Mufti, die Mürrische: 1990-2002


Die schönste und gleichzeitig mürrischste Katze, die ich je gekannt habe, ist am Sonntag einem vermutlich durch einen Giftköder hervorgerufenen Leberleiden erlegen.

Das Halbangora-Gör hatte von Anfang an ein sehr seltsames Leben. Kurz nach ihrer Geburt starb die Besitzerin ihrer Mutter, und keiner hat’s gemerkt. Die Katzenmutter versuchte ohne Wasser & Futter ihren Wurf solange wie möglich durchzubringen, aber als das Drama entdeckt wurde, waren alle bis auf Mufti bereits tot. Auch ihr Leben hing am seidenen Faden, aber mit Spritzen und Fläschchenfutter hat man sie im Tierheim durchgebracht.

Immer noch sehr dünn und ohne jegliche Katzensozialisierung wurde sie von Dorian entdeckt, der das kaum sechs Wochen alte Zwergerl mit nach Hause nahm & weiter aufpäppelte. Den Namen hat ihr Dorians Sohn gegeben, aber er hat nie verraten, warum gerade “Mufti”.

Ich habe dem winzigen Katzenbaby beigebracht, über Jean und Pullover bis auf meine Schulter zu klettern, was ich später, als sie nicht mehr winzig war, bitter bereut habe.

Mufti hat mit Begeisterung ferngesehen. Mit den anderen Zuschauern sass sie entspannt auf dem Sofa, den Blick auf den Bildschirm gerichtet, und immer wenn es spannend wurde, sprang sie auf und hat sich direkt vor den Bildschirm gesetzt, mit der Nase zwei Zentimeter vor dem Geschehen.

Als man nach einem halben Jahr beschloss, ihr Gesellschaft aus dem Tierheim zu holen, hat sie uns 4 Monate lang die Hölle heiß gemacht. Erst danach hat sie langsam begonnen, ihre neue Gefährtin zu akzeptieren.

Geprägt durch ihre Jugenderlebnisse hat sie bis zum Schluss jede andere als 3-Sterne-Katzennahrung verweigert. Feinste Leber? Frisches Hendl? Spargelschinken? Mufti lehnte dankend ab.

Dass sie nach 7 Jahren den Übergang von Wohnungs- zu Landkatze so selbstverständlich verkraftet hat, hat uns alle gewundert. Aber bereits nach 2 Wochen hatte sie das Mausen gelernt und war allen Nachbarkatzen gewachsen.

Ihr mürrisches Wesen und ihre Sturheit verstärkte sich allerdings mit den Jahren, sodass man sie scherzhaft auch schon mal “Muffl” oder “Mufflon” nannte. Sie trug die Namen mit Stolz. Nur die besten durften sie jetzt noch streicheln – es sei denn, es war die Bürste im Spiel. Die Katzenbürste hat aus dem mürrischen Monster immer ein glücklich sabberndes Katzenweib gemacht.

 


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