Heute vor 14 Jahren, da war ich Model auf einer Frisurenmodenschau. Ich glaube nicht, dass es Fotos gibt; wenn doch, dann habe ich keine Ahnung, wo.

Ich war jung, und Geld gab’s keins. Der Mann mit der Idee, der legasthenischste Poet, den ich je kennen gelernt habe (er schrieb seine Gedichte übrigens auf Jack Unterwegers Schreibmaschine, aber das ist eine andere Geschichte) hat Jahre später Nachhilfekurse für Schüler mit Rechtschreibschwäche gegeben. Die Sängerin, die mir hinter der Bühne die Hand hielt, ist heute erstaunlicherweise viel weniger lebensfremd als ich. Der still beobachtende “Präsident” hat erst seit ein paar Tagen seinen Internetanschluss. Die Frau mit dem Durchblick hat mir heute gemailt, ob ich sie nicht besuchen möchte, um den Kostümball zu beobachten (sie meinte den Aufmarsch der Uniformierten anläßlich der Anti-Opernball-Demo). Und der Mixer mit der Gipshand macht heute noch Musik.

Kontinuität und Diskontinuität. Wir sind dieselben und sind es doch nicht. Es ist wie die Geschichte mit dem Fluss, aber die hatten wir schon.

Es war einer der Tage, an denen sich Leben verändern, aber das lag nicht an den Frisuren, die man an mir verbrochen hat, und auch nicht am Wodka, den ich an jenem Abend zum ersten (und, wenn ich mich recht erinnere, vorletzten) Mal aus der Flasche trank. Ich weiß gar nicht, woran es lag. Vielleicht war alles nur der Moment im Lift, in dem jemand den Knopf für mich drücken musste, weil ich ohne Kontaktlinsen nicht einmal meine eigene Nasensptze sehen konnte. Vielleicht an der coolen Entschlossenheit, mit der ich meinen mir selbst höchst suspekten Kopfschmuck auf die Bühne getragen habe (bei Ansicht des Videos – genau, es gab ein Video – konnt ich mich selbst kaum fassen). Vielleicht auch an irgendeiner seltenen Mond-Venus-Konstellation. Oder vielleicht war alles gar nicht so, und ich habe es im nachhinein dazugedichtet.

Ist ja auch ganz egal. The world has never been the same since. Aber das kann man genaugenommen von jedem Tag, von jedem Augenblick behaupten.