CMS-Gedanken

“Mir ist da eine neue Seite passiert”, schrieb ich gestern auf Facebook, und so seltsam das klingen mag, genau so wars. Sturmpix (Edit 2018: die Seite hat mittlerweile mehrfach System und Gewand gewechselt und wird das wahrscheinlich auch wieder tun) ist online, und ich sitze zufrieden lächelnd davor und frage mich, warum das so ist.

Die Domain hatte ich schon gute eineinhalb Jahre herumliegen, und ich wollte sie eigentlich dazu benutzen, Fotos auch auf meinem eigenen Webspace zu verkaufen. Aber das ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Und ich mein jetzt nicht technisch – denn technisch ist es mittlerweile nahezu erschreckend einfach. Es gibt eine ganze Reihe von Software und Online-Lösungen, und man muss sich einfach nur die Zeit nehmen, herauszufinden, was am besten zu den eigenen Plänen passt. Dokumentation und Tutorials erlauben es auch blutigen Anfängern, innerhalb von ein paar Stunden kommerziell online zu sein.

Die Probleme lauern woanders, nämlich im Lizenzbereich. Was biete ich an, zu welchen Bedingungen biete ich es an, wer haftet im Falle eines Falles? Das sind die Themen, die mir letztendlich doch die Lust an der eigenen Verkaufsseite vergällt haben. Zudem habe ich keine Lust auf einen Gewerbeschein, darf demnach in Österreich nur Presse- und Kunstfotografin sein (nicht Berufsfotografin) – und wer weiß, ob ich dann ohne journalistischen Auftraggeber oder prüfende Agentur überhaupt Bilder verkaufen darf? Ich nicht, und ich habe auch wenig Lust, mich näher mit diesem Thema zu beschäftigen.

Daher verwarf ich alle Testaccounts und die Idee meines eigenen Online-Foto-Businesses nach ausufernden und inhaltlich durchaus spannenden Testläufen. Die Domain, die ich aus Gründen, die zu erzählen hier zu weit führen würde, definitiv nicht hergeben möchte, könnte ja auch ein Showcase meines mehr oder weniger künstlerischen Werks sein? Ich testete wieder und freute mich dabei besonders über die Möglichkeiten von Piwigo und Koken, aber was wäre so eine Seite schon? Eine Dopplung bereits vorhandener Inhalte von mir im Netz, also höchst unnötig. Und wenn trotzdem erwünscht, auch problemlos durch das vorhandene System bespielbar.

Mitten in diese netzphilosophischen Überlegungen platzte eine Anfrage. Man hätte da ja ein WordPress, und würde gern ein bestimmtes Theme dafür verwenden, aber das wäre nicht so einfach, könnte ich vielleicht helfend eingreifen? “Mit WordPress kenn ich mich kaum aus” wollte ich antworten, aber dann dachte ich, dass ich ja aus meinen Versuchen mit Symbiostock ein ziemlich nacktes, leeres WordPress herumliegen hatte. Außerdem ist “mit xy kenne ich mich nicht aus” nie eine gute Ausrede, sondern vielmehr ein Grund, sich mit xy zu beschäftigen, finde ich. Weil wenn man immer nur das macht, was man kann, wird das Leben ja viel zu schnell fad. Ich warf also einen Blick auf das gewünschte Theme, Twenty Fourteen, klickte planlos ein Weilchen im Admin-Interface herum, und stellte dann fest: “Ey, das sieht ja gar nicht schlecht aus!”

Ein paar Plugins, CSS-Tweaks und eine Handvoll Content später war es passiert: Da stand sie, meine Seite, mitten im großen und weiten Internet – beinah so, als wär sie professionell geplant und entwickelt. Nur widerwillig unterbrach ich meine neu gefundene Passion, um den initiierenden Fragestellern wie gewünscht weiterzuhelfen – aber das war nur fair, schließlich wäre ich ohne sie nie auf diesen Trip gekommen. Dann wandte ich mich wieder meinem neuen, funkelnden Baby zu.

Als ich so beim Herumklicken dachte, es wäre schön, wenn die Bilder in den Posts als Overlay aufgingen und nicht in einer neuen Seite, da hatte ich den intensivsten Aha-Moment. Ich suchte gerade in meinen Aufzeichnungen nach dem passenden Script, als mir aufging: Moment, das ist WordPress – gibts da nicht ein Plugin dafür? Und es gab. Installation und Einrichtung kosteten mich 7 Minuten, und die Bilder poppen mit zart gerundeten Ecken über dem Inhalt auf. Außer, sie sind anderweitig verlinkt. Genau wie ich es wollte. Wie lange hätte es gedauert, das handgecodet zu implementieren? Mit designtechnischen Überlegungen, notwendigen Browsertests, unnötigen Tippfehlern und folgerichtigen “Kopf-Tisch”-Momenten sicherlich zumindest eine Stunde.

Und hier schlage ich den Bogen zum Titel dieses Eintrags. Ich liebe Code, das Tüfteln und das Basteln und die Individualität. Ich liebe aber auch den Content und die Möglichkeit, in ein paar Minuten alles nach “da draußen” zu blasen, was da draußen sein soll. Würde man von mir verlangen, mich für eins der beiden zu entscheiden, ich würde vermutlich unentschieden weinend zusammenbrechen. Unterm Strich stehe ich daher etwas verständnislos vor meiner eigenen Begeisterung: Ich und Klickibunti-Wordpress? Echt jetzt? – Aber, was soll ich sagen? Das Ding funktioniert!

Vielleicht ist es ja ein bisschen wie beim Autofahren: Man sollte schon wissen, wie man den verdammten Reifen wechselt, oder wo der Deckel zum Ölbehälter sitzt und wie er aufgeht. Aber deshalb muss man es noch lang nicht jedes einzelne Mal selber machen. Oder?