Es ist nass.

Man sollte tunlichst, wenn man schon an solchen Tagen aus dem Haus geht, eine Kapuze aufhaben oder doch zumindest einen Schirm dabei. Habe ich aber nicht, also bleibt der Versuch, zwischen den Tropfen durchzulaufen, was mir nur so mittelmäßig gelingt.

Ich denke positiv, also bin ich – froh darüber, dass ich warme, trockene Füße habe und eine Jacke, der zumindest kopfabwärts der Regen nichts anhaben kann. Die Stadt ist freundlich trotz des Grindwetters. Wieder einmal verstehe ich den Unterschied nicht, zwischen der Facebook- und Forenwelt, in der die reine Erwähnung des Wortes „Kopftuch“ trotzige bis geifernde Reaktionen hervorbringt, und der wirklichen Welt, in der es freundlich bis gar gemütlich zugeht. Eine bekopftuchte Erzieherin führt einen Schwarm unbekopftuchter Mini-Kids in die Straßenbahn. Ein dunkler, bärtiger Mann spricht schnelles arabisch in sein Telefon und springt an der nächsten Haltestelle auf, um einer blonden Frau mit dem Kinderwagen zu helfen. Die Omi daneben fragt, ob das leicht greinende Kind vielleicht ein Vanillekipferl…? Es darf. Natürlich hat die Tram auch reichlich grantige Gesichter zu bieten, die mieselsüchtig in den Regen hinaus starren. Schließlich sind wir in Wien. Aber dennoch, die flüchtigen Interaktionen rund um mich sind ausnahmslos freundlich.

An der Tür zur Bäckerei findet sich ein junger Mann mit einer Höflichkeit persischen Ausmaßes, er umrundet mich nicht nur, um mir die Tür zu öffnen, sondern will mich dann drinnen auch noch unbedingt vorlassen. Das geht natürlich nicht. Die Verkäuferin hinter ihrer Theke amüsiert sich königlich.

Ich trage mein Topfentascherl durch den Regen. Dass wir ins All fliegen und Roboter Fussballspielen lassen können, aber immer noch nix gegen Regen auf der Brille erfunden haben, macht mich dann doch ein Haucherl missmutig. Außerdem muss ich endlich dem Handy das Faltenglätten bei den Selfies abgewöhnen, schließlich habe ich mir jede einzelne davon hart erarbeitet!

Der Tag schreit danach, mit Strickzeug und Tee auf der Couch verbracht zu werden, aber da will die ToDo-List nicht mitspielen. Also stattdessen Kaffee vor dem Bildschirm, wie immer halt. Nur heut mit Topfentascherl.