Jakob Nolte eröffnet den Samstag mit „Tagebuch einer jungen Frau, die am Fall beteiligt war„. Das Tagebuch geht nach innen, und der Fall bleibt aus. Die Sprache ist literatur-referentiell („Beschreibungen des Sternenhimmels sind schwer“), es langweilt mich. Die Jury taucht ins 19. Jahrhundert. Winkels wittert Dekonstruktion und ein „romantisches Großereignis“, was immerhin ein Ansatz wäre. Kastberger hat sich im Gegensatz zu mir keine Minute gelangweilt. Überhaupt redet die Jury den Text groß. Mir bleibt nur der Schluss, als die Hauptfigur sich selbst erzählen muss, „ein einzigartiges Erlebnis“. Die Jury begeistert sich für die Langeweile, aber langweilig bin ich selber, dafür brauche ich keine Literatur.

Ich wünsche mir auf Twitter etwas Experimentelles und bekomme es immerhin ansatzweise. „DESTINATION:AUSTRIA“ von Stefan Groetzner spielt mit Klischees, Weltbild und Politik. Die Bachmannpreis-Parallele hat sich mir nicht aufgedrängt, ich sah eher einen bekifften Blick auf die vielen Weinprinzessinnen. Für das österreichisch-slawische Kaleidoskop verzeihe ich sogar gerne ein paar (nicht viele) papierene Redewendungen. Mir hat der Text gut gefallen, viele kleine Details, Brabantbuntbarsche und Powidltatschkerln. Twitter und später auch die Jury stößt sich an der Oberflächlichkeit und übersehen dabei die meines Erachtens durchaus vorhandene Tiefe. Man bräuchte einen ganzen Tag, um alle Details zu würdigen, insofern ein Klagenfurttext, aber etwas gestrafft durchaus auch für eine Kabarettbühne geeignet. Kastberger zeigt sich geradezu persönlich beleidigt.

Der Rest der Jury verteidigt auch eher halbherzig. Aber wohl Kandidat für den Publikumspreis.

Zu „und ich brenne“ von Özlem Özgül Dündar könnte man stundenlang diskutieren. Großes Thema. Ich fand die Umsetzung nicht so gut gelungen, Twitter und der Großteil der Jury sind anderer Meinung. „Mütterknäuel“.

Lennart Loß läßt in „Der Himmel über A9“ einen Zahntechniker und ehemaligen RAF-Bombenbauer mit einer Kugel im Bein mit dem Flugzeug abstürzen. Wie die Überlebenden da so im Wasser treiben, erinnert mich an meinen unvollendeten Roman. Das tut zwar nichts zur Klagenfurter Sache, würde mich aber durchaus für den Text einnehmen, würde der nicht so viele unwahrscheinliche Zufälle zusammenbringen, dass man gar keine Lust mehr hat. Auf gut kärntnerisch: Lei losn. Die Jury sieht das ähnlich, vor allem Kastberger, was mich wieder mit ihm versöhnt. Keller sieht die vielen Unwahrscheinlichkeiten als Zusammenströmen von Magnetlinien, auch eine Möglichkeit. Jemand hat sogar einen 68er-Text darin gelesen. Naja.

Punktgenau zum tödlichen Sturm im letzten Text kommt hier übrigens stärkerer Wind auf. Ich würd jetzt gerne baden gehn, muss aber stattdessen arbeiten.