Fauler Sonntag (Splitter)


Gestern hatte ich noch geplant, gleich heute mit dem Aufräumen der Wohnung anzufangen, aber dann las ich noch im Bett, dass heute internationaler Tag des Faulenzens ist. Ich setzte mich mit dem Frühstückskaffee also auf die Couch anstatt an den Schreibtisch. Dort las ich dann von dem Erdbeben in Kroatien. Langsam könnte dieses Jahr doch bitte endlich mal auf die Bremse steigen, was Katastrophen und WTF-Momente anbelangt. Als wäre das Virus nicht schlimm genug, müssen die Leute dort jetzt teils auch noch im Freien übernachten, trotz Kälte und Abstandsgebot.


Es war gar nicht leicht, aus dem Nachrichtenmodus in den Faulenzermodus zu wechseln. Mein aktuelles Hörbuch, Mord i Skärhamn, war literarisch ein Griff ins Krimi-Klo. Ich beschloss, eine neue Kulturtechnik zu erlernen, die mich fasziniert hat, als ich davon hörte: Stricken und auf dem Kindle lesen – gleichzeitig. Ich las mich erst durch ein paar Leseproben und entschied mich dann für „Herkunft“ von Saša Stanišić. Gleichzeitig stricken und lesen war einfacher, als ich mir gedacht hatte, und meiner Lesewahrnehmung tat die Verlangsamung gut. Andererseits wollte sich der Strick-Flow auf diese Art nicht recht einstellen. Vielleicht nach etwas mehr Übung? Das Buch ist übrigens, Seite für Seite, ganz wunderbar.


Mein Indoor-Balkon ist heute wieder zu voller Form aufgelaufen. Als ich lesend und strickend vor dem offenen Fenster die Socken auszog, weil mir zu warm war, holte ich das Zimmerthermometer und mass in der Sonne 32, im Schatten daneben 25 Grad, während unten auf der Straße (wenige, aber doch ein paar) Winterjacken herumliefen.


In einer sonntäglichen PK informiert das Außenministerium über die Heimholungen. Was politisch von Schallenberg zu halten ist, habe ich noch nicht erforscht, aber ich höre ihn gern sprechen. Ein schönes, internationales Österreichisch. Weniger schön, dass offenbar tatsächlich letzte Woche noch Leut auf Urlaub geflogen sind. Vernunft ist offenbar noch rarer als Intelligenz.


Faulenzen ist irgendwie viel weniger lustig, wenn der PC keinen Sound hat und das Lieblingsspiel immer nach zehn Minuten abstürzt. Ersteres liegt an meiner uralt-Soundkarte, die seit dem letzten Update nicht mehr mit Windows kann und lässt sich lösen, sobald ich den Bluetooth-Dongle finde, der hier irgendwo sein muss. Letzteres dürfte nach erster Analyse wohl am Netzteil liegen, davon hab ich auch noch eins, werde also morgen wohl rumschrauben.


Jetzt Halsweh zu kriegen, ist auch nicht so prickelnd. Aber wird wohl nur ein gewöhnlicher Infekt sein. Hoffe ich.


Am Nachmittag wieder selber gekocht. Sonntags bestelle ich sonst gern, aber erstens ist genug zu Haus, und zweitens ist ein Lieferant ja auch ein Kontakt. Vor lauter Freude am Gemüse viel zu viel gemacht, davon esse ich die nächsten drei Tage. Wenn ich es auch frühstücke, vielleicht nur zwei.


Abends warf ich einen Blick in die Putzmittel-Ecke zwecks Vorbereitung auf den nächsten Tag und fand zu meiner Verblüffung einen Sixpack Mineralwasser und einen Sixpack Bier hinter dem Staubsauger. Das steht dort mindestens seit Anfang Oktober, weil seit ich selber sprudle, kaufe ich kein Soda mehr. Bevor hier falsche Vorstellungen entstehen: Ich putz normalerweise lieber mit Besen und Fetzen, der Staubsauger kommt nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Ich mag das Geräusch einfach nicht.


Abendvergnügen: Zwei (!) Folgen Picard, für die wegen der vielen Arbeit bis jetzt keine Zeit war.


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