Diesmal habe ich am Wiener Foromarathon teilgenommen. Es war mein erster, und es war lustig, spannend und sehr lehrreich. Ich denke, es wird nicht mein letzter gewesen sein…

Der Fotomarathon verlangt von den Teilnehmern 24 Bilder zu 24 vorgegebenen Themen, die innerhalb von 12 Stunden in der vorgegebenen Reihenfolge abgeliefert werden müssen. Mein Entschluss zur Teilnahme war spontan, ohne viel Vor-Recherche, und so kam es, dass ich etwas naiv an die Sache heranging. Schon beim Abholen der Speicherkarte wurde mir klar, dass ich mit diesen Voraussetzungen wenig Chancen auf einen Platz in den vorderen Rängen haben würde. Andere Teilnehmer kamen mit Rollkoffern voller hilfreicher Utensilien (Props) oder in Gruppen mit coolen (und heißen) Models.

Aber, Dabeisein ist alles (dachte ich mir) und zog mit dem Themenzettel los. Dass die 24 Bilder in der vorgegebenen Zeit gar nicht so leicht umzusetzen waren, merkte ich bald, und am Ende begnügte ich mich mit dem Halbmarathon und 12 Bildern. Die zweite Hälfte der Themen wäre eigentlich die interessantere gewesen, aber es ging schon gegen Abend, und ich fühlte mich tatsächlich etwas erschöpft – körperlich, aber vor allem auch kreativ.

Bis dahin hatte ich die Stadt mehrfach in alle Richtungen durchquert, einen spanischen Busfahrer, der vor meinem erwünschten Motiv stand, mit seinem Bus einmal um den Block geschickt (und ihm dann den Platz natürlich freigehalten), ich hatte mit einer finnischen Touristenfamilie in beiderseits unsicherem Schwedisch kommuniziert (leider wollten sie im Endeffekt doch nicht auf das Foto), hatte Grasflecken auf meiner Lieblingsjean und ein paar blaue Flecken wegen der Jagd nach einem Eichhörnchen und einer Krähe, wäre beinahe in einem Polizeiauto mitgefahren (der Standort des angestrebten Klassik-Polizei-Golf war aber leider über Funk nicht eruierbar), hatte einen Bärenhunger, weil unterwegs essen einfach zu viel Zeit gekostet hätte, und stellte schließlich auf dem Weg in meinen Elfenbeinturm fest, dass mir doch auch irgendwie die Füße weh taten.

Mit anderen Worten – ich hatte den ganzen Tag einen Höllenspass.

Meine Themen-Fotos
Es war immens spannend für mich, nach vielen Jahren wieder einmal ohne das Netz der digitalen Nachbearbeitung zu fotografieren. Während ich auf Belichtung und Tiefenschärfe auch im Fotoalltag durchaus achte, ist beispielsweise der exakte Bildausschnitt etwas, das ich normalerweise erst im Lightroom finalisiere – ein wiederentdecktes Schau-Gefühl, das im Sucher zu tun. Und ein bisschen aufpolieren tut man ja doch immer… naja, außer beim Fotomarathon. Hier sind meine 12 Versuche:

1 – “Wien am Morgen” – Als Nicht-Frühaufsteherin fühlte ich mich beim allerersten Thema ein bisserl im Nachteil, aber inhaltlich finde ich die Lösung durchaus gelungen. Technisch hätte ich dem Motiv im Nachhinein betrachtet etwas mehr Raum gegönnt (aber beim Fotografieren hatte ich das entgegengesetzte Gefühl).

 

2. – “Nachdenklich” – Ein zufällig entdecktes Graffiti, das auf ein vergittertes Fenster schaut. Das hat sich beim Abdrücken besser angefühlt, als es rüberkommt. Auch die Entscheidung, die Belichtung um eine Stufe zurückzunehmen, erwies sich am großen Bildschirm als suboptimal. Naja; live and learn!


3 – “Am Spielplatz” – Da hatte ich ein Problem, denn wer lässt schon wildfremde FotografInnen seine Kinder am Spielplatz fotografieren? Mit den aufmerksamen Augen und dem schaukelnden Kind im Hinntergrund zielte ich in Richtung “Stranger Danger”, aber obwohl ich ausführlich darüber nachgedacht hatte, war die Blende doch etwas zu weit offen und man erkennt die Idee kaum.


4 – “Es wird gebaut” – Ich hatte da schon ein ziemlich starkes Bild von einem wehenden Bauvorhang gemacht, habe es aber zugunsten des Zugthemas Mahü verworfen. Wahrscheinlich ein Fehler…


5 – “Fotografie ist Abenteuer” – Ideeenmäßig sah ich mich hoch auf einem Baugerüst, mitten unter wilden Tieren (im Haus des Meeres) und auf der oberen Ebene eines offenen Touristenbusses, aber der zufällig entdeckte Abgang ins Foltermuseum schien meinem “dunklen” ich sehr plötzlich sehr geeignet, um die Ungewissheit des täglichen Schaffens auszudrücken. Hmh. Im Nachhinein nicht mehr so sehr.


6 – “Im Burggarten” – Im Burggarten (der einzigen benannten, vorgegebenen Location) wimmelte es vor Fotografen, sodass sogar die Touristen irritiert schienen. Ich hatte ein paar Ideen, aber in dem Moment nicht die Geduld – wenn man alle paar Schritte über ein “Setting” stolpert, dann geht der Spass verloren. Ich rettete mich in ein mittelmäßiges Postkartenmotiv. (Bissl Himmel reinkopieren & geht scho’)


7 – “Der Golf. Das Auto.” – Das Thema irritierte mich, ich hatte keine Lust, Werbung zu machen. Was als schneller Abstecher zum Autohändler in meiner Nachbarschaft geplant war, wurde zu einem der zeitfressenden Fotos des Tages – weil ich nicht loslassen wollte (konnte?) bevor ich die Idee des gezoomten bösen Golf-Auges wunschgemäß im Kasten hatte. (Am großen Bildschirm war schnell klar: Mehr Licht wäre der Schlüssel gewesen) …


7a… Nämlich so ungefähr. Hätte ich mir das eigentlich vorgestellt.


8 – “herbstliches Wien” – Naja, etwas unambitioniert vielleicht.

9 – “In der Mitte” – Ganz ehrlich, ein Bild aus Wien Mitte, wo mitten zwischen den Gleisen ein Steinschild steht, während drüben einer mitten im Wegfahren noch mitten in die Schnellbahn einsteigt – viel mehr Mitte geht nicht.

10 – Mehr Menschlichkeit für Tiere –  Zu meiner Interpretation (vermenschlichte Tiere statt des vermutlich beabsichtigten Tierschutzes) stehe ich zwar nach wie vor, aber ich war offenbar schon zu faul ermüdet, um das passende Objektiv draufzuschrauben und an den Weißabgleich zu denken…

…es hätt so schön sein können (Und ja, eine etwas kleinere Blendenöffnung, die den Lippizzaner zwar nicht scharf, aber besser erkenntlich gemacht hätte, wäre auch von Vorteil gewesen)

11 – zusammen/gemeinsam – Ich habe nicht wirklich eine Entschuldigung dafür. Weder technisch noch inhaltlich.


12 – ICH BIN das ultimative Selfie – ICH WAR, das muss man für dieses Foto verstehen, in diesem Moment vor allem sehr sehr müde. Dennoch finde ich das Bild gelungen. Es kommt selten vor, dass ich mich auf Fotos mag. Und das Bild wird mich auf ewig daran erinnern, wie verblüfft die slawischen Jungs und Mädels bei ihrem Picknick auf der Parkbank mir dabei zugesehen haben, wie hektisch ich dem allerletzten Sonnenstrahl des Tages nachgelaufen bin, um ein völlig entspanntes Foto zu schießen.

Am Ende reichte es für Platz 205 im Halbmarathon, nix zum Angeben, aber für’s erste Mal auch wieder nicht so schlecht. :)