Vorortezug Stockholm, früher Abend. Mitten zwischen Schülern und Arbeitern fahre ich Richtung Bahnhof, um dort in einen anderen Zug umzusteigen. Aus irgendeinem Grund sind meine diversen Gepäckstücke so verteilt, dass ich sie nicht rechtzeitig zusammensammle, bevor der Zug stehen bleibt. Ich steige schnell aus, um jemand Bescheid zu sagen, dass ich da bin, und hole dann den Rest.

Finde den nicht, dem ich Bescheid sagen wollte, und als ich wieder rausgehe, ist im Zug schon finster, und er fährt. Ich brauche jemand, der mich da nochmals reinläßt. Schließlich kann ich nicht ohne meine Kamera fahren. Und ohne den MP3-Player auch nicht.

Als ich wieder in den Bahnhof gehen will, erwische ich die falsche Tür und finde mich mitten auf der Baustelle für eine U-Bahn-Station wieder. Durch lange Gänge mit Notlicht, unverputzte Treppenhäuser und an Baggern vorbei verirre ich mich völlig. Endlich finde ich einen Arbeiter, der mir den Weg zu einem Ausgang weist.

Dort treffe ich einen anderen, der sich hier unten auch verirrt hat. Mit vereinten Kräften erklettern wir die Tür, die noch weder Zu- noch Abgang hat, sondern völlig in der Luft steht.

Draußen, völlig finster und versperrt, der Zug, in dem meine Sachen sind. Hoffentlich finde ich jemand, der mir aufsperrt, bevor mein anderer Zug geht.

Drinnen in der Halle ist kaum ein Mensch, alles sieht trist und verkommen aus – obwohl doch draußen der Platz mit Lichtern und Menschen voll ist.

Endlich finde ich eine Schaffnerin, die mit mir spricht, anstatt sich wegzudrehen oder mich zu ignorieren, wie die anderen.

Ich schildere ihr mein Problem. Ich soll mir keine Sorgen machen, sagt sie, die Sachen wären bereits in dem Zug, mit dem ich wegfahren will. Woher sie denn das wissen könnten, wo ich hin will, frage ich sie. Sie nimmt meine Hand und dreht das Handgelenk ins Licht. Ich sehe eine seltsame Tätowierung, halb Strichcode, halb platinenartig, nein, es ist keine Tätowierung, sondern teilweise metallisch, aber flexibel, biegsam, nicht zu spüren. Sie lächelt überlegen.

Mir war schon klar, dass sie mit dem Biochip immer wissen, wo ich bin – aber dass sie auch lesen können, was ich vorhabe & wo ich hin will, ist mir neu. Aber es hat keinen Sinn, sich jetzt noch aufzuregen. Ich bedanke mich artig und gehe ins Buchgeschäft, um mir noch ein Buch für die Fahrt zu besorgen. Die Verkäuferin begrüßt mich mit meinem Namen und hält mir zwei Bücher und eine Zeitschrift hin. “Die werden ihnen gefallen!” – Ach richtig, ich bin ja an der Tür gescannt worden. Ob ich denn gar keine Angst hätte, in ein Land zu fahren, in dem die Biochips noch nicht gescannt werden, fragt sie mich. Dort könnte man doch leicht verloren gehen, und niemand wüßte, was man will. Ich entschuldige mich, ohne ihr zu antworten. Mein Zug geht gleich.

Das Abteil ist hell und heimelig gegen die graue Tristesse des Bahnhofs. Tatsächlich sind alle meine Sachen hier. Der Schaffner kommt und läßt mich eine Bestätigung unterschreiben, dass ich mich freiwillig und im vollen Bewusstsein der Gefahren aus dem Einzugsbereich des Bioscans entferne. Soweit ich sehen kann, bin ich der einzige Fahrgast.

Der Zug fährt los. Die Landschaft draußen sieht sehr kalt aus.