Ich habe gelernt, mich immer vornehm im Hintergrund zu halten, vor allem dann, wenn andere sich prügeln. Ich habe gelernt, dass man immer freundlich bleibt, und dass man sich zurückzieht, wenn man mal nicht freundlich bleiben kann. Ich habe auch gelernt, dass man dann dabei meistens auf der Strecke bleibt, aber was macht das schon, die Hauptsache ist doch, die Form bleibt gewahrt.

Soweit recht nett und nobel. Aber irgendwann wird es unerträglich, dass die Aalglatten immer gewinnen. Die, die nie einen Fehler machen, weil sie sich nie aus der Sicherheit ihrer geistigen Besenkammer hinauswagen. Die, die sich zusammenklüngeln, weil sie sonst niemanden finden würden, der über ihre jämmerlichen Witze lacht. Die, die immer jemand finden müssen, auf den sie hinunterschauen können, um sich selber stark zu fühlen.

Oh ja, ich kenn euch noch. Auf dem Land gibt es reichlich von eurer Sorte. Leute, denen alles peinlich ist, außer der eigenen Selbstgerechtigkeit. Die die größten Gemeinheiten über andere verbreiten und dann mit dem unschuldigen Grinsen dastehen und behaupten, es wäre doch alles nur ein Spass gewesen. Die immer einen Weg finden, die Schuld auf andere abzuwälzen, wenn sie Mist gebaut haben.

Solche wie ihr haben die kleine Ingrid in die Brennesseln geworfen, weil sie die falschen Klamotten anhatte. Solche wie ihr sind nie zu Gerds Parties gegangen, weil seine Mutter wollte, dass sein mongoloider Bruder mit uns spielt. Solche wie ihr haben sich schief gelacht, wenn die pummelige Sabine mal wieder nicht das Seil hochgekommen ist beim Turnen, so lange, bis sie beinahe versucht hätte, sich umzubringen.

Was? Ach so, das war alles nur ein Spass. Na dann. Wisst ihr was? Ihr könnt eure geheiligte Coolness mit euch herumtragen, bis ihr davon Gefrierbrand kriegt. Ihr könnt euch eure kleingeistigen Mäuler zerreißen, bis sie euch abfaulen. Ihr könnt euch in eurer Gruppenkuhle suhlen, bis euch der Schlamm ausgeht.

Ich werde auch weiterhin eigenes Denken über Kollektiv-Coolness stellen, Menschlichkeit über Zugehörigkeitsgefühl und meinen Spass über euren.

Das Internet ist nämlich auch mein Dorf.