Von verschiedenen Seiten wurde ich während des computerfreien Wochenendes auf diesen FuZo-Artikel hingewiesen, der über das neue Medeingesetz berichtet, das ab 1.7. unter anderem auch hierzulande eine Impressumspflicht für Webseiten einführt.

Wie soll man das finden? Die ganze Sache ist, wenn ich hier einen ehemaligen Bundeskanzler unserer Republik zitieren darf, sehr kompliziert. Im Grunde finde ich das Verlangen, dass der Verantwortliche einer Webseite auch mit Namen und zumindest einer Kontaktmöglichkeit für sein “Werk” gerade stehen soll, gar nicht so schlecht. Bei allem in manchen Bereichen möglicherweise berechtigtem Verlangen, anonym zu bleiben – ich habe mich schon zu oft über völlig anonyme Seiten geärgert, deren Betreiber zum Beispiel fremde Fotos und Texte als ihre eigenen ausgeben und bei einer Beanstandung – falls sich dann doch irgendwo eine nichtssagende email-Adresse fand – aus der beruhigenden Dunkelheit ihrer Anonymität mit einem geradezu höhnischen “Klag doch!” geantwortet haben. Ähnlich unerfreulich sind zweifellos persönliche Mobbing-Seiten, die sich neuerdings wachsender Beliebtheit erfreuen. Erst kürzlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einem Mobbing-Opfer beim Ausfindigmachen seiner Verleumder helfen zu sollen, die eine Webseite nur zu dem Zweck betrieben, täglich wechselnde Unwahrheiten zwischen “XYZ stinkt” und “XYZ zahlt seine Rechnungen nicht” zu verbreiten. Liegt so eine Webseite bei einem Betreiber, der zum einen irgendwo jenseits eines Ozeans in einer subdomain oder einfach nur in einem verzeichnis eines Providers liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an irgendjemand Verantwortlichen heranzukommen,  de facto gleich null.

Dem gegenüber stehen zahllose Seiten, vor allem natürlich Weblogs, die die Anonymität nutzen, um sich in einer Kunstidentität den Frust über Liebesleben, Job und die Welt an sich von der Seele zu schreiben. Die ein (zumindest subjektiv) berechtigtes Interesse an der Anonymität haben, weil sie nicht wollen, dass der oder die Ex bei der Lektüre ihrer Seiten leise kichern, oder dass sich der Chef in einer satirisch überhöhten Darstellung seiner selbst wiedererkennt und seine Konsequenzen zieht. Ganz zu schweigen von den unzähligen Teenie-Blogs, wo die Eltern ganz sicher nicht wollen, dass jeder beliebige Leser der vielleicht nicht immer ganz unschuldigen Fantasien den vollen Namen und die Adresse der Verfasser kennt.

Noch komplexer wird es mit der “erweiterten” Impressumspflicht für Webseiten,

die über die Darstellung des persönlichen Lebensbereiches oder die Präsentation des Medieninhabers hinausgehenden Informationsgehalt aufweisen, der geeignet ist, die öffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen […]

Wobei als Beispiel eine Gärtnerei genannt wird, die neben den Informationen über ihre Produkte auch “umweltpolitische Themen” bespricht. So gesehen müsste also für sämtliche Weblogs die erweiterte Impressumspflicht gelten, mit folgenden “umfangreicheren Pflichten”:

Neben einem umfangreicheren Impressum gibt es eine Reihe von Pflichten und möglichen Ansprüchen: Zahlung von Entschädigungsbeträgen bis 100.000 Euro, Veröffentlichung einer Gegendarstellung, Offenlegungspflicht, Kennzeichnungspflicht für entgeltliche Einschaltungen, Urteilsveröffentlichung, Beschlagnahme [Löschung der Website] sowie Mitteilung über Verfahrenseinleitung.

Ho-hum. Hier soll also die volle Last der Presse-Pflichten zur Anwendung kommen, und zwar ohne die zugehörigen Rechte. – Eine Lösung habe ich für diese ganze Problematik zurzeit auch nicht (obwohl gewisse Denkansätze auf der Hand liegen), aber selbst hätte ich große Lust mich stur zu stellen und zu sagen:

Solange der Journalistenverband mich auslacht, wenn ich für meine webloggerische Tätigkeit einen Presseausweis haben will, muss der nic-Eintrag als Impressum genügen.