Ich mag es nicht, wenn Bücher einfach aus sind


Es erinnert zu sehr an Leben, die plötzlich enden. Die großen Fragen geklärt, meistens, nicht immer. Die kleinen losen Enden wehen störrisch im Wind.

Seltsam, wenn einen ein gar nicht so gutes Buch plötzlich wieder das Sehen lehrt; wenn jemand Worte findet für Frühlingswind und Sommerhitze, die ich selbst so nicht gefunden hätte und doch mitleben kann.

Aber dann ist es doch wieder nur die lustlos gewordene Februarkälte, die sich um die Schultern legt auf dem Weg durch die Stadt; Schneerste noch hier und da, Krähen in Schwärmen und räudige Tauben.

Vor der Swarovski-Auslage steht einer und zeigt auf den gläsern funkelnden Schwan, wieder und wieder, “3000 Euro”, ruft er den Vorübergehenden zu, “Na, des gibt’s ja ned, des kann doch ned sein. 3000 Euro!”

Sein Kopf schwenkt hin und her zwischen Schwan und erhofftem Publikum, die Passanten ignorieren ihn, teils nach einem flüchtigen Blick; ich frage mich, wie viele ihm innerlich beipflichten trotz der Sandlererscheinung: 3000 Euro. Für einen gläsernen Schwan.

Selber will ich eine DVD kaufen, die es noch nicht gibt, schade; ertappe mich im Geschäft dabei, dass ich verschiedene CDs in die Hand nehme, die ich gar nicht hören will, nur weil ich denke, dass “man die eigentlich zu Hause haben sollte”. Ein Gedanke, der mich derart entsetzt, dass ich auch die 2 nicht mehr kaufen mag, die ich gern gehört hätte.

Ich hasse es, im Geschäft wie auf der Straße, wenn Leute einfach vorbeirempeln, an der Schulter am Rucksack am Ellenbogen; Ein Wort oder auch nur ein Blick reicht und ich trete den nötigen Schritt zur Seite, ist das wirklich so schwierig? Als hätte die Kultur, in der man möglichst aneinander vorbei oder durch den anderen durchschaut, bewirkt, dass unsere Körper sich auflösen, dem starren Blick nach könnte man meinen, sie erwarten wirklich, durch den anderen durchgehen zu können, unerträglich.

Wie in der Kassenschlange im Supermarkt, wo dir der Hintenstehende seinen Einkaufswagen ins Kreuz schiebt, wieder und wieder, als würde es dadurch schneller gehen. Oder im Bus, wo sich eine einfach an mich lehnt, als hätte ich nicht genug an mir selbst zu tragen.


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