Folgerichtig von Bloggern geträumt, die halbe Nacht. Die Nachbarn, die den Fernseher wiedermal durchlaufen ließen, haben sicher das ihrige dazu beigetragen, dass der Schlaf nicht zu tief wurde. Der Traum spielt in einem dunklen Raum, dem der gestrigen Lesung nicht unähnlich, nur größer, dessen Kopfseite von einem riesigen Plasmaschirm eingenommen wurde. Auf dem Schirm konnte man Webseiten aufrufen, das war dann eine Einladung für den Sitebesitzer, der aus dem Schirm in den Raum treten konnte. Umgekehrt konnte man auch selbst in den Schirm treten, aber nur in seine eigene Site. Versuchte man es bei einer fremden, gab es einen Stromschlag.

Es herrschte ständiges Kommen und Gehen, Geplauder und Gelächter, sehr nett, aber die meisten Gäste sahen keineswegs aus, wie sie wirklich aussehen, sondern so, wie sie schreiben.

Einer der Antville-Altväter nahm mich mit in den Bildschirm auf einen Rundgang durch die Katakomben, also all die angefangenen und bald wieder aufgegebenen Blogs. Das waren schauderbare Räume mit viel Staub und Spinnweben, zerbrochene Platten und zerfledderte Bücher lagen herum, und vor einem schwarzen Bildschirm, der ab und zu ein elektrisches Geräusch von sich gab, ein Skelett, die Finger noch auf der Tastatur. Der Rückweg vorbei an Abteilen mit riesigen Schlössern davor und Ketten drumherum, das sind die privat geschaltenen Logs, verstand ich.

Als wir wieder durch den Bildschirm traten, herrschte in dem Raum ziemliches Chaos: Jemand hatte die El-Kaida-Homepage aufgerufen, und im Saal wimmelte es von Männern in langen weißen Kleidern, die mit Maschinenpistolen herumliefen und die sommerlich bekleideten Blogger bedrohten.

Jemand versuchte verzweifelt, die Seite des israelichen Geheimdiensts aufzurufen, um dem etwas entgegenzusetzen, doch die Terroristen-Homepage hatte einen Refresh von 3 Sekunden eingebaut, daher kam man von dort einfach nicht weg.

Nach einem Reboot dämmerte mir die Lösung, wir brauchten eine Seite mit 73 nackten Jungfrauen, um die Kämpfer glauben zu machen, das Paradies wäre zum Greifen nahe. Ich robbte unter den Tischen herum, um den anwesenden Herren das eine oder andere Pornoseiten-Passwort zu entlocken, aber alle behaupteten, so etwas nie im Leben gesehen zu haben. Erst, als die erste Maschinengewehrsalve den Bildschirm traf, ließ sich einer erweichen. Der Plan funktionierte, und alle bis auf einen verschwanden im vermeintlichen Paradies. Schnell eine andere Seite aufrufen – gerettet!

Der letzte Kämpfer legte die Waffe weg, schlüpfte aus seinem Leintuch und erwies sich als verschollener Ex-Blogger, der den anwesenden herzlich für die Rettung aus dem arabischen Exil dankte.