Gestern einen Text korrekturgelesen, Freundschaftsdienst, im Text ging es ums positive Denken. Gleich nach dem Aufwachen, im Bett noch, solle man sich die Frage stellen: Worauf freue ich mich heute? – Ich hatte nicht vor, den Anweisungen zu folgen, dennoch fiel mir die Frage heute wieder ein, gleich nach dem Aufwachen, im Bett noch, und die Antwort war klar: Darauf, dass ich heute Abend wieder ins Bett gehen kann. Das war wohl nicht so ganz positiv gedacht, aber so ist das halt bei mir, wenn mich die Umstände schon weit vor 8 Uhr früh von der kuscheligen Matratze werfen. Als privilegierter Mensch mit Zuhause-Büro ist das zum Glück nicht allzu oft der Fall, und wenn, geht es meistens zum Zug, wo man dann doch noch ein bisschen dösen kann.

Heute dagegen ging es in die Innenstadt, und mein Denken wurde erst einmal nicht viel positiver. Diese Temperaturen, für die die Herbstjacke ein bisschen zu kühl, die Winterjacke ein bisschen zu warm ist. Die Straßen grau, unfreundlich, die Menschengesichter grummelig, die Straßenbahn voll, die Verkäuferin in der Trafik unfähig. Weil ich zu redemüde war, um noch ein drittes Mal zu korrigieren, ging ich schließlich mit dem falschen Tabak hinaus, sowas passiert glaube ich auch nur mir.

Die Kärntner-Straße mit Autos habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Ein schöner Kontrast: Vor den eleganten Geschäften die wenig eleganten Lieferwägen mit den meist noch viel weniger eleganten Fahrern.

Der Termin dann viel interessanter und angenehmer als angenommen. Kreative Menschen mit Ideen anstatt Innenstadtgockel. Wunderbar.