(Nein, ich war nicht beim Hornbach)

Es war, das gebe ich zu, eine Schnapsidee. Eine stocknüchterne Schnapsidee, aber doch eine Schnapsidee. Und die kam so:

Ich hatte meine zwei alten, abgesessenen Studentensofas durch ein neues gebrauchtes ersetzt, auf dem, so hoffe ich, es sich im kommenden Winter wieder gemütlicher stricken lassen wird. Das war eine Aktion im Affekt, mit der ich aber überaus zufrieden bin, nicht nur wegen des Sofas, sondern auch, weil die zwei bärenstarken Sofa-Lieferanten (nach einigen, durchaus angenehmen, orientalischen Verhandlungsplaudereien), im Gegenzug deutlich mehr mir nicht mehr nützlichen Zeugs mitnahmen, als im Vorfeld verhandelt. 

In dem so wieder angenehm geräumig wirkenden Zimmer schob ich ein paar Sachen herum, das neue Sofa zurecht, und stellte fest, dass der Tisch im Eck, der vor allem Träger der Lampe für die Sofa-Ecke war, da nun eindeutig nicht mehr hinpasst. 

Der bisherige Licht-Tisch war 50×50. Die neu freibleibende Fläche war 30×40. Ich spazierte also durch den Bezirk und besuchte alle einschlägig verdächtigen Geschäfte, doch unter 35 cm gab es nichts geeignetes. Etwas unzufrieden wieder zu Hause, fiel mein Blick auf das Altpapierkistl, einst Gemüsekiste für Avocados beim Hofer. Die müsste doch…? Bingo! 30×40.

Zwei Tage lang wälzte ich die Idee, bevor ich zur Tat schritt. Derweil stellte ich fest, dass es ein Billy von IKEA auch in 30 cm Tiefe gäbe, aber das hätte dann die Regalöffnungen in die falsche Richtung gehabt. Ich sammelte also bei mehreren Besuchen noch ein paar Avocadokisteln, bis ich die 6 hatte, um die gewünschte Höhe zu erreichen. Dann war ein Besuch im Baumarkt angesagt. 

Der furchtsame Blick an der Kassa ließ mich nicht an meinem Vorhaben zweifeln. 

Erst einmal galt es, ein paar Löcher zu bohren, durch die nachher das Sisalseil zum einfachen Hin- und Herstellen des Kastls laufen sollte. Dann ging es an die Farbe. 

Die extra gekaufte graue Sprühfarbe reichte allerdings nicht soweit wie gedacht, sodass ich in die Acryl-Lade griff. Wo schwarz unerwartet auch aus war. Ich ergab mich in mein Schicksal und mixte ein lindes Grün zurecht, das Resultat sollte ja ohnehin in die grüne Ecke. Dann ging ich daran, den Turm zusammenzusetzen und zu -kleben. Erstmal war Schönheit zweitrangig, ich wollte ja nachher ohnehin noch mal mit Farbe drüber.

Im Wiederstreichen erwies sich das „1x grau, 1x grün“ als unpraktisch. Stattdessen ging ich mit Grün über alles und setzte mit vorsichtigem Weiß noch ein paar Akzente in Richtung „verwittert“.

Blöd nur, dass ich mich bei den Löchern erst einmal verrechnet hatte. Aber hej, wozu ich vor langer Zeit die Goldfolie gekauft hatte, hatte ich mich schon seit Jahren gefragt. Passt! Jetzt nur noch das Seil durchziehen… 

… und schon kann ich wieder bei wunderbarem Licht stricken. 

Farbe, Seil und Tape eingerechnet, ist das Ding übrigens gerade mal 50 Cent billiger als das 30cm-Billy. Aber, es ist meins! Und hat die Öffnungen in die richtige Richtung.