Ich hab es satt. Ich habe es so verdammtnochmal verdammt satt.

Da will man glatt früh schlafen gehen (so man 2:15 als früh bezeichnen kann), versenkt Linsen in Linsenflüssigkeit, putzt Zähne, dreht alles ab, was man nächtigens besser abdreht, und klettert in die vermeintlich heimelige Wärme seines Hochbetts. Beginnt, aus dem Jetzt in ein Anderswo zu driften, und es wäre alles gut, wenn nicht…

“ump…ump…ump…”

…genau jetzt der Nachbar heimkommen & prompt den Techno-Sampler auf Wochenendlautstärke stellen würde.

13 hoffnungsfrohe Wälzer später stehe ich entnervt wieder auf. Checke Email & News. Natürlich hat sich nichts getan. Was sollte sich auch tun, um 3 Uhr früh. Überlege, ob ich nicht doch mal Schwein sein und die Bullen rufen sollte, wegen Lärmbelästigung. Aber das wäre irgendwie deutlich unter meiner Würde.

Dann plötzlich: Stille. Dieses Aufatmen! Und zufrieden lächelnd wieder hochgeklettert, in das warme weiche. Bett.

Nur um Minuten später wieder hochzuschrecken. “Du blede Sau Du! Mit mir kaunst des ned machen! (…)” von unten, von der Straße.

Kann man erstmal gut ignoriern. Aber als das Gebrüll in ein hohes, von Schluchzern durchsetztes Kreischen übergeht, klettert man doch wieder runter & wirft einen Blick durch’s Fenster. Man weiß ja nie.

Gerade rechtzeitig, um die Ankunft der Funkstreife mitzukriegen, mit Blaulicht, aber ganz ohne Lalü-Lala. Nun versucht die Funkstreife erstmal in vorbildlicher Art und Weise De-Eskalation zu betreiben, was allerdings angesichts des toxikolgischen Befunds des Krawallmachers keine wirklich beschwichtigende Wirkung hat.

Der Hausmeister ist auch schon wach, tritt aus der Haustür & fragt, was denn los wäre. Der Besoffene beginnt, seine Geschichte lauthals von neuem zu erzählen. Die Polizisten versuchen vergeblich, ihn daran zu hindern.

Ich höre irgendwas von “letztem Stock” und “ermitteln”. Schnell das letzte Licht ausgemacht, da klopft es auch schon an der übernächsten Tür. Und nochmal. Und nochmal. Nichts.

Plötzlich klopft es an meiner.  3 Klopfzeichen lang halte ich aus, bevor ich mit dem bereitgelegten Morgenmantel dann doch zum Öffnen schlurfe.

“Ham sie scho g’schlafen?” – No na. Es ist 4 Uhr 12. “Kennen sie diesen Herrn?” Ich nicke bestätigend & gestehe, dass ich ihn 2 Türen weiter bereits ein- und ausgehen gesehen habe. – “Wissen Sie, ob die Wohnung ihm g’hört oder einer Dame?” – Bedaure, keine Ahnung. “Na dann, enstchuldigen sie die Störung…” – Tür zu. Weiteres Klopfen nebenan. Nichts rührt sich. Vielleicht ist jetzt ja endlich…

…eine bislang unbekannte weinerliche Stimme mischt sich ein. “Warum passiert sowas immer mir? Warum muass sowas immer mir passiern?” – Dazu die männliche: “Red kan Schaß, heast, vastehst, des is mei Wohnung, MEINE, schleich di ham…” Und dazwischen die bemüht freundlich begütigenden Worte der Gesetzeshüter. Schritte die Treppe runter. Dann wieder rauf. Weitere sinnlose Diskussionen. *gähn*

OK, seit dem Beginn des vorletzten Absatzes ist Ruh’. Ich versuch’s nochmal mit schlafen. Aber wer mich morgen (heute) vor 12 Uhr anruft, ist wirklich selber schuld.