Ich bin heute in einem roten Kleid Zug gefahren. Ich fahr selten im Kleid weg, ich bin Jeans-Zugfahrerin, ist praktischer, flexibler. Und überhaupt. Und wenn Kleid, dann halt auch ein praktisches, das dann halt auch irgendwie nach Hose aussieht. Ein flatterndes rotes Frühlingskleid, das  hatte ich im Zug wahrscheinlich überhaupt noch nie an. Vor allem, weil ich, wenn ich mich recht entsinne, seit drei Jahrzehnten gar kein rotes Kleid hatte, geschweige denn ein flatterndes rotes Frühlingskleid.

Heute, mit dem flatternden roten Frühlingskleid, passierte andauernd, was sonst vielleicht einmal im Jahr passiert: Bei jedem Ein-, Aus- und Umsteigen, im Langstrecken- wie im Nahverkehr, fand sich immer ein Kavalier, der mich fragte, ob er meinen Koffer ein- oder ausladen solle, ob er ihn ins Gepäckfach wuchten oder von da oben wieder runter heben sollte.

Ich lehnte dankend und zunehmend verblüfft ab, und die verhinderten Kavaliere, das muss man lobend erwähnen, traten zurück und ließen mich machen.

Wundersam. Alles höchst wundersam.