...wäre lieber im Bett geblieben.

Als ich aus der U-Bahn steige, ist es noch immer viel zu früh. Der Tunnelwurm erstaunlich bunt besetzt, nicht nur die üblich grauen Auf-Dem-Weg-Zur-Arbeit-Blicke und Mütter mit Kindern auf dem Weg zur Schule, sondern auch eine Gruppe Emo-Punks, die nicht einmal übernachtig wirken, ein glücklich lächelndes älteres Pärchen mit Strohhut und Strandsandalen, und drei Hundebesitzer mit einer wohlerzogenen, aufmerksamen Dogge, einem schlafenden Dackel und einem sehr neugierigen kniehohen Mischling.

Auf der Straße dann ein schmächiger Typ mit Nadelstreif, der, als er sich umdreht, ein rotes Anarchisten-A in Stencil-Optik auf dem Jackett-Rücken offenbart. Es hätte mich sehr interessiert, ob es das in den Fashion-Tempeln zu kaufen gibt, oder ob es sich um ein handgemachtes Statement handelt, aber es ist deutlich zu früh, den Mund aufzumachen.

Abseits der Hauptstraße scheint alles noch zu schlafen, dabei ist es doch jetzt schon halb acht. Nur beim Bäcker und beim Türken am Eck ist die Tür schon offen. Aus der Tür der Bäckerei kommt die Frau, die beim Türken meistens an der Kassa sitzt, mit zwei Bechern Kaffee. Belebender Cappuccino-Duft hätte mich beinah selbst einkehren lassen, aber woanders wartet ja schon Kaffee auf mich.

Um die Ecke dann ein Schreck: Auf der mittlerweile vertrauten Gstätten, womöglich der letzten solchen im 5. Bezirk, stehen Lastwägen und ein Bagger. Sie werden uns doch nicht die wunderbare Wildwiese zubauen?

Natürlich werden sie. So ein großes unbebautes Areal mitten in der Stadt, das ist zu wertvoll, um es brach liegen zu lassen, auch wenn die Wiese den ganzen Sommer lang wunderbar duftet und die Grillen nachts einen Hauch von Mittelmeer-Feeling verbreiten. Der Bagger hat sein Werk schon begonnen, die Wiese ist weg, es duftet nach aufgewühlter Erde und frisch gemähtem Gras.

Zu Hause dann überlegt, wie lange die Gstättn denn jetzt Gstättn war, aber wozu hat man ein Weblog: Es sind tatsächlich etwas über 11 Jahre.