Es ist ja, ich habe es schon einmal irgendwo hier erwähnt, so ein Neugier-Gen in mir, das mich dazu zwingt, alle neuen Möglichkeiten und Programme auszuprobieren, die mir so um die Ohren flattern und halbwegs vielversprechend klingen. Da kann ich gar nichts dafür, es ist ein Zwang, dem ich mich nicht entziehen kann.

Die meisten solchermaßen gefundenen Dinger sind eigentlich überflüssig, und wenn nicht, dann tun sie oft nicht wie versprochen. Oder sie wollen sich nicht ins System integrieren, dann dreht man da, schraubt dort, und irgendwie ist es dann immer Mal wieder soweit, dass das System furchtbar langsam geworden ist oder, wenn man die Finger in die falschen Einstellungen gesteckt hat, einfach gar nicht mehr will. Und dann ist es einfach Zeit. Für die Neuinstallation. Das passiert, mittlerweile kann ich schon von einem statistischen Mittel reden, bei mir so ca. 2-3 Mal im Jahr.

Während die meisten Menschen, die ich kenne, diesen Punkt fürchten, ist es für mich mehr sowas wie ein Ritual. Reinigung. Neuanfang. Und, nicht zu vergessen, ein schnelles, glattes, neues System, in dem man wieder anfangen kann, Dinge auszuprobieren, ohne darüber nachzudenken, wie sich das neue Ding mit den Relikten der bereits ausprobierten 127 arrangieren wird. Schön, eigentlich.

Aber weil ich zu meiner kreativ-chaotischen Seite durchaus auch eine pedantisch-ordnungsliebende habe, habe ich mir im Lauf der Zeit ein System zugelegt, das diesen Neuanfang so einfach, schnell und schmerzlos wie nur irgend möglich macht. Das besteht im Prinzip aus 3 Komponenten:

1.) Meine Platten sind so organisiert, dass die Systempartition wirklich nur die System- und Programmdaten enthält und sonst nix.
1.a) Ich trau keinem Programm, das darauf besteht, Benutzerdaten auf der Systempartition abzulegen. “Eigene Dateien” ist OK, die sind ohnehin umgelenkt.
2.) Ich habe eine Liste von Programmen für täglich Benötigtes, die ich bei der Installation nur abzuarbeiten brauche. Die Liste wohnt verschlüsselt auf meinem USB-Stick und beinhaltet Namen, download-Link und bei gekauften Programmen den Registrier-Schlüssel. Dazu ein Verzeichnis auf der Nebenplatte, das Programme, die ihre Vorgängerversion gern verstecken (damit man das Upgrade kaufen muss), vollständig bereit hält.
3.) Eine ähnliche Liste mit Passwörtern und Einstellungen, die ich gern vergesse, anders verschlüsselt, auf demselben USB-Stick.

Das System wird von Mal zu Mal optimiert und erlaubt mittlerweile, heute habe ich differenzierend mitgestoppt, eine Neuinstallation von “Partition löschen” zu “voll arbeitsfähig” in knapp über 2 Stunden. Wobei da mit einem schnelleren Prozessor und CD/DVD-Laufwek durchaus noch etwas rauszuholen wäre.

Wäre. Denn trotzdem (ich sagte ja “differenzierend mitgestoppt”!) hat es auch heute wieder um die 6 Stunden gedauert. Das zeitaufwendige Problem, das sitzt nämlich vor dem Rechner. Aus zwei Gründen.

Zum einen reicht es nicht, alle benötigten Einstellungen, Passwörter und License-Keys auch sicher abgelegt zu haben – man muss sich auch daran erinnern und darauf vertrauen, dass sie dort sind, wo sie der inneren Logik zufolge auch sein sollen. (Anstatt 3 Telefonate zu führen und 1/2 Stunde sinnlos in der Warteschleife zu hängen, bevor man drauf kommt, dass man die eben benötigten Daten natürlich auch griffbereit abgelegt hat).

Zum anderen stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Gibt es wirklich noch immer kein feines Programm zum Musikhören, das nicht wie iTunes den halben Rechner kapert? Muss ich wirklich auch in der nächsten Installationsperiode mit dem lästig verbugten Thunderbird leben? Hat vielleicht inzwischen jemand ein Firefox-Addon geschrieben, das praktischer ist, als die, die auf meiner Liste stehen? Mit Fragen wie diesen kann ich auf meiner Installations-Tour jedesmal wieder Stunden verbringen, und das wirklich Blöde daran ist, das Rum-Recherchieren macht auch noch Spass.

Also, Note to self: Vor dem nächsten Reinigungsritual User optimieren. Dann könnte es wirklich, wirklich schnell gehen.