MorgenTraum am Wahlsonntag

Mit L in einem kleinen Hostel, sieht nach Tschechien aus, freundlich, sympathisch. Wir wollen in die Stadt. Draußen im Biergarten sitzt R mit einem androgynen Wesen. Wollen wir die beiden nicht fragen, ob sie mit uns abendessen, schlägt L. vor. Daran hatte ich auch schon gedacht, wollte aber nicht stören. Ok, sag ich, ich frag sie einfach, sozial unbeholfen wie ich nun einmal bin. Lege Schlüssel, Handy und Zigaretten auf den Hoteltresen, wo L stehenbleibt, und gehe hinaus.

Draußen fliegen seltsame Dinge herum, kleine Cocktailschirmchen, Konfetti, Luftschlangen. Nicht so, als hätte sie jemand geworfen, sondern schwebend in der Luft. Das ist eben so, wenn der Präsident heiratet, erklärt der Kellner. Ich soll aufpassen, denn wen sich ein Schirmchen in meinem Haar verfängt, müsste ich auch heiraten.

Am Tisch von R und dem androgynen Wesen stehen Reste eines Megafrühstücks. Lange nicht gesehen, sage ich, wollen wir heute gemeinsam Abendessen? – Ich kann nie wieder etwas essen, sagt R. Das androgyne Wesen rülpst leise. Ein Schirmchen schwebt auf mich zu, ich trete schnell zur Seite. R lacht. Das androgyne Wesen macht eine Bewegung in Richtung Schirmchen, weicht aber im letzten Moment doch aus. Ja dann…, sage ich. Beide nicken. Auf dem Rückweg wird das Luftgewusel dichter, einmal gelingt es mir nur mit akrobatischen Verrenkungen, einem Schirmchen auszuweichen. Die Umstehenden lachen.

War eh ein Grünes, sagt L beruhigend, die machen nichts. Auf die blauen musst aufpassen!