Im Haus gegenüber ruft der Scheißkerl nach seiner Freundin: sie soll ihm ein Bier bringen. Schon zum dritten Mal ruft er das, aber sie kommt nicht.

Der Scheißkerl heißt bei mir Scheißkerl, weil er ständig rumbrüllt, was sie nicht alles verkehrt macht, wie dämlich sie nicht ist und wie unfähig, und dass sie ein verdammtes Glück hat, dass ein normaler Mensch wie er sich mit ihr abgibt. Üblicherweise geht es um Kleinigkeiten, welche Sachen wo herumliegen, wer jetzt für den nicht getätigten Einkauf zuständig war und so weiter. Wenn er lange genug gebrüllt hat und sie nur noch lauthals schluchzend antwortet, legt der Scheißkerl eine Scheiß-Platte auf (Mallorca-Strandbar-Niveau) und schreit: “Ich weiß du hasst die Musik, aber das ist meine Stereoanlage, und deshalb hör ich was ich will, und zwar so laut ich will!” und dann dreht er auf, so, dass die ganze Strasse etwas davon hat.

Heute aber ruft der Scheißkerl nach seiner Freundin und dem Bier, und sie kommt nicht. Beim ersten Mal nicht, beim zweiten Mal nicht, und beim dritten Mal auch nicht. Und ich kann nicht anders als zu denken: Vielleicht kommt sie ja gar nicht mehr? Nicht mit, und nicht ohne Bier, nicht heute und nicht morgen und überhaupt: Nie mehr? Und der Gedanke gefällt mir. Irgendwie.