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Die Sache mit Flickr

Jetzt wird also Flickr sein großzügiges Angebot von 1TB Gratis-Speicher beenden und in Zukunft nur mehr 1000 Fotos für Gratisaccounts erlauben. Das heißt, das ab Februar 2019 alte Fotos von Nutzern, die mehr als 1000 Fotos online haben, gelöscht werden.

Das Netz ist voller Leute, die diskutieren, ob sich die 50 Dollar jährlich für den Account auszahlen oder nicht, aber das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht der Punkt. Der Punkt ist, das tausende und abertausende teils historisch wertvolle Fotos dann nicht mehr da sein werden, weil sie nämlich gelöscht werden.

Jeder aktive Nutzer kann sich natürlich überlegen, ob er da mitmachen will bzw. kann – oder auch nicht. Was unwiderruflich und unbeeinspruchbar verloren geht, sind Bilder von nicht aktiven Accounts. Ich persönlich kenne zwei Leute, die – trotz aller Passworterinnerungen und Support-Kontaktversuche – einfach nicht mehr an ihren Account kommen. Beide haben weit mehr als 1000 Fotos in diesem Account, die auch fleißig verlinkt und geshared wurden, aber das ist jetzt vorbei, weil alle diese Fotos nächsten Februar gelöscht werden.

Ich weiß von einem Account, dessen Benutzer verstorben ist, dessen Fotos aber weiterleben und von einem spannenden Leben erzählen. In den Foren liest man von ähnlichen Fällen. Auch das ist ab Februar vorbei, weil viele dieser Fotos in drei Monaten gelöscht werden.

Viele akkurat kuratierte Flickr-Groups und -Galerien werden wertvolle Inhalte verlieren, was gerade in Nischenbereichen tatsächlich ein Verlust ist. Mit den Fotos werden Diskussionen und Informationen verschwinden, und zwar unwiderruflich, weil die Inhalte ohne weitere Formalitäten gelöscht werden.

Durch die umfangreichen Teilen-Funktionen, die für viele erst der Grund waren, sich Flickr anzuvertrauen, sind viele Fotos auf Webseiten, in Blogs und in Foren eingebunden – nur wird man dort bald nichts mehr sehen, wenn der jeweilige Benutzer sich die 50 Dollar jährlich nicht leisten will oder nicht kann, weil die Fotos einfach beinhart gelöscht werden.

No Mon, no Fun! – Oder: There’s no such thing as free lunch!

Wie wahr, wie wahr. Und ein ganzes TB Gratisspeicherplatz war von vornherein ausgesprochen suspekt. Aber es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, das offensichtliche Monetarisierungsproblem von Flickr näher am Benutzer und Archiv-freundlicher zu lösen. Wenn es um den Speicherplatz oder die Bandbreite geht – warum nicht alle Fotos aus Gratis-Accounts automatisch auf 1024 Pixel resizen? Externe Verlinkungen durch einen Platzhalter zu ersetzen, der einem aber noch die Möglichkeit gibt, zum Ursprungsfoto zurückzukommen? Warum nicht dem willigen Pro-User echte Incentives anbieten, etwa speichern von .raw files oder die Möglichkeit zum Verkauf von Prints direkt über Flickr? Warum nicht zum Anfangsmodell zurückkehren und die Such- und Verlinkungsmöglichkeiten für alle außer die letzten 200 Fotos beschränken?

Dass man stattdessen eines der wichtigsten Archive des Internets mit dem Bulldozer verstümmelt und vernichtet, ist einfach inakzeptabel. Damit wird auch die Community zerstört, denn es ist nicht schön anzuschauen, wenn Groups und Alben plötzlich die Hälfte ihrer Inhalte verlieren. Und auch als Pro-User würde ich mir ganz genau überlegen, ob ich auf einer Plattform bleiben will, die meine Fotos löscht, weil ich einen Verlängerungstermin übersehen oder die Kreditkarte gewechselt habe.

Und selber?

In meinem Flickr-Account sind ~4500 Fotos. Ich war lange Jahre pro-User (zuletzt nicht), aber selbst wenn ich stinkreich wäre, würde ich einer Firma, die im nachhinein die Vertragsbedingungen ändert und dabei in Kauf nimmt, dass historische Daten (und 14 Jahre sind in Internetzeit eine Ewigkeit) einfach unwiderruflich verloren gehen, keinen Cent bezahlen.

Der Schaden hält sich in Grenzen, denn natürlich habe ich alle meine Fotos auch auf meiner Festplatte und in mehreren Backups. Für die hier im Blog verlinkten gibt es Importtools, die ich dann wohl irgendwann in den nächsten zwei Monaten anwerfen werde.

Mein erster Impuls war, meinen Flickr-Account zu löschen, aber dann würde ich ja genau das machen, was mich an dem ganzen Problem stört. Ich werde mir also die Zeit nehmen und so lange unkommentierte Bilder löschen, die sich nicht in irgendwelchen Gruppen befinden, bis ich unter dem Limit bin. Und dann nie wieder auch nur ein einziges Pixel hochladen.

Space Turtle

Meinungsverschiedenheit

Sommer-Ende

(Keine Sorge, ich werde im Herbst auch spazieren gehen.)

Die letzten zwei wirklich warmen Tage des Sommers, wie der Wetterbericht nicht müde wurde zu betonen, verbrachte ich in fensterlosen Hörsälen. Was jetzt keine Beschwerde ist, im Gegenteil, es war sehr spannend. Der Schritt in Sonne und Wärme am Abend war dennoch ein sommersinnliches Vergnügen, das ich mit zwei langen Spaziergängen am Donaukanal entlang feierte. Da war ich bei weitem nicht die einzige: RadfahrerInnen, SpaziergängerInnen, JoggerInnen und Sonnenbadende in teils erstaunlich ausgezogenem Zustand genossen ebenso wie ich die letzten Sonnenstrahlen. Gleichzeitig unvorstellbar und bedrohlich, dass der Winter jetzt schon wieder tief Luft holt. Als wäre der Sommer nicht lange genug gewesen, aber war jemals schon ein Sommer lang genug? Auch wenn er von April bis Mitte September dauert: Genug ist nicht genug. (Und natürlich spreche ich dabei nur von mir, dass Land und Landschaft ganz andere Bedürfnisse haben, ist klar.)

Die Graffiti fotografierte ich nur vereinzelt, zu beschäftigt war ich mit in-die-sonne-blinzeln. Ein paar feine Fänge waren trotzdem dabei.

Hätte sich nicht ein Stein in meinen Schuh verirrt, hätte ich diese winzigkleine Perle,  ganz unten, vielleicht gar nicht entdeckt.

Gegenüber vom Schwedenplatz, in der Bildhauer-Ecke, beeindruckte mich besonders diese widersprüchliche Skulptur.

Und dann, zum Sommer-Abschied, noch ein gespiegelter Sonnenuntergang.

Ich hoff ja auf einen sonnigen, warmen Oktober. Gab’s auch schon mal. Und das drumherum war auch nicht so viel anders.

Momentaufnahmen

Zwei weiße Schmetterlinge taumeln herum, eine Hummel bumst gegen meinen Oberarm. Drüben am anderen Ufer bimmelt der Eismann, es gibt also Hoffnung, dass hier auch einer vorbei kommt. Ich bin hin und hergerissen zwischen der leichtherzigen Unschuld dieser Augenblicke und deren bitterlicher Vergänglichkeit.

Schwimmer von links nach rechts, Ruder-4er von rechts nach links. Oben kreist beharrlich ein rot-weisser Flieger, eine kleine Cessna vielleicht oder eher eine Husky, immer im gleichen Radius. Was die wohl macht, frage ich mich, vielleicht sucht sie etwas. Nichts Ernstes natürlich, das würden die Hubschrauber übernehmen. Oder sie fotografiert, aber was, Kreis um Kreis um Kreis über demselben Gebiet? Als sie nach einer ganzen Weile abdreht, bleibt es nur kurz leise, dann rottort ein Hubschrauber vorbei, und dann kommt wieder etwas Kleines, das ist aber sogar auf Flightradar und ist eine Dimona auf dem Weg von Neustadt nach Spitzerberg.

Derweil klingelt der Eismann auch auf meiner Seite. Ich überlege und nehme dann einen Kaffee. Ob es noch viele solcher Tage geben wird, frage ich mich, heuer wohl nicht, aber insgesamt hoffentlich schon. Tage, an denen mich am mittleren Nachmittag der unhörbare Ruf des Ufers aus der Wohnung zieht, fast magisch, in die U-Bahn und dann in den Bus und dann der Schritt aus dem Bus, hinein in die Sonne, die mit der neuen Brille nur mehr kurz blendet, bevor sie sich selbst verdunkelt und mir einen freien Blick auf die helle Gegend ermöglicht.

Die üblichen Verdächtigen liegen herum, man nickt einander zu oder grüßt leise. Neuzugänge, Fahrradfahrer, vorbeiwandernde Stock-Walker, der alte Mann auf dem Segway düdelt wie üblich auf einer Welle von Radio-Wien-Musik vorbei. Ich lege mein Handtuch aus und rutsche ein Weilchen umher wie die Prinzessin auf der Erbse, Stöckchen und Erdhügel gilt es, ergonomisch zu entfernen oder anzupassen.

Dann dieser wunderbare erste Schritt ins Wasser, das mittlerweile nicht mehr lätschert lauwarm ist, es fühlt sich wieder an wie ein klirrendes Geräusch auf der Haut, erfrischend und erschreckend gleichzeitig, aber im zweiten Moment schon ganz wunderbar.

So gehen sie hin, die zweieinhalb Stunden, die ich mir geklaut habe, ein Zigaretten da, ein Schlückchen Wasser dort, und dann, ja unbedingt, noch einmal schwimmen. Und noch einmal, auch wenn es schon nicht mehr sein müsste, von der Temperatur her, jetzt.

Denn wenn das Licht abendlich skandinavisch wird, zieht mit den Schleierwolken die Kühle herein. Jetzt ist es gut für heute. Noch ist der Sommer nicht vorbei.

Gruss aus den 70ern

Gebatikt hab ich auch seit meiner Kindheit nicht mehr. :)

Der Herr Sufi in der Sommerfrische

Und dabei…

…hatte ich mir fest vorgenommen, keine neue Wolle zu kaufen bevor die vorhandene verstrickt ist…

Der heißeste Tag

Nach dem Ventilator-Unglück vou gestern musste natürlich ein neuer her. Es wunderte mich nicht, dass in allen umliegenden Baumärkten und Elektrogeschäften nur bedauerndes Schulterzucken vorrätig war. Fast schon hätte ich mich damit abgefunden.in den restlichen Tropennächten des Jahres keinen Schlaf mehr zu finden, da lachte mich am Eck eine ganze Reihe von Ventilatoren an. Es war die Straßen-Auslage eines Allround-Grafflgeschäfts, das verzweifelte Stadtbewohner wie mich mit heroischen Importen aus der Türkei vor stickiger stehender Luft bewahrte. „Heute reingekommen“ sagte der Geschäftsmann und freute sich über meine erleichterte Begeisterung.

Ich zahlte 29,90, 2 Jahre Garantie, und schleppte das relativ schwere Packl heim. Auf den vielleicht 300 Metern redeten mich tatsächlich 4 Leute mit begehrlichen Blicken darauf an, wo man denn jetzt noch so ein möglicherweise lebensrettendes Gerät kaufen könnte. Ich wies allen den Weg.

Ich stellte das Ding in der Wohnung ab, nahm noch eine dringend benötigte kalte Dusche und fuhr… ausgerechnet am angeblich heißesten Tag des Jahres nicht zu meinem verlässlich kühlschattigen Stammbaum, sondern zu meinem Lieblingskünstler, um Ideen für den Herbst zu wälzen. Das Pläuschchen auf der Terrasse, das üblicherweise der Studioarbeit vorangeht, fiel heute kurz aus: Selbst unter dem Sonnenschirm drückte die Hitze wie eine physische Masse auf Körper und Gemüt.

Ich war ausnahmsweise ganz dankbar für klimatisierte Züge, auch wenn die Temperatur abends auf gemütliche 30 Grad abkühlte.

Die Wohnung hatte allerdings 33 Grad. Wieder war eine kalte Dusche fällig, ohne die ich der intellektuellen Herausforderung des Ventilator-Zusammenbaus nicht gewachsen gewesen wäre. Das Dinge hatte mehr Schrauben als eine durchschnittliche IKEA-Küche, und die notdürftig übersetzte Gebrauchsanweisung war wenig hilfreich.

Schließlich stand aber da, in voller Pracht, und ein Druck auf die Stufe eins brachte nicht nur schlagartig angenehme Luftbewegung, sondern auch die Erkenntnis, dass er ein viel angenehmeres Geräusch macht als mein bisheriger Luftquirl. Stufe zwei hob das Tischtuch am zwei Meter entfernt stehenden Tisch bedenklich an. An Stufe drei traute ich mich vorerst nicht heran, zum Schluss hebt das Ding noch samt meiner Wohnung ab.

Neue Straßenkunst im Fünften

„Die Erde hat Fieber!“

„Die Erde hat Fieber!“ rief heute ein Kind am Flussufer, nachdem es mit nackten Füßen in den heißen Sand getappt war. Ein durchaus gelungenes Bild für die Hitzewelle und vielleicht, wenn man es weiter denkt, auch für die gesellschaftlichen und politischen Vorgänge, die sich sogar im sogenannten Sommerloch immer mehr aufheizen. Ich meine – Sturmgewehre für die Polizei? 150 Euro als „Challenge“ anstatt als unpackbare Zumutung? Wenn man ernsthaft über all das nachdenkt, müsste man den ganzen Tag schreien. 

Für diesen August stecke ich meinen Kopf in den Sand. Nicht in den heißen, sondern in den sprichwörtlichen. Das hab ich mir vorgenommen, das muss drinnen sein. Ein Monat normales Sommerglück bitte, gerne mit Eierlikör und Schlagobers. (Sprichwörtlich! Buchstäblich mag ich weder noch.)

Mir geht es gut. In diesem Jahr habe ich länger gebraucht, bevor ich im Sommerwetter angekommen bin, aber jetzt geht es mir richtig gut. Die 31 Grad im Dachgeschoss sind ein zu Hause, die Vormittage arbeite ich gern und gut, die Nachmittage am Wasser sind Urlaub, wie er besser nicht sein könnte.

Sage ich mir. Natürlich wäre so ein Meer auch mal wieder nicht schlecht, aber dennoch gelingt mir eine Leichtigkeit des Seins, die hier eben mal quasi im Vorbeigehen ein neues Layout online schaltet, ohne große Tests, einfach weil mir danach zumute ist.

Es funktioniert also, das schamlos geklaute Sommermonat, es schenkt mir eine Leichtigkeit des Seins, zumindest oberflächlich. Und doch lauert da eine Hoffnungslosigkeit, ich ahne ihre Gegenwart, ohne sie zu spüren. Dass das alles nicht mehr abwendbar ist mit der Klimaveränderung. Dass es politisch eher noch schlimmer werden wird. Dass ich, ganz persönlich, ein Wunder brauche, um auf einen finanziell grünen Zweig zu kommen. 

Ich schlafe wenig, aber gut. Man braucht auch nicht viel zu schlafen, wenn man nachmittags eh hauptsächlich herumliegt. Stattdessen schlage ich mir die Nächte mit Büchern um die Ohren. Mit Netflix. Und mit Steam. Ich bestehe darauf, dass Schweres leicht bleibt, auch auf persönlicher Ebene. Hasch mich, ich bin die Realitätsflucht. Und für diesen August ist das gut. 

Rumblödeln nach Mitternacht

Grant mit Hut.

Wundersames

Im Haus gegenüber erzählt einer lange Geschichten auf ungarisch, und twoday ist unerwarteter Weise immer noch online. Auf dem Heimweg rollte mir einer auf einem Skateboard entgegen, auf dem stand: „Fuck the World“. Sonst sah er ganz harmlos aus. Welche Welt soll den gefuckt werden, kann man sich fragen. Doch bitte nicht der wunderbare Wald von heute Nachmittag. Oder der gemütliche Gastgarten von heute Abend. Also am besten nicht meine Welt.

Aber, eins muss man schon sagen: Es ist verdammt heiß.

Es ist still (Journal #72)

Es gibt so Tage, da ist bleibt es still, ganz egal wie viel man redet oder anderweitig kommuniziert. Es ist friedlich und es passt und ist doch irgendwie eigenartig, ein bisschen so wie früher, als die Welt noch nicht permanent im Haus war, obwohl doch die Welt permanent im Haus ist. Derweilen arbeite ich brav und muss mir nur einmal ein bisschen selbst auf die Finger hauen, weil ich weniger Dringendes aus einem Impuls heraus vorziehe.

Die Nachrichten mittlerweile ein permanentes ungläubiges ‚Gibtsdochnicht‘. Ist das noch meine Welt? Werde ich jetzt schon richtig alt, oder schaue ich nur genauer hin?

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