Dieser Beitrag von Melody spricht über einen weiteren Tropfen im Fass der allgemeinen Habgier und Rücksichtslosigkeit, und es wird immer schwerer, an der längst übergelaufenen Riesenlacke vorbeizusehen. Ich versuche schon lange nicht mehr, alle Fälle von Text- und Bilderklau zu verfolgen, aber schon der Umgang mit den dreistesten Dieben kostet immer wieder Zeit und Nerven. Wirklich oscar-verdächtig, wie naiv sich die Leute stellen können. “Aber da stand doch nicht dabei, dass man das Foto nicht nehmen darf” – wunderbare Antwort von einer Werbeagentur, die eigentlich wissen müsste, dass Urheber- sowie Verwertungsrecht gegebene Größen sind, die man nicht bei jedem veröffentlichten Bild extra anmahnen muss. “Das können wir auch nicht wissen, da müssten sie einen Vermerk dazu schreiben, zB einen Link auf die Creative Commons” ist zwar etwas differenzierter, aber auch nicht wahr. Seine Werke unter die Creative Commons zu stellen (was ich bislang aus reiner Faulheit nicht getan habe) heißt nicht, sie vor kommerzieller Verwendung zu schützen – dieser Schutz ist mit geltendem Urheberrecht ohnehin gegeben – sondern, im Gegenteil, die Fremd-Verwendung im nichtkommerziellen Rahmen ausdrücklich zu erlauben. Das Problem ist, dass diese Menschen und insbesondere Firmen damit rechnen, dass der Urheber sich nicht auskennt – und dass sie deshalb mit ihren “kleinen Abenteuern” ungeschoren davonkommen.

Aber die kleinen Gemeinheiten beschränken sich ja nicht auf Online-Kreativität. Zum Kotzen finde ich es auch, wenn die Leut’ sich unheimlich cool finden, wenn sie das Geld einstecken, das ihnen die Kassierin irrtümlich auf einen 100er rausgibt, wenn sie doch eigentlich mit einem 50er bezahlt haben – ist euch eigentlich nicht klar, dass sie das meistens aus eigener Tasche bezahlt? Und Leute, die – anstatt 10 Dollar zu bezahlen – 3 Tage nach einem Crack für ein unheimlich praktisches Shareware-Tool suchen, das irgendein Freak in seiner Freizeit entwickelt hat (wobei in meiner persönlichen Moral nichts dagegen spricht, sich zB M$-Word zu klauen, wenn man denn durch äußere Umstände gezwungen ist, es zu verwenden. Andererseits, wenn man es den reichlich verfügbaren Alternativen aus Bequemlichkeit vorzieht, sollte man durchaus auch dafür bezahlen. Hej, ich habe nicht behauptet, dass meine Moral immer legal ist. ).

Ganz toll auch die Jungs (bis jetzt waren es immer Jungs) auf unseren Konzerten, von denen einer eine CD kauft und dann zu den anderen sagt: “Ich kopier’s euch dann eh.” Na geh. Wir wissen ja, dass ihr kein Geld habt und dass das die ganze Zeit passiert, aber müsst ihr auch noch vor uns damit angeben?

Ach ja und noch was, wenn ich schon bei der Gesellschaftskritik bin, meine lieben freakigen Freunde: Wenn jemand Opfer einer Viren-, Wurm- oder auch nur Spamattacke wird, ist er nicht selber schuld – auch dann nicht, wenn seine AV-Software 6 Monate alt war. (Mal ganz abgesehen davon, dass man auch mit topaktueller Software erwischt werden kann – selber erlebt.) Schuld ist immer noch der Virus- oder Wurmprogrammierer.

Was ich damit sagen will, ist – glaube ich – dass in der Welt rund um mich, online ebenso wie offline, das Bewusstsein von “Recht und Unrecht” beständig abnimmt. Und das hat (Offline-Referenz) gar nichts mit “Kuschen” zu tun. But to live outside the law, you must be honest.