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Europa, Dorf und weite Welt

Es ist leicht zu definieren, geographisch oder politisch, aber gleichzeitig schwer zu fassen, kulturell und historisch. Dieses Europa, in das ich hineingeboren bin, ohne es mir aussuchen zu können: Ich würde es mir jederzeit wieder aussuchen.

Das ist ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa,
eine Idee der Burg Posterstein
(Titelfoto: Calvin Hanson)

Vielleicht nimmt man aus dem kleinen Österreich das drumherum „Europa“ und „große weite Welt“ ein bisschen unmittelbarer wahr als BürgerInnen anderer, größerer Staaten. Aber wo fängt es eigentlich an, dieses Europa?

Die Frage nach der Geographie ist leicht beantwortet, die Geschichte ist dicht dokumentiert, die Kultur vielleicht nicht ganz so präzise zu definieren, aber über den Großteil herrscht dennoch Konsens. Deshalb wende ich mich ganz entspannt und ego- sowie eurozentristisch der Frage zu: Was bedeutet Europa für mich?

Natürlich sind wir hier „vor allem“ Österreicher, das war auch in meiner Kindheit Ende der 60er, Anfang der 70er in einem (damals) kleinen Dorf mitten in der weststeirischen Landschaft nicht zu übersehen. Von den Sportreportern bis zum Heimatkundeunterricht, in den damals konkurrenzlosen Medien Kleine Zeitung und Kronenzeitung, überall war man stolz auf dieses Österreich. Aber trotzdem schien alles halbwegs interessante von anderswo zu kommen.

Aus (dem damaligen) Jugoslawien kamen köstliche Fische, billige Zigaretten und sommers bunte Ansichtskarten. Außerdem kamen von dort auch Ärztinnen und Krankenschwestern für das Reha-Zentrum im Nachbarort, für die damalige Zeit erstaunlich starke und freie Frauen. Auch zwei unserer vier Fernsehprogramme kamen aus Jugoslawien, seit der Großvater eine zwölf Meter hohe Antenne aufgestellt hatte. Außer internationalem Fußball gab es dort Filme und Serien im englischen Original, am ORF damals völlig undenkbar.

Aus Italien kam der Wein, den die Erwachsenen abends gerne tranken, die Mode und die Schuhe, die vielen so wichtig war, dass sie zwei Mal im Jahr nach Udine oder Triest einkaufen fuhren. Auch die schönsten und schnellsten Autos kamen von dort. Aus der Schweiz kam die beste Schokolade und ein bisschen Weihnachts- und Geburtstagsgeld, weil mein Onkel dort wohnte.

Aus Deutschland kamen die Wunderwerke der Technik, die Waschmaschine, die Filmkamera meines Großvaters, und natürlich ebenfalls Autos, wobei der alte Mercedes, den mein Vater zwischendurch fuhr, mehr durch die ölhaltige Rauchwolke auffiel als durch moderne Technik. Als ihm der Bürgermeister nahelegte, den Ort doch bitte nicht so zu verstinken, stieg er gerne wieder auf einen Italiener um. (Den VW, den es vorher gab, habe ich eigentlich immer als ur-österreichisches Auto empfunden, fällt mir gerade auf. Vielleicht weil damals jeder einen hatte?)

Aus Tschechien kam der Schnaps, den einige geradezu als Währung verwendeten, auch wenn er für meine Großeltern Teufelszeug war. Schnapstechnisch konnte es Ungarn, den einschlägigen Onkels zufolge, durchaus mit Tschechien aufnehmen. Zudem brachte man von dort die schärfsten Paprika und liebevoll geflochtene Korbwaren mit. Der eiserne Vorhang, von dem damals ebenfalls überall die Rede war, war also gar nicht so dicht. Zumindest nicht für alle, andere fürchteten sich sehr davor, einen Fuß über diese Grenzen zu setzen, auch wenn das für Touristen gar nicht so schwer war.

Aus Frankreich kam der Wein, den man zu den „großen“ Gelegenheiten trank. Autos auch, aber die Besitzer französischer Wagen wurden eher bedauert und belächelt. Zudem kamen ab und zu Zeitschriften in unverständlicher Sprache (woher auch immer, international sortiert waren die Zeitschriftenläden damals nicht), mit Modestrecken, auf denen sich Models vor wunderschönen Küsten präsentierten. Immer am Meer.

Ach, das Meer. Seit ich mit meinen Eltern das erste Mal am Meer war, Koper, Jugoslawien, hätte ich auch gern eines vor der Tür gehabt. Als ich nach dieser Geschichte den Schulatlas meines Vaters behalten durfte, stellte ich beim Blättern bald fest, dass so ziemlich alle ein Meer hatten, nur wir nicht. Das fand ich ausgesprochen ungerecht. Umso lieber übernahm ich die Sehnsuchtsorte meiner Mutter, und die Wertung dazu.  Jugoslawien, nichts Besonderes, aber besser als kein Meer. Italien, großes Sehnsuchtsland, nach meinem ersten Mit-Urlaub dort in meinem Hirn als großer, bunter Sandspielplatz mit viel Spaghetti festgelegt. Frankreichs Mittelmeerküste, ach, dort wollten alle immer hin, aber irgendwie war das für die Reichen, die nicht wir waren. Spanien, so weit weg, dass es schon exotisch schien, in meiner Fern-Wahrnehmung trockener und ernster als Italien, obwohl sich die Ansichtskarten durchaus glichen. Griechenland, wo damals kaum jemand hinfuhr, vielleicht weil die griechischen Restaurantbesitzer alle (zwei, die ich erinnere) so traurig dreinsahen. (Eineinhalb Jahrzehnte später übrigens mein eigenes Sehnsuchtsland, aber das ist eine andere Geschichte.)

Die Ansichtskarten, die kamen natürlich auch von woanders aus der Welt, und seit ich den Atlas hatte, schlug ich alle Orte immer gleich nach. Doch keine Seite im Atlas war so bunt und vertraut wie die Übersicht Europa. Ob es an den Filmen lag, an den Ansichtskarten oder am Fernsehprogramm, weiß ich nicht, aber von Anfang an erschien mir Europa „wirklicher“ als der Rest der Welt, „wirklicher“ sogar als unser ganz eigenes kleines Österreich.

So groß in alle Richtungen

Die Welten jenseits der Nachbarländer erschlossen sich nach und nach. Der Norden, als mein Vater nach Schweden zog und ich ihn erstmals, mit meinen Großeltern im Zug, besuchen durfte. Zwei Tage und eine Nacht im Zug, endlos faszinierend die unterschiedlichen Landschaften, Menschen und Dialekte. So viele Unterschiede, alle verbunden durch das eiserne Band, auf dem unser Zug dahinglitt. Dazwischen Fähren auf einem ganz anderen Meer als ich es kannte. Später, als eine Geographielehrerin im Gymnasium Mitschülerinnen und deren Eltern verwirrt zurückließ, weil sie europäische Länder anhand der Bahnverbindungen und -knotenpunkte miteinander verband, brillierte ich, denn die hatte ich längst freiwillig auswendig gerlernt.

Der Westen: Als ich im romantischen Teenageralter zwischen französischen Filmen und Chansons einerseits und britischer Coolness und Britpop andererseits schwankte. Gibt es etwas Besseres für erste Liebe als Frankreich? Gibt es etwas Schwärzeres als frühen Britpunk für den Weltschmerz? Ich entschied mich nicht und lebte Beides.

Menschen und Sprachen

Meine allerersten Er-Fahr-ungen mit Europa durfte ich noch früher mit meinen Eltern machen. Mit dem Auto ging es nach Jugoslawien, nach Italien. Mein Platz war die Rückbank, ganz ohne Kindersitz, stattdessen mit Tuchent und Polster. Im eigenen Bett wurde ich durch die Welt gegondelt und genoss das von Anfang an sehr. Ein Heimwehkind war ich nicht, von Anfang an war es überall anders spannender als zu Hause. Ebenfalls von Anfang an faszinierten mich auch Sprachen. Schon in Koper freundete ich mich mit einem Mädchen in meinem Alter an, das mit mir ganz selbstverständlich akzentfreies Deutsch sprach, während sie ebenso selbstverständlich „auf jugoslawisch“ (vermutlich slowenisch) mit ihren Eltern plauderte. Die Dreisprachigkeit des jugoslawischen Fernsehens (englische Filme, die mir mein Großvater ins deutsche übersetzte, mit slowenischen und kroatischen Untertiteln) war ein Stück meiner Vorstellung über die große weite Welt. Später, als ich das Englisch alleine verstand, versuchte ich anhand der Untertitel, die slawischen Sprachen zu lernen (allerdings mit mäßigem Erfolg).

Ausländerfeindlichkeit war damals in meinem Umfeld kein Thema – zumindest inner-europäisch. „Tschuschen“ lernte ich erst über den Kottan kennen, die Jugoslawen in meinem Umfeld waren FreundInnen und wertvolle Bereicherung des Arbeitslebens. Mein Großvater nannte die Italiener manchmal „Katzlmacher“, aber das klang eher anerkennend und kam zum Einsatz, wenn etwas seinen Gefallen fand, ebenso wie Kreisky bei ihm „der alte Jud“ war. In beiden Fällen verstand ich erst viel später, dass dahinter eine Lawine an negativen Konnotationen steckt. (Offensichtlicher problematisch hingegen der Blick auf alles, was nicht „weiß“ war. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

Heute kann ich in fast allen europäischen Sprachen zumindest „Guten Tag“, „Bitte“, „Danke“ und „Prost“ sagen.  Alles andere ergibt sich bei gegenseitigem Wohlwollen und Herumfuchteln eh. (In allen europäischen Sprachen, wollte ich schreiben, doch es fehlen Baskisch, Katalonisch, Walisisch und Irisch. Eine gute Liste für die nächsten Urlaubsdestinationen!)

Der europäische Samstagabend

Lange bevor ich über Politik auch nur nachdachte, kamen – das habe ich oben vergessen – die großen Fernsehshows am Samstagabend ebenfalls aus Deutschland. Die Eurovisions-Hymne hatte immer etwas Erhebendes, auch wenn die folgende Sendung dann doch nur mittelmäßig war. Gar nicht mittelmäßig war allerdings Einer wird gewinnen, abgekürzt EWG, mit dem großen Hans Joachim Kulenkampff. Obwohl aber österreichische Kandidaten bei Kulenkampff durchaus brillieren oder scheitern durften, waren wir in der anderen EWG, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, nicht vertreten. Während meine Geschichtslehrerin also Österreich als das Herz Europas feierte, waren wir in einem wichtigen Teil des zeitgenössischen Europas nicht vertreten. Warum? Irgendwas mit Neutralität.

Ich hatte das österreichische Prinzip der Neutralität durchaus verinnerlicht (und verteidige es auch heute noch), warum sich das auf die Wirtschaft beziehen sollte, war mir dennoch nicht ganz klar. Aber auch nicht wichtig, im zarten Teenager-Alter. Das Fernsehen war präsenter, und Wirtschaft brachte man damals dort kaum. Und dass der österreichische Pass ein guter Pass war, wusste ich von weitgereisten Familienmitgliedern und -freunden.

Später, als mein politisches Bewusstsein erwachte, sah ich noch weniger Grund, zwischen den Staaten zu unterscheiden. Die Probleme sind doch überall die gleichen? Und mögliche Lösungen auch?

Von der Idee zur EU

Noch später, als die EWG zur EU mutierte, sollten wir dann doch dabei sein. Als überzeugte (links)grüne war ich, damals durchaus politisch engagiert, dagegen. Gegen ein vereintes Europa war ich natürlich nie, ich war gegen dieses vereinte Europa, das von den falschen Leuten (ÖVP) aus den falschen Gründen (Kapitalismus) zum falschen Zeitpunkt (der Fall des eisernen Vorhangs hätte ganz andere Möglichkeiten geboten) propagiert wurde. Vor der Volksabstimmung besuchte und organisierte ich Veranstaltungen dagegen, ich verteilte Folder und diskutierte mit möglichst vielen Menschen, um dieser EU nicht beitreten zu müssen.

Am Tag der Abstimmung stand ich in der Kabine, immer noch überzeugt, Anti-EU zu sein, hielt kurz inne, nahm dann den Stift und kreuzte beherzt das „Ja“ an. Es war eine absolute Momententscheidung, ich war vorher nicht einmal schwankend gewesen in meinem „Nein“. Ganz aus dem Bauch heraus beschloss ich, dass auch dieses Europa besser wäre als kein vereintes Europa. Von diesem plötzlichen Meinungsumschwung habe ich 20 Jahre lang niemandem erzählt. Ob er richtig war? Ich weiß es nicht.

Sehr gut dagegen weiß ich noch das Glücksgefühl, als ich das erste Mal über eine Grenze ohne Grenzkontrollen gefahren bin. Als es keinen Zoll mehr kostete, Sachen zwischen Freunden und Familie in anderen Ländern hin- und herzuschicken. Sehr gut dokumentiert ist die Entwicklung einzelner Regionen durch Eu-Subventionen, das Burgenland etwa.

Auf der anderen Seite steht das Verhalten der EU-Mitgliedsstaaten in Krisenzeiten. Sieht aus, als  wollten alle das beste für sich nehmen, ohne im Gegenzug das beste von sich zu geben. Vielleicht keine große Überraschung – warum sollten sich Staaten anders verhalten als Individuen? – und doch. Ich hätte mir ein bisschen mehr erwartet. Von unserer langen gemeinsamen Kulturgeschichte, von dem, was ich das „europäische Gefühl“ nenne.

Das „europäische Gefühl“

Und jetzt, ja, erst jetzt, komme ich zum Kern dieser Blogparade zurück. Was ist es, das „unser“ Europa von anderen Weltgegenden unterschiedet? Was ist es, das mich denken lässt „Gerne einmal woanders leben,solange es innerhalb von Europa ist“? Warum nicht gleich sich als Weltbürger/in deklarieren anstatt als überzeugte/r Europäer/in?

Meine persönliche Idee von Europa, muss ich wohl dazusagen, ist etwas größer als das geographische oder das politische Europa. Es schließt den ganzen Mittelmeerraum mit ein, und das ganze Russland irgendwie auch. Und dazu die eine oder andere europäisch geprägte Überseeregion, aber bei weitem nicht alle.

Mein persönliches Europa ist also etwas vage. Und ebenso vage ist mein persönliches Verständnis der europäischen Idee. Sie hat etwas mit dem Leben zu tun, oder vielmehr mit leben und leben lassen. Sie hat etwas mit Kultur zu tun, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit der Kontinuität zwischen Vergangenheit und Zukunft. Mit dem Einbeziehen der Geschichte in Utopien. Sie ist vielleicht ein bisschen melancholisch, meine ganz eigene europäische Idee, weil so Vieles, was erst einmal gut klingt, schon ausprobiert und aus überzeugenden Gründen wieder verworfen wurde. Und sie hat viel mit Menschen zu tun, nicht nur mit europäischen.

Mit meiner Liebe zu „Tschuschenmusik“ im weitesten Sinn.  Mit Begegnungen am Rande des Kontinents. Mit dem persischen Taxifahrer. Mit lederhosentragenden Türken. Und mit Wien, dieser wunderbaren Nicht-Welt-Stadt, in deren Herzen der Balkan beginnt.

Die beste rationale Annäherung, die ich finden kann, ist der humanistische Gedanke, doch der ist auch in weiten Teilen Europas längst out – und ist auch anderen Weltgegenden nicht fremd. Vielleicht also bin ich gar keine überzeugte Europäerin, sondern überzeugte Anhängerin historisch europäischer Ideen?

Es ist ein Kreuz mit der Bloggerei

Eigentlich wollte ich ja für meinen gedeihenden Europa-Beitrag nur einen einzigen kleinen Link nachschlagen, der da als Randnotiz gut hineinpassen würde, aber der lässt sich nicht finden. Es ist eine alte und im Grunde gar nicht wichtige Geschichte, aber sie müsste da sein, und sie ist es nicht. Natürlich ist dieses Weblog nicht nur einmal zu viel umgezogen, natürlich habe ich auch zwischen den Umzügen immer wieder gestreamlined, natürlich könnte ich sie – aber ich glaube nicht – vielleicht auch in ein anderes Weblog hineingeschrieben haben. Es ist alles etwas unklar, klar ist nur, dass ich keine Ruhe haben werde, bevor ich diese Geschichte wiederfinde.

Sie war eine Reaktion auf ein neu gegründetes Blog, fällt mir ein, das hilft mir aber nicht, denn dieses damals neue Blog ist längst wieder spurenlos eingestellt. Sie ist natürlich auf jeden Fall in meinen Datenbank-Sicherungen, diese kleine, unwichtige, alte Geschichte, aber das hilft mir auch nicht wirklich weiter, denn die alten Datenbanksicherungen sind auf der externen Platte, deren Netzgerät kürzlich den Geist aufgegeben hat, und in den neuen Sicherungen seit dem letzten Umzug taucht die Geschichte nicht auf. Ich könnte sie in archive.org suchen, wenn ich auch nur die geringste Ahnung hätte, wann und auf welcher Domain ich sie veröffentlicht habe, aber diese Ahnung habe ich nicht. Ich könnte warten, bis ich die Zeit finde, die externe Platte aus dem Gehäuse herauszuschrauben und direkt anzuhängen, aber ich und Geduld, das ging noch nie zusammen. Aber könnte da nicht…? Irgendwo…?

In den Tiefen von D:\\Archiv finde ich schließlich das Verzeichnis, das aus meinem Hinterkopf heraufdämmert. Unter \please-sort-me\ lauern sieben Gigabyte unsortierten (hauptsächlich) Text-Zeux, das sich mit der Suche nach *.sql locker durchforsten lässt. A-Puh, da ist sie ja, die Geschichte. Jetzt auch wieder online.

Was mir da sonst noch alles begegnet, verschwendet deutlich mehr Zeit, als der Umbau der Backup-Platte gekostet hätte. Wertvolle Kommentar-Dialoge; Texte und Bilder, die mir später zu privat fürs Netz wurden; Links zu längst gelöschtem, das ich dunkel erinnere, und mir wird ganz netz-nostalgisch, während ich bald bis über die Schultern in Erinnerungen wate.

Und weil ich gerade dabei bin, kümmere ich mich auch noch um ein paar andere verlorene Text-Schäfchen, freue mich über mein damaliges So-Sein und So-Schreiben und stelle fest, dass eine neuerliche (in letzter Zeit angedachte) Reorganisation dieses meines Hauptblogs definitiv nicht in Frage kommt. Hier bin ich jetzt, hier bleibe ich. Bitte erinnert mich bei Bedarf daran.

(Dave Winer schreibt in letzter Zeit auch immer wieder über diese Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die in der Natur des Internets liegen, und über die Notwendigkeit eines umfassenden Archivs, ein Thema, das mich nach 20 Jahren Online-Publishing zunehmend beschäftigt.)

Und angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit muss Europa jetzt leider bis morgen warten.

…and the winner is…

Die unglaublichen Massen an Kommentaren haben die Auswahl natürlich schwer gemacht, aber nach reiflicher Überlegung erkläre ich hiermit Herrn Schlabonski zum Sieger. Meine Vermutung ist ja, dass der hintergründig um die Ecke gedachte Titel alle anderen Kommentarwilligen so eingeschüchtert hat, dass sie sich gar nicht mehr ran trauten…

„Früher mußten Sportwagen vor allem klein und leicht sein.“ Seine Kinder glaubten ihm kein Wort.

Jedenfalls: Weiter geht’s in Schlabonskis Welt!

Der Freitagstexter

Nachdem mein tatsächlich etwas vertrockneter Ohrwurm-Schmäh drüben bei boomerang auf Gefallen stieß, darf ich diesmal weitermachen. Juhu! Ich grüße meine Familie, meine Freunde und… oha, falsches Mikro! Anyway:

Der Freitagstexter ist eine in Internetjahren gerechnet bereits uralte Tradition. Die Regeln sind einfach: Es gibt ein Foto, zu dem euch, liebe LeserInnen, ein cooler Titel oder Kommentar einfallen sollte. Das gilt bis Dienstag, 24.7. um Mitternacht. Am Mittwoch wähle ich dann, ganz subjektiv und ohne Einspruchsrecht, den Siegerkommentar. Und der oder die glückliche Bloggerin darf dann nächste Woche weitermachen. (Angeben der Blogadresse nicht vergessen!)

Ausführlichere Regeln und einen kurzen historischen Abriss gibt’s beim Wortmischer in der Gedankenschmiede. Aktuelle Entwicklungen auf Twitter.

Aber genug der Worte, hier kommt das Foto! (mit freundlicher Genehmigung des abgebildeten Flyingsufi)

Ich freu mich auf eure Ideen!

Kein Text (Journal #78)

Ich möchte gern so vieles über vieles schreiben, aber es passt hier nicht rein. Ich brauche wieder ein heimlicheres Weblog, denke ich nicht zum ersten Mal, aber die Zeiten sind halt irgendwie auch vorbei. Die Zeiten, in denen noch nicht jeder Account mit einem Realnamen vernetzt war, in denen alleine die Texte mit den vertrauten Nicknames den Weg durch die Nacht erleuchtet haben. Als ein Text noch für sich leben durfte, ohne den Kontext all der persönlichen Beziehungen rundherum. Das Internet hat sich verändert, ist zur Marketing- und Egomanie-Maschine geworden, und natürlich muss man ehrlich genug sein,e einzugestehen, dass man daran selbst mitgebastelt hat.

Baba Evernote, Hello Notion?

Seit mittlerweile 12 Jahren pflege ich meine ufer- und feldlose, allumfassende Lebens-, Arbeits-, Kunst- und Ideendatenbank in Evernote. Am Desktop, am Fon, im Web hat mir Evernote vieles leichter gemacht, vor allem wohl deshalb, weil durch die mächtige Suchfunktion eine Vororganisation fast überflüssig wurde, was meinem Lebens- und Arbeitsstil durchaus entgegenkommt. Ich habe den Elefanten mit dem Untertitel „your second Brain“ unzählige Male weiterempfohlen, habe ihn zwar auch schon früh kritisiert, aber meistens eher verteidigt, egal, ob es nun um Funktionsverirrungen, Bugs oder die fehlende Integration von Benutzerwünschen ging, oder gar um die Preisgestaltung. Ich war, über die Jahre betrachtet, nicht immer glücklich, aber im Endeffekt doch lange Zeit sehr zufrieden.

Erst in den letzten Monaten schlich sich zunehmendes Unbehagen ein. Erst kam es über die Support-Kommunikation, die – selbst für zahlende Benutzer – an (wie es aussieht unbezahlte) „Evernote Gurus“ ohne Zugriff auf irgendwas ausgelagert wurde, was bedeutete, dass man erst einmal 3 Mails mit irrelevanten Informationen austauschen musste, bevor ein „echter“ Techniker sich überhaupt einschaltete. Dann häuften sich die lästigen Bugs. Augenscheinlich leere Notes, die ihren Inhalt partout nicht in der Desktop-Version preisgeben wollten (im Web und Android aber durchaus vollständig waren). Verzögerungen beim Suchen, die nach jedem getippten Buchstaben reichlich Zeit zum Kaffeekochen, -trinken und schließlich auch noch Häferlabwaschen boten. Synchronisationsfehler, die zu einem überfließenden „Konflikte nach Änderungen“ Notebook führten. Eine grottenschlechte neue pdf-Integration. Ein unsinnig herumhupfender Cursor. Und, am schlimmsten von allem: Kaum Kommunikation zu den genannten Themen von den Entwicklern. Neue Versionen brachten zunehmend mehr neue Probleme als Lösungen.

Ich bin im Grunde sehr nachsichtig mit meinen großen Lieben, aber EN hat die Grenzen im letzten Jahr mehrfach überschritten. Und ich suchte, anfangs hoffnungsfroh, dann zunehmend resignierter, nach Alternativen. Und fand immer dieselben Verdächtigen, mit denen ich mir allerdings nicht nur keine lebenslange Beziehung, sondern nicht einmal ein kurzes, heißes Techtelmechtel vorstellen wollte. Als da wären…

  • OneNote. Oida, ich schwör, ich hab’s wirklich versucht. Quasi bei jeder neuen Version wieder. Vor allem, weil so viele EN-Abwanderer so laute, begeisterte Loblieder davon singen. Aber dieses pickige WYSIWYG und ich, wir werden keine Freunde mehr, nicht in diesem Leben. Ganz zu schweigen von dem schon optisch unerfreulichen Pseudo-Notizbuch-Look, der technisch noch viel weniger aufgeht. Bevor ich Onenote verwende, druck ich mir lieber wieder alles aus und kauf mir einen Wandschrank. Oder 2 oder 3. Echt jetzt.
  • Google Keep. Ich mag den Look mit den vielen potentiell bunten Zetteln, und weil die Freude beim Anschauen ja doch auch viel Arbeitsfreude bringt, habe ich immer wieder damit rumgespielt. Eigentlich suche ich noch immer eine sinnvolle Aufgabe für die App in meinem Webuniversum, eben weil ich sie so gern anschaue. Aber unterm Strich ist es zu restriktiv. Dokumente nur über nackte Google Drive Links einbinden, pdfs gar nicht hochladen können, Notizzettel nicht crossreferenzieren können – da fehlt einfach zu viel.
  • Simplenote. Viel. zu. simpel.

Und dann noch eine Handvoll, die sowieso nicht in Frage kommen – weil Mac-Universum only, weil keine menschenlesbare Exportmöglichkeit, weil zu collaboration-orientiert, weil zu teuer, weil… noch ein paar andere Gründe.

Ich wälzte eigene Ideen und Lösungen. Google Drive würde mit ein bisschen Arbeit wohl fast hinkommen, liegt aber zum Organisieren einfach nicht gut in der Hand, obwohl schreiben und rechnen leiwand laufen. Dropbox Paper, ok, vielleicht werd ich alt, aber ich finds sehr unintuitiv. Oh, und: Die DSGVO! Wie halten es die Anbieter denn alle mit der DSGVO? Vielleicht muss ich mir ja jetzt wirklich mein eigenes privates Wiki basteln und NAS anschaffen?

Aber, oh! Bei meiner ungefähr 157. Suche im heurigen Jahr stolperte ich über Notion. Ich spiel jetzt ungefähr seit einer Woche damit herum, und es ist die eierlegendste Wollmilchsau-Verbindung aus Wiki, Datenbank, Dokumentenmanagement und Text Retrieval, die ich bislang gesehen habe. Verblüffend einfach trotz bereitstehender Komplexizität. Und ein Mekka für Markdown-Fans (Ich bin bislang eigentlich keiner, aber in dieser Umgebung werd ichs vielleicht noch). Optisch schlank, aber mit allen Völle-Optionen. Mit 4€/Monat für unlimitierte Einträge/Uploads billiger als Evernote. Und, für alle Fälle, ein bereitstehender DSGVO-Vertrag.

Natürlich hat mein Enthusiasmus eine vorsichtige Note: Wer weiß, ob dieser neue Player (wobei, die sind seit 2 Jahren am Start, ich weiß nicht, warum ich sie bislang übersehen habe) auch mit meinen > 22.000 Notizen umgehen können wird. Wer weiß, ob die für „bald“ versprochene Android App auch wirklich bald kommt. Und, ob es für Notion überhaupt auch eine ifttt- oder Zapier-Integration geben soll, ist derweil nicht geklärt.

Aber.

Es ist neu, es ist shiny, und es ist wirklich, wirklich vielversprechend. Tatsächlich könnte ich alle meine EN-Inhalte recht automatisiert importieren, aber derweil ich zweigleisig fahre, werde ich die Chance zur Reorganisation ergreifen. Oder, ich werds zumindestens versuchen.

Malsehen, malsehen.

Knapp daneben ist auch vorbei

Wie alle Webworker beschäftige ich mich seit Anfang des Jahres mit der DSGVO, und obwohl sich der undurchdringliche Dschungel durchaus gelichtet hat, gibt es dabei so einiges, was sich nicht wirklich erschließt. Die schwierigste Frage ist, ob man das Ding überhaupt braucht. Im Grunde müsste ich hier ja gar nicht (hab ich mir sagen lassen), weil privates Blog –  andererseits könnten hier irgendwo noch ein paar gammelige alte Amazon-Affiliate-Links herumhängen, mit denen ich vor Urzeiten einmal ein paar Cent verdient habe, und dann, so hat man mir gesagt, könnte man schon als kommerziell eingestuft werden. Von anderer Seite wiederum habe ich gehört, dass allein die Tatsache, dass ich hier manchmal von meiner Arbeit erzähle, schon genügen würde,  um als kommerzieller Betreiber eingestuft zu werden. Beides ist natürlich völliger Schwachsinn und mehr als nur knapp daneben, aber so ist das wohl, wenn alte Analogmenschen Gesetze für das, *räusper*, brandneue Internet machen.

Hat man die Grundfrage einmal beantwortet, ist es aber gar nicht mehr so schwer. Also, wenn man bereit ist, wie ein Zirkuslöwe durch irgendwelche nicht unbedingt brennenden Reifen zu springen, und mit Hinz und Kunz analoge (!) Verträge abzuschließen, in denen steht, dass die (also zB Google Analytics) eh ganz brav sind und die gesammelten Daten ganz bestimmt nicht für irgendwelchen Blödsinn einsetzen. Ha! Was für eine wunderbare Welt, in der wir den Großkonzernen so vertrauensvoll gegenüber stehen!

Nur habe ich wenig Lust, für dieses kleine unbedeutende Bloggerl hier Verträge auszudrucken und herumzufaxen oder gar per Snail-Mail zu schicken. Und da ich mich nun einmal beschlossen habe, mich im Zweifel für die Datenschutzerklärung zu entscheiden, habe ich einfach alles rausgeworfen, was einen solchen Vertrag erfordert hätte. Tschüs, Analytics, meine Besucherzahlen sind seit Jahren ungefähr gleich geblieben, und Ausnahme-Spikes führen eh nur zu Zeitverschwendung, wenn man recherchiert, woher die kommen könnten (vielleicht such ich mir ein heimisches Analysteool. Irgendwann). Tschüs, Like- und Share-Buttons, ich weiß, man könnt auch cookie- und datensammelfrei einfache Links verwenden, aber die Anzahl der über die Jahre gesharten Beiträge rechtfertigt den (eh minimalen) Aufwand nicht. Tschüs, Kontaktformular, klickts halt Email-Links, übers Formular ist eh nur Spam reingekommen.

Zuerst hat es tatsächlich richtig Spass gemacht, den ganzen Scheiß rauszuhauen, um wieder schlanker zu bloggen (und mich damit hier, mehr oder weniger privat, ganz anders zu verhalten, als meinen Webkunden gegenüber, die natürlich die volle Funktionalität brauchen). Aber dann stolperte ich in eine Falle, die ich auf den Kundenseiten nicht erkannt hatte, weil dieser Fall dort nicht vorkommt: Eingebettete Inhalte. Was nun!?!

Youtube-Videos, Soundcloud-Sounds und ähnliches Zeug, vielleicht sogar die untereinander verlinkten eigenen WP-Blogs? Raushauen will ich diese Sachen auf keinen Fall. Der Textvorschlag aus der WP-Schmiede ist aber definitiv zu schwammig. Bei meinen Recherchen stieß ich auf NOCH EIN PROBLEM, das ich trotz aller Beschäftigung mit dem Thema gar nicht auf dem Radar hatte: Google Fonts.

Das ist so der klassische Fall, wo sich der Wiener hinstellt und ein genervtes Oidaaa! von sich gibt. Jo eh, es gibt Lösungen. Und jo eh, ich werde sie umsetzen. Aber, verdammtnochmal, könnte dann bitte irgendwann einmal einer ein bisschen Hirn vom Himmel regnen lassen?

Es ist nämlich so, und jetzt komme ich zum Titel zurück: Knapp daneben ist auch vorbei. Nicht kleinen Bloggern, KMUs und Einzelunternehmen müsste man die Verantwortung für die Datensammelei aufdrücken, sondern vielmehr den gottverdammten Konzernen, die diese Daten sammeln und natürlich auch gewinnbringend verwerten.

Nicht in den Vorträgen und Seminaren zum Thema, nicht beim Stöbern im Netz und auch nicht beim Umsetzen für meine Kunden, sondern erst in diesem Moment ist mir aufgegangen, was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit der ganze Scheiß eigentlich ist. Anstatt denen, die Schindluder mit unseren Daten treiben, ebendies zu verbieten, fordert man Transparenz auf einer Ebene, deren Vertreter in den meisten Fällen selber nicht die geringste Ahnung davon haben, was da eigentlich passiert.

Die DSGVO ist in ihrer aktuellen Ausprägung ein geradezu unglaublicher Ausdruck vom Unverständnis und von der Hilflosigkeit der Gesetzgeber gegenüber den Realitäten im Netz. Und zudem ist sie ein Manifest all dessen, was in den letzten Jahren im Internet, in unserem wunderbaren, bunten, freien Internet der unbegrenzten Möglichkeiten schiefgelaufen ist.

Dave Winer hat das kürzlich schön gesagt:

We should start an „Angry Founders of the Internet“ social club to discuss what the fuck happened and how can we tell people about the magic that underlies the crapware that the bigco’s are shoveling at us. It really is beautiful and amazing in there.

Amazing, das war das Internet einmal und das ist es in vielen Bereichen immer noch. Es wird einfach Zeit, dass Menschen die Verantwortung für Gesetze und Regeln übernehmen, die die Materie verstehen.

100 x 100 (50)

Ein freier Samstag ist so eine Sache. Man, oder zumindest ich, hat einen Haufen Ideen und vielleicht sogar Pläne („aufräumen“, „fotografieren gehen“, „endlich mal wieder Freunde treffen“), aber ehe man sichs versieht, ist die unendlich lange Freizeit schon wieder dahingeschrumpft und man (oder zumindest ich) ist vom Bildschirm wieder mal nicht weggekommen. Heute hab ich dafür immerhin etwas vorzuweisen: Die Sturmwarnung erstrahlt in neuem, hoffentlich lang anhaltendem Glanz, minimalistisch und textzentriert. Eigentlich wollte ich ja ( der Blick schweift über Schreibtischchaos, ungewaschene Wäsche und Küchenchaos, vermeidet es aber, auf die ToDo-List zu treffen)… aber morgen ist auch noch ein Sonntag.

RSS ist nicht tot!

RSS News: Dave Winer bastelt an einem neuen Tool, einer Feed-DB quasi, und Wired ruft ein Revival aus

Asoziale Feeds

Die Algorithmen nerven, ich will die Chronologie zurück!

Ich auch!

Des Bloges neue Kleider

Als ich neulich einem befreundeten alten Web-Hasen verriet, dass ich wieder mal an einem neuen Layout für mein Blog bastle, war der völlig entsetzt. „Neues Layout? Aber was ist mit deinem Branding?“, fragte er vorwurfsvoll. Mit meinen Erklärungen erntete ich nur weiteres Kopfschütteln, aber ich finde nun einmal, dass mein persönliches Blog kein Branding braucht. Mich hier Jahr und Tag auf ein und dasselbe Theme zu beschränken wäre so, als würde ich tagaus, tagein immer die gleichen Klamotten tragen. Und während ich im Hintergrund an dem einen, dem allumfassenden Layout bastle, das ALLE meine Seitlein auf ewig branden soll (es wird vermutlich nie fertig werden, denn man kann zB eine Literaturseite nicht ins gleiche Kleid stecken wie eine Fotoseite, so sehr man sich auch bemüht), merkte ich, dass ich schon wieder zunehmend weniger Lust hatte, mein Weblog zu befüllen oder auch nur selber zu besuchen, weil mich die Optik einfach nicht mehr angesprochen hat.

Mit dem einen, dem allumfassenden Layout im Hinterkopf (das ich von Grund auf selber entwickle, und zwar schon zum dritten Mal, weil sich sowohl mein Geschmack als auch die WP-Technik schneller ändert als ich fertig werde) wollte ich hier selber nicht allzu viel machen, sondern nur ein schnell fertiges Theme draufpappen, damits halt wieder ein paar Monate Spass macht. Ein klassischer Fall von 2 Tage lang „Nur noch schnell diese eine, kleine Stil-Anpassung“… tja. Jetzt bin ich zufrieden. Fürs erste. Wobei ich nicht glaube, dass das Blog dieses Outfit sehr lange behalten wird, aber was weiß man schon – die letzten 3 waren für die Ewigkeit gedacht und dann doch sehr schnell langweilig, vielleicht ist es ja diesmal umgekehrt.

Der Haken an der Sache ist, dass so ein 20 Jahre altes Blog, dessen Inhalte ich über 4 Systeme & 3 Domains hinweg exportiert, importiert und dabei manches Mal aus Ungeduld nur halbgar portiert habe, etliches an Styling-Informationen mit sich bringt, mit dem so ein neues Theme gar nicht rechnet. Aber das werde ich nach und nach anpassen, wie bei den letzten 17 Änderungen auch. (Oder eben nicht :D)

Anyway, immerhin bleiben diesmal die Permalinks erhalten. Ist ja auch was wert, für die Chronistin sogar ziemlich viel.

 

UPC und die ORF-TVthek – was ist da los?

Als Mensch ohne Fernsehgerät schaue ich mir gerne die Nachrichten online in der TVthek an. Das funktioniert im allgemeinen gut, aber in den letzten Tagen ausgesprochen schleppend. Lies: 30 Sekunden Stream, 15 Sekunden buffern. Nicht so gut für Wahrnehmung und Nerven.

Anfangs dachte ich, es läge an dem hohen Traffic, den ich selber verursache – schließlich hatte ich mir zu Weihnachten ein neu aufgesetztes System geschenkt, und etliche Backup- und Cloud-Tools hatten durch die Änderungen einiges hin und her zu schaufeln.

Die Lags hielten allerdings an, als auch das letzte Tool Vollzug gemeldet hatte. Ich wunderte mich ein bisschen, hatte aber genug Anderes zu tun, um nicht ernsthaft darüber nachzudenken. Vielleicht sind es ja die Nachbarn, die feiertäglich ihre Film- oder Pornobibliothek aktualisieren. Oder die Bewohner der neu gebauten Häuser nebenan haben alle zu Weihnachten einen UPC-Anschluss bekommen. Oder…

Am Abend eines langen Tages warf ich gewohnheitsmäßig Netflix zur Strickbegleitung an, und siehe da: Es streamte fröhlich vor sich hin. Was mir auch erst nach einigen verstrickten Reihen auffiel. Ich legte das Strickzeug beiseite und testete ein Video aus der TVthek. Es … hing …. nach … jedem … Satz.

Ich testete andere Streams, 3Sat, ServusTV, Amazon Video, Youtube. Alle liefen problemlos.

Ließ einen Speed-Test meine Internetverbindung prüfen. Up- und Downloadgeschwindigkeit entsprechen meinem Vertrag, keine Auffälligkeiten.

Ich nahm meinem Handy das WLAN weg und schaute mir die ZiB2 live über das 3-Netz an. Keine Verzögerungen. Ich rief zum Vergleich denselben Livestream am PC auf und … sah … wieder … mehr … Buffer-Symbol … als … Stream.

Jetzt bin ich ratlos. Hat jemand eine Erklärung? Oder ähnliche Erfahrungen?

Update nach diversen FB-Tipps: Andere Browser haben nicht geholfen, übers Handy im WLAN zickts auch. Muss wohl doch mit UPC reden.

Update II, 30.12.: Es ist erstaunlich.

Talk to me, aber wie?

Als ich gestern über mehrere Stunden mit mehreren Leuten in Echtzeitkontakt war, bin ich in einen richtigen Kommunikationsstress verfallen. Zugegeben, das passiert bei mir öfter, auch offline, aber online steigert sichs noch. Mit unendlich vielen Kommunikations-Apps klingelt es mal da, dann piepst es dort, und kaum hat man in einer App geantwortet, hat man in der anderen schon wieder was übersehen.

Die Mehrzahl meiner Kontakte verteilt sich auf Messenger und Whatsapp. Einige verwenden die Apps abwechselnd, andere schwören auf die eine und verteufeln die andere (wo doch beide Facebook gehören). Abwechselnd finde ich persönlich aber besonders blöd, weil die zerstückelte Kommunikationshistorie die Chronistin in mir zum Verzweifeln bringt.

Dann gibt es ein paar, denen das Facebook-Teufelszeug nicht ins Haus kommt, die aber auf Google Hangouts schwören. Diese Privacy-Logik erschließt sich mir auch nicht so recht.

Schließlich die Individualisten. Viber, Telegram, Wire, Signal und dazu noch ein paar obskurere, aber angeblich privacy-schützende Kandidaten. (Und fangen wir gar nicht erst an mit site-spezifischen Chats, Instagram, Youtube,  Flickr-Messages…).  Wenn das so weitergeht, brauch ich bald für jeden Kontakt eine eigene App, und im Email-Footer eine elendslange Liste an Kontaktmöglichkeiten. Ja ist denn das notwendig? Eine Zeitlang sah’s so aus, als würde sich Viber durchsetzen, dann hatte Telegram die Nase vorn, momentan aber ist alles endlos zerstreut, und wenn man nicht quasi täglich etwas Neues installieren will, bleibt in vielen Fällen nur die nicht allzu gute, alte SMS. Die ja zum einen privacy-mäßig wirklich gar nichts zu bieten hat, zum andern auch mit Bildern und anderen Nicht-Text-Komponenten überfordert ist. Oder halt Email, aber die nimmt zeitlich ja keiner mehr ernst.

Mag sein, dass das jetzt ein bisschen technikmüde klingt, aber so ist es nicht gemeint. Auch wenn ich schon 100 Apps zu einem Thema ausprobiert habe, bleibt die 101. immer noch spannend, da bin ich kindlich, wenn nicht gar kindisch. Aber was (mir) fehlt, ist eine Art zentrales Archiv – besonders dann, wenn es sich um Nachrichten handelt, deren Inhalt man nach einer ganzen langen Weile doch noch brauchen könnte. Weil, ob ich mich in zwei Jahren noch daran erinnere, über welchen Kanal ich im August 2017 mit Person X  über Thema Y kommuniziert habe, kann ich nicht versprechen. Besonders dann nicht, wenn Person X die Kanäle wechselt wie andere die Unterhosen. Und manches braucht man zwar nie wieder, hätte es aber trotzdem gern behalten, wie einen guten alten Brief halt, oder eine Ansichtskarte.  Es ist ja nicht so, dass immer nur neue Kanäle dazukommen – manche verschwinden auch recht schnell wieder, und die ausgetauschten Infos mit ihnen.

Exportfunktion haben alle diese Kanäle, wenn überhaupt, nur rudimentär. Backups gibts zwar meistens, aber keine menschenlesbaren. Wenn man also sicher sein will, Wichtiges dereinst auch wiederzufinden, bleibt derzeit nur, diese Nachrichten aktiv (!) händisch (!) zu archivieren. Irgendwie hab ich mir 2017 anders vorgestellt.

Oder geh ich das falsch an? Sollte ich einfach  sagen, ich bin über Kanal A zu erreichen, und die anderen interessieren mich nicht? Wie macht ihr das so?

[Photo by Quino Al on Unsplash]

Zwei Wochen technically challenged

Das Leihhandy, das mir kommunikationstechnisch über die Zeit hinweghelfen sollte, in der mein S7 in Reparatur war, war eigentlich kein schlechtes. Es war halt nur… alt. Und hatte grade mal 4GB Speicher, von denen ich 2GB nicht nutzen konnte, aus Gründen, die zu erforschen mir die Zeit nicht wert war.  Es sollte ja nur für eine Woche sein. Und Telefon, Mail und Browser decken ja eigentlich die wichtigsten Bedürfnisse ab.

Eigentlich.

Weil, so ganz uneigentlich will man ja doch auch Fotos mit halbwegs ordentlicher Qualität machen. Und auf Instagram veröffentlichen. Und betrachten und liken, was die anderen so veröffentlicht haben. Schnell auf Maps nachschauen, wo die nächste Haltestelle ist. Oder in qando, wann denn nun an dieser nächsten Haltestelle irgendein Transportmittel stehen bleibt.  Oder im Scotty, wann der nächste Zug kommt, wenn man den eigentlich angepeilten doch nicht erwischt. Und dann vielleicht im Messenger kommunizieren, oder in den Hangouts, oder auf Skype oder Viber, oder vielleicht sogar in Whatsup. Und ab und zu will man halt Musik hören. Oder ein Hörbuch. Die wichtigsten News & Foren lesen, ohne mühsam die Browserversion bedienen zu müssen. Eine Benachrichtigung kriegen, wenn bei FB oder Twitter was Wichtiges passiert. Den Computer beim Serienschauen remote bedienen.  Und bei Bedarf schnell mal den Kontostand nachschauen, oder vielleicht sogar eine zeitkritische Überweisung tätigen. Ein Strickmuster nachschauen, ohne den am PC full screen laufenden Film zu verkleinern. Nachgucken, welcher Stern da oben grad so hell funkelt. Oder welcher vierstrahlige Airliner da so wunderbar elegant einschwebt. Und wenn man den schon nicht identifizieren kann, dann könnte man doch wenigstens ein Foto… Oh.

Aus der versprochenen Woche Reparaturzeit wurden zwei, und wie selbstverständlich die „World at my Fingertips“ geworden ist, erkannte ich daran, wie oft meine Hand zur Jackentasche zuckte, nur um sich dann beim Erinnern enttäuscht wieder zurückzuziehen.  Also, die ersten drei, vier Tage lang.  Danach dachte ich gegebenenfalls noch „Wenn ich ein gescheites Fon hätte, könnte ich jetzt…“ während ich resigniert die Tunnelwände hinter den U-Bahn-Fenstern anstarrte. Weil, der Datenempfang in der Wiener U-Bahn ist im Grunde ganz OK, aber wenn man ein Fon hat, das unabhängig von der Empfangssituation gefühlte drei Minuten zum Aufbau der ORF.at oder Standard-Webseite braucht, dann lasst man es irgendwann auch freiwillig. Und wenn Google Maps nach fünf Minuten immer noch nicht weiß, wo ich bin, dann kann ich genausogut den nächsten Passanten fragen.

Natürlich bin ich „hip“ genug (ja ich weiß, das ist ein Schimpfwort), um zu versuchen, die Beschränkung als Chance zu empfinden, aber unterm Strich ganz ehrlich: Es ist mir nicht gelungen.

Gerade im Frühsommer, wo das Draußen-Sein ein großes Glücksgefühl erzeugt, war es immens irritierend, immer wieder „schnell nach Hause zu müssen“, weil es etliche Kommunikationskanäle gab, die ich unterwegs nicht überwachen konnte. Denn wenn ich mich auf mein Benachrichtigungssystem verlassen kann, ist es kein Problem, mal eine halbe Stunde im Park im Gras zu sitzen zu bleiben, ganz ohne aufs Fon zu schauen. Aber wenn ich diese Benachrichtungen nicht kriegen kann, muss ich stattdessen eben „schnell nach Hause“,  weil es ja jederzeit sein könnte, dass dort schon etwas Wichtiges wartet.

Und so hatte ich, während ich körperlich die große weite Welt genoss, die sich bei den ersten Ausflügen nach dem Winterhalbjahr eröffnet, gleichzeitig das Gefühl, in einem Kellerverlies zu stecken, abgeschnitten von der mittlerweile selbstverständlich gewordenen großen digitalen Weite, von der wir vor 20 Jahren gerade mal prophetisch ein bisschen zu träumen gewagt haben.

Aber, jetzt ist ja alles wieder gut. Ich hab mein Fon zurück. Damit kann ich mich auch mitten unter der Woche an den Strand legen, wenn grad sonst nichts zu tun ist, weil wenn dann doch was zu tun ist, erfahr ich es eh. Ich muss nicht mehr Fahrpläne für den ganzen Tag memorieren oder ausdrucken, weil ich kann ja jederzeit nachschauen. Und ich muss nicht mehr die Betonwände in der U-Bahn anstarren, weil selbst wenn ich grad keinen Empfang am Fon hab, kann ich im RSS Reader lesen. Oder mein Hörbuch hören. Oder Musik. Oder ab und an sogar ein blödes Spiel spielen. :)

Und dem nächsten, der mir erzählen will, dass Technik Unfreiheit und Techniklosigkeit Freiheit bedeutet, wünsch ich einfach ein Monat mit einem Dumm-Fon. Dann versteht er vielleicht, wie frei ein Smart-Fon machen kann. Also, wenn man nun mal Verpflichtungen hat. Weil wenn man keine hat, ist es vermutlich egal, dann kann man gegen triste Betonwände auch einfach ein Buch einstecken.

Soeben erstmals beruflich über Whatsapp kontaktiert worden. Hm.

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