Ich hab ja mal Stein und Bein geschworen, dass mir so apple-Zeugs nicht ins Haus kommt. Elitär, proprietär; blöder Hype, sektenmäßiger.

Nun begab es sich aber, dass mein altes treues Nokia einen ernsthaften Bug entwickelt hat – es stürzte nach jedem Telefonat ab. Nur Neustart ermöglichte weiteres Benutzen. Das, gemeinsam mit dem ausgelutschten Akku, der schon beinah zweimal täglich nach Saft verlangte, war ein ernsthafter Grund, sich nach etwas neuem umzusehen.

Ich hatte ein ernsthaftes Auge auf den Blackberry Storm geworfen, bis ich verstand, dass der kein WiFi hat. Leute, das kann doch nicht euer Ernst sein!?! Blackberry – gestrichen.

Ich hatte ein paar weniger ernsthafte Augen auf ein paar andere Möglichkeiten geworfen; war aber am Ende zu dem Schluss gekommen, dass so ein Null-Euro-08/15-Ding mir die Zeit bis zur nächsten Geräte-Generation überbrücken sollte. Irgendwie ist das perfekte Phon noch nicht am Markt. Viele sind Close, aber nichts ist reif für die Banana.

Ich pilgerte also zum Shop meines Mobil-Providers, hatte mir im Netz eigentlich schon ein brauchbares Ding ausgesucht, fragte aber, sicher ist sicher, noch einmal nach meinen Möglichkeiten. Da klapperte die Tastatur, und das viel zu junge, viel zu hübsche Ding strahlte mich an: “Wissen Sie, dass Sie in ihrer Bonusstufe das iPhone schon um 49 Euro kriegen?” – Ich wusste, fand es aber nicht okay, dass Neukunden dasselbe für einen einzigen Euro kriegen. Das sagte ich ihr auch. Sie runzelte die Stirn, zuckte bedauernd mit den Schultern, das sei nun Mal leider so, klickte dann noch ein bisschen herum, säuselte etwas von neuen Tarifen und schlug mir einen Deal vor, bei dem ich zwar 49 Euro für das Phon bezahlen müsste, am Ende des Jahres aber 60 Euro weniger Grundgebühr gezahlt hätte. Also 11 Euro Gewinn, unterm Strich.

An dieser Stelle befiel mich ein plötzlicher Sprachfehler. Ich bemühte mich wirklich sehr, “Nein Danke!” zu sagen – aber ich schaffte es einfach nicht. Stattdessen sagte ich: “Haben Sie’s denn lagernd? in Schwarz?” – Sie hatte.

Iklammerch trug den eleganten Quader also nach Hause, packte aus und scheiterte erstmal. Wo um alles in der Welt kommt die Sim hin? Herr Trurl rettete den Freitag. Da alle 3 glücklichen iPhone-Besitzer, mit denen ich seither gesprochen habe, mir versicherten, sie hätten das versprochene Büroklammer-Ersatz-Instrument (aus reinem Sterlingsilber!) bei ihrem Gerät nicht gefunden, erlaube ich mir hiermit, das Rätsel zu lösen: Es ist das Ding, das auf der Hülle der jämmerlichen Entschuldigung einer Bedienungsanleitung wie eine besonders elegante Deko aussieht:

Mittlerweile, nach 2 Tagen mit der neuen Maschine, hat sich mein Verdacht gefestigt: Das Ding ist entweder eine Droge, oder ein bewusstseinsverändernder Kult. Nüchtern betrachtet – was hat es, was mein altes nicht hatte? Das sind 3 Dinge: Die Touch-Screen, den Bewegungssensor und ein großes, brilliantes Display. OK, das sind 3 ganz schön neue Dinge, und dazu kommt, dass die schon gewohnten Funktionalitäten bequemer, integrierter und – natürlich – hübscher designt sind, als ich es gewohnt bin, aber ehrlich:

Wär das wirklich Grund genug, es nicht mehr aus der Hand legen zu wollen (die schöne glatte Oberfläche, die abgerundeten Ecken…)? Desinteressierten Bekannten lang und breit von allen Details zu erzählen (”…und dann kannst du es schütteln, und dann…”)? Unvermittelt breit zu grinsen, weil es zu alledem auch noch irgendwann klingelt und am anderen Ende jemand zu mir spricht?

Nicht wirklich, oder?