KategorieSprungbuch

#343

Fürstenfeld – Skyvan/4300m – Solo
Öffnung: 800 | Freifall: 59s
avg: 222km/h | max: 298km/h

Da wollen wir doch gleich nochmal. Einsteigen. Es ist wie immer: Wenn ich in Fahrt komme, neigt sich der Boogie seinem Ende zu, und die ersten fangen schon an, ihre Sachen zu packen. Aber was solls, solang die Pink noch fliegt.

Ganz voll ist sie diesmal nicht, aber immer noch ziemlich. Mittlerweile habe ich mich auch schon ans Plaudern im Flieger gewöhnt. Einmal noch richtig sauber zu sitzen, mit allem was dazugehört, habe ich mir vorgekommen. Wer weiß, ob ich heuer noch einmal in die Luft komme.

Und das mache ich dann auch, abgesehen davon, dass ich vom gestreckten Kippexit wieder einmal nicht genug bekommen kann. Die Rotation ist einfach zu geil… Nachher brav die Füße nach unten genommen, bremsen und beschleunigen und drehen, dann auf den Kopf stellen – geht eigentlich alles ganz prima. Dann noch bäuchlings in die wunderschöne Gegend geschaut, Schirmzeit.

Eigentlich recht gemütlich runtergekurvt, zum Schluss nicht recht entscheiden können, ob Links oder rechts von den schon Gelandeten; ein bisschen abgelenkt und zu früh geflared und – schönblöd – mit gestrecktem Bein gelandet; schmerzhaft und über die Schulter abgerollt. Hmhm.

Erstmal den Schirm zum Packen gegeben und auf und ab gegangen und das Knie getestet, weh tuts nicht mehr, fühlt sich aber komisch an. Stefan wirft einen Blick darauf und empfiehlt Ruhe und abwarten. Hmhm. Wo doch jetzt gleich die Sunsetload… ich gehe nochmal auf und ab und steige nicht ein und ärgere mich und nenne mich “feig”, besonders als das Knie dann auch beim Auf- und Abgehen eigentlich gar nichts mehr tut. Und dabei hätte es auch bleiben können, wenn ich nicht so saudämlich gewesen wäre… aber das steht ja schon drüben.

#342

Fürstenfeld – Skyvan/4275m – Solo
Öffnung: 825 | Freifall: 64s
avg: 214km/h | max: 291km/h

Montags hat die herbstliche Nebeldecke nicht aufgemacht, ein unerwünschter Ruhetag – aber der Dienstag ist wieder ganz wunderbar. Leider durchs Sachenpacken etwas spät auf den Platz gekommen, dann aber gleich in die Maschine.

Das im-Flug-Sortieren funktioniert allerdings nur, wenn alle mitmachen. Auf die Frage “Was machst du?” mit “Springen” zu antworten und auf die Folgefrage “Wo machst du auf?” mit “Bei 300 sollt er halt offen sein” ist da eher kontraproduktiv. Nunja. Der extracoole Vollkoffer darf vor mir gehen und kriegt einen gaaaaanz langen Sicherheitsabstand. Und dann gehört der Himmel mir.

Ob das Sitzdrehen noch kontrolliert funktioniert wollte ich wissen, dann Kopf nach unten, dann Spasszeit. Rollen und Purzeln wie in den alten Zeiten. Viel schöner kann’s eigentlich nicht werden, obwohl: Unter so einem Himmel und über so einer Erde (und unbehelligt von etwaigen “Luftgegenern”) macht die Schirmfahrt auch verdammt viel Spass. Und die Landung hätte auch gepasst, wenn nicht das Gras so nass wäre, dass man darin ausrutscht. NACH der sauberen Landung, wohlgemerkt.

 

#341

Fürstenfeld – Skyvan/4350m – Solo
Öffnung: 750 | Freifall: 66s
avg: 216km/h | max: 298km/h

Regel Nummer eins: Geh an so einem schönen Sprungtag keinesfalls Kaffee trinken. Wenn du es doch tust, sind bei der Rückkehr drei Loads voll. Aber es macht nichts, die Sonne scheint herrlich, es tratscht sich nett, und irgendwann geht ja dann wieder eine Load.

Die auch sehr voll ist. Fast ohne Tandems jetzt. Voll und vollgetankt dauert es eine Spur länger bis zum Exit. Nicht weiter schlimm. Kalt ist es immer noch nicht. Es wäre Zeit für einen Jubelschrei-Exit, aber der Jubelschrei erfolgt erst in der Luft. Ein bisschen rumgespielt und mich an Transitions versucht. Aber hauptsächlich rumgespielt. Es ist einfach viel zu schön um zu arbeiten.

Am Schirm dann plötzlich sehr viel Verkehr. Überall und von überall. Ich mach erstmal einen schnellen Turn nach unten, fliege dann von hintem überm Wald an, aber als ich auch dort noch einen viel zu nahen Verfolger nicht abschütteln kann, nehme ich die lange Gerade und mache einen auf Weitwanderweg. Schirmdisziplin, meine Herrschaften! – Na egal. Ich lande wieder zehenspitzig, passt und freue mich des Lebens.

Sunsetload angedacht, aber nach einem Blick auf den Sonnenstand beschlossen, dass ich keine Lust habe, im Abendtau zu packen. Morgen ist ja auch noch ein Tag…

#340

Fürstenfeld – Skyvan/4375m – Solo
Öffnung: 875 | Freifall: 62s
avg: 221km/h | max: 325km/h

Wer hätte gedacht, dass ein so später Oktober nicht nur strahlend sonnig sondern auch wunderbar warm werden kann? Der Vormittag war zwar vernebelt, aber gegen Mittag blinzelt die Sonne durch, und als ich auf dem Platz komme, schwitzen die ersten schon beim Packen.

Der Boogie in Fürstenfeld wird vom dort ansäßigen Verein Skydive Fürstenfeld organisiert, und so gilt es zuerst, ein Formular fürs Manifest auszufüllen. Der Empfang ist sehr freundlich, und vor dem Manifest steht eine Kiste mit Äpfeln – frisch, saftig, steirisch.

Dafür, dass mein letzter Sprung recht lange her ist, lasse ich mich nicht allzulange bitten. Die Maschine ziemlich voll, an die leisere Pink habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Daran, wie schnell es bergauf geht, auch nicht. Aber wir sind schon fast da.

Vor mir Jojo, Willi & Friends in Freefly-Mission aber ohne Blaulicht-Helm, perfekter Headdwon-Exit. Dann ich. Erstmal Altbewährtes, Kippexit mit Rotation. Dann das Sitzen probiert, geht, dann den Kopf nach unten – geht nicht ganz so gut – dann nochmals hingesetzt und auf 2000 noch ein gaaaanz langsamer Beobachtungskreis. Ich grinse schon ganz allein im Freifall, am Schirm auch, die Gegend ist wunderschön, kleinflächige Herbstfarbenfelder, der Flugplatz leicht zu finden. Der Landeanflug bei Nullwind ziemlich schnell, ich bremse mit einer Hinterbacke, aber nur kurz.

#339

Aspersdorf – Skyvan/4425m – Solo
Öffnung: 800 | Freifall: 64s
avg: 219km/h | max: 278km/h

Langsam wird es Abend. Die vorletzte Load ist nicht ganz voll (obwohl auch fast), Wuzi verabschiedet sich wieder auf 1000m (naja, Anflugsbedingt eher auf 1300), die Freeflyer albern rum. Ob ich auch mit seinem Helm sprechen wollte, fragt einer, der sieht, wie ich mein Hauberl ans Ohr halte, um das Protracksignal zu checken. Ha-ha! (Obwohl, warum nicht? ;) )

Ich denke über einen Spezial-Exit nach, studiere die Abziehbilder an der Innenwand und frage mich, warum der Boogie denn schon dem Ende zugeht, jetzt, wo ich in Fahrt bin. Jaja, irgendetwas mache ich falsch.

Wieder recht früh mache ich mich fertig (und denke dabei, wie verwöhnt man doch wird durch den vielen Platz im Flieger). Rot, weiß, grün. Ich pfeife auf den Spezialexit und lasse mich gestreckt rausfallen. Habe ich schon mal erwähnt, wieviel Spass das macht, sich ein paar Mal gestreckt zu überschlagen – und wie bescheuert das vermutlich aussieht? Irgendwo habe ich das sicher schon erwähnt.

OK jetzt aber richtig: hingesetzt, die Knie nur auf 90° gebeugt, und jetzt drehen wir doch mal…. Wir (mein Hirn und ich) drehen. Und sehen dabei, wie schön der herbstliche Flaum doch in der tiefstehenden Sonne glitzert, und wie die einzelnen Dichtwölkchen malerische Tupfen in die Gegend setzen. Halte trotzdem zwei 360°-Drehungen durch, eine nach Links, eine nach rechts, alles easy, und werfe mich dann erst auf den Bauch, knapp über zweitausend, wo die Dunstschicht, die von oben wie von unten halbtransparent ist, gegen die Sonne plötzlich ein schimmerndes Feld wird. Es ist ein höchst wortloses Glück, und dann drehe ich horizontal und vertikal, niemand weit und breit, dieses Licht!

Schirmzeit, perfekt-weiche Öffnung, jetzt nur nicht hudeln. Drehe einen weiten Kreis über der Landschaft, hmhm, da links will einer ins Pattern, und rechts schraubt sich einer an mir vorbei runter, alles andere weit oben oder weit unten. Alles easy, alles schön.

Der Wind hat nachgelassen und tendiert gegen null, was mich freut. Jaja, ich weiß, REAL Skydivers haben gern ein bisschen Wind… aber ich genieße die Flaute und laufe lieber ein paar Schritte beim Aufsetzen, damit kenne ich mich aus und komme näher ans Ziel und lande zum dritten Mal hintereinander auf den Füßen auf statt auf dem Arsch, was mich dann doch sehr beruhigt.

Zu schade, dass das schon alles war. Für diesmal.

#338

Aspersdorf – Skyvan/4400m – Solo
Öffnung: 800 | Freifall: 63s
avg: 227km/h | max: 264km/h

Also nochmal. Bin schwerst verblüfft, dass der tschechische Boardspringer während des Steigflugs noch schnell eine SMS schreibt. Hm. Coolness kennt offenbar keine Grenzen.

Ein paar der dickeren Wolken sind näher gezogen, aber Phillip trifft zielsicher das Blaue. Ich finde, ich bin erstmal genug gesessen, und nehme nach einem gestreckten Kipp-Exit den Kopf nach unten. Erinnere mich im gleichen Moment daran, dass ich mich doch wieder Mal auf den Rücken legen und dem Nachfolger-Exit zusehen wollte, und verbringe die nächsten paar hundert Meter damit, mich nicht entscheiden zu können. Ganz schön blöde.

Dann doch wieder gesessen; beim Drehen mit der Sonne im Rücken einen kreisrunden Regenbogen auf dem nächsten Wölkchen, wunderschön, schon lange nicht mehr gesehen.

Diesmal Wind aus Süden, andere Landerichtung, etwas näher und auf den Beinen. So soll es sein. Zur Feier des Tages packen lassen. Jetzt erstmal ein halber Hahn, dann noch ein Kaffee, und irgendwie vergeht die Zeit viel schneller als geplant.

#337

Aspersdorf – Skyvan/4475m – Solo
Öffnung: 825 | Freifall: 62s
avg: 240km/h | max: 285km/h

Es geht also noch. Dann kann man ja getrost noch einmal einsteigen. Obwohl der Wind doch etwas auffrischt. Nicht dass da wirklich viel Wind wäre. Aber es ist eben mehr Wind, als ich gewohnt bin. Außerdem ist es nett, herunten, weil ich auch heute noch immer neue alte Leute treffe, die ich seit ewig nicht gesehen habe, und mit denen sehr nett plaudern ist. Und überhaupt liegt der Sufi so malerisch in seiner Hängematte, dass ich mich frage, ob ich nicht doch das falsche Hobby gewählt habe. Extreme-Napping, das wäre durchaus auf meiner Linie. Aber, naja, obwohl die Pink mit 5 Propellerblättern bei weitem nicht mehr so röhrt wie einst im Mai Februar, lockt sie doch.

Kann das sein, dass sie auch noch schneller steigt als gewohnt? Oder träume ich nur so gemütlich dahin von alledem, was man vollbringen könnte, wenn man öfter als nur einmal im Monate auf den Sprungplatz käme? – Egal. Wir sind schon da.

Vor mir versuchen zwei den Stangentrick – was heißt versuchen? Klappt ja! Ich wie gewohnt Solo, diesmal geht’s auch besser mit dem Sitzexit, obwohl ich wie in grauer Vorzeit beim ersten Blick auf den Höhenmesser die Balance verliere. Hmhm. Beim zweiten Versuch bleibe ich sitzen, merke aber, dass ich umso instabiler werde, je mehr sich meine Beine dem idealen 90°-Winkel annähern. Naja. Nur nicht aufgeben. Ich übe trotz der umwerfenden Aussicht bis auf 1800.

Wo ich mich auf den Bauch werfe und feststelle, dass relativ grade unter mir ein Schirm aufgeht. Öööh… bin ich so weit gedriftet oder mein Vordermann? Egal. Ein Stück in die Gegend getrackt, Sicherheitscheck und Schirmzeit. In dem Fall heißt das: Der Schirm läßt sich Zeit. Ich denke: neinbittenicht! und bin einen Moment unsicher, ob ich an den (gestreckten) Leinen rütteln soll oder doch gleich zum Trenngriff greifen, und der Moment reicht, um doch noch eine Öffnung hervorzubringen. Na also!

Zwar kann ich den Wind noch immer nicht gut genug einschätzen, um genau dort zu landen, wo ich will, aber immerhin geht es wieder auf den Füßen. Ahem. War aber auch Zeit.

#336

Aspersdorf – Skyvan/4450m – Solo
Öffnung: 775 | Freifall: 64s
avg: 232km/h | max: 282km/h

Die Pink, mit fast neuen Fünfblattpropellern, ist in Aspersdorf – und das ganz ohne Schneesturm. Aus hier nicht näher auszuführenden Gründen bin ich samstags – statt laut Plan um 9:01 – erst so gegen 16 Uhr am Platz – wo natürlich alle manifestnahen Parkplätze besetzt sind. Und der Weg vom letzten Eck zum Manifest bringt so viele nette Begegnungen, dass es dann tatsächlich schon fast 6 Uhr ist. Das zahlt sich nun wirklich nicht mehr aus… Da wird dann stattdessen bei einem Bier getratscht und der neueste Klatsch ausgetauscht. Passt auch.

Umso früher sind wir sonntags am Platz. Was aber auch nichts bringt. Denn erstmal stelle ich fest, dass mein Helm irgendwie seinen festen Platz im Auto verloren hat (Danke, Silvia, für die hübsche Kappe – mit Protracktäschchen). Dann denke ich, dass der Wind ja doch ziemlich stark ist (na, da steigen aber auch noch viel größere Schirme ein) und dass die Wolken zwar nicht da sind, aber doch herkommen könnten. Und dass dieses Landefeld zwar sehr lang, aber verdammt schmal ist.

Schließlich erkenne ich, dass ich einfach mal wieder viel zu lange nicht gesprungen bin, nehme mich bei der Nase und schüttle mich. Danach ist es relativ einfach, die Karte durch den Reader zu ziehen. Nicht ohne darauf achten, dass da vor mir noch ein Freeflyer-Grüppchen ist – wir (mein Hirn und ich) wollen ja nicht gleich gezwungen sein, die Tür zu öffnen, nicht wahr?

Lustig eigentlich. Während ich beim Anziehen und noch auf dem Weg zum Flieger alle möglichen Gründe finde, warum ich vielleicht doch noch eine Load hätte abwarten sollen, beruhigt sich sofort alles, als ich im Flieger sitze und dieser abhebt. Auch innen ist die Pink viel leiser, stelle ich fest. Und dass mein Protrack die Tendenz hat, das Täschchen in der Kappe zu verlassen. Und dass es verdammt gemütlich ist in diesem Flieger, im Gegensatz zu… ach, lassen wir das.

Das, was von unten wie verstreute Wölkchen ausgesehen hat, ist aus der Nähe betrachtet eher eine durchsichtige Dunstschicht. Und liegt auf 2000m. Danach dauert es auch nicht mehr lange…

Diese Kappe ist eine Spur zu klein, die Brille dagegen eine Spur zu groß. Zusammengenommen hindert mich das am Grinsen, stelle ich mit Bedauern fest. Sigi geht als erster mit dem Brett. Dann eine Gruppe. Ein Solo.

Ich hole tief Luft, ziehe die Beine an und versuche, gleich ins Sitzen zu kommen. Erstmal gekippt, überkugelt, der zweite Versuch sitzt. Ich hab schon wieder die Beine zu weit angezogen, stelle ich fest, versuche 90° – und es sitzt sich noch immer. Gut. Eine Runde zu drehen geht dagegen nicht so gut. Ich falle auf den Bauch, stelle fest, dass ich auf 2000 bin und schaue mir erstmal die Gegend an. Hübsch. Und, um mich herum, angenehm leer.

Schirmzeit; der Wind, der die ganze Zeit um etwa 90° schwenkt, kommt jetzt aus dem Osten, schön. Wie üblich verschätze ich mich ein bisschen, komme zu kurz & auf dem Hintern rein; Himmel, der Sprung war schön, aber mittlerweile müßte ich doch das Landen auch gelernt haben?

#335

Krems – Turbo Finist/4125m – Solo
Öffnung: 0850 | Freifall: 64s
avg: 196km/h | max: 225km/h

Das Packen geht schwer von den muskelkatergeschlagenen Händen, der Wind kann sich nicht entscheiden, und ich trinke erstmal einen Kafee. Ein Stück Kuchen kann auch nicht schaden. Schließlich überwinde ich die Faulheit & steige wieder ein.  Ich sitze doch lieber wieder am Boden, aber ein Stück weiter hinten, auch ein Fensterplatz. Die Wölkchen haben sich ein bisschen vermehrt & sind auch eine Spur näher gerückt.

Ich werfe mein Programm geistig über Bord und beschließe eine Runde Wölkchen-jagen.

Über den Exit wollen wir diesmal schweigen. (grummel!) Danach noch kurz gesessen, dann rund um die Wölkchen getrackt. Sehr spassig, vor allem als ich punktgenau das anvisierte Loch treffe.

Schirmfahrt geht auch gut, Wind hat wieder nachgelassen. Nach dem nicht mehr zu überhörenden Ächzen meiner Muskeln beim Packen beschließe ich aber, dass es genug ist für heute, und verzieh mich in den Schatten mit meinem Buch. Vielleicht sollte ich doch ins Fitnessstudio gehen.

#334

Krems – Turbo Finist/4025m – Solo
Öffnung: 0900 | Freifall: 56s
avg: 224km/h | max: 293km/h

Jetzt hab ich aber genug von der engen Ecke und versuche es doch mal mit der Sitzstange. Die ist zwar auch nicht viel bequemer, aber ich habe – nachdem ich meinen Kopf so “verstaut” habe, dass ich nicht mehr gebückt in der Ecke sitze – eien wunderbaren Blick aus dem Fenster über die Landschaft. Wir kurven über das Pfadfinderlager und über Krems. Auf der Donau Ausflugsschiffe, und kleine weiße Wölkchen hängen herum. Es ist sehr hübsch.

Oben angekommen, bemühe ich mich – wieder vergeblich – um einen eleganteren Exit. Irgendwie muss ich mich dieser Türe anders annähern. Wenn ich nur wüßte, wie!

Draußen bemühe ich mich um einen stabilen Sit. Der wiederum geht erstaunlich leicht von der Hand, oder sollte ich sagen von den Füßen? Sogar mit Drehung. Als hätte ich gar keine Pause gemacht. Zwischendurch ein kleiner Salto, aus purem Übermut, und einmal kurz den Kopf nach unten, weil grad Zeit war.

Am Schirm irgendwie seltsam schräg südwestlich vom Platz gehängt; windrichtungsmäßig eh ideal, aber wo kreisen die anderen hin? Ich vorsichtshalber über den Wald, dort rüttelt die Thermik ganz schön; das gefällt mir nicht sonderlich. Dann rein auf die Landewiese & hinter den Bäumen geht natürlich kein Wind mehr – folgerichtig verschätzt und mit dem Hintern gebremst.

#333

Krems – Turbo Finist/4100m – Solo
Öffnung: 0775 | Freifall: 60s
avg: 216km/h | max: 290km/h

Ohne Frühstück einsteigen ist nicht, da können die anderen noch so lachen. Aber dann! Wieder knirsche ich mich in das linke, hintere Eck des Fliegers. Es ist nicht sonderlich bequem, vor allem deshalb nicht, weil Alfred unterwegs einfällt, dass wir die Plätze tauschen müssen – er geht ja mit dem Tandem mit!

Ich bin heilfroh, als die Lichter den Exit verkünden. Den ich allerdings auch nicht viel besser hinkriege als gestern. Zum Spassvergnügen kurz den Kopf nach unten genommen, dann wieder ans Sitzprogramm. Zum Schluss noch eine Beobachtungsrunde auf dem Bauch. Schöne Gegend mit Traumwetter!

Feine, sanfte Schirmöffnung & gemütlich heimgeflogen.

#332

Krems – Turbo Finist/4100m – Solo
Öffnung: 0875 | Freifall: 61s
avg: 204km/h | max: 274km/h

Über drei Monate seit dem letzten Sprung, und wirklich in Form bin ich auch nicht. Macht aber nichts, jetzt muss es wieder einmal sein!

Ich komme spät auf den Platz, viele sind schon abgezogen. Für einen Hupfer reichts noch.

Die Turbo-Finist hat eine Sitzbank spendiert bekommen – irgendwie sehr ungewohnt. Ich bleibe lieber daneben am Boden sitzen. Aber steigen tut sie nach wie schnell, und das wie auf Schienen. Bin ich nervös? Ich – zähneklapper – bin doch nicht – klapperklapper – nervös!

Mir bleibt aber nicht sonderlich viel Zeit, darüber nachzudenken. Vor mir ein Freefly-Vierer. Ich kämpfe mich zur Tür durch. Die Exit-Stufe ist ungewohnt, die Absetzgeschwindigkeit relativ schnell. Ich plumpse ungefähr wie ein nasser Sack aus der Tür. Nur gut, dass die Tandemmaster hinter mir ohnehin genug mit ihren Passagieren zu tun haben und mir nicht nachschauen. Hoffe ich.

Ich versuche mich hinzusetzen, überkugle mich, falle dann auf den Bauch & schaue ziemlich verblüfft nach unten. Ist das der richtige Flugplatz? OK, die Startbahn ist da, die Flugplatzgebäude auch und die Landewiese – aber hinter dem Wald macht ein riesiges, mit rechtwinkeligen Wegen aufgebautes Zeltlager den Großteil der ansonsten für unfreiwillige Außenlandungen einladenden Brachfläche ein. Es sieht aus, als würde Napoleons Heer den Flugplatz belagern.

ich lasse das Mysterium ein solches sein (Pfadfinderlager mit 300 Teilnehmern, erzählt man mir später) und versuche es noch einmal mit dem Sitzen. Geht ja. Die Sandalen flattern.

Schon Schirmzeit? Raus damit! Obwohl (oder weil?) ich ihm nach der langen Liegezeit einen Repack spendiert habe, schenkt er mir erstmal einen freundschaftlichen 180er-Schlenker ein. Macht aber nix, der ist gleich wieder draußen.

Ich kurve neugierig eine Runde über den Pfadfindern, dann gemütlich zurück. Saubere Fastkeinwind-Landung mit abschließendem Lustschrei.

Eine Load wär noch gegangen, aber mir ist der Wind zu unstet (eine Entscheidung, über die ich sehr froh bin, weil den anderen unterwegs eine ziemlich feuchte Wolke begegnet ist…)

#331

Krems – Cessna Grand Caravan/4100m – Solo
Öffnung: 0875 | Freifall: 61s
avg: 196km/h | max: 219km/h

Endlich mal wieder Zeit “auf einen Sprung”. Allerdings etwas beeinträchtigt vom Vortag. Wir erreichen den Platz, als alle außer dem harten Kern den Tag schon beenden. Geflogen wird mit der roten D-FLIP aus Graz, der Pilot ist bekannt aus Sprung 200.

Ich entschließe mich unter allgemeinem Wohlwollen (Alfred: Aber natürlich steigst du ein!), dem (leicht vorverlegten) Sunset beizuwohnen. Nachdem Manni das Radio nicht aufdreht, muss Alfred wieder singen. Ein unangenehmer Vorfall wie der höchst unpässliche Tandempassagier bei der vorherigen Load bleibt glücklicherweise trotzdem aus.

Nicht ganz voll, steigt die Caravan ungewöhnlich schnell. Da bleibt kaum Zeit für ein kleines Schläfchen zwischendurch. Schon öffnet sich die Tür, und die ersten verschwinden mit Gebrüll.

Ich als letzte. Nach einem gemütlichen Rückenleger, um dem abdrehenden Flieger die Ehre zu erweisen, mal kurz in den Sit. Allerdings vergeht mir ob der grünbunten Fülle unter mir jegliche Lust auf Programm, und ich schwenke um auf einen bäuchlings zu genießenden Panoramasprung. Die Luft ist sehr klar, die Landschaft steht in Blüte, und lustigerweise sieht man auch reichlich entfernte Vorgruppen deutlich besser als über der Wüste.

Ich genieße ein schönes Stück und beschließe dabei, etwas höher zu ziehen – bin nämlich ganz schön weit draußen. Und über mir kann eigentlich auch keiner sein. Nach einer vergewissernden Barrel-Roll rutsche ich allerdings erstmal vom Bällchen ab *grummel* und erlebe nach dem zweiten Griff, die sanfteste, butterweichste Öffnung meiner Springerkarriere. Tatsächlich so zeitlupenlangsam, dass ich fast besorgt werde.

Unterm Schirm ist es trotzdem schön, ich nehme die Brille ab, da die zerkratzten Gläser im Gegenlicht etwas sichteinschränkend wirken, und hänge mich in die Riser. Ganz wird sich’s trotzdem nicht ausgehen, ist mir bald klar. Macht aber nichts. Weit unter mir startet ein Segelschlepp, irgendwie auch ein seltsames Gefühl. Das Schirmfliegen macht auch viel Spass, ich wünschte, ich könnte ein paar nette Kurven drehen. Aber dann müsste ich ja noch weiter laufen…

Da kommt schon das letztmögliche Landefeld. Im Gegenlicht etwas verschätzt, eine Spur zu spät geflared, macht nichts, läßt sich wohl auslaufen… Wompf. Irrtum. Läßt sich nicht auslaufen, weil das blöde frischgepflügte Feld so weich ist, dass man sofort einsinkt. Folgerichtig einen hübschen Face-Plant mit Überschlag daraus gemacht. Es staubt sehr. Immerhin weich genug, dass nichts weh tut.

Mit grummelig verletztem Stolz und zwischen den Zähnen knirschender Erde den langen Marsch zum Platz angetreten. (Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass Manifest-Mann Wickie sich wie auch schon vorher gleich auf den Weg machte, um nach dem rechten zu sehen. Aber abholen war nicht, in dem – sagte ich das schon? – weichen Feld.)

#330

Der letzte heuer hier

Tozeur – Skyvan/4800m – Solo
Öffnung: 0750 | Freifall: 72s
avg: 209km/h | max: 280km/h

Wegen des Afrika-Cup-Endspiels hat der Tower den Sunset kurzerhand auf 15 Uhr vorverlegt. Den letzten Sprung hier heuer will ich auf keinen Fall verpassen, auch wenn mein Schirm (wieder mal faul gewesen und packen lassen) noch ein bisschen dauert. Angesichts der Auslastung der Load hat man aber ein Einsehen und wartet auf mich.

Etwa 10 verstreute steigen noch ein letztes Mal ein, während die anderen schon beim Bier sitzen. Ich überblicke kurz die Gruppen und weiß, ich darf als Letzte aussteigen. Wunderbar.

Die Steigrate übersteigt alles mir Bekannte; mehrmals drücke ich den Setknopf des Protrack, kaum zu glauben, es bleibt bei 37.

Gegen 4000 wie üblich fertiggemacht, alle stehen auf, ich werfe einen Blick nach vorne zu Phillip, der mich im Spiegel sieht, grinst, und mit dem Daumen nach oben winkt. Hurra, wir kriegen Extra-Höhe! Ich geb die gute Nachricht an die anderen weiter.

Tür auf, und – als sich die letzte Gruppe endlich aus dem Flieger geschlichen hat – mit Anlauf einen Kopfsprung in den riesigen Himmelspool. Einmal herrlich überschlagen und gerade rechtzeitig am Rücken gelegen, um die Pink mit der Nase senkrecht nach unten verschwinden zu sehen. Ich glaube, Phillip hat sogar gewunken.

Anschließend aus reiner Gewohnheit mal kurz hingesetzt, dann aber flach auf den Bauch gelegt, um so viel wie möglich von dem Sprung zu haben. Was, immer noch über 3000? Das reicht für etliche langsamdrehende Panoramavisionen, den Ausblick nochmal gaaanz tief eingesaugt, weiterträumend am Schirm schon zum zweiten Mal den Wind vergessen, schön gelandet aber eben wieder Wüstenweitwanderung.

Dann den Schirm in den Pott reingetrasht, jemand fragt mit entsetztem Unterton: „Willst du den so springen?“ – Statt des coolen „Warum nicht?“, das mir von den Lippen springen will, angesichts geballter Schüleranwesenheit wahrheitsgemäß geantwortet „Nein, der ist fällig zum Reservepacken.“

Ach, und Tunesien hat den Cup übrigens gewonnen. Bravo.

#329

Tozeur – Skyvan/4400m – 2er Sit mit Wolf
Öffnung: 0800 | Freifall: 61s
avg: 249km/h | max: 288km/h

Will gerade zu meinem zweiten Nach-Debakel-Solo schreiten, als Wolf meint, wir könnten doch gemeinsam Hupfen? Ich nehme dankbar an. Versuche mich schon im Flieger auf den perfekten Sprung zu konzentrieren. Was mir, wie sich kurz nach Exit zeigt, nicht wirklich weiterhilft. Es ist wirlich die Hektik, da hatte der Herr B-Man eindeutig recht; und kaum schaue ich nach oben oder unten, wo der andere halt grade ist, lieg ich schon wieder auf der Schnauze. immerhin ein Glück, das Luft keine Balken hat.

Das ziemliche Gezappl meinerseits beruhigt sich allerdings, als ich einen echt wölfischen Grinser zugeworfen kriege und mich bemühe, denselben zu erwidern. da haben wir wieder die Geschichte mit dem Wollen bzw. Nichtwollendürfen.

Also doch noch ein Stück nett gesessen, ich fahre rückwärts, meint Wolf dann am Boden, auch gut zu wissen; auf 2000 nach kurzer Unsicherheit kurz hingelegt und vorzeitig getrennt.

Ohne an den Wind zu denken fröhlich nach draußen getrackt und unterm Schirm wieder schwer ums Reinkommen gekämpft. Weitere Wüstenweitwanderung.

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