„Die Erde hat Fieber!“

„Die Erde hat Fieber!“ rief heute ein Kind am Flussufer, nachdem es mit nackten Füßen in den heißen Sand getappt war. Ein durchaus gelungenes Bild für die Hitzewelle und vielleicht, wenn man es weiter denkt, auch für die gesellschaftlichen und politischen Vorgänge, die sich sogar im sogenannten Sommerloch immer mehr aufheizen. Ich meine – Sturmgewehre für die Polizei? 150 Euro als „Challenge“ anstatt als unpackbare Zumutung? Wenn man ernsthaft über all das nachdenkt, müsste man den ganzen Tag schreien. 

Für diesen August stecke ich meinen Kopf in den Sand. Nicht in den heißen, sondern in den sprichwörtlichen. Das hab ich mir vorgenommen, das muss drinnen sein. Ein Monat normales Sommerglück bitte, gerne mit Eierlikör und Schlagobers. (Sprichwörtlich! Buchstäblich mag ich weder noch.)

Mir geht es gut. In diesem Jahr habe ich länger gebraucht, bevor ich im Sommerwetter angekommen bin, aber jetzt geht es mir richtig gut. Die 31 Grad im Dachgeschoss sind ein zu Hause, die Vormittage arbeite ich gern und gut, die Nachmittage am Wasser sind Urlaub, wie er besser nicht sein könnte.

Sage ich mir. Natürlich wäre so ein Meer auch mal wieder nicht schlecht, aber dennoch gelingt mir eine Leichtigkeit des Seins, die hier eben mal quasi im Vorbeigehen ein neues Layout online schaltet, ohne große Tests, einfach weil mir danach zumute ist.

Es funktioniert also, das schamlos geklaute Sommermonat, es schenkt mir eine Leichtigkeit des Seins, zumindest oberflächlich. Und doch lauert da eine Hoffnungslosigkeit, ich ahne ihre Gegenwart, ohne sie zu spüren. Dass das alles nicht mehr abwendbar ist mit der Klimaveränderung. Dass es politisch eher noch schlimmer werden wird. Dass ich, ganz persönlich, ein Wunder brauche, um auf einen finanziell grünen Zweig zu kommen. 

Ich schlafe wenig, aber gut. Man braucht auch nicht viel zu schlafen, wenn man nachmittags eh hauptsächlich herumliegt. Stattdessen schlage ich mir die Nächte mit Büchern um die Ohren. Mit Netflix. Und mit Steam. Ich bestehe darauf, dass Schweres leicht bleibt, auch auf persönlicher Ebene. Hasch mich, ich bin die Realitätsflucht. Und für diesen August ist das gut.