Gestern


Ein Volvo Kühlergrill besteht aus einundzwanzig glänzenden Rechtecken, wobei die äußeren zwei abgerundete Ecken haben. Ohne Baujahr ist das schwer zu überprüfen, ich schätze ‘90-‘94, ungefähr. Ich habe mehrmals nachgezählt. Am Naschmarkt vor dem Blumenstand, viel früher, verschenkte eine Frau Rosen, wohl weil sie am Montag kaum mehr verkäuflich wären, ich bekam die letzte aus dem Strauß, rosarot, und einen schönen Tag mit auf den Weg gewünscht. Von den zwei bunten Hippies weinte eine bitterlich, ich wollte ihr die Rose geben, ließ es gerade noch, die beiden eine Insel, viel zu weit weg. Dann der betrunkene Ami, der sitzend Luftgitarre spielte. Ich dachte erst, er hätte Schmerzen, er krümmte sich und verzog das Gesicht, dann sah ich die Hände, die Linke erst, die Finger formten etwas wie ein G, die rechte hielt ein imaginäres Blättchen, mit dem er die imaginären Saiten streichelte, etwas wie ein langsames Solo wohl, er vergaß nicht einmal, unter dem Tisch die Effektpedale zu treten, die Distortion konnte ich beinahe hören. Ich hatte Fotos gemacht, das schärft den Blick. Was liegen bleibt, wenn die Flohmarktstände weg sind. Geschichten. Geschichte. Keine Menschen. Ein kleines Bier dann, nichts zu lesen und die Sonnebrille nicht blickdicht. Gesehen werden beim Sehen.

Später nicht ins Kino, sondern von draußen auf die Leinwand geschielt, geredet. Schöne Bilder und kein Ton. Vielleicht sogar besser so. Der Sufi war noch nie hier, ich erst einmal, vor 8 Jahren und 51 Wochen. So vergeht die Zeit, auf eine Katastrophe folgt die nächste, global gesehen, selber wird man langsam älter und tut sich schwer dabei es zu glauben, ich zumindest, für andere ist das offenbar normaler irgendwie, und sie freuen sich schon auf die Pension.

Später dann, ach eigentlich nichts mehr. Dass es nie genug ist, wenn es genug ist. Es ist weit nach Hause, kein Mensch auf der Straße um 3 Uhr früh.


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