Mostly harmless

Meinem Rücken gefiel die Idee nicht, dass ich mit einer Hand den Staubsauger und mit der anderen die Matratze stemmen wollte. Er sagte “Aua!” und hinderte mich in der Folge an schnellen Bewegungen, was mich um einen erfreulichen Arbeitsausflug und in der Folge um einen möglicherweise noch erfreulicheren Kulturabend brachte. Jetzt, wo der letzte Zug abgefahren ist, beruhigt er sich wieder. War ja irgendwie auch klar. Dafür habe ich vor dem Computer einiges weitergebracht. Immerhin.

Davor düstere Träume in einer seltsam unruhigen Nacht. Nichts eigentlich schlimmes, nur Postpunk-Landschaften und gleichgültige Menschen. Ein Hafen ohne Schiffe. Eine Lagerhalle ohne Inhalt. Jemand, dem man sagt: Magst du zu mir kommen? Und er antwortet: Egal. So ein “egal” ist viel schlimmer als ein Nein, und ich hoffe, es bleibt ein Traum. Beim Aufwachen nach dem Phon gegriffen und die Uhrzeit ablesen wollen, es blieb dunkel. Schreckliche Sekunden lang darüber nachgedacht, was denn jetzt kaputt ist, bevor mir die einfachste Variante einfiel. Akku leer. So war es auch.

Es wurde gerade hell draußen, und wie immer, wenn ich in der Dämmerung aufwache, konnte ich nur schwer wieder einschlafen. Im Rumwälzen über ein Gespräch nachgedacht, ein kürzliches, in dem jemand meinte, ihm bleiben vielleicht noch 20 Jahre, statistisch gesehen. Wozu jetzt noch anstrengen? Warum nicht gleich drauf pfeifen? – Natürlich hatte ich dagegen gesprochen, natürlich hatte ich nicht erwähnt, dass der Gedanke nicht fremd ist. Aber es ist schon ein verdammt seltsames Gefühl, zu wissen, dass die Zeit, die ich schon auf dieser Welt verbracht habe, länger ist als die, die ich noch hier verbringen werde. Also aller Wahrscheinlichkeit nach. Wenn nicht jemand die Wunderpille erfindet.

Meistens, wenn das Thema irgendwo aufkommt, sagt bald jemand, “Also ich würd nicht ewig leben wollen”. Zum Teufel nochmal, ich schon. Ich pfeif auf die abgeklärte Laufdeslebens-Position, aber sowas von. Ich möchte wissen, wie es weitergeht. Die Forschung. Die Technik. Die Kunst. Die Politik. Alles. Aber. Da könnte ja jeder kommen, und warum, wenn das so ist, lebe ich nicht gesünder? Weil Statistik für die Fische ist, wenn überhaupt, oder vielleicht doch gleich ganz für den Arsch? Weil auch Fitnessgurus jung sterben und übergewichtige Kettenraucher mit 85 fröhlich über den Naschmarkt spazieren. Wer sagt mir denn, wenn ich alles bleiben ließe, das als ungesund gilt, dass nicht bei meinem nächsten Ausflug der Railjet bei 230km/h entgleist? Und ob mir dann nicht, in diesem allerletzten Augenblick, also falls die Zeit reicht ums ich dessen bewusst zu werden, genau das Probegläschen Wein aus Chile fehlt, das ich gestern hätte trinken können, und der kubanische Zigarillo dazu? – Man sollte im Bett bleiben, vielleicht, aber verdammt, genau dort sterben die meisten Menschen.

Also aufstehen und das Beste geben, wie immer, es ist zuwenig, wie immer. Egal. Morgen ist ein neuer Tag, dazwischen ein Sonnenuntergang vielleicht, oder ein neuer Song, eine liebe Stimme im Ohr oder ein Glas Wein, irgendwas lebt immer, und das ist der Treibstoff, um auch morgen wieder aufzustehen und das Beste zu geben, es wird wieder zu wenig sein, weil es immer zu wenig ist, aber es soll mir verdammt noch mal keiner sagen, ich hätte es nicht versucht.

[Das Bild zu diesem Text wäre übrigens das aus diesem Artikel, aber wenn ich das verwende, dann haut mir wieder irgendwer ein “Copyright” um die Ohren, und das muss ja auch nicht unbedingt sein.]

Stattdessen ein Song: