Geschenkter Tag. Ein paar Schritte nach oben für ein sauberes Foto, dann runter ins Dorf und geschaut, was ich mit meinen restlichen Peseten noch anfangen kann. Kaktussamen und Drachenbaumsaat gekauft und noch Verpflegung für den Strand. Und dann der Bus, zum letzten Mal, nach Media Almud.

Dort aber tanzt der Mops: Wie auch nicht, ist Samstag und ist Feiertag. Unbeirrt, mit 2 geschenkten Inselzeitungen und Proviant für drei Tage nach unten und ein Plätzchen gesucht. Große Augen und mein Felseneck ist frei, jemand hat sogar die verwesende Katze entfernt, aber nur eine Stunde oder eineinhalb und das Wasser steigt bis zu meinem Handtuch.

Also gepackt und auf die andere Seite; euer Pech wenn ihr meinen einbeinigen Liegestuhl nicht wollt (schließlich ist die Treibholzkrücke durchaus stabil!)

3x Schwimmen obwohl schwierig, dort wo die Brecher brechen muss man durchtauchen, um in schwimmbare Wasser zu kommen, und das machen ausser mir nur die 20jährigen Typen, um die Mädels zu beeindrucken; ich aber mache es, weil ich morgen schon wieder in einem unsagbar kalten Wien sein werde, und wer dabei zuschaut, ist mir egal.

Letztes Sonnenöl verschmiert (perfektes Timing mit der Flasche). Perfekt auch ziehen Wolken immer dann herein, wenn Sonne gerade ein bisschen zu heiß wird.

Schliesslich dem Meer “Ciao” gesagt und ich gehe; früher als sonst, vielleicht gehen sich noch ein paar Klippen-Sonnenuntergangsfotos aus. Kaum glaublich heiß und gnadenlos die Sonne auf dem Weg zum Bus, als wollte sie mir zeigen, was ich die nächsten Monate vermissen werde. Oben, staubig, heiß, noch eine Zigarette geraucht und unglaublich froh schweißgebadet, meiner selbst ganz sicher und genauso sicher, dass ich diesen Augenblick bewahren kann.

Dann, drüben, geduscht und getrocknet; ungeduldig, mit dem Fotoapparat zur Klippe, trotz der Wolken, die die ganze Zeit so aussehen als würden sie gleich die Bahn frei machen für unglaubliche Farben, es aber dann doch nicht tun. Sitze lange und warte und schaue mache ein paar (unnötige) Fotos, denke, rauche, derweil schwappen hypnotisch die Wellen; eine nach der anderen.

Dann aufgegeben und rein ins Dorf; Antonio hat zu (verdammt!). Mein Buch habe ich vergessen. An der Kirche tanzen Kinder im Kreis und singen. Schnell nochmal zu Lumy und Kamera gegen Buch getauscht; sonst nichts. Hunger! Heute etwas bislang unerlebtes; neben Marina. Fischplatte. Nacht ist es, und der Wein ist gut. 2 schwarze Katzen streichen herum in der Hoffnung auf freigebige Gäste. Erst nach einer ganzen Weile kommt das Essen; aber was für eins! Ein ganzer halber Fisch (Brasse?) dazu ein Stück Thunfisch und ein Stück Haifisch, ein Krebserl und ein paar Muscheln. Kartoffeln, Salat. Dazu brauch ich noch ein zweites Glas, und schließlich ein drittes. Von diesem Wein.

Genüßlich teile ich mein abschließendes Festmahl mit den Katzen. Sitze noch lange mit dem restlichen Schluck Wein und beobachte abgeklärt promenierende Gäste, alt und neu (das kann man anhand der Hautfarbe leicht unterscheiden), die Boote im Hafen und den durchwachsenen Himmel.

Zur Rechnung kommt – mittlerweile wenig verwunderlich – auch hier ein Honigrum, nur das Glas ist etwas größer. Nagut.

Noch einmal die Runde, der letze Abend; ich hätte mir ein Fest gewünscht. Aber nur in den Touristenkneipen ist Betrieb, Antonio hat wie die anderen Einheimischen zu und auch im Trockendock herrscht tiefe Stille.

Nagut, dann noch einmal – ein letztes Mal! – vor an die Multimediaklippe. Lange gesessen, nicht nur wegen des Sounds – der heute wieder stark ist, und wegen der Sterne – die funkeln, als wäre es ihr letzter Tag – aber vor allem auch allem wegen der Hand, die runterhängt und den Sand durch die Finger rieseln läßt, diesen Sand, der keinen Frost kennt, keinen Schnee, und keine Kälte unter diesen 15 Grad.

Nach langer langer Zeit, es geht schon gegen Mitternacht, reiß ich mich los und trete den vermeintlich langen einsamen Heimweg an; jenseits der Touristenzone ist alles dunkel und ich schleiche an der Wand entlang; aber. Da vorne. Ist doch noch was?

Unsicher näher rangegangen, tatsächlich; Antonio hat zwar zu aber die Jungs aus der Werft sitzen in seinem Vorgarten, Dosenbier in der Hand, und bevor ich irgendwas entscheiden kann hat mich der Sailor schon entdeckt und grüßt mich lauthals freundlich und winkt mich an den Tisch; schickt jemanden um mir ein Bier zu holen und dreht die Konversation mit zwei simplen Sätzen ins Englische und bezieht mich mit ein, als wäre das ganz selbstverständlich, es fühlt sich an als hätte er seinen Arm um mich gelegt – aber das hat er natürlich nicht getan.

Macht nichts. Der eine von den Jungs ist Schwede und wir wechseln ein paar Worte Schwedisch, nur um zu beweisen, dass ichs kann, der Mexicano klatscht Beifall und nach ein paar Sekunden die anderen auch; ein anderer von den Jungs ist ein Mädel, sichtlich glücklich, weil ich nicht gleich geschnallt habe, dass es so ist, und alle anderen lachen. Es ist erstaunlich wunderbar und plaudert sich ganz ungewohnt schwerelos.

Viel zu früh viel zu spät ist es Zeit aufzubrechen, es stiebt in alle Richtungen; nichts bleibt als ein Winken da ein Lächeln dort, und ein Phantomschmerz unterhalb der Rippen als ich allein in Richtung Bett; nein, halt:

“Austriaka!” ruft mich der Sailor, er hat wohl meinen Namen ebenso vergessen wie ich den seinen; ich bleibe stehen, drehe mich um; wir gehen ein paar Schritte aufeinander zu.

Dann, direkt Aug in Aug, aber ohne Berührung (auf die ich in dem Moment warte), schaut er mich an und sagt: “You know, we could have had a live together.”

Äonen von Augenblicken, bevor wir beide loslachen; nur ein bisschen, ich lege meine Hand an seine Wange und sage “another time” und er drückt mich, fest aber harmlos, und sagt “another place”, dreht sich dann um und geht; schnell, um seine Freunde einzuholen, und ich stehe da, klassisch, und warte, bis sie um die Ecke sind.

Und gehe dann heim. Alles ist ganz leicht und ich bin wie beflügelt und getragen von diesem Satz, der – streng genommen – nur Luft ist, wie der Schaum auf dem Cappuccino, auf einer anderen Ebene aber das Schönste, was mir je gesagt worden ist: jemals.

Und, solchermaßen schwebend, vorbei am Casa Verde, wo wieder der einsame Entertainer Stimmung zu machen versucht, mit Stimme und Gitarre zu Orchesterkonserve.

Einen Moment lang das Gefühl, ihm sagen zu wollen, dass er gut ist; zumindest auf der Gitarre (die Stimme könnte etwas mehr Übung brauchen); dann aber doch lieber vorsichtig den romantischen Satz und das Gefühl dazu heimgetragen und mit ins Bett genommen, in dem Moment nur zärtlich (und erst viel später ironisch) berührt.