Der Freitag begann, wie erste Reisetage mit dem Herrn Sufi traditionsgemäß beginnen: Mit ungewohnter Früh-Aktivität meiner- und ebenso ungewohnter Bettschwere seinerseits. Nach einem schnellen Nescafe ziehe ich ab ins Zentrum und überlasse den Urlauber einer ausgiebigen Morgentoilette. Am Kai entlang wunderbare Blicke auf das “alte” Venedig im Morgenlicht. Kleinflugzeuge über mir im Anflug auf Nicelli. Einheimische auf dem Weg zur Arbeit. Fischer und erste Urlauber am Wasser. Mit einer Flasche Eistee suche ich mir ein schattiges Plätzchen, um meinen Email-Pflichten nachzukommen – definitiv die beste Aussicht, die ich beim Arbeiten je hatte.

Ein Stündchen später war auch der Sufi zu weiteren Abenteuern bereit – deren erstes die Suche nach alternativen Routen zum Flugplatz war. Warum, habe ich nicht ganz verstanden, ich fand die gestrige ganz OK, aber nach diesem Tagesbeginn war ich mit allem einverstanden. Unterwegs eine Oldtimerrallye.

Während ich abstieg, um ein paar der schönen alten Wagen zu fotografieren, radelte mein Begleiter weiter. Mit ungewohnt sportlichem Ehrgeiz versuchte ich nachher, ihn wieder einzuholen. An der Kreuzung fragte ich etwas außer Atem eine Rallye-begleitende Polizistin: “Dove l’…” *schnauf* – “l’aeropuerto?” nahm sie den Faden auf und deutete auf mein atemloses Nicken lässig mit dem Daumen nach schrägrechts. Verstehe, der Herr Sufi war schon da.

Am Flugplatz herrschte noch lässige Entspanntheit, die übrigens das ganze Messewochenende lang nicht weichen wollte. Einen ersten Rundgang und etliche Geplauder später sicherten wir uns einen Tisch auf der Restaurant-Terrasse, praktischerweise direkt am Endanflug gelegen. Das harsche Regiment des uniformierten Thekendrachens passte nicht ganz zur umgebenden mediterranen Nonchalance, wirkte aber gerade deshalb auf paradoxe Weise sympathisch. Die blasslila Tischtücher und der sanft vom Wind bewegte Sonnenschutz verliehen dem wunderbar bitteren Espresso die perfekte Kulisse. Dazu neues Geplauder und ein Fliegerchen nach dem anderen im Landeanflug. Perfetto, molto perfetto!

Mit dem Programm für den nächsten Tag in der Tasche und rundum sehr zufrieden beendeten wir den ersten Messetag etwas vorzeitig, um doch einmal so richtig ans Meer zu kommen.

Der Herr Sufi, erklärter Feind der Strandhütten, wurde nicht ganz glücklich; ich fand aber, dass ein Strand, an dem 50 Meter zwischen Wasser und Hütten liegen, durchaus akzeptabel war.

Während ich mein Tuch aufbreitete und feststellte, dass wir im Strandabschnitt “Lokomotive” gelandet waren (Holz-Figuren auf langen Stangen), beäugte mich ein Möwentier von allen Seiten. Ich war nicht ganz sicher, ob sie (er?) in freundlicher oder feindlicher Absicht tänzelte, aber die Ankunft neuer Gäste verscheuchte die Neugierige.

Baden wollte außer mir nur eine deutsche Familie, der Strand ohnehin recht leer. Andere (einheimische) gingen spazieren; ich wunderte mich über die vielen Muscheln und Schneckenhäuser, wunderschöne darunter. Ich nahm den Fotoapparat mit ins Wasser und spielte ein bisschen rum.

Danach doch noch mal zum Flugplatz geradelt, mehr Geplauder und ein Aperitif-Sprizz, jetzt ohne Sonnenschirm.

 

Der Herr Sufi hatte das “La Favorita zum heutigen Abendessenes-Platz erkoren, und während er schon einmal erkundete, rollte ich nochmals ins Zentrum, um Zigaretten zu kaufen. Ein wunderbares Abendrot belohnte mich.

Dass am Fahrrad kein Licht war, interessierte mich kaum noch, die örtliche Polizei übrigens auch nicht (tatsächlich habe ich an den ganzen 5 Abenden nur ein einziges Rad mit Licht gesehen).

Bergauf zurück zum wartenden Sufi, und nach anfänglichen Kellner-Schwierigkeiten genossen wir köstliche Antipasti, ein Thunfisch-Tartar mit Apfel und Minze, ein Lamm(?)-Tartar mit Krabben, jeder Bissen ein Fest. Der Wein begeisterte mich nicht so, auch das sehr originale Risotto hätte ich mir anders vorgestellt. Aber dafür die Nachspeise, ein Schokokuchen mit Fondant-Herz, sogar der dazu empfohlene Süßwein mundete vorzüglich.