Also sitze ich zu Hause und ziehe mir wieder einmal Fotos von einer Digitalkassette, mit meiner Kamera, die eigentlich dazu gedacht war, broadcastreife Aufnahmen von Auftritten zu machen, die aber mangels Auftritten in letzter Zeit ein Schattendasein fristet: Als Permanentfotokamera sozusagen, mit der nur gefilmt wird, damit ich nachher den besten Frame der Aufnahme als Foto verwenden kann.

Und da stoße ich auf eine Aufnahme, schon fast vergessen – nein: Nicht vergessen, nur als irrelevant abgelegt, eine Spielerei, eine nächtliche Fahrt durch Land und Stadt, auf der ich ausprobiert habe, wie die verschiedenen Belichtungseinstellungen zu verwenden sind, die vorprogrammierten und die einstellbaren, und das ergibt…

…zusammen mit der seltsam fremden Musik auf FM4, die nicht die meine ist, die aber gut kommt in Verbindung mit diesen zuckenden, pulsierenden, verwischten Bildern:ein Momentkunstwerk, etwas ganz Besonderes ohne Dauer und ohne Vorführwert, aber mit viel Staunen und Begeisterung.

Und das Bier, das ich mir zur Feier des Tages aus dem Kühlschrank hole, schaut mich schräg und listig an und flüstert: Schade, dass ich so alleine bin, und ich bin versucht, ihm beizupflichten, heute wäre ein guter Tag für chemisch induzierte Bewußtseinsveränderung, aber dann…

…werde ich vernünftig und wende mich wieder der Arbeit zu.