Ich habe ein Kaffee-problem

…oder vielleicht müsste es Cafè-Problem heißen? Es hat mit den Schritten zu tun, die ich jetzt wieder immer öfter brav gehe. Heute von mir über den Karlsplatz zum Hauptbahnhof, eine Strecke, die ich schon länger nicht mehr gegangen bin. Mit ungewohnt scharfem Panoramablick noch dazu – die Aufschrift auf diesem Haus ist mir in den 20 Jahren, die ich dort schon vorbeigehe, noch nie aufgefallen.

Ein wenig Kosmetik könnte ja das Haus auch selber brauchen. Am Karlsplatz gefielen mir die Blumenbeete, die heuer viel mehr sommerwiesig aussehen als sonst (siehe oben). Dann sah ich verwundert, dass ums Wienmuseum herum ein reges Treiben herrscht. Ist das nicht wegen Renovierung geschlossen? Es stellte sich heraus: Eigentlich schon, aber an diesem Wochenende zeigen dort noch Skater*innen und Street-Artist*innen ihr Können, bevor die Erneuerung ernsthaft beginnt

Sehr sehenswert! Ich blieb aber nur kurz, weil eigentlich ging es ja um die Schritte. Oh, und um den Kaffee. Den an manchen Tagen braucht es, um mich hinauszutreiben, das Versprechen von etwas Schönem am Ende des Spaziergangs, so wie ein Cappuccino halt, liebevoll serviert in einem Gastgärtchen, von dem aus ich sinnend die Welt betrachten kann, und die Menschen in ihr.

Heute hatte ich das am Karlsplatz tun wollen. Das mobile Kaffeehütterl vor dem Teich, mit den Liegestühlen ringsum, erschien die richtige Wahl für diesen mäßig warmen Tag. Doch am Weg quer über das Plätzchen dorthin entging ich nur knapp einem Fahradfahrer, der ungebremst aus der Argentinierstraße durch die Menschen bretterte, musste mich danach mit einem Sprung vor einem wackeligen Segway-Fahrer retten, und erhielt zu guter letzt einen Rippenrempler von einer japanischen Strohhut-Touristin, die vor lauter Fotografieren die Leut‘ nicht sah.

Spätestens als ich dann auch noch den Luftballon eines vorbeilaufenden Gschrappen fast auf die Nase kriegte wusste ich, hier ist es mir zu hektisch. Der Kaffee, beschloss ich, würde sich bestimmt auf dem Weg zum Bahnhof finden, wo ich hinmusste, weil dieser hinterhältige Feiertag so unerwartet über mich hereingebrochen war, dass ich kein Brot zu Hause hatte.

Unterwegs kam immerhin die Lust am Schauen zurück, an den Mustern der Stadt und ihren kleinen heimlichen Idyllen.

Und beim fotografieren des Gorillas am Eck ein kleines, irrtümliches Selbstportrait.

Was hingegen nicht kam, war das richtige Plätzchen zum Kaffeetrinken. Nicht, dass es keine gegeben hätte – aber hier war es zu bieder, dort zu abgefuckt. Hier zu sonnig, dort zu windig. Hier zu leer, dort zu voll. An der Straße zu abgasig, im Hinterhof zu kinderlärmig. Es war, als wäre mein Unterbewusstsein voll und ganz darauf fixiert, an jedem möglichen Kaffeeort ein unerträgliches Manko zu entdecken.

So erreichte ich kaffeelos den Hauptbahnhof, wo ich in feiertäglicher Hektik doch immerhin Brot ergatterte. Dann seufzend auf den Heimweg, dass die da noch vorbeiziehenden Cafes mich nicht locken, weiß ich schon von anderen Ausflügen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass es mir so ergeht. Bei neuen von zehn Ausflügen trinke ich den dringend ersehnten Kaffee am Schluss zu Hause. Ganz ohne die eigentlich erwünschte Beobachtungsaussicht.

Vielleicht brauche ich eine Café-Therapie.