Satt spazieren wir weiter, eher absichtslos. Wobei die Absicht der Absichtslosigkeit darin besteht, früher oder später zu den Tropfsteinhöhlen zu gelangen. Die Stadt sonntagmorgenstill. Die Architektur um uns ungehemmt altkaiserlich, klassizistisch-sozialistisch und neo-kapitalistisch durcheinander. Jenseits der Straße ein Glasbetonbau mit dem Sony-Logo, diesseits ein kaffehausartiger Branntweiner, aus dessen Türe kalter Rauch strömt; die Gestalten drin nur zu erahnen.

Dem blechernen “Ich darf nicht hinein”-Hund hat jemand sorgfältig händisch und mit Geschick einen Floh auf den Rücken gemalt. Der Sufi sieht’s, ich drücke ab. Ein paar Betrachtungen später erreichen wir den Moskva Ter. Nicht, dass wir dringend dorthin wollten: Aber wir sehen viele Busse. Nur, wen fragen?

Im Remisehäuschen mit den Spitzenvorhängen finden wir einen, der interessiert in den von uns vorgestreckten Plan starrt. Die erfrischende Abwechslung ist, dass er, als er versteht, dass wir kein ungarisch sprechen, keineswegs in ein nur leicht akzentuiertes deutsch oder englisch verfällt, sondern unbeirrt weiter ungarisch erklärt und erzählt, Ortsnamen durch einen Daumendruck auf den Stadtplan unterstreicht, und auch wenn wir nicht viel verstehen: Am Ende haben wir verstanden, dass wir erstmal in den 63er einsteigen und dann an der Margit Hid in etwas anderes umsteigen sollen. Ticket? fragen wir hoffnungsfroh, was möglicherweise ein Fehler war, da wir unter dem Strich 1800 Forint für 10 145er Tickets ausgegeben haben. Aber bis wir das verstehen, vergehen noch etwa 7 Minuten, in denen wir in einem endlosen Strom dieser schönen, wenn auch unverständlichen Sprache stehen, fasziniert, möglicherweise hypnotisiert: Denn übers Ohr hauen lassen wir uns beide doch sonst nicht so leicht.

Im Bus dann sind wir zwar zielbewusst, aber doch erleichtert, dass unser mühsam gewonnenes Wissen von einer Mitfahrenden auf Englisch bestätigt wird; außerdem brauchen wir dringend Hilfe, um unsere teuren Tickets auch zu entwerten: Die Fahrscheine muss man nämlich nicht nur in den Automaten stecken, sondern den Oberteil des Automaten auch noch nach vorne schieben, wodurch ein richtig hübsch altmodisches Loch in das Papier gestanzt wird. Man lernt nie aus. Begeistert zeigen wir einander die sauber gestanzten Fahrscheine – die Freundin der uns auf Englisch beratenden Dame kichert immer mehr, bis sie aussteigt. Ihre Tochter betrachtet sie mit verständnislosem Blick.