KategorieUnsortiert

Momentaufnahmen

Zwei weiße Schmetterlinge taumeln herum, eine Hummel bumst gegen meinen Oberarm. Drüben am anderen Ufer bimmelt der Eismann, es gibt also Hoffnung, dass hier auch einer vorbei kommt. Ich bin hin und hergerissen zwischen der leichtherzigen Unschuld dieser Augenblicke und deren bitterlicher Vergänglichkeit.

Schwimmer von links nach rechts, Ruder-4er von rechts nach links. Oben kreist beharrlich ein rot-weisser Flieger, eine kleine Cessna vielleicht oder eher eine Husky, immer im gleichen Radius. Was die wohl macht, frage ich mich, vielleicht sucht sie etwas. Nichts Ernstes natürlich, das würden die Hubschrauber übernehmen. Oder sie fotografiert, aber was, Kreis um Kreis um Kreis über demselben Gebiet? Als sie nach einer ganzen Weile abdreht, bleibt es nur kurz leise, dann rottort ein Hubschrauber vorbei, und dann kommt wieder etwas Kleines, das ist aber sogar auf Flightradar und ist eine Dimona auf dem Weg von Neustadt nach Spitzerberg.

Derweil klingelt der Eismann auch auf meiner Seite. Ich überlege und nehme dann einen Kaffee. Ob es noch viele solcher Tage geben wird, frage ich mich, heuer wohl nicht, aber insgesamt hoffentlich schon. Tage, an denen mich am mittleren Nachmittag der unhörbare Ruf des Ufers aus der Wohnung zieht, fast magisch, in die U-Bahn und dann in den Bus und dann der Schritt aus dem Bus, hinein in die Sonne, die mit der neuen Brille nur mehr kurz blendet, bevor sie sich selbst verdunkelt und mir einen freien Blick auf die helle Gegend ermöglicht.

Die üblichen Verdächtigen liegen herum, man nickt einander zu oder grüßt leise. Neuzugänge, Fahrradfahrer, vorbeiwandernde Stock-Walker, der alte Mann auf dem Segway düdelt wie üblich auf einer Welle von Radio-Wien-Musik vorbei. Ich lege mein Handtuch aus und rutsche ein Weilchen umher wie die Prinzessin auf der Erbse, Stöckchen und Erdhügel gilt es, ergonomisch zu entfernen oder anzupassen.

Dann dieser wunderbare erste Schritt ins Wasser, das mittlerweile nicht mehr lätschert lauwarm ist, es fühlt sich wieder an wie ein klirrendes Geräusch auf der Haut, erfrischend und erschreckend gleichzeitig, aber im zweiten Moment schon ganz wunderbar.

So gehen sie hin, die zweieinhalb Stunden, die ich mir geklaut habe, ein Zigaretten da, ein Schlückchen Wasser dort, und dann, ja unbedingt, noch einmal schwimmen. Und noch einmal, auch wenn es schon nicht mehr sein müsste, von der Temperatur her, jetzt.

Denn wenn das Licht abendlich skandinavisch wird, zieht mit den Schleierwolken die Kühle herein. Jetzt ist es gut für heute. Noch ist der Sommer nicht vorbei.

Gruss aus den 70ern

Gebatikt hab ich auch seit meiner Kindheit nicht mehr. :)

Der Herr Sufi in der Sommerfrische

Und dabei…

…hatte ich mir fest vorgenommen, keine neue Wolle zu kaufen bevor die vorhandene verstrickt ist…

Der heißeste Tag

Nach dem Ventilator-Unglück vou gestern musste natürlich ein neuer her. Es wunderte mich nicht, dass in allen umliegenden Baumärkten und Elektrogeschäften nur bedauerndes Schulterzucken vorrätig war. Fast schon hätte ich mich damit abgefunden.in den restlichen Tropennächten des Jahres keinen Schlaf mehr zu finden, da lachte mich am Eck eine ganze Reihe von Ventilatoren an. Es war die Straßen-Auslage eines Allround-Grafflgeschäfts, das verzweifelte Stadtbewohner wie mich mit heroischen Importen aus der Türkei vor stickiger stehender Luft bewahrte. „Heute reingekommen“ sagte der Geschäftsmann und freute sich über meine erleichterte Begeisterung.

Ich zahlte 29,90, 2 Jahre Garantie, und schleppte das relativ schwere Packl heim. Auf den vielleicht 300 Metern redeten mich tatsächlich 4 Leute mit begehrlichen Blicken darauf an, wo man denn jetzt noch so ein möglicherweise lebensrettendes Gerät kaufen könnte. Ich wies allen den Weg.

Ich stellte das Ding in der Wohnung ab, nahm noch eine dringend benötigte kalte Dusche und fuhr… ausgerechnet am angeblich heißesten Tag des Jahres nicht zu meinem verlässlich kühlschattigen Stammbaum, sondern zu meinem Lieblingskünstler, um Ideen für den Herbst zu wälzen. Das Pläuschchen auf der Terrasse, das üblicherweise der Studioarbeit vorangeht, fiel heute kurz aus: Selbst unter dem Sonnenschirm drückte die Hitze wie eine physische Masse auf Körper und Gemüt.

Ich war ausnahmsweise ganz dankbar für klimatisierte Züge, auch wenn die Temperatur abends auf gemütliche 30 Grad abkühlte.

Die Wohnung hatte allerdings 33 Grad. Wieder war eine kalte Dusche fällig, ohne die ich der intellektuellen Herausforderung des Ventilator-Zusammenbaus nicht gewachsen gewesen wäre. Das Dinge hatte mehr Schrauben als eine durchschnittliche IKEA-Küche, und die notdürftig übersetzte Gebrauchsanweisung war wenig hilfreich.

Schließlich stand aber da, in voller Pracht, und ein Druck auf die Stufe eins brachte nicht nur schlagartig angenehme Luftbewegung, sondern auch die Erkenntnis, dass er ein viel angenehmeres Geräusch macht als mein bisheriger Luftquirl. Stufe zwei hob das Tischtuch am zwei Meter entfernt stehenden Tisch bedenklich an. An Stufe drei traute ich mich vorerst nicht heran, zum Schluss hebt das Ding noch samt meiner Wohnung ab.

Neue Straßenkunst im Fünften

„Die Erde hat Fieber!“

„Die Erde hat Fieber!“ rief heute ein Kind am Flussufer, nachdem es mit nackten Füßen in den heißen Sand getappt war. Ein durchaus gelungenes Bild für die Hitzewelle und vielleicht, wenn man es weiter denkt, auch für die gesellschaftlichen und politischen Vorgänge, die sich sogar im sogenannten Sommerloch immer mehr aufheizen. Ich meine – Sturmgewehre für die Polizei? 150 Euro als „Challenge“ anstatt als unpackbare Zumutung? Wenn man ernsthaft über all das nachdenkt, müsste man den ganzen Tag schreien. 

Für diesen August stecke ich meinen Kopf in den Sand. Nicht in den heißen, sondern in den sprichwörtlichen. Das hab ich mir vorgenommen, das muss drinnen sein. Ein Monat normales Sommerglück bitte, gerne mit Eierlikör und Schlagobers. (Sprichwörtlich! Buchstäblich mag ich weder noch.)

Mir geht es gut. In diesem Jahr habe ich länger gebraucht, bevor ich im Sommerwetter angekommen bin, aber jetzt geht es mir richtig gut. Die 31 Grad im Dachgeschoss sind ein zu Hause, die Vormittage arbeite ich gern und gut, die Nachmittage am Wasser sind Urlaub, wie er besser nicht sein könnte.

Sage ich mir. Natürlich wäre so ein Meer auch mal wieder nicht schlecht, aber dennoch gelingt mir eine Leichtigkeit des Seins, die hier eben mal quasi im Vorbeigehen ein neues Layout online schaltet, ohne große Tests, einfach weil mir danach zumute ist.

Es funktioniert also, das schamlos geklaute Sommermonat, es schenkt mir eine Leichtigkeit des Seins, zumindest oberflächlich. Und doch lauert da eine Hoffnungslosigkeit, ich ahne ihre Gegenwart, ohne sie zu spüren. Dass das alles nicht mehr abwendbar ist mit der Klimaveränderung. Dass es politisch eher noch schlimmer werden wird. Dass ich, ganz persönlich, ein Wunder brauche, um auf einen finanziell grünen Zweig zu kommen. 

Ich schlafe wenig, aber gut. Man braucht auch nicht viel zu schlafen, wenn man nachmittags eh hauptsächlich herumliegt. Stattdessen schlage ich mir die Nächte mit Büchern um die Ohren. Mit Netflix. Und mit Steam. Ich bestehe darauf, dass Schweres leicht bleibt, auch auf persönlicher Ebene. Hasch mich, ich bin die Realitätsflucht. Und für diesen August ist das gut. 

Rumblödeln nach Mitternacht

Grant mit Hut.

Wundersames

Im Haus gegenüber erzählt einer lange Geschichten auf ungarisch, und twoday ist unerwarteter Weise immer noch online. Auf dem Heimweg rollte mir einer auf einem Skateboard entgegen, auf dem stand: „Fuck the World“. Sonst sah er ganz harmlos aus. Welche Welt soll den gefuckt werden, kann man sich fragen. Doch bitte nicht der wunderbare Wald von heute Nachmittag. Oder der gemütliche Gastgarten von heute Abend. Also am besten nicht meine Welt.

Aber, eins muss man schon sagen: Es ist verdammt heiß.

Es ist still (Journal #72)

Es gibt so Tage, da ist bleibt es still, ganz egal wie viel man redet oder anderweitig kommuniziert. Es ist friedlich und es passt und ist doch irgendwie eigenartig, ein bisschen so wie früher, als die Welt noch nicht permanent im Haus war, obwohl doch die Welt permanent im Haus ist. Derweilen arbeite ich brav und muss mir nur einmal ein bisschen selbst auf die Finger hauen, weil ich weniger Dringendes aus einem Impuls heraus vorziehe.

Die Nachrichten mittlerweile ein permanentes ungläubiges ‚Gibtsdochnicht‘. Ist das noch meine Welt? Werde ich jetzt schon richtig alt, oder schaue ich nur genauer hin?

Zwischentag (Journal #67)

Es ist zartes Erwachen und ein harter Vormittag. Es ist der erste Gelsenbiss des Jahres und dieses Schwanken zwischen der Erkenntnis, dass dieser Tag doch eine Jacke brauchen könnte, ich aber keine anziehen will. Es ist der Duft von frischen Erdbeeren, und ich überlege lange: Kuchen? Joghurt-Shake? – Bevor ich sie so esse, wie sie am besten sind: Ohne alles. Es ist ein gelbes Sommerkleid, das ich vor Jahren gekauft habe und beim Umräumen wiederfinde, ein Kleid, das ich nie anhatte, weil es eigentlich schon für Mitte 20 zu jung ist. Heute ziehe ich es an, nur für mich. Es ist der erste malerische Sommersonnenuntergang des Jahres, die Sonne geht noch nicht weit genug in den Westen um ihn vom Gangfenster aus zu fotografieren. Es ist die frische Luft, die vom Fenster herein kommt, zum ersten Mal heuer angenehm kühl.

Und ein Schluckerl Pale Ale, wenn ich schon nicht aufs Craftbeer-Fest komme.

Stadtgedanken (Jounal #66)

Die Stadt wirkt dunkler als sonst, und die Echtzeitanzeigen der Öffis sind ausgefallen. An der Straßenbahnhaltestelle sitzt einer und jammert wortlos vor sich hin, sogar die dahingackernde Maturareisegruppe wird einen Moment lang still vor so viel leid. Man, oder vielleicht nur ich, fängt an sich zu fragen, was man eigentlich da macht, in dieser Nacht, in dieser Stadt, in diesem Land. Als wüsste man, oder ich, nicht längst, dass es anderswo auch nicht besser ist.

Als wäre diese Dystopie noch nicht dicht genug, grummelt dann auch noch ein langatmiger Donner über die Szenerie. Ich glaube, da hilft wirklich nur mehr ein warmes Bett.

100 x 100 (56)

Wenn man nach siebeneinhalb Stunden aufwacht und denkt, ‚jetzt hab ich aber lange geschlafen‘. Wenn man das Fenster öffnet, die Sonne hereinlässt,  den hervorragenden Wetterbericht erinnert und dann gleich den Computer aufdreht und die ToDo-List in den Mittelpunkt stellt. Wenn man angesichts des laaangen Wochenendes zufrieden denkt: ‚Jetzt kann ich endlich in Ruhe arbeoiten‘. Wenn man dann unter dem Schreibtisch die Staubschwaden sieht und hofft, dass sich das Staubsaugen doch auch noch irgendwie ausgehen sollte. Wenn man beim Einkaufen statt an kleine Happen für unterwegs eher an schnelle Mahlzeiten denkt, die sich zwischendurch zubereiten lassen.

Dann ist irgendwo irgendwas schiefgelaufen.

Als der mobile Kran um 1:15 endlich tatsächlich losfährt, nachdem er eine Viertelstunde lang zwischen Standgas, Zwischengas und Vollgas gewechselt ist, genieße ich das Glück der Stille. Etwa zehn Sekunden lang. Dann stelle ich fest, dass die Nachbarn noch genauso laut streiten wie vor der Ankunft des Kranwagenfahrers.

© 2018 sturmpost

Theme von Anders Norén↑ ↑