Draußen, zur Abwechslung


Zur konspirativen Übergabe einer Grafikkarte verabredet, ging ich dann doch mal wieder hinaus. Es war deutlich mehr los als bei meiner letzten Einkaufstour, Dienstag war das glaube ich. Oder Montag? Ich muss präziser Tagebuch führen. Mehr Leute auf der Straße, aber alle halten brav Abstand. Im Park unterhalten sich Pensionisten von einem Bankerl zum anderen. Vor Gehsteig-Schmalstellen wartet man, um andere im empfohlenen Abstand passieren zu lassen.

Der Herr Sufi stand schon an der verabredeten Ecke. Ich hatte mir nicht überlegt, wie man jetzt Leute grüßt, die man normalerweise umarmt, und verfiel spontan in den Vulkaniergruß. Der Herr Sufi lachte leicht geniert (mit Trekkies hat er’s nicht so) und reichte mir auf 2x Armlänge (meine + seine) das Sackerl. Dann unterhielten wir uns ein paar Minuten in der Sonne, natürlich unter guter Einhaltung des Mindestabstands. Zum ersten mal seit den Ausgangsbeschränkungen dachte ich, wie nett doch jetzt ein Sonnenkaffee in einem Gastgarten wäre. Dann verschwand der Herr Sufi im türkischen Supermarkt seines Vertrauens, und ich machte mich mit leichtem Umweg auf den Heimweg, weil der Schrittzähler will ja zumindest ab und zu beschäftigt werden.

Fast daheim, beim Spar kaufte ich etwas Obst und Gemüse. Der Spar war gut besucht, aber alle versuchten, einander genügend Platz zu geben, eine teils komplizierte, teils irgendwie lustige Choreographie. Die Überwachungskamera-Videos im Zeitraffer ergäben sicher ein faszinierendes Covid-19-Koyaanisqatsi. Vor lauter Filmideen vergass ich, Kaffee mitzunehmen, aber übers Wochenende sollte meiner gerade noch reichen.

Mir war deutlich zu warm in der Jacke, aber ich wollte sie nicht aufmachen, weil darunter ein Nurmehrdaheim-Tshirt steckte. Erst daheim fiel mir auf, dass auf der hellen Übergangsjacke mittig ein kräftiger Fettfleck prangte. Woher auch immer der kommen mag. Das Nurmehrdaheim-Tshirt wäre vermutlich weniger negativ auffällig gewesen.

 

 

 


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