Der frühe Abend findet mich in der Mariahilferstraße. Ich hatte mich an den Auslagen müde geschaut und beschließe einen kleinen Abstecher zu einer Freundin, mit der ich dann essen gehen wollte. Um Viertel nach sieben ist vor dem Museumsplatz kein einziger von den Demonstranten zu sehen, die sich angeblich gegen 19:30 dort versammelt haben sollen.

Erst der Polizist, der mit einem freundlichen gelben Gilet gegenüber dem Geschäft meiner Freundin Stellung bezieht, erinnert mich daran, dass heute Opernball ist. Und -demo.

Wir sitzen eine Weile herum und hören trotz der Nähe nicht einen Ton von dem im Artikel beschriebenen Punkrockkonzert.

So um 8 ziehen wir ein paar Schritte weiter, in ein Lokal jenseits des Getreidemarkts.

Unterwegs soll das Hundi noch Gelegenheit bekommen, im nahegelegenen Park ein paar Schritte zu laufen. Daraus wird nichts, der Park ist umstellt. Nur Anrainer mit Ausweis und Meldezettel dürfen hinein. Warum? Der Grüngewandete murmelt etwas von “Baustelle” und “Ziegelsteinen”. Na gut, dann halt gleich ins Lokal.

Die Spaghetti munden ausgezeichnet. Mein Handy beginnt zu läuten. Ein aufgeregter Bekannter fragt mich, ob Wien noch steht bzw. ob ich in Gefahr sei, er hätte gerade im Radio gehört, dass da schlimme Krawalle wären.

Ich beruhige ihn und wickle dann die nächste Portion Spaghetti auf meine Gabel. Drüben am anderen Tisch meint einer: Jetzt geht’s los.

Tatsächlich. Durchs Fenster multiples Blaulichtgeflacker, dann biegt der erste Mannschaftswagen um die Ecke. Noch einer. Und noch einer. Normale Polizeiwagen und -motorräder nicht gezählt. Dann ein gelbes Flackern. Ein Müllwagen!?!

Danach leichtes Demonstrantengetröpfel. Um die 300, meint ein Gast; eher 400 ein anderer. Unter dem Absingen der üblichen Gesänge bewegt sich das Trüppchen recht sittsam die Straße entlang. Wir sichten eine rote Fahne und ein Anti-Weltbank-Transparent, gefolgt von weiteren 3 Polizei-Mannschaftswagen und 6 Straßenreinigungsfahrzeugen. Besonders letzteres beschäftigt die Anwesenden. Ob die Müllabfuhr jetzt auch demonstriert?

Dann Aufbruch. Schon auf dem Heimweg, mache ich kehrt, als aus dem Sprechfunk eines an mir vorbeirollenden Polizeimotorrads ein aufgeregtes “Sie gehen jetzt Richtung Oper” dringt. Ich gestehe, ich bin ein neugieriger Mensch. Und die Sache mit den Müllwagen, die würde ich auch zu gerne näher ergründen.

Ich nähere mich der Sache erstmal aus Richtung Wienzeile. Die zuführenden Straßen werden links und rechts von geparkten Streifenwagen und gelb blinkenden Straßenreinigungsfahrzeugen gesäumt. Dann eine Straßensperre, dahinter 3 Reihen von Polizisten, Schulter an Schulter in voller Montur. Etwa 20 Meter davor einer mit einem Ghettoblaster um den Hals, aus dem Reggae erklingt. Ein Rastaman tanzt dazu. Daneben hält einer ein Plakat gegen die Globalisierung hoch.

Weiter hinten ein paar schwarzgekleidete, die im Kreis laufen und dazu auf Trillerpfeifen pfeifen. Vielleicht 150, mehr sind das nicht. Dahinter eine Menge Gruppen und Grüppchen, die mehr herumstehen und schauen als demonstrieren.

Plötzlich Gebrüll hinter mir. Sind aber nur 3 Jugendliche, die mit einer Blechdose Fußball spielen. Ein Polizist geht an mir vorbei. “Ist das die Demo?” frage ich ihn. “Größtenteils” antwortet er.

Ich geh runter in die U-Bahn-Passage. Auch die ist in der Mitte mit Gittern und mehrreihigem Polizistenkordon abgesperrt. In der windgeschützten Ecke sitzen wie üblich ein paar Sandler und lassen einen Doppler kreisen. Touristen fotografieren die Absperrung samt den Beamten.

Ich drehe noch eine Runde um den Karlsplatz. Die pfeifenden Demonstranten laufen noch immer im Kreis. Was die vielen Straßenreinigungsfahrzeuge hier sollen, habe ich auch nicht erfahren.

Aber vielleicht war ja woanders noch eine andere Demo.