…fühlt sich erstaunlich wohl. Das mag in dem Augenblick begonnen haben, als sie, noch schlaftrunken, das Gangfenster öffnete und sofort von einer Woge freundlich-warmer Stadtluft begrüßt wurde. Stadtluft, im vierten Stock, ist ja keineswegs das gleiche wie am Boden. Im luftigen Loft sind Benzin und Dieseldämpfe bereits verstoben; zwar noch vorhanden aber nicht mehr wahrnehmbar; und auch die verrottenden Hundstrümmerln mitsamt der Kanalisations-Duftnote bleiben in bodengebunden. Stadtluft, hier oben, das ist der Geruch nach Mauerwerk, auf das die Sonne brennt, heute erstaunlicherweise begleitet von einer recht hohen Luftfeuchtigkeit, die beim ersten Einatmen die angenehme Illusion von Meeres- oder doch zumindest Seenähe schafft.

Kurz fragt sie sich, die Chronistin, ob es ihr denn wirklich ernst ist, diesen Tag im Elfenbeinturm-Gemäuer zu verbringen. Die Antwort, nach einem kurzen innerlichen Aufblitzen von Alternativen, ein Strand etwa (Handtuch an Handtuch alle jene Stadtbewohner, die es (noch) nicht in den Urlaub geschafft haben) oder eine Ausfallstraße (Vorderblech an Rückblech alle die, die es doch noch schaffen wollen, in aggressiver Hitzelaune), die Antwort ist ein klares “Ja”. Die Befriedigung heute wird rein geistiger Natur sein und im allmählichen Anwachsen der Archive bestehen. Chronistinnen lieben so etwas.