genug.

Jemand rüttelte an der Badezimmertür, und ich zog mich hinter den Duschvorhang zurück, wo ich überlegte, wie ich das verrammelte Fenster öffnen könnte. Die Tür hielt, und ich löste das Fenster-Problem mit einem Besenstiel, der erst zu kurz war, aber praktischerweise immer länger wurde, bis ich damit die Bretter vor dem Fenster entfernen konnte.

Draußen hatte es zu regnen begonnen. Ich schlich unter den Fenstern vorbei in Richtung Straße,wo sich bereits Blaulichter tummelten. Auf Polizei hatte ich allerdings auch keinen Bock, deshalb wählte ich den Weg durch den Wald. Als die Sonne aufging, sah ich die Stadt in der Ferne. Ein wunderschöner Anblick.

Apokalyptisches Festival

Gut geschlafen, seltsame Träume. Nach einem Festival ein Klo gesucht, plötzlich ist das Haus ein Schlachtfeld. Als ich endlich ein Klo finde, ein riesiger, trümmerübersäter Waschraum eigentlich, lässt sich die Tür nicht absperren. Kein Licht. Jemand trägt O. herein, die schmerzlich aufschreit. Ich flüchte.

Heimweg zu Fuss, es geht den Berg hinauf, überall Wald. Unterwegs eine Art Kirche, Kloster, der Weg geht durch die Gebäude. Jemand drückt mir eine Flasche Haselnussschnaps in ide Hand, für den die Gegend berühmt ist. Der Weg wird immer steiler, endet schließlich in einem Labyrinth durchbrochener, stuckverzierter Hohlfiguren. Nirgends ein Platz, um die Flasche abzustellen, ich bräuchte die zweite Hand, um vor oder zurück zu kommen. Wenn ich die Flasche auf die schrägen Flächen stelle, wird sie unten jemandem auf den Kopf fallen. Ich stecke fest. Ich friere.
Am Rücken aufgewacht (selten), Schultern und Kreuz verspannt. Unendliche Wohligkeit im „Noch 5 Minuten“-Zusammenkringeln.

Kaltes Weiß

Geträumt, ich würde jemanden bei einem Skirennen vertreten. Ich hasste alles, den Schnee, die Ski und die Menge, aber es war ein Freundschaftsdienst, und ich kurvte wenig elegant aber recht effektiv durch die Tore. Mein Stil entsprach dem, den ich seinerzeit auf echten Pisten gefahren bin, zuletzt vor etwa 25 Jahren.

Im Ziel war die Zeitmessung kaputt, und alle Teilnehmer wurden zum Sieger erklärt. Es war eng auf dem Stockerl, und das Fernsehteam wusste nicht, wo sie die Mikrophone zuerst hinhalten sollten. Ich flüchtete in die Hütte, wo es in großen Flocken aus einer Art Schneekanone schneite. Ich fragte den Kellner nach einem Platz, wo ich unverschneit essen könnte, der lachte mich schallend aus. Das müsse so sein mit dem Schnee, die Gäste erwarten das, meinte er.

Ich stapfte über halb-apere Pisten zu einem Hotel, doch auch dort hingen in allen Räumen Schneekanonen. Sogar in der Sauna. Ich fand meine Reisetasche nicht und beschloss, ohne abzureisen. Meine Sachen würde man mir schon nachschicken. Vielleicht.

Am Bahnhof hing ein großes Schild: Kein Zugverkehr wegen Schlechtwetters. Der Himmel war blau, und kein Lüftchen regte sich. Ich setzte mich auf die Bank und war es zufrieden, zur Abwechslung nicht beschneit zu werden.

Der Wecker klingelte, und ich stand auf. Draußen schneit es. In großen, nassen Flocken.

 

Drinnen und draußen

In diesem Jänner schon 2 winzige Mäuse in der Stadt gesehen. In völlig verschiedenen Gegenden, am hellichten Tag. Frühere Mausbegegnungen gab es nur sehr selten, immer nachts, und dort, wo man sie erwartet, also etwa in Marktnähe. Kein extremes Wetter, kein anderer Grund, warum die Mini-Nager aus ihren Löchern kommen sollten. Eigenartig.


Ich vermisse seit Monaten meine komplexen Geschichtenträume. Derzeit beim Aufwachen nur noch kurze Endszenen im Kopf, die Story dahinter bleibt verborgen. Heute etwa mit der U-Bahn nach Q gefahren, um ein Formular auszufüllen. Q ist keine Abkürzung, es war der Name der Station, wo ein im Abbruch befindliches Gebäude ein überlebensgroßes Q am Dach trug. Was für ein Formular, und warum war die Stadt so desolat? – In einem anderen Traum auf einer Art Jäger-Hochsitz gesessen, der in einem Gemeindebau-Park stand. Draußen regnete es, und unter dem Holzdach trennte ich mein ziemlich weit gediehenes Strickzeug wieder auf, sehr bedacht darauf, die Knäuel nicht zu fest zu wickeln. Was macht der Hochstand im Stadtgebiet, was mache ich am Hochstand, und warum ein optisch perfektes Strickstück auftrennen? Die Antworten darauf haben es nicht aus dem Schlaf- ins Wachbewusstsein geschafft.


Das Weltgeschehen widert mich an. Nicht nur wegen Mord und Totschlag (das wär auch schon Grund genug), sondern die Vorhersehbarkeit der Reaktionen, dazu die kleinen Mauscheleien allerorten, die mit wohlgewählten Wortbausteinen weggeredet werden sollen, und die Sensationalisierung des Unsensationellen in Sport und Kunst.

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